Am Sonntag fand er wieder statt, der Wrestling-Superbowl: In Atlanta trafen sich im Georgia Dome die Superstars der WWE zur Großveranstaltung Wrestlemania 27. Wrestling-Redaktionsnerd Simon hat sich von 1:00 Uhr bis 5:00 Uhr morgens den Internet-Livestream auf Sky angeschaut. Hier sein Showbericht von der aufwändig produzierten Entertainment-Veranstaltung.
Im ersten offiziellen Match des Abends geht es ebenfalls um einen Titel. Der neureiche mexikanische Schnösel und Royal Rumble-Gewinner Alberto del Rio fordert WWE-Haudegen Edge heraus, der World Heavyweight Championship-Gürtel steht auf dem Spiel. Unterstützung erhält der posende Mexikaner durch Brodus Clay, ein Monster von einem Mann. Edge hat auf seiner Seite dagegen seinen alten Partner Christian, der aufpassen soll, dass Clay keine Fisimatenten versucht. Überraschungen bleiben in diesem soliden ersten Match allerdings aus, Christian hält Brodus unter Kontrolle, und Edge kann sich souverän behaupten und demoliert am Ende noch del Rios teures Auto, mit dem dieser zum Ring gefahren ist. Del Rio bleibt als ein Häufchen Elend zurück – die WWE wird sich anstrengen müssen, den Mexikaner in den kommenden Wochen wieder als echte Bedrohung aufzubauen. Kein wirkliches Wrestlemania-Kaliber, aber ein unterhaltsamer Opener, der Lust auf mehr macht.
Im zweiten Match der Card treten Cody Rhodes und Rey Mysterio gegeneinander an. Cody Rhodes hat ein witziges Gimmick (Wrestling-Slang für die Persönlichkeit des dargestellten Charakters) am Start: Rey Myterio hatte dem Schönling in einem Match ein paar Wochen zuvor kayfabe (Wrestling-Slang für eine gespielte Situation, die als echt verkauft wird) die Nase gebrochen. Seitdem läuft der Narziss mit einer durchsichtigen Maske durch die Gegend und möchte von niemanden mehr angesehen werden – was doppelt witzig ist, da sein Gesicht eigentlich völlig unverletzt ist. Rhodes spielt seine Rolle überzeugend, und dennoch enttäuscht das Match der beiden eigentlich extrem schnellen Techniker. Fast hat man den Eindruck, es wurde ihnen vorher aufgetragen, es mit der Athletik nicht zu übertreiben, um die anderen Akteure nicht schlecht aussehen zu lassen. Der Gewinner heißt Cody Rhodes, nachdem er den ansausenden Rey Myterio mit einer vorher gelösten Knieschiene eins übergebraten hatte, während der Ringrichter gerade nicht hingesehen hat. Insgesamt kein schlechtes Match, aber beide können es eigentlich besser. Auch dieser Kampf wirkte eher wie ein typischer Fight in den beiden Wochenshows der WWE, RAW und SmackDown.
Das folgende 8-Mann-Tag-Team-Match dauert insgesamt fast kürzer als der Einzug seiner Akteure. Die beiden 2-Meter-Männer Big Show und Kane tun sich mit Kofi Kingston und dem witzigen Italiener Santino Marella (der im wahren Leben Kanadier ist) zusammen und kämpfen gegen die Corre-Fraktion bestehend aus Wade Barrett, Ezekiel Jackson, Justin Gabriel und Heath Slater. Wenige Augenblicke nach dem Gong bricht Chaos im Ring aus, alle verteilen ihre Finisher. Heat Slater muss den Cobra von Santino Marella einstecken und wird vom Riesen Big Show anschließend ausgeknockt. 1-2-3 und Feierabend. Unterhaltsames Ende, aber ein Kampf, den man ganz schnell wieder vergessen wird.
Das vierte Match des Abends wird von Randy Orton und CM Punk bestritten. Punk gehört zu den besten Interviews (Wrestler, die am Mikrofon überzeugen können) in der WWE. Sein Gimmick basiert auf seinem echten Leben: Punk lebt straight edge, verzichtet also auf jegliche Drogen und Alkohol. Allerdings hat er in der WWE die Angewohnheit, sich als Erlöser zu sehen und das gemeine, in seinen Augen abhängige und daher unwürdige Volk zu verachten. Randy Orton soll dem selbsternannten Messias nun die Schnute polieren. Auch in diesem Kampf will der Funke nicht so recht überspringen, obwohl beide Männer sich alle Mühe geben. Eine kayfabe Knieverletzung von Orton hindert den an seinem gefürchteten Punt-Kick-Finisher, bei dem er dem am Boden liegenden Gegner mit voller Wucht gegen den Kopf tritt. Am Ende kann er das Match doch für sich entscheiden, als CM Punk vom obersten Seil auf ihn zugeflogen kommt, Orton ihn in der Luft abfängt und seinen Kopf auf die Matte haut – und damit eine spektakuläre Version seines anderen Finishers zeigt, den RKO. Ein tolles Ende, das für den ansonsten mittelmäßigen Kampf entschädigt.
