Valiant Hearts im Test: Auch die Switch-Portierung ist ein gelungenes Geschichtserlebnis

Test Marc Brehme
Zu Beginn des Spiels wird Emile zur Armee eingezogen und muss als Fahnenträger der französischen Armee in die Schlachten ziehen. (PC)
Quelle: PC Games

Millionen Menschen lebten, kämpften und starben im ersten Weltkrieg, der zwischen 1914 und 1918 in Europa tobte. Mit dem Adventure Valiant Hearts: The Great War wendet sich Ubisoft diesem schwierigen Thema zu. Vier Jahre nach der Erstveröffentlichung ist nun auch die Switch-Version erschienen. In unserem Test-Update erfahrt ihr, ob sie gelungen ist.

Aktuelle Änderungen hervorheben

Das 2D-Action-Adventure Valiant Hearts: The Great War (jetzt kaufen 8,17 € / 13,95 € ) kommt grafisch im Cartoon-Kleid daher und wirkt wie ein interaktiver Comic. Ein Spiel, dem man auf den ersten Blick nicht abnimmt, ein Antikriegsspiel zu sein. Valiant Hearts ist die Geschichte von mehreren Fremden, die einem jungen deutschen Soldaten helfen, seine Liebe zu finden - wenn sie es denn irgendwie schaffen, den gerade wütenden 1. Weltkrieg zu überleben. Neben einem Franzosen, Amerikaner und einem Deutschen lenkt ihr auch die Geschicke einer belgischen Krankenschwester.

Die Geschichte beginnt im Sommer 1914. Als Folge des Attentats auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo entbrennt der Erste Weltkrieg. Karl, ein in Frankreich lebender Deutscher, muss das Land und damit auch seine junge Familie verlassen und wird gezwungen, gegen seine neue Heimat in den Krieg zu ziehen. Wenig später wird auch sein Schwiegervater Emile zum Kriegsdienst eingezogen. Ihr erlebt das Spiel abwechselnd aus der Sicht aller Charaktere, deren Schicksale miteinander verbunden sind und deren Wege sich im Spielverlauf immer wieder kreuzen.

Glaubhafte Charaktere

Der zweite Charakter Freddie ist ein US-Amerikaner, der gut mit Bolzenschneider und Sprengstoff umgehen kann. (PC) Quelle: PC Games Der zweite Charakter Freddie ist ein US-Amerikaner, der gut mit Bolzenschneider und Sprengstoff umgehen kann. (PC) Zunächst spielt ihr als Emile, der in einem Rekruten-Schnellkurs für die Front fit gemacht wird und später am Bahnhof auf den zweiten Charakter Freddie trifft. Der muskuläre und schnauzbärtige US-Amerikaner hat sich für die Fremdenlegion gemeldet und ist als einziger der vier Charaktere kampferprobt. Mit Anna hilft an vorderster Front eine belgische Krankenschwester, das unglaubliche Leid des Krieges zu lindern. Wenn ihr mit ihr spielt, ist es vorrangig eure Aufgabe, den Verletzten zu helfen. Das geschieht meist mehrstufig und erfordert in der Vorbereitung oftmals das Lösen von Beschaffungsrätseln. Bevor ihr beispielsweise einem Verwundeten das Bein behandeln könnt, braucht ihr Wasser und Verbandmaterial. Also müsst ihr eine leere Flasche finden, mit dem kostbaren Nass füllen und in diesem Fall außerdem einen Schal von einem Baum holen, um ihn als Verband zweckentfremden zu können. Die eigentlichen Behandlungsschritte (eine Narkose verabreichen, Kugel entfernen, Wunde verbinden) laufen in Reaktionsspielen ab, bei denen ihr - ähnlich wie in Guitar Hero - genau zur richtigen Zeit die angezeigten Tasten und Tastenkombinationen drücken müsst.

Auf den Hund gekommen

Jeder der Charaktere bekommt an mehreren Stellen im Spielverlauf auch einen Hund an die Seite gestellt. Euren tierischen Begleiter könnt ihr zu euch rufen und ihm befehlen Gegenstände zu holen, die sich außerhalb eurer Reichweite befinden - beispielsweise in Tunneln oder unter feindlicher Beobachtung. Im Gegensatz zu euch kann sich der Sani-Bello nämlich überall relativ frei bewegen. Außerdem kann er Schalter betätigen oder Wachen ablenken, damit ihr euch an ihnen vorbeischleichen könnt. Selbst wenn sich in manchen Abschnitten zum Hund auch noch ein zweiter Charakter gesellt, sind die Rätsel nie besonders schwer. Meist befinden sich die gesuchten Gegenstände wie Räder zum Vervollständigen von Mechanismen, fehlende Hebel für Schalter oder Granaten ganz in der Nähe. Was zu tun ist, ergibt sich meist von selbst; Einblendungen von kurzen symbolischen Hinweisen tun ihr übriges. Solltet ihr trotzdem einmal nicht mehr weiter wissen, dann ist die mehrstufige Hilfefunktion nur einen Tastendruck entfernt.

Annas Abschnitte bestehen grundsätzlich darin, Verletzten zu helfen. Die Behandlung ist als Reaktionsspiel inszeniert, bei dem ihr zur richtigen Zeit die angegebenen Tasten drücken müsst. (PC) Quelle: PC Games Annas Abschnitte bestehen grundsätzlich darin, Verletzten zu helfen. Die Behandlung ist als Reaktionsspiel inszeniert, bei dem ihr zur richtigen Zeit die angegebenen Tasten drücken müsst. (PC) Eure Spielfigur dirigiert ihr per Cursortasten über den Bildschirm, Aktionen wie das Aufheben und Werfen von Gegenständen oder das Benutzen von Schaltern erfolgen ebenfalls per Tastendruck. Jeder Charakter kann spezielle Tätigkeiten ausführen. Während Anna Wunden heilt und der in Kriegsgefangenschaft zum Küchendienst verpflichtete Emile mit seiner Schöpfkelle Gegner von hinten k.o. schlägt und Erde wegschaufelt bzw. Löcher buddelt, ist Freddie ein Spezialist fürs Grobe und kann am besten mit Sprengstoff umgehen. Ein Gewehr oder andere Schusswaffen habt ihr nicht zur Hand, ihr bewegt euch also rätselnd und schleichend durch die zahlreichen Schauplätze anstatt zu schießen. Durch das Werfen von Granaten sprengt ihr euch an vorgefertigten Stellen den Weg frei, mit geworfenen Steinen oder Flaschen lasst ihr beispielsweise Leitern herunter oder lenkt Gegner ab, wenn ihr euch durch die zumeist originalen Kriegsschauplätze der Westfront des Krieges kämpft.

Valiant Hearts: The Great War im Video-Review

Nervige Actionsequenzen

Die als Fahrsequenzen getarnten Reaktionsspielchen, bei denen ihr minutenlang Bomben oder anderen Fahrzeugen ausweichen müsst, sind etwas nervig und reißen euch aus der ansonsten sehr stimmigen Atmosphäre. (PC) Quelle: PC Games Die als Fahrsequenzen getarnten Reaktionsspielchen, bei denen ihr minutenlang Bomben oder anderen Fahrzeugen ausweichen müsst, sind etwas nervig und reißen euch aus der ansonsten sehr stimmigen Atmosphäre. (PC) Neben den deutlich zu leichten Rätseln und Schleichpassagen gibt es auch einige Actionsequenzen, die als Reaktionsspiel ablaufen. So müsst ihr in einer Sequenz mit dem Auto dem Bombardement eines Luftschiffs bzw. mit einem Taxi anderen Fahrzeugen oder Fässern ausweichen. Das flotte Drücken der Cursortasten für links oder rechts ist in etwa so anspruchsvoll, wie die Bedienung eines Kaffeevollautomaten. Solltet ihr trotzdem zu häufig von den Bomben oder anderen Fahrzeugen getroffen werden, sterbt ihr den Bildschirmtod. Da die Sequenz dann einfach von neuem beginnt und beliebig oft wiederholt werden kann, hat ein Versagen spielerisch keine Konsequenzen. Eine Designentscheidung, die nicht so recht zur sonstigen emotionalen Darstellung der Schrecken des Krieges in Valiant Hearts passen will.

Konsequent auf dieser Linie ist auch die gemäßigte Gewaltdarstellung durch die Comic-Grafik umgesetzt. Sie zeigt war unter Kugelhagel fallende Gegner ebenso wie Zivilisten, die bei Giftgasangriffen ihr Leben lassen, aber das alles ohne übermäßige Blut-, Sterbe- oder Gewalteffekte wie das zumeist bei Shootern der Fall ist. Von seiner durchaus melancholischen und teils sehr beklemmenden Atmosphäre büßt Valiant Hearts deswegen aber nichts ein, da sowohl Vertonung als auch Soundeffekte und Musik die Bilder des Spiels akustisch sehr gut untermauern. Wenn Anna unter einer vorher offensichtlich schwer umkämpften Brücke buchstäblich knietief in dutzenden Leichen steht, einen schwer verwundeten Soldaten unter seinen toten Kameraden hervorzerrt und euch dann das Surren von Hunderten Fliegen in den Ohren brummt, die die leblosen Körper umschwirren, zaubert euch das den sprichwörtlichen Kloß in den Hals.

Lektionen ohne Zeigefinger

Die historische Faktensammlung kann jederzeit aufgerufen werden und erweitert sich nach und nach. (PC) Quelle: PC Games Die historische Faktensammlung kann jederzeit aufgerufen werden und erweitert sich nach und nach. (PC) Die Entwickler haben es vorbildlich geschafft, unzählige historische Fakten ins Spiel einfließen zu lassen und sie dem Spieler fast schon beiläufig nahezubringen. So gibt es neben einer ausführlichen Faktensammlung die etwa wichtige Schlachten und neue Waffen im Verlauf des Krieges erläutert, auch mehr als 100 Sammelobjekte im Spiel zu finden. Jedes einzelne davon erzählt ein Stück der Geschichte und bringt euch die grausame und sinnlose Gewalt des ersten Weltkrieges näher. Valiant Hearts: The Great War ist ein erlebtes Stück Geschichte, das betroffen macht und man aber gerade deshalb einmal gespielt haben sollte.

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Update: Jetzt auch als Switch-Version

Bei Valiant Hearts: The Great War handelt es sich um eine sehr gelungene Umsetzungen für die Nintendo Switch. Und das nicht nur, weil sie auch Touchscreen-Funktionalität bietet. Die eigentlich einfache Grafik mit ihrem außergewöhnlichen Artdesign besticht ebenso wie der Sound, der für dichte Atmosphäre sorgt und auch die Steuerung geht sehr gut von der Hand. Spielerisch richtig anspruchsvolle oder innovative Kost dürft ihr zwar weder bei Gameplay noch bei den Rätseln erwarten, aber wer Valiant Hearts als Story-Adventure mit unaufdringlicher Geschichtsstunde ansieht, kommt auf seine Kosten. Trotz des spielerisch geringen Anspruchs ist Valiant Hearts auch auf der Nintendo Switch thematisch eine empfehlenswert außergewöhnliche Erfahrung. Der Titel ist für die Switch ausschließlich als Download für aktuell 19,99 Euro im Nintendo eStore erhältlich.

Meinung

Wertung zu Valiant Hearts: The Great War (PC)

Wertung:

8.2 /10

Wertung zu Valiant Hearts: The Great War (NSW)

Wertung:

8.2 /10
Pro & Contra
Empathisch erzählte Geschichte mit vielen historischen InformationenTolle, emotionsgeladene PräsentationVier gut ausgearbeitete CharaktereStimmiger GrafikstilInteressanter Rätselmix aus Grübeln und PhysikHund als ZusatzcharakterStimmungsvoller SoundtrackRätsel abwechslungsreich, aber…
… auch viel zu leichtLevels gleichen sich im AufbauDer Bösewicht wirkt deplatziertAnspruchslose ReaktionsspielchenNur rudimentäre AnimationenTastatursteuerung verbesserungswürdig

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