Dark Heresy wird noch düsterer

Kolumne Tanja Barth
Dark Heresy wird noch düsterer
Quelle: Owlcat Games

Warhammer 40k ist längst mehr als ein Nerd-Thema mit Miniaturen und dicken Regelbüchern. Doch während viele Spiele vor allem Bolter, Banner und epische Schlachten zeigen, blickt Owlcat hinter die Fassade des Imperiums.

Wie bereits erwähnt: Rogue Trader hatte laut Shestov noch etwas Großspuriges. Ein eigenes Schiff, eine eigene Crew, Macht, Einfluss und diese Freihändler-Fantasie, mit der man sich durch die Sterne bewegt. Dark Heresy soll sich dagegen anders anfühlen. Weniger Kapitänsromantik, weniger Pracht, weniger Selbstinszenierung. Dafür mehr Chaos, mehr Misstrauen und Entscheidungen, bei denen einem nicht sofort klar ist, ob man gerade das Richtige tut.

Das passt perfekt zur Inquisition. Ein Spiel über ihre Arbeit muss sich anders anfühlen als eine klassische Space-Marine-Kampagne. Es geht nicht nur darum, den Feind zu sehen und zu vernichten. Es geht darum, überhaupt erst herauszufinden, wer der Feind ist. Und ob der wahre Verrat vielleicht längst im eigenen Team sitzt.

In Dark Heresy ist eure Gruppe kein Freundeskreis

Auch die Begleiter sollen diese Stimmung in Dark Heresy widerspiegeln. In Rogue Trader waren viele Gefährten Teil der Crew, des Schiffes und sogar des inneren Kreises. In Dark Heresy starten die Beziehungen deutlich kühler.

"Ihr seid einfach Kollegen aus verschiedenen Abteilungen, mehr nicht."

Das klingt zwar trocken, passt aber genau zur Inquisition. Eine Inquisitionszelle ist keine klassische Heldengruppe, die am Lagerfeuer Freundschaft schließt. Sie ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug kann sie brechen, ersetzt oder irgendwann gegen andere gerichtet werden.

In Dark Heresy müsst ihr immer wieder entscheiden, was schwerer wiegt: die Menschen an eurer Seite oder der Auftrag der Inquisition. Genau darin steckt dieses grausame Dilemma, von dem Heinrix in Rogue Trader immer wieder spricht. Quelle: Owlcat Games In Dark Heresy müsst ihr immer wieder entscheiden, was schwerer wiegt: die Menschen an eurer Seite oder der Auftrag der Inquisition. Genau darin steckt dieses grausame Dilemma, von dem Heinrix in Rogue Trader immer wieder spricht. Shestov macht allerdings klar: Spieler können daraus trotzdem ein echtes Team formen. Sie müssen es aber nicht. Begleiter lassen sich auf Distanz halten, entlassen, verraten oder sogar töten. Am Ende steht immer dieselbe unangenehme Frage im Raum: Was ist wichtiger? Die Person vor euch oder der Auftrag der Inquisition?

Shestov bringt dieses Dilemma so auf den Punkt:

"Du musst entscheiden, was wichtiger ist: die Dinge, die deinem Freund wichtig sind, oder die Dinge, die für den Goldenen Thron wichtig sind."

Mehr Warhammer geht kaum.

Owlcat konfrontiert uns mit allerlei fremdartigen Wesen, die nicht nur als Gegner auftauchen, sondern eine Rolle in unserer ganz eigenen Geschichte spielen dürfen. Quelle: Owlcat Games Owlcat konfrontiert uns mit allerlei fremdartigen Wesen, die nicht nur als Gegner auftauchen, sondern eine Rolle in unserer ganz eigenen Geschichte spielen dürfen.

Warum Yrliet nicht einfach nach RPG-Regeln funktioniert

Dass Owlcat Warhammer versteht, merkt man nicht nur an der Darstellung des Imperiums. Wir wollten auch wissen, wie das Studio mit Xenos-Gefährten umgeht. Gerade hier zeigt Rogue Trader, dass fremde Spezies nicht einfach nur als exotische Gegner oder hübsche Monsterkulisse funktionieren müssen.

Viele Warhammer-Fans suchen sich ihre Lieblingsfraktion erst einmal über die Optik aus. Das Design, die Miniaturen und der Spielstil stehen oft im Vordergrund. Mit der Hintergrundgeschichte beschäftigen sich viele erst später oder nur am Rand. Das liegt auch daran, dass viele Geschichten im 40k-Universum aus menschlicher Sicht erzählt werden. Einen Xenos wirklich fremd, aber trotzdem glaubwürdig zu schreiben, ist schwer.

Owlcat hat sich genau dieser Herausforderung gestellt. Besonders die Aeldari-Scharfschützin Yrliet war laut Shestov nicht leicht umzusetzen. Viele Spieler loben ihre Geschichte und vor allem ihre Romanze. Gerade weil sie nicht klassisch romantisch ist und nicht einfach die üblichen Erwartungen erfüllt.

"Eine asexuelle Romanze ist schwer zu entwerfen und schwer zu erkunden, besonders in Kombination mit einem Xenos."

Dazu kommt: Yrliet betrachtet Menschen aus einer vollkommen anderen Perspektive. Nähe, Vertrauen und Respekt funktionieren bei ihr nicht nach den bekannten Rollenspielregeln. Wer einfach nur die üblichen Romanzenknöpfe drückt, kommt bei ihr nicht weit.

Auch das fühlt sich sehr nach Warhammer an. Xenos sind eben nicht einfach Menschen mit spitzen Ohren, grüner Haut oder fremdartiger Rüstung. Owlcat achtet darauf, dass sie wirklich anders wirken. Und manchmal bedeutet gutes Schreiben genau das: Eine Figur reagiert nicht so, wie Spieler es erwarten oder gerne hätten.

Owlcat versteht Warhammer besser als alle anderen

Am Ende zeigt sich genau hier, warum Owlcats Warhammer-Spiele so gut funktionieren. Sie müssen nicht die lautesten sein und auch nicht die größten Schlachten zeigen. Ihre Stärke liegt woanders: Sie nehmen das Imperium ernst. Nicht als coole Kulisse voller Kathedralen, Banner und Bolterfeuer, sondern als kaputtes System, in dem Grausamkeit Alltag ist und jede Entscheidung Spuren hinterlässt.

Rogue Trader hat bewiesen, dass Warhammer auch als großes, schwieriges, unbequemes Rollenspiel funktioniert. Dark Heresy könnte diesen Ansatz noch weiter treiben, weil die Inquisition wie geschaffen dafür ist. Sie zwingt Spieler, nicht nur gegen Monster zu kämpfen, sondern selbst brutale Entscheidungen zu treffen.

Oder anders gesagt: Space Marine zeigt euch, wie es ist, im Namen des Imperators zu kämpfen. Owlcat zeigt euch, was es kostet, in den Ruinen seines Imperiums zu leben. Und genau deshalb machen Rogue Trader und Dark Heresy vielleicht die authentischsten Warhammer-Rollenspiele überhaupt.

Seht ihr das ähnlich oder hat ein anderes Warhammer-Spiel das Imperium für euch noch besser getroffen? Ist Owlcat mit Rogue Trader und Dark Heresy für euch auch so nah dran am echten 40k-Gefühl oder hat ein anderes Spiel die Nase vorn? Schreibt's mir gerne in die Kommentare. Mehr zum Thema findet ihr außerdem auf unserer großen Übersichtsseite.

  1. Seite 1 Warum Owlcat gerade die besten Warhammer-40k-RPGs macht
  2. Seite 2 Im Imperium wird selbst Güte zum Problem
  3. Seite 3 Dark Heresy wird noch düsterer
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