Test des morbiden Rollenspiels - Eltern können schon einen gewissen Erfolgsdruck aufbauen. Besonders wenn man die Tochter des Tods ist.
Der Venetica-Test zeigt: Logik ist manchmal trügerisch! Wenn der eigene Vater eine Stimme besitzt, die sich anhört, als würden mit jedem Wort marmorne Grabsteine dumpf zu Boden fallen, bedeutet dies nicht unbedingt, dass er Opernsänger oder Marktschreier ist. Hat der alte Herr nämlich obendrein noch Fachkenntnisse im Umgang mit einer Sense, wird langsam klar, dass der Familienstammbaum irgendwo einen abgestorbenen Ast besitzt. Diese Feststellung muss Scarlett machen – Tochter des Gevatters Tod.
Venetica: Alles Sense
Venetica handelt von ebenjener jungen Dame, die erst ihren zukünftigen Gemahl auf tragische Art verliert und anschließend erfährt, dass sie im Auftrag des Todes dem fiesen Nekromanten Victor zeigen soll, wo der Sargnagel zu stecken hat. Der will nämlich den Sensenmann um die Ecke bringen und selbst Chef-Scharfrichter spielen – Kult-Autor Terry Pratchett lässt grüßen.
Abseits der gut erzählten Story präsentiert sich der neue Deck-13-Titel aber bodenständig: Im Alleingang erledigt ihr zunächst Aufträge für den Pöbel und macht euch mit der simplen Kampfsteuerung vertraut, bevor ihr in der namensgebenden Stadt Venedig für die drei Gilden „Netz der Maske”, „Schattenflügel” und „Orden des heiligen Siegels” etliche Handlanger-Aufgaben erledigt. Das erwirtschaftete Bare investiert ihr anschließend in bessere Rüstungen, effektivere Waffen oder – ihr fasst euch jetzt sicher überrascht an die Stirn – in den Ausbau eurer Fähigkeiten. Scarlett kann zum Beispiel zwischen der Toten- und Normalwelt wandeln und auf diese Weise Geheimgänge entdecken und Gegner umgehen. Nett, aber nichts Außergewöhnliches. Da finden wir die Möglichkeit, nach einem Ableben in Geisterform umherzuwandeln und den Wiedereinstiegspunkt selbst zu bestimmen, schon interessanter.
Venetica: Häßlicher Oger?
Aufseiten der Technik ist der Titel ein zweischneidiges Schwert: Zwar merkt man spätestens in Venedig, dass Deck 13 viel Zeit und Mühe in die liebevolle Levelgestaltung investiert hat. Jedoch wirkt die comichafte OGRE-Engine, die schon bei den entwicklereigenen Spielen Ankh und Jack Kean Verwendung fand, einfach nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem ruckelt Venetica unverständlicherweise auf dem PC munter vor sich hin, gerade bei den etwas aufwendigeren Lichteffekten. Dafür kann die Synchronisation durchaus punkten. Denn bis auf einige unwichtige Nebencharaktere sind alle Figuren stimmig vertont.
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