Runter vom Index! Diese Spiele wurden 2019 de-indiziert

Special Dominik Pache
Runter vom Index! Diese Spiele wurden 2019 de-indiziert
Quelle: Yager

Mortal Kombat 11 und Wolfenstein: Youngblood haben es bewiesen: Die Sonderrolle Deutschlands und seiner Jugendschutzbehörde in der Welt der Videospiele ist vorüber. Jedes Jahr werden neue Spiele von der Liste der indizierten Spiele gestrichen. Welche Games das im Jahr 2019 waren, erfahrt ihr in unserem Special!

Seit Jahren bekommen wir Gewalt nicht mehr in geschnittener Form kredenzt und seit 2019 ist es sogar möglich, verfassungsfeindliche Symbole in Videospielen zu zeigen. Das hat natürlich Auswirkungen auf bereits indizierte Spiele. Sie werden nun nach und nach vom Index gestrichen.

In unserem Special zeigen wie die spannensten Titel, die in diesem Jahr wieder frei zugänglich gemacht wurden.

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Dead Island und Dead Island: Riptide

Dead Island spielt auf der fiktiven karibischen Insel Banoi, wo eine Zombieplage ausbricht. Ihr schlüpft in die Rolle eines von vier Überlebenden und müsst von der Insel entkommen. Dabei trefft ihr auf die untoten Gäste eures Urlaubshotels und müsst euch gegen sie mit diversen Gegenständen wehren, darunter etwa Paddel, Baseballschläger, Rohre, Werkzeuge, aber auch selbstzusammengebaute Waffen wie Macheten oder Elektroschocker.

Zombie in Nahaufnahme greift an. Quelle: Yager Dead Island - Die Animateure im Robinson Club sahen schon mal freundlicher aus. In der ursprünglichen Indizierungsentscheidung wurden die Gewaltdarstellungen im Spiel als verrohend und selbstzweckhaft eingestuft. Dazu trugen vor allem die Alltagsgegenstände bei, die als Waffen gegen menschenähnliche Wesen eingesetzt werden können. Diese Entscheidung von 2013 wurde im Januar 2019 widerrufen. Durch die, Zitat: "Darstellung von sehr unrealistischen und augenscheinlich sehr übertriebenen, gar "abgedrehten" Szenarien kann aufgrund der ausbleibenden Betroffenheit und des mangelnden Transfers in die eigene Lebenswirklichkeit eine hinreichende Distanz zu den Gewalthandlungen geschaffen werden, sodass eine verrohrende Wirkung nicht anzunehmen ist." Jetzt fragt man sich natürlich, warum die Prüfer das nicht bereits zum Release des Spiels feststellten. Seit 2013 hat die Grafik schließlich keinen so großen Sprung gemacht, als dass man das Spiel unter komplett neuen Gesichtspunkten beurteilen müsste.

Kurz nach der De-Indizierung von Dead Island vergab die USK ein 18er-Siegel an das Spiel, wodurch einer Veröffentlichung in Deutschland nichts mehr im Wege steht. Die De-Indizierung gilt übrigens auch für die Fortsetzung Dead Island: Riptide, die auf einem Schiff vor der infizierten Ferieninsel spielt. Bevor Dead Island 2 2020 erscheint, habt ihr nun also die Gelegenheit, die beiden Vorgänger nachzuholen.

Painkiller: Hell & Damnation

Clowns stehen vor Gebäude. Quelle: Nordic Games Painkiller: Hell & Damnation - Dicke Wummen gegen fiese Killer-Clowns. Das Ego-Shooter-Remake Painkiller: Hell & Damnation ist eine relativ originalgetreue Interpretation des ersten Teils der Reihe aus dem Jahr 2004. Das Remake wurde optisch durch Einsatz der Unreal Engine 3 aufgewertet. Diese ist mittlerweile aber auch in die Jahre gekommen. Painkiller: Hell & Damnation übernimmt die meisten Soundeffekte des Originals, sowie große Teile der Story. Wer die englische Version spielt, kommt außerdem in den Genuss der Stimme von John St. John, der bereits in den 90ern Duke Nukem synchronisierte. In der Neuauflage erwartet euch eine neue Waffe namens Soulcatcher, auch Small Sucking Gun genannt, die den Gegnern die Seelen aussaugt und Klingen verschießt. Für den deutschen Markt musste Hell & Damnation stark gekürzt werden. So wurden Bluteffekte reduziert, der Lebenssaft lila eingefärbt, Splatter- und Ragdoll-Effekte entfernt und der spezielle Gegnertyp "Zombiekind" taucht nicht auf. Die BPjM verfügte 2013 über die Indizierung mit der Begründung, dass die Gewaltszenen verrohend seien. Sie machte das am Beispiel der namensgebenden Painkiller-Waffe fest. Mit diesem rotierenden, klingenbesetzten Stab geht der Spieler laut der Bundesprüfstelle auf die Gegner los.

Painkiller: Hell & Damnation ist seit März 2019 nicht mehr indiziert und kann frei verkauft werden. Nach den Vorgängern Painkiller, Battle out of Hell und Overdose, ist Hell & Damnation der vorletzte Teil der Reihe, der de-indiziert wurde. Ein Ableger der Serie steht noch auf dem Index, vielleicht wird dieser ja 2020 erneut geprüft.

Lethal Enforcers

Der Helikopter heizt uns ganz schön ein! Quelle: PC Games Lethal Enforcers - Der Helikopter heizt uns ganz schön ein! Lethal Enforcers spielt im Chicago der 80er-Jahre. Ihr übernehmt die Rolle von Police Officer Don Marshall, der während einer Pause im Donut-Laden einen Anruf vom Präsidium bekommt: Eine gigantische kriminelle Vereinigung soll die Stadt übernommen haben und er ist einer der letzten Überlebenden einer Spezialeinheit. Eure Aufgabe ist es natürlich, die Organisation Mann für Mann zur Strecke zu bringen. Lethal Enforcers erschien ursprünglich für die Arcade und löste, zusammen mit einem anderen Spiel, eine Kontroverse um Games mit sogenannten "Digitized Photographs" aus. Diese Technik erlaubt es, gescannte Fotos als Sprites ins Spiel zu bringen. Sieht man von der Auflösung der Bilder ab, ist die Grafik quasi fotorealistisch.

Das Spiel wurde allgemein mittelmäßig aufgenommen. Andere Railshooter-Serien waren zu dieser Zeit schon viel weiter. Die SNES-Version wurde für den Heimkonsolen-Markt sogar entschärft, entging damit aber trotzdem nicht einer Indizierung. Seit April 2019 könnt ihr euch Lethal Enforcers wieder ohne Umwege zulegen.

Cannon Fodder

Fluß aus Vogelperspektive. Ein Squad aus drei Pixelmännchen. Quelle: youtube.com Cannon Fodder - Ein Vorreiter im Genre der Echtzeitstrategie. Trotz allem jahrelang schwer zu bekommen. In Cannon Fodder kontrolliert ihr Squads von Soldaten aus der ISO-Ansicht über mehrere Schlachtfelder. Ihr seid im Dschungel, auf schneebedeckten Bergen oder auch in der Wüste unterwegs. Eure Soldaten halten nur einen einzigen Treffer aus, was dem Echtzeit-Shoot'Em Up eine enorm strategische Komponente verleiht. Sie können im Verlauf des Spiels auch im Rang aufsteigen, wodurch sie stärker und dadurch für euer Team wertvoller werden. Die 100 Soldaten im Spiel haben alle einzigartige Namen. Sollte ein Mitglied eures Squads das Zeitliche segnen, erscheint ein individualisierter Grabstein mit dem Namen des Soldaten nach Abschluss der Mission. Auf diese Weise und durch den schwarzen Humor des Spiels wollten die Entwickler eine Anti-Kriegs-Botschaft verbreiten. Diese wurde von einem Großteil des Publikums verstanden und mit vielen Auszeichnungen gewürdigt. Bei manchen kam die Nachricht aber nicht an und das Spiel wurde verteufelt, nicht nur in Deutschland. Cannon Fodder war neben Dune 2 eines der ersten Echtzeit-Strategiespiele und hat spätere Klassiker wie Command & Conquer stark beeinflusst.

Seit Juli 2019 ist das Spiel nicht mehr indiziert und hat eine USK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Doom 3 - Resurrection of Evil

Zombiekind auf dem Flur Quelle: PC Games Doom 3 - Resurrection of Evil - Welche Inhalte die BFG-Edition vor der Indizierung schützten ist bis heute fraglich. Das Add-on zu Doom 3 namens Resurrection of Evil führt die Geschehnisse aus dem Hauptspiel fort und implementiert unter anderem eine neue Waffe, die der Gravity Gun aus Half-Life 2 extrem ähnelte. Obwohl das Hauptspiel eine 18er-Freigabe von der USK erhalten hatte, wurde das Add-on von der BpJM indiziert. Manche Inhalte des Add-ons waren den Jugendschützern wohl zu extrem, wodurch die Erweiterung nicht in Deutschland in den freien Handel gelangte. Das skurrile daran ist aber, dass die später veröffentlichte komplette Ausgabe "Doom 3 BFG Edition" wieder eine 18er-Freigabe bekam, obwohl das Add-on darin enthalten war.

Bethesda hatte anscheinend nicht nur die Grafik aufpoliert, sondern ein paar inhaltliche Änderungen vorgenommen, welche die Complete Edition vor der nochmaligen Indizierung schützte. Welche Änderungen das genau waren, ist bis heute nicht bekannt. Allerdings unterscheidet sich die deutsche Version der kompletten Edition nicht von der internationalen Ausgabe. Das bedeutet: womöglich erfuhr die Spielerschaft weltweit eine indirekte Zensur durch die deutschen Jugendschützer.

Doom 3 - Resurrection of Evil ist seit September 2019 wieder in seiner ursprünglichen Form erhältlich.

Quake 2

Quake 2 mit RTX - Waffe und Gegner im Bild Quelle: Lightspeed Studios / Nvidia Quake 2 - Mit Raytracing sieht der uralte Ego-Shooter selbst für heutige Verhältnisse garnicht so schlecht aus. In einer fernen Zukunft wir die Menschheit von außerirdischen Cyborgs bedroht. Ihr müsst als Soldat der terranischen Armee, den extraterrestrischen Feinden entgegentreten. Dabei stürzt ihr mit eurem Schiff auf dem Alien-Planeten ab. Ihr werdet von eurer Mannschaft getrennt und müsst euch gegen Horden von Gegnern erwehren. Quake 2 war 1997 das technisch fortschrittlichste Spiel seiner Zeit und sah verdammt gut aus. Es war aber auch außerordentlich brutal, weswegen es absehbar war, dass die BpJM es indizieren würde. Seit August 2019 könnt ihr Quake 2 wieder erwerben und das pünktlich zu Nvidias Ray-Tracing-Update zum Spiel. Damit strahlt der Ego-Shooter in neuem Glanz und kann auch von den grafikverwöhnten Spielern von heute noch gezockt werden, ohne dass sie gleich Augenkrebs bekommen.

Bereits 2011 wurde der erste Teil der Quake-Reihe vom Index gestrichen. Allerdings fehlt weiterhin noch ein extrem wichtiger Teil der Serie, der immer noch indiziert ist. Bitte liebe BpJM, holt das im nächsten Jahr nach!

Super Double Dragon

Billy bekämpft böse Buben. Quelle: PC Games Super Double Dragon - Nicht der beste Teil der Reihe, aber trotzdem unverständlich wieso gerade er indiziert wurde. Genau wie in den Vorgängern übernehmt ihr in Super Double Dragon die Rollen der Kampfsportkünstler Bill und Jimmy, die in Auseinandersetzungen gegen eine böse Gang zeigen, was sie auf dem Kasten haben. Super Double Dragon reiht sich in der Liste der Beat'em up Spiele allerdings ganz unten ein. Das Spiel bekam damals durch die Bank negative Bewertungen von der Fachpresse. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung wurde das Spiel von der BpJM einkassiert, obwohl sich das Spiel unglaublich schlecht verkaufte. Weshalb ausgerechnet Super Double Dragon und nicht vergleichbare Genre-Kollegen der Streets-of-Rage- oder Final-Fight-Serien indiziert wurden, ist fraglich. Die Jugendschützer begründeten ihre Entscheidung damals mit der Aussage, dass Kindern darin Gewalt als geeignetes Mittel zur Konfliktlösung vermittelt würde. Dabei verwiesen sie auf Ergebnisse aus der Fernsehforschung und übertrugen sie mit dem Hinweis auf sogenannten Wirkungsparallelen. In den 90ern gab es viele solcher fadenscheiniger Indizierungsbegründungen. Im Fall von Super Double Dragon wirkte es sich aber kaum auf den Verkaufserfolg aus, es war einfach kein gutes Spiel. Wenn ihr es trotzdem mal ausprobieren wollt, könnt ihr das seit Oktober 2019 tun.

Total Carnage

Bosskampf gegen grünen Koloss Quelle: PC Games Total Carnage - Mutanten in der Babymilchfabrik. Dieses Spiel nimmt sich sehr ernst! Total Carnage ist ein absurder Top-Down-Shooter aus dem Jahr 1992. Captain Carnage und sein Kollege Major Mayhem bekämpfen den fiesen Diktator Akhboob, der Zivilisten als Geiseln genommen hat und Mutanten in seiner Babymilch-Fabrik züchtet. Ihr ballert euch den Weg mit nicht allzu realistischen Wummen frei und sammelt dabei fleißig amerikanische Flaggen auf. Total Carnage bedient sich bei seinen Sounds freigiebig an seinem Quasi-Vorgänger Smash TV, der zwar nicht weniger brutal, aber trotzdem frei verkäuflich geblieben ist. Auf Spielautomaten und dem Amiga blieb Total Carnage unzensiert. Auf dem Super Nintendo versuchten die Entwickler mit dem Umfärben von Blut und der Änderung einiger Bildschirmtexte einer Indizierung zu entgehen. Half alles nichts, alle Versionen wurden 1994 von der BPjM auf den Index gesetzt.

Die Bundesprüfstelle begründete ihre Entscheidung damals damit, dass das Spiel permanent dazu auffordert, Menschen auf unterschiedliche Art und Weise zu töten. Laut der BPjM war die verrohende Wirkung des Spiels für jeden Zuschauer klar und zweifelsfrei zu erkennen. Rückblickend ist die Entscheidung heute lächerlich, aber schon 1994 wirkte sie willkürlich, da vergleichbare Spiele weiterhin im Handel blieben. Seit Oktober 2019 können sich alle Retrofreunde mit der SNES-Version dieses gefährlichen Spiels endlich wieder verrohen.

Wolfenstein 3D

B.J. tritt einen Nazi Quelle: Bethesda Wolfenstein 3D - Tritt in die Fresse! Den Nazis gibt B.J. in den meisten Wolfenstein-Titeln ordentlich aufs Maul. 1992 wurde ein Meilenstein in der Geschichte der Ego-Shooter veröffentlicht: Wolfenstein 3D erschien für MS-DOS-Rechner. Zum ersten Mal wurde einer breiten Öffentlichkeit ein Spiel in der dritten Dimension gezeigt. Auch, wenn es im Prinzip kein echtes 3D war, denn alle Gegner und Objekte im Spiel wurden als 2D-Sprites umgesetzt, die der Entfernung zum Spieler entsprechend verkleinert oder vergrößert wurden. Die Geschichte des Spiels ist zwar im Zweiten Weltkrieg angesiedelt, enthält aber sehr viele skurrile Elemente. Wir steuern den Helden B.J. Blazkowicz, der zunächst gegen SS-Soldaten und Schäferhunde, später aber auch gegen Zombies und absurde Endgegner wie zum Beispiel General Fettgesicht oder Mecha-Hitler antreten muss.

1994 wurde Wolfenstein 3D indiziert und löste eine bis heute andauernde Debatte um Nazi-Symbole in Videospielen aus. Ursprünglich wurde das Spiel nicht wegen der Symbolik indiziert, sondern wegen der laut BPjM "spielimmanenten Verherrlichung des Selbstjustizgedankens sowie der positiven Bewertung und Gewichtung anreißerisch gestalteter Todesszenarien". Anfang Dezember 2018 wurde eine Indizierung von Wolfenstein 2: The New Colossus abgelehnt, weil das Gremium der BPjM im bloßen Auftauchen von NS-Symbolik keine Verharmlosung des Nationalsozialismus sah. Die rechtlichen Grundlagen einer Folgeindizierung von Wolfenstein 3D waren somit aufgehoben und das Spiel wurde im Oktober 2019 nach 25 Jahren automatisch vom Index gestrichen. Auch die Erweiterung "Spear of Destiny" ist nicht mehr indiziert.

Rechtlich ist nun also eine differenzierte Darstellung von Nazi-Symbolen zulässig. Bereits 2008 hat der Deutsche Kulturrat Computerspiele als Kulturgut anerkannt, 2010 kam auch die BPjM zu diesem Ergebnis. Somit fallen Computerspiele genauso wie Filme unter die Kunstfreiheit. Die Diskussion, die mit Wolfenstein 3D begann, sollte also bald ihr Ende finden.

Das waren die De-Indizierungen im Jahr 2019. Lohnt es überhaupt noch, sich mit diesen alten Schinken auseinanderzusetzen, oder geht es eher ums Prinzip? Schreibt es uns in die Kommentare!

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