Void Terrarium im Test: Rogue-like trifft auf Tamagotchi
Test
Etwas verspätet kommt der Rogue-like-Dungeon-Crawler Void Terrarium jetzt auch auf den westlichen Markt. Wir klären für euch im Test, ob der Titel genauso gut ankommt wie in Japan und wieso das Spiel mit dem kuriosen Namen stark an ein Massenphänomen aus den Neunzigern erinnert.
Zum Glück trägt das Spiel aus dem Hause Nippon Ichi Software den Zusatztitel Void Terrarium, andernfalls könnte man beim Originaltitel void tRrLM(); meinen, es handle sich dabei nicht um ein Videospiel, sondern um den Speicherort des Bundestrojaners. Seit dem 23. Januar ist Void Terrarium bereits in Japan erhältlich und wurde von der Fachpresse größtenteils positiv bewertet. Für den Titel zuständig war Masayuki Furuya, der bei Nippon Ichi Software bereits als Director und Charakterdesigner für Spiele wie A Rose in the Twilight und dem ebenfalls mit einem komplizierten Titel versehenen htoL#NiQ: The Firefly Diary zuständig war.
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Markenzeichen der Spiele sind das besondere Charakterdesign im japanischen Chibi-Stil (große Köpfe auf kleinen Körpern) und die schön erzählten Geschichten. Waren die älteren Titel noch puzzleähnliche Platformer, geht Void Terrarium als Rogue-like mit Rollenspielelementen in eine andere Richtung.
So versucht Furuya mit dem Titel durch seinen Stil und die Vermischung von eher ungewöhnlichen Gameplayelementen eine einzigartige Spielerfahrung zu gestalten. Ob das aber aufgeht und Void Terrarium (jetzt kaufen 42,77 € ) genauso gut ankommt wie im fernen Osten, möchten wir in diesem Test für euch klären.
Back to the 90s
Quelle: PC Games
Die Anzeige zu Torikos Zustand ist schön visualisiert und erinnert mit ihrem Pixel-Look stark an die früheren Tamagotchis.
Wer das Privileg hat, in den Neunzigern aufgewachsen zu sein, erinnert sich unschwer an den Hype, den die Taschenuhr-anmutenden Geräte aus Japan, die Tamagotchis, ausgelöst hatten. In der für damalige Verhältnisse äußerst fortschrittlichen Gerätschaft konnte man sein eigenes Tierchen großziehen und pflegen. Dabei musste es regelmäßig gefüttert werden, da es ansonsten sehr unrühmlich das Zeitliche segnete. Schlimm war das aber nicht, außer man hatte eine zu enge Bindung zum verstorbenen Tamagotchi aufgebaut, weil man jederzeit einen neuen Kumpan erhalten konnte (heutzutage würde man wahrscheinlich über Microtransactions zur Kasse gebeten). Bei Nippon Ichi Software kam man auf die Idee, das Tamagotchi-Prinzip, welches auf den Schulhöfen der Neunziger ein absoluter Renner war, in ein Videospiel einzubauen.
Inwiefern ist dieses Konzept, das sich vom japanischen Wort für Ei und dem Englischen für Uhr ableitet, aber in Void Terrarium umgesetzt worden? Die Prämisse ist simpel: Als aussortierter Aushilfsroboter stolpert ihr in einer postapokalyptischen, menschenleeren Welt über ein Mädchen, das eine tödliche Pilzinfektion (Last of Us lässt grüßen) überlebt und in einem Terrarium Schutz gesucht hat. Gemeinsam mit einer künstlichen Intelligenz kümmert ihr euch fortan um die kleine Toriko. So müsst ihr sie mit Nahrung versorgen, das Terrarium putzen und im Falle einer Krankheit auch Medizin finden - ganz im Sinne der Inspirationsquelle also.
Wer suchet, der findet
Gesammelt werden können die Ressourcen in bekannter Rogue-like Manier in verschiedenen Dungeons. Die künstliche Intelligenz mit dem Namen Factory AI steht euch dabei auch immer beratend zur Seite: Fällt es euch schwer, einen bestimmten Gegenstand zu finden, gibt es von ihr meist eine passende Beschreibung, auf welcher Ebene eines bestimmten Gebiets diese zu finden sind. Allgemein werden die teilweise komplexen Systeme von Void Terrarium über Tutorials gut erklärt.
Quelle: PC Games
Sobald die Energieleiste (rechts oben) auf null geht und ihr keine Batterien zur Hand habt, könnt ihr die Expedition von vorne starten.
Bei euren Erkundungstouren müsst ihr daher auf viele verschiedene Indikatoren achten. Neben eurer normalen HP-Anzeige, die nicht nur exklusiv von Gegnern, sondern auch von unzähligen Fallen bedroht wird, spielt auch zum Beispiel euer Energiewert eine wichtige Rolle. Jede Aktion in den Dungeons kostet euch Punkte auf der Energieleiste. Sollte diese auf null gehen, seid ihr Grunde genommen geliefert. Daher ist es bei längeren Ausflügen in die verwinkelten Tunnelsysteme äußerst wichtig, nach Batterien zu suchen. Mit ihnen lässt sich die lebenswichtige Energie wieder auffüllen.
Die Kämpfe in Void Terrarium sind nicht wirklich actionorientiert, vielmehr laufen sie in einer Art Rundensystem ab. Alle Bewegungen, die ihr ausführt, werden als einzelner Zug registriert. Die Gegnerhorden, die meist aus Killerrobotern und mutierten Tieren bestehen, antworten auf all eure Züge mit eigenen Aktionen. In den Kampfsituationen laufen die Angriffe daher immer abwechselnd ab. Meistens enden die Kämpfe aber in irren Verfolgungsjagden, da ihr schnell übermannt werdet und die Suche nach der nächsten Warpstelle der einzige Ausweg bleibt. Weil es sich hier auch um ein Rogue-like handelt, startet ihr eure Expeditionen immer wieder auf Level 1. Rangaufstiege lassen euch in guter Rollenspielmanier aus zufälligen Upgrades und Status-Verbesserungen auswählen. Falls ihr Glück habt, findet ihr auch einige Waffen und Modifikationen, die ein schnelleres Ableben der rasenden Killerroboter garantieren. Erreicht ihr die letzte Ebene eines Dungeons oder werdet vorzeitig zu Schrott verarbeitet, wird euer Levelfortschritt zurückgesetzt und all eure gesammelten Gegenstände werden zu Crafting-Materialien zerhäckselt.
Von Äpfeln und Birnen
Das Vermischen dieser beiden Spielkonzepte funktioniert in der Praxis überraschend gut. Das Sammeln von Ressourcen und Nahrung in den Dungeons ist auf Dauer sehr belohnend: Ihr könnt nämlich nicht nur Toriko füttern, sondern auch das Terrarium mit einer ganzen Reihe an Upgrades versehen. Dabei sind die Einrichtungsgegenstände nicht nur optischer Natur. Über sie könnt ihr euch gewisse Boni auf eure Statuswerte sichern, die den Start der Expeditionen erleichtern können.
Gut visualisiert ist auch die Tamagotchi-artige Anzeige, die euch über den Status von Toriko informiert. Über das Touchpad könnt ihr alle wichtigen Informationen jederzeit abrufen. Wer auch damals die Hypewelle der Tamagotchis geritten ist, wird beim Anblick der Anzeige direkt nostalgisch werden. Hier haben sich die Entwickler mit dem Pixel-Look sehr an der Vorlag orientiert. Fans der virtuellen Tierchen dürfte das sehr freuen.
Quelle: PC Games
Die Kämpfe verlaufen sehr statisch. Die meiste Zeit steht ihr auf der selben Stelle und drückt die X-Taste.
Weniger gut hingegen funktioniert das Kampfsystem. Die Steuerung des kleinen Roboters fühlt sich sperrig an und durch das langsame Rundenprinzip wird Void Terrarium auch das notwendige Tempo genommen. Die Kämpfe bestehen dabei nur aus dem Drücken des X-Knopfes. Zusammen mit dem repetitiven Gegnerdesign und den visuell kaum unterschiedlichen Dungeons kommt hier schnell Langeweile auf. Allzu oft passiert es auch, dass man von Gegnern überrannt wird und die Expeditionen immer wieder von vorne beginnen muss. Das kann definitiv für Frustmomente sorgen.
Auch grafisch weist der Titel einige Mängel auf. Obwohl die 2D-Abschnitte in und um das Terrarium allein schon durch das einzigartige Charakterdesign schick aussehen, lassen die Dungeons optisch sehr zu wünschen übrig. Warum man zum Beispiel nicht mit den schon vorhandenen 2D-Assets ein schönes Side-Scrolling-Adventure aus Void Terrarium gemacht hat, erschließt sich einem nicht. Stattdessen setzt man auf ein eher unschönes und kompliziertes Dungeoncrawling-Konzept aus der Top-down-Ansicht. Hier wurde leider viel Potential verschenkt.
