Vengeful Guardian Moonrider im Test: Big in Japan oder ein totaler Samurainfall?

Test Harald Fränkel Lukas Schmid
Vengeful Guardian Moonrider im Test: Big in Japan oder ein totaler Samurainfall?
Quelle: The Arcade Crew

Der retroeske 2D-Plattformer Vengeful Guardian Moonrider zeigt, wie ein auf 90er-Jahre-Antike getrimmtes Spiel aussehen kann. Doch wie oldschool darf sich moderne Pixel-Art anfühlen, ohne altbacken zu wirken?

Gäbe es Vengeful Guardian: Moonrider im Baumarkt, dann auf alle Fälle bei ShinOBI (Keine Sorge, dem Verfasser dieses Artikels wurde für diesen Einstiegssatz aus der Wortspielhölle das Honorar gekürzt/Anm. d. Red.). Die Entwickler von Joy Masher haben sich in puncto Spielmechanik ferner bei Strider, Ninja Gaiden und Mega Man bedient. Ihr neues Baby plärrt gewissermaßen so lange "Sega Meeeega Driiive!", bis das Jugendamt kommt. Auch technisch schüttet der Programmcode hektoliterweise Retro-Konzentrat aus. Nehmen wir die spartanische Farbpalette: Die fühlt sich so oldschool an, als lese man ein vor 1988 erschienenes Lustiges Taschenbuch. Damals, das sei mitlesendem Jungvolk im Rahmen unseres Bildungsauftrags erklärt, warf Homo Sapiens nach jedem zweiten Mal Umblättern Konfetti, weil die Hälfte des Comics aus Kostengründen nur schwarz-weiß gedruckt war. Bunt und rund zu geht's beim vorliegenden Ludus modernus antiquorum vor allem während der nervenzerfetzenden Bosskämpfe.

Rachsüchtiger Wächter: Mondreiter - so hätte das Spiel geheißen, als Green Lantern und Wonder Woman im nostalgischen good old Germany noch mit "Die Grüne Laterne" und "Wundergirl" fachmännisch eingedeutscht wurden - gibt also 16-Bit-Flair voll auf die Zwölf.

Da ist es sicher kein Zufall, dass der durch acht Levels springende, schwingende, schlagende und schießende Held aussieht, als habe ein Samurai mit einer SNES-Konsole und Robocop geknattert.

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Lästermäuler mögen überdies behaupten, dass in jedem Ein-Sterne-Clubhotel in Kirgisistan mehr Animation stattfindet. Das alles mag man oder nicht - die herbe Polarisierung lässt wenig Spielraum. Dem einen mundet die Retro-Hommage wie eine Leckmuschel (siehe Steam-Bewertungen). Die anderen entwickeln die Emotionen eines in den 90er-Jahren prominenten Moorhuhns, das sich gerne selbst erschießen würde. Nostalphobiegefahr in 3,2,1 ...

Vengeful Guardian Moonrider im Test: Big in Japan oder ein totaler Samurai-Anfall? (8) Quelle: PC Games Vengeful Guardian Moonrider im Test: Big in Japan oder ein totaler Samurai-Anfall? (8)

Als besonders frustrierend erweisen sich diverse Trial-and-Error-Sprünge in den Tod (Altdeutsch: Versuch und Irrtum), die bisweilen pixelmatschbedingten unübersichtlichen Kämpfe und die Speicherfunktion aus dem Mesozoikum.

Versierte Spieler, die sich zum Beispiel mit einem Lenkrad und hinterm Rücken gefesselten Händen durch Elden Ring metzgern, maulen hingegen wegen der dürren Nettospielzeit von rund zwei Stunden. Irgendwas ist ja immer.

Für Motivation sorgen einige coole Zwischen- und Obermotze, das Aufspüren neuer Waffen und Upgrades, die Synthwave-Mucke, das Benotungssystem für den Spieler und das Prinzip der offenen Levels: Wer den ersten Abschnitt bewältigt hat, darf nämlich jederzeit zwischen den Stages hin- und herwechseln, falls er irgendwo nicht weiterkommt.

Summa summarum kommen wir zu einem semifreundlichen Testergebnis: Wer seinem PC ein Actiongame gönnen möchte, das mit mehr Wumms (und obendrein viel Humor) um die Pixelecke kommt, kauft Broforce.

Bildergalerie

Eine ästhetischere cyberpunkige Bildgewalt in doppelter Hinsicht brennt Huntdown in die Netzhaut. Wie ein modernes Retrolike grafisch aussehen kann, zeigt auch Bloodstained: Ritual of the Night.

Meinung

Wertung zu Vengeful Guardian: Moonrider (PC)

Wertung:

5.0 /10

Die drei genannten Titel kennt ihr bereits? Dann wählt Blazing Chrome, das wie Vengeful Guardian aus dem Hause Joy Masher kommt, aber deutlich besser gelungen ist. Schließen wollen wir diesen Artikel stilecht mit einer Floskel aus der 90er-Jahre-Spielejournalismushölle: Vengeful Guardians eignet sich für hartkernige Genre-Fans - alle anderen spielen Probe. Zur kostenlosen Steam-Demo geht's hier, außerdem gibt es das SPiel auch noch für PS5, PS4 und die Nintendo Switch.

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