Eine deutsche Twitch-Streamerin erzählt: Wie geht man mit Hass im Netz um?
SpecialIm Gastbeitrag erzählt die deutsche Twitch-Streamerin Jennifer "Jenny_JeyJey" Düngfelder, wie sie zum Streamen kam und wie sie mit Hass im Netz umzugehen gelernt hat.
Als ich damals für mein Studium nach Nürnberg gezogen bin, habe ich aus meinem alten WG-Zimmer noch einen superkleinen Fernseher mitgebracht. Abends zum Runterkommen noch ein paar Folgen Shopping Queen anschauen oder sich einfach berieseln lassen, war genau das Richtige für mich. Irgendwann hat die "alte Röhre" einen roten Riss quer über den Bildschirm bekommen und ich verlor schlagartig die Lust, das Gerät anzuschmeißen.
Um nun abschalten zu können, konnte ich mich entweder sportlich beim Lasertag austoben oder meinem liebsten Hobby nachgehen, dem Zocken. Eine großartig treue Liebe, die mich seid meiner Kindheit begleitet. Ich habe einen großen Bruder, und da einer meiner Onkel einen kleinen Elektroladen besitzt, kam ich in den Genuss des hauseigenen Tec-Recycling-Kreislaufes unserer Familie. Wenn mein Onkel einen alten PC abzugeben hatte, wurde dieser an meinen Bruder verschenkt. Der hatte dann viel Spaß mit den damals aktuellen PC-Spielen. Ich saß regelmäßig als kleine Schwester hinter meinem Bruder und schaut ihm mit großen Augen und viel Begeisterung beim Zocken zu. Wenn dann die nächste Generation an PCs veraltet war, bekam mein Bruder einen neuen Rechner und ich den alten meines Bruders, angefangen bei großen, grauen Kästen, wo man Disketten reinschieben musste und einen Joystick hatte, bis hin zum ersten Tower-PC mit Internet.
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Über die Autorin
Quelle: Jennifer Düngfelder
Eine deutsche Twitch-Streamerin erzählt: Wie geht man mit Hass im Netz um? (4)
Jennifer Düngfelder, Jahrgang 1990, ist seit 2020 auf Twitch aktiv. Auf Twitch bekannt als "Jenny_JeyJey" spielt sie aktuell vor allem Heroes of the Storm und Valheim.
Auch durch ihr Motto "HotS ohne Hate" hat sie innerhalb von 1 ½ Jahren nun schon über 1.000 Follower auf Twitch bekommen. Die Nürnbergerin ist mit Pokémon groß geworden und wurde 2022 mit ihrem Lasertag-Team Deutscher Meister.
Die frühen Jahre
Eine prägende Erinnerung war damals neben dem Einwahl-Geräusch des Modems die Tatsache, dass, wenn meine Eltern jemanden anriefen, meine Internetverbindung kurz weg war. Tatsächlich gehöre ich auch noch zu der Generation, die Zehn-Finger-System-Schreiben auf der Schreibmaschine gelernt hat, unser Haushalt hatte nicht von Anfang an einen Drucker.
Quelle: Frank Prechtel
Jennys erstes VR-Erlebnis mit Skyrim
Geschadet hat es definitiv nicht, meine mechanische Tastatur macht mich jetzt trotzdem sehr glücklich. Mein Konfirmationsgeld ging für meinen ersten eigenen Rechner drauf, und auch das Geld für meinen Game Boy musste ich mir zusammensparen.
Die friedliche Glückseligkeit beim Pokémon (blau) Zocken auf dem Game Boy wurde nur unterbrochen durch meine Mutter, die mich im Hochsommer mit den fröhlichen Worten vor die Tür setzte: "Ach komm, Jenny, draußen ist es so schön, geh doch raus zum Spielen". Mit dem Game Boy in der Tasche suchte ich mir dann oft einen schattigen Platz auf einer Bank unter Bäumen und zockte fröhlich weiter.
Zwar musste ich meine Augen ein wenig mehr zusammenkneifen, um etwas zu sehen, da die Bildschirme damals noch nicht so gut mit einer hellen Umgebung klarkamen wie heute, geklappt hat es trotzdem. Ich bin mir recht sicher, dass meine Mutter etwas Anderes gemeint hat, als sie sagte "geh raus zum Spielen". Aber wer alle Pokémon fangen will, muss am (Poké-)Ball bleiben.
Das Zocken war seitdem ein stetiger Begleiter in meinem Leben und ich bin sehr froh, dass ich meine intensive WoW-Sucht und Ultima-Online-Phase kurz unterbrechen konnte, um meinen Hauptschulabschluss ordentlich über die Bühne zu bekommen. Twitch habe ich tatsächlich super spät für mich entdeckt und es kam auch nur durch eine Freundin in mein Leben.
Im abendlichen Teamspeak-Talk kam die Frage auf, ob Sie mir beim Zocken zuschauen könne. Kurzerhand installierte sie auf meinem Computer eine Streaming-Software, meldete mich auf Twitch an und nahm einige Basic-Stream-Einstellungen vor. Und schon war ich Anfang 2020 zum ersten Mal auf Twitch online! Zwar nur wenige Stunden und auch nur für meine Freundin Moni, damit sie mir beim Verlieren in Heroes of the Storm oder beim Überleben in Don't Starve Together zuschauen konnte.
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