Warsaw: Für die Freiheit - Taktik-RPG mit Setting während des Zweiten Weltkriegs im Preview

Special Matti Sandqvist
Warsaw: Für die Freiheit - Taktik-RPG mit Setting während des Zweiten Weltkriegs im Preview
Quelle: Pixelated Milk

Taktik-Rollenspiele im Stile von Darkest Dungeon sind in Mode. Auch Pixelated Milk ist das nicht entgangen und so wollen die polnischen Entwickler bereits im September das herausfordernde Genre um einen Titel bereichern. Die Besonderheit von Warsaw ist sein Setting im Zweiten Weltkrieg. Im Spiel erleben wir den hoffnungslosen Kampf der Polen gegen die deutschen Besatzer. Wir hatten Besuch von den Entwicklern und berichten in unserer Vorschau, welche Stärken Warsaw hat und warum wir es zu den Geheimtipps des Jahres zählen.

Der Warschauer Aufstand gehört zu blutigsten Kapiteln des Zweiten Weltkrieges und ist dabei außerhalb Polens - trotz der extrem hohen Opferzahlen - heutzutage weitestgehend in Vergessenheit geraten. Im August 1944 beschloss die polnische Exilregierung eine bewaffnete Erhebung gegen die deutschen Besatzer ihrer Hauptstadt. Der Plan war, den Alliierten zu demonstrieren, dass die polnische Bevölkerung selbst in der Lage war, sich gegen die Nazis zu stellen und so ein Mitspracherecht bei den Kapitulationsverhandlungen nach dem Krieg zu bekommen. Materiell stark gegen die Besatzungstruppen unterlegen, mussten die Widerständler jedoch nach 63 Tagen andauernder Kämpfe angesichts der aussichtslosen Lage kapitulieren. Noch während des Aufstandes kam es zu Massenmorden an Zivilisten durch SS-Männer und ebenso wurde die geschichtsträchtige Millionenmetropole dem Erdboden gleichgemacht. Heute geht man von Opferzahlen von bis zu 300.000 Menschen aus, die innerhalb von knapp zwei Monaten zustande kamen. Die Geschichte hätte auch einen anderen Verlauf nehmen können, wenn denn die Rote Armee, die nur wenige Kilometer vor Warschau bis an die Weichsel vorgedrungen war, eingegriffen hätte. Doch Stalin entschied sich dagegen und so mussten die Sowjetsoldaten tatenlos dem Massaker aus sicherer Entfernung zuschauen.

Warsaw in der Vorschau: Keine Geschichtsstunde

Diesen mutigen, aber ebenso fatalen Aufstand möchte der polnische Entwickler Pixelated Milk auf die heimischen Bildschirme bringen - und das bereits am 4. September. Dabei setzt das Studio aber keinerlei Vorkenntnisse über das blutige Kapitel voraus und ebenso möchte man keine oberlehrerhafte Geschichtslektion erteilen. Viel mehr ist das Ziel der Entwickler, ein gutes Spiel in der Art von This War of Mine, Darkest Dungeon und Valiant Hearts zu machen. Falls Spieler sich durch Warsaw dann für den Aufstand interessieren sollten, umso schöner - aber eben nicht Sinn und Zweck des Titels.
In den rundenbasierten Kämpfen setzen wir die Fähigkeiten unserer Helden ein. Die Skills sind dabei abhängig von der Waffe, die wir verwenden. Quelle: Pixelated Milk In den rundenbasierten Kämpfen setzen wir die Fähigkeiten unserer Helden ein. Die Skills sind dabei abhängig von der Waffe, die wir verwenden. Im Grunde genommen handelt es sich bei Warsaw um ein Rollenspiel mit taktischen, rundenbasierten Kämpfen. Im Laufe des Spiels stehen uns bis zu zwölf Charaktere zur Verfügung, mit denen wir Missionen auf einer historisch akkuraten Karte von Warschau erledigen. Dabei können wir zwar die Handlung durch unsere Entscheidungen ändern, den geschichtlichen Verlauf jedoch nicht. Das heißt, dass wir so oder so nach 63 Tagen als Verlierer dastehen werden. Welche Charaktere aber überleben und welche Menschen wir aus dem Desaster retten, da haben wir ein Wörtchen mitzureden. Ein wenig wie in This War of Mine gilt es stets, zwischen Pest oder Cholera zu wählen. Wollen wir auf Kosten von wertvoller Munition und vielleicht das Leben unserer Helden mehrere deutsche Patrouillen ausschalten und so die Fertigkeiten unserer Charaktere verbessern? Wir können das auch unterlassen, aber müssen damit rechnen, dass die Nazis mit der Zeit noch fähigere Schergen in die Kämpfe schicken, die unsere unerfahrenen Helden im Nu auseinandernehmen oder im schlimmsten Fall unser kleines Hauptquartier erstürmen.

Warsaw in der Vorschau: Harte Kämpfe

Die rundenbasierten Kämpfe selbst sind zwar nicht revolutionär neu, scheinen aber genügend Taktikoptionen zu bieten, sodass auch nach vielen Spielstunden noch für Abwechslung gesorgt ist. Wir ziehen mit bis zu vier Charakteren in die Auseinandersetzungen und setzen dabei die Fähigkeiten unserer Helden ein. Die Widerstandskämpfer können zum Beispiel eine Maschinengewehrsalve abfeuern, gezielte Schüsse abgeben oder auch automatisch zurückfeuern, falls jemand von der Gruppe getroffen wird. Es gibt außerdem noch Charaktere, die sich als Sanitäter verdingen, Truppenanführer, die unseren Helden Boni geben und auch Pioniere, die Barrikaden errichten. Durch eine Ausdauermechanik wird aber verhindert, dass wir einen Charakter oder einen bestimmten Skill zu häufig hintereinander verwenden. Ein wichtiger Faktor in den Kämpfen ist zudem auch unsere Munition, an der es stets mangelt. Obendrein müssen wir die Lebensenergie unserer Charaktere im Auge behalten. Warsaw setzt nämlich auf Perma-Death und ebenso wenig werden die Helden nach einem erfolgreichen Kampf automatisch geheilt. Wenn wir zu viele Treffer einstecken, ist unsere Truppe womöglich für längere Zeit nicht diensttauglich - Darkest Dungeon lässt grüßen.
Im Hauptquartier können wir neue Charaktere anheuern, frische Fähigkeiten sowie Waffen freischalten und das nächste Missionsgebiet auswählen. Quelle: Pixelated Milk Im Hauptquartier können wir neue Charaktere anheuern, frische Fähigkeiten sowie Waffen freischalten und das nächste Missionsgebiet auswählen.

Warsaw in der Vorschau: Historisch akkurat

Nach einer erfolgreichen Mission kehren wir dann in unser kleines Hauptquartier zurück. Dort können wir unsere Helden aufleveln und mit neuen Waffen ausrüsten. An unterschiedlichen Schießeisen mangelt es auch nicht. Die Entwickler wollen alle historisch authentischen Gewehre und Pistolen in das Spiel einbauen, die während des Aufstandes zum Einsatz kamen. So finden wir nicht nur die allseits bekannte MP-40 im Arsenal, sondern zum Beispiel auch die von der Widerstandsbewegung selbsthergestellte Błyskawica-Maschinenpistole. Die Waffen bestimmen auch, welche Fähigkeiten wir in den Kämpfen anwenden können. Mit einem Maschinengewehr lässt sich etwa der Niedermähen-Skill aktivieren, mit einer Bazooka hingegen feindliche Barrikaden durchbrechen. Im Hauptquartier entscheiden wir zudem, im welchen Stadtviertel wir die nächste Mission absolvieren. Auf einer Übersichtskarte erfahren wir, wie es um das Viertel steht und welche Belohnungen wir bekommen, falls wir den Auftrag erfolgreich abschließen. Wie bereits erwähnt, geht es in Warsaw nicht ums Gewinnen, sondern am Ende um das nackte Überleben. Entsprechend deprimierend sind die Meldungen, die wir von den Stadtteilen und ihren Verlusten erhalten.


Insgesamt hat Warsaw bei uns einen richtig ordentlichen Eindruck hinterlassen. Das Kampfsystem (wie auch das gesamte Spiel) dürfte zwar recht herausfordernd ausfallen, aber dank vieler Taktikoption am Ende auch fair sein. Dass die Entwickler sich für ein geschichtlich so interessantes und unverbrauchtes Setting entschieden haben, ist ebenfalls ein Pluspunkt. Zudem gefällt uns der Artstyle des Spiels ungemein gut. Die Optik erinnert stark an die Hellboy-Comics, die auch für das Aussehen von Darkest Dungeon als Vorlage dienten. Schön ist vor allem, dass alle spielbaren Charaktere ein ganz eigenes Aussehen haben und so einen großen Wiedererkennungswert haben. Wir sind nach dem Anspiel-Termin auf jeden Fall guter Dinge, dass Warsaw auch einen Geschichtslaien begeistern kann.

Meinung

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