Wartile im Early-Access-Check: halb Brettspiel, halb Echtzeitstrategie

Special Michael Grünwald
In die Mangel genommen: Greift ihr Feinde von hinten an, erhöht sich die Angriffsstärke eures Wikingers.
Quelle: PC Games

Das ewige Duell Wikinger gegen Engländer geht mit dem Echtzeit-Strategiespiel Wartile in eine neue Runde. Gekämpft wird dieses Mal jedoch nicht auf riesigen Schlachtfeldern, sondern auf wunderschönen, virtuellen Dioramen im Tabletop-Look. Bereits in der Early-Access-Version macht Wartile einen äußerst positiven Eindruck.

Obwohl eine Kickstarter-Kampagne zu Wartile im letzten Jahr noch scheiterte, schaffte es das dänische Entwicklerstudio Playwood Project Aps dennoch, den ursprünglichen Releasetermin in Steams Early-Access-Programm einzuhalten. Im Gegensatz zu den erst kürzlich erschienenen Spielen For Honor und Vikings: Wolves of Midgard setzt Wartile nicht auf actiongeladene Wikingerschlachten oder schnelles Tastendruck-Gameplay, sondern auf strategisches Vorgehen in einer hübsch-visualisierten Brettspiel-Optik.

Bereits das Hauptmenü des Spiels erscheint im klassischen Diorama-Look und wirkt, als würde man direkt mit Freunden an einem Spieltisch sitzen und sich auf eine Runde Risiko vorbereiten. So können im Menü auch alle Miniatur-Spielfiguren individuell angepasst und aus jedem Winkel begutachtet werden. Passend hierzu steht jeder unserer Wikinger auf einem kleinen Sockel, der zum einen das Brettspiel-Gefühl verstärkt, zum anderen aber auch die Lebensenergie der Figur anzeigt. Sobald wir unsere nordischen Krieger fertig ausgerüstet haben, erzählt uns ein knapper Text, worum es geht und was unsere Ziele sind, um den Level abzuschließen. In der aktuellen Early-Access-Phase sind vier Missionen spielbar, die sich hauptsächlich um den Kampf Wikinger gegen Engländer drehen. Gelegentlich mischen sich auch mythische Wesen in das Geschehen mit ein.

Klingt einfach, ist es aber nicht...

In bestimmten Missionen greifen auch mythische Wesen in den Kampf mit ein. Quelle: PC Games In bestimmten Missionen greifen auch mythische Wesen in den Kampf mit ein. Nach einem kurzen und sehr hübschen Kamera-Schwenk über die komplette Szenerie beginnt die eigentliche Mission. Die Spielkarte ist dabei in Hexagone aufgeteilt, die die begehbaren Felder darstellen. Per Drag&Drop werden die Figuren von Sechseck zu Sechseck gezogen, bis sich ein Feind in den Weg stellt. Sobald ein Gegner in die Reichweite unseres Wikingers kommt, rasseln in Wartile die Säbel oder viel mehr die Schwerter. Klingt alles furchtbar simpel? Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall: Die feindlichen Kämpfer sind nicht nur meistens in der Überzahl, sondern agieren auch sehr clever. So versuchen Gegner, unsere Spielfiguren zu flankieren, sich bei niedriger Lebensenergie zurückzuziehen oder den Reichweiten-Vorteil eines Bogenschützen oder Speerkämpfers auszunutzen. Auch die Cooldown-Zeit bis zur nächsten möglichen Aktion einer Spielfigur und die Höhenunterschiede der Landschaften müssen im Kampf beachtet werden.

Eine gute Strategie sollte man sich bereits bei nahender Gefahr zurechtgelegt haben, um nicht schnell einen Wikinger nach dem anderen zu verlieren. Die richtige Positionierung und taktische Finesse entscheiden in Wartile häufig über Erfolg oder Misserfolg. Obwohl sich das Echtzeit-System sehr fair und überdacht anfühlt, kann es im Kampf schon einmal hektisch zugehen. Aus diesem Grund können wir das Spiel jederzeit per Tastendruck in einen äußerst hilfreichen Zeitlupen-Modus versetzen.

Ass im Ärmel

Dazu unterstützen den Spieler noch zwei verschiedene Arten von Spielkarten. Eine individuell auf die verschiedenen Wikinger-Klassen ausgelegte Karte, durch deren Benutzung die Spielfigur zum Beispiel einen starken Tritt ausführt, welcher den Gegner bewegungsunfähig macht. Und eine allgemeine Karte, die den ausgewählten Wikinger heilt oder seinen Angriff verstärkt. Letztere verbraucht jedoch eine gewisse Anzahl an Punkten, die wir uns durch das Besiegen von Feinden erspielen. Auch hier ist taktisches Vorgehen Pflicht, denn pro gefallenem Gegner erhält man einen Punkt, während das Heilen der Spielfigur beispielsweise ganze fünf Punkte verschlingt.

Vor jeder Mission gibt es per Kameraflug einen kurzen Ausblick auf die Karte. Quelle: PC Games Vor jeder Mission gibt es per Kameraflug einen kurzen Ausblick auf die Karte. Hin und wieder findet man in den wunderschönen Dioramen ebenfalls versteckte Schatzkisten, die Münzen oder neue Ausrüstungsgegenstände beinhalten. Mit den eingesammelten Münzen kaufen wir im Hauptmenü neue Einheiten. Aktuell enthält die Early-Access-Version von Wartile drei verschiedene Kriegertypen, die sich allesamt in fünf Attributen unterscheiden. Zwischen den Missionen erhöhen wir diese Attribute, um unsere Wikinger stärker und schadensresistenter zu machen.

Letzter Feinschliff

Bis zum Release der finalen Version von Wartile sollen noch zusätzliche Ausrüstungsgegenstände und Einheiten implementiert werden, wie zum Beispiel Bogenschützen. Auch weitere Missionen, neue Gegnertypen und mehr einsetzbare Spielkarten stehen auf der To-Do-Liste des Entwicklerstudios. Ein Multiplayer-Modus, der nach erfolgreichem Abschließen der Missionen freigeschaltet wird, ist in der Early-Access-Phase zwar schon spielbar, sollte jedoch nur von geduldigen Spielern getestet werden, da das Matchmaking extrem viel Zeit beansprucht. Ein Koop-Modus ist dagegen erst für die Vollversion angekündigt. Wartile ist zurzeit für 19,99 Euro auf Steam erhältlich und soll noch etwa sechs bis neun Monate in der Early-Access-Phase bleiben.

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