Unravel Two im Test: Mit Wolle, Herz und Koop für zwei Spieler - Update: jetzt auch mit Testvideo!
Test
Ohne Vorwarnung wurde Unravel 2 während der E3 veröffentlicht, dabei hätte das herzerweichende Hüpf-Abenteuer ruhig mehr Aufmerksamkeit verdient. Im Test kann Unravel Two zwar nicht mehr ganz an die Stärken des Vorgängers anknüpfen, doch cleverer Koop und eine schicke Präsentation sorgen trotzdem für jede Menge tolle Momente. Update: Jetzt mit Testvideo
Das erlebt man auch nicht alle Tage: Da kündigt EA sein brandneues Unravel 2 während der E3-Pressekonferenz an - und veröffentlicht das Jump & Run noch im selben Augenblick! Im Messe-Trubel und der Fülle an spannenden Neuankündigungen drohte Unravel 2 so leider ein wenig unterzugehen, wie schade! Schließlich knüpft der herzerwärmende Puzzle-Plattformer ziemlich gelungen an seinen wunderbaren Vorgänger an, der vor zwei Jahren sogar unseren Award abstauben konnte. Warum auch Unravel 2 wieder viel Spaß macht und trotzdem nicht an die Wertung des ersten Teils rankommt, klären wir in unserem Review zu Unravel Two.
Update: Der Artikel umfasst jetzt auch ein Video Review.
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Unravel 2 im Test: Zwei Strickfreunde sollt ihr sein
Quelle: PC Games
Yarny trifft seinen wolligen blauen Begleiter. Aussehen und Farbe der Spielfiguren lässt sich ändern.
Zumindest auf den ersten Blick macht Unravel 2 kaum etwas anders als sein Vorgänger. Ihr spielt erneut das Wollmännchen Yarny, das ihr in typischer Sidescroller-Manier durch wundervoll gestaltete Levels begleitet, dabei Gefahren ausweicht und faire Rätsel löst. Diesmal ist Yarny allerdings nicht allein: Die stumme Strickfigur bekommt erstmals einen vollwertigen Partner zur Seite gestellt, dadurch mutiert Unravel Two zum vollwertigen Koop-Spiel, das ihr zu zweit an einem PC bzw an einer Konsole genießen könnt. Ein Online-Modus fehlt leider.
Weil sich der Koop-Gedanke durchs gesamte Spiel zieht, kommen in den meisten Puzzles und Herausforderungen nun beide Spielfiguren zum Einsatz. Sie haben auch keine andere Wahl, schließlich sind Yarny und sein Begleiter untrennbar mit einem Faden verbunden! Diese Verknüpfung macht den Koop so reizvoll: Der rote Spieler kann sich beispielsweise auf einem Ast positionieren, während sich das blaue Strickmännchen an einem Körperfaden herabbaumeln lässt und daran hin und her schwingt, um so eine weit entfernte Anhöhe erreichen. Danach ist der rote Yarny am Zug und klettert einfach den Faden herauf, der beide Spielfiguren verbindet - so erreichen schließlich beide ihr Ziel und können ihren Weg mit vereinten Kräften fortsetzen. Dieses Grundprinzip kommt häufig zum Einsatz!
Kenner des Vorgängers werden außerdem einige Detailänderungen bemerken. Diesmal können sich die Helden beispielsweise nicht an Kanten raufziehen. Yarny und sein Kumpel müssen auch keine Fadenkraft mehr erneuern, diese Mechanik aus dem Vorgänger fliegt komplett raus. Das Schwingen reagiert nun deutlich empfindlicher und mit etwas Übung auch direkter. Und weil jederzeit beide Spieler im Bild sein müssen, zeigt die Kamera das Geschehen deutlich weiter herausgezoomt als im Vorgänger - das verschafft besseren Überblick, geht allerdings etwas auf Kosten der Optik.
Unravel 2 im Test: Abstriche für Solo-Fans
Keine Frage: Im Koop macht Unravel 2 am meisten Spaß. Aber auch Solo-Spieler kommen auf ihre Kosten! Wer Unravel 2 alleine spielt, steuert einfach abwechselnd beide Figuren. Weil das auf Dauer aber zu mühsam wäre, kann man beide Wollmännchen auch miteinander verbinden, dazu genügt ein Tastendruck - dann steuert man Yarny genau so wie man es aus dem Vorgängerspiel kennt. Sobald zwei Spielfiguren nötig sind, um ein Rätsel zu lösen, trennt man sie einfach wieder. Das geht nach kurzer Eingewöhnung prima von der Hand, auch wenn man dadurch sehr oft damit beschäftigt ist, einfach nur zu der jeweils anderen Spielfigur zu laufen und diese "einzusammeln", bevor es weitergehen kann - dadurch leidet der Spielfluss im Singleplayer, weshalb es zu zweit einfach ein bisschen mehr Spaß macht.
Quelle: PC Games
Teamwork: Ein Spieler lenkt das gefräßige Huhn ab, der andere sucht sich einen alternativen Pfad am Gegner vorbei.
Unravel 2 im Test: Gemeinsam stark
Quelle: PC Games
Die Gegner in Form aggressiver Funkenwesen fühlen sich aufgesetzt und unnötig an.
Bis zum Schluss ist enge Zusammenarbeit gefragt: Gemeinsam lenkt ihr gefräßige Tiere ab, zieht einander an Plattformen herauf, verschiebt Kisten, betätigt Schalter und vieles mehr. Die oft physikbasierten Puzzles sind allesamt fair designt und auch für Einsteiger zu schaffen - wer gar nicht weiter kommt, darf auch optionale Tipps hinzuschalten. Die Steuerung wurde außerdem leicht verbessert, Yarny und sein Freund steuern sich ein bisschen präziser als früher und Fehleingaben sind uns im Test nicht mehr aufgefallen. Prima! Wie im Vorgänger sind manche Rätsel und Geschicklichkeitstests aber immer noch reine Trial-and-Error-Momente, in denen man von einer Sekunde auf die nächste den Löffel abgibt - dank fairer Checkpoints kommt dabei zwar niemals Frust auf, doch manchmal wirken die Bildschirmtode einfach unnötig und aufgesetzt.
Das gilt besonders für eine kleine Neuerung: Diesmal gibt es auch eine Art von Gegnern in den Levels, stets in Form kleiner Funken, die einen schwarzen Schleier hinter sich herziehen. Diese Dinger sollen wohl so etwas wie negative Gefühle symbolisieren, Stress, Wut, Angst, Zorn, Schuld. In der Praxis sorgen sie aber einfach nur dafür, dass wir ihnen ausweichen müssen, eine Berührung führt sofort zum Tod. In manchen Abschnitten verfolgen sie uns sogar und sorgen so für unangenehme Hektik - alles in allem sind die Gegner damit eher ein Rückschritt für Unravel und nichts, was wir uns für einen dritten Teil wünschen.
Unravel 2 im Test: Kryptische Handlung in starker Präsentation
Genau wie sein Vorgänger erzählt Unravel 2 seine Geschichte komplett ohne Dialoge oder Texte. Allein die Bilder zweier befreundeter Jungen, die regelmäßig verschwommen im Hintergrund einblenden, lassen erahnen, worum es in Unravel 2 eigentlich geht: Freundschaft und Vertrauen, aber auch Ängste und Schuld. Wichtiger als eine genaue Deutung sind aber die Gefühle, die das Spiel erzeugen will. Denn Unravel 2 hat uns zwar oft berührt und nachdenklich gestimmt, aber emotional längst nicht so abgeholt wie der erste Teil, der Themen wie Vergänglichkeit, Familie und Lebensfreude deutlich besser auf den Punkt brachte.
Quelle: PC Games
Bei satter Beleuchtung sieht Unravel 2 viel besser aus als in den schummrigeren Momenten, in denen zu viele Details verschwimmen.
In Sachen Inszenierung zeigen sich die Spiele dagegen auf Augenhöhe: Auch Unravel 2 bietet fantastisch gestaltete, enorm detailreiche Umgebungen! Egal ob in der freien Natur oder in Innenräumen, die wunderschön texturierten Levels, liebevoll animierten Helden und sehenswerten Effekte sorgen für Bilderbuchszenen am laufenden Band. Einziger Störfaktor: Im Gegensatz zum ersten Teil fällt die Optik oft etwas dunkler aus, in vielen Szenen hätten wir uns mehr Lichtquellen gewünscht, die für mehr Kontrast und Übersicht sorgen.
Dafür kann die Musik wieder ähnlich überzeugen wie im Vorgängerspiel. Jeder Level bietet eigenständige Kompositionen, die sich zwar schnell wiederholen, aber trotzdem viel Gefühl transportieren und in den richtigen Momenten für Spannung, Melancholie und Heiterkeit sorgen.
Unravel 2 im Test: Wieviel steckt drin?
Sieben vollwertige Levels hat das Spiel zu bieten, damit kommt es auf eine Gesamtspielzeit von etwa fünf Stunden. Die Schauplätze sind wieder recht abwechslungsreich, wenn auch nicht ganz so vielfältig wie im ersten Unravel. Diesmal seid ihr unter anderem in einem prachtvollen Wald, einer Fabrik, einem Stadtpark oder einer Scheune unterwegs - letztere fängt sogar kurzerhand Feuer, das sonst so entspannte Abenteuer verwandelt sich dadurch in ein beklemmendes, spannendes Inferno, in dem ihr vor den Flammen fliehen müsst. Auch sonst gibt es immer wieder denkwürdige Momente: Ihr hüpft über Seerosenblätter auf einem See, flüchtet vor einem gefräßigen Rebhuhn, legt einen wilden Ritt über einen reißenden Fluss hin - damit hat Unravel 2 zwar tolle Szenen auf Lager, bringt im Vergleich zum Vorgänger aber auch wenig Neues.
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Gut für ambitionierte Spieler: Jeder Level bietet optionale Herausforderungen, etwa 43 versteckte Sammelobjekte, Speedruns oder einen Level abzuschließen, ohne zu sterben. Obendrein gibt es 20 völlig freiwillige Herausforderungslevels: Das sind winzige Spielabschnitte, die sich nur um eine bestimmte Herausforderung oder ein einziges Puzzle drehen, die meisten davon bockschwer und nur für geübte Unravel-Kenner zu schaffen! Diese Challenges sorgen für ein deutliches Plus an Spielzeit, auch wenn das eigentliche Abenteuer davon unberührt bleibt.
Unravel 2 ist für PC als Download über Origin sowie für PS4 und Xbox One erhältlich. Der Preis liegt bei 20 Euro.
