Turnip Boy Commits Tax Evasion im Test: Als die Rübe ihre Steuern hinterzog
Test
Turnip Boy Commits Tax Evasion - der Titel gibt die wilde Prämisse dieses Indie-Adventures schon preis. Wir schlüpfen tatsächlich in die Rolle einer aufständischen Rübe, die sich gegen die absurden Steuerbeiträge in der Gemüsewelt auflehnt. Aber steckt hinter dem Spiel mehr als nur ein humorvoller Name? Das verraten wir euch in unserem Test.
Seit dem 22. April 2021 ist Turnip Boy Commits Tax Evasion für den PC und die Nintendo Switch erhältlich. Wir übersetzen an dieser Stelle mal den Namen des Abenteuers für euch: Rüben-Junge begeht Steuerflucht. Klingt bescheuert? Ist es auch! Aber ob auf die gute oder die schlechte Art und Weise, das klären wir nun im Test, in dem wir den kleinen Gemüse-Halunken auf seiner Odysee des Steuerrechts begleiten.
Inhaltsverzeichnis
Turnip Life = Thug Life
Quelle: Graffiti Games
Ist das tatsächlich die Strafe, die auf Steuerhinterzug steht? Persönliche Versklavung? Herr Zwiebel, ich erhebe Einspruch! Die Würde der Rübe ist immerhin unantastbar!
Das Leben als Rübe ist nicht leicht. Vor allem in einer Welt, die durch den Kapitalismus und dessen treuen Anhänger, Bürgermeister Zwiebel, beherrscht wird. Unser Held Turnip Boy kann davon ein ganzes Lied singen. Eines Tages fasst er den mutigen Beschluss, sich von der hörigen Masse braver Steuerzahler abgrenzen zu wollen. In einem wilden Akt der Rebellion zerreißt er seinen Steuerbescheid - in welchem horrende Summen abgedruckt sind -, und dieser wandert vom Briefkasten direkt in die Mülltonne.
Ab diesem geschichtsträchtigen Zeitpunkt beginnt unser wildes Abenteuer. Denn vor unserer Haustür lauert schon der Bürgermeister auf uns, um zu verkünden, dass wir ab jetzt aufgrund unserer Schulden sein niederer Assistent werden müssen. Widerwillig begeben wir uns nach seinem Geheiß auf verschiedene Missionen, die uns einiges an Geschick und Kampfkraft abverlangen. Nur so können wir wieder rechtmäßiger Eigentümer unseres Gewächshauses werden, das durch unsere Zahlungsunfähigkeit an die Zwiebel übergegangen ist.
Vom Gameplay her lässt sich Turnip Boy Commits Tax Evasion (jetzt kaufen ) am besten mit einem 2D-Zelda vergleichen. In kleinen, Dungeon-ähnlichen Umgebungen lösen wir mithilfe gefundener Items verschiedene Rätsel, um weiterzukommen. Als Erstes steht uns dabei die Gießkanne zur Verfügung, durch deren Einsatz aus Pflanzen beispielsweise Bomben oder Portale wachsen. Am Ende eines Abschnitts treffen wir auf einen Boss, den wir mit unserer Waffe piksen oder durch die Macht der Gewächse zu Fall bringen können. Sind wir erfolgreich, dann springt für uns ein weiteres Herz, also ein zusätzliches Leben, heraus.
Quelle: Graffiti Games
Hier ein kleiner Einblick in einen der Kämpfe. Die im Quadrat angeordneten Pflanzen tragen Bomben als Früchte, wenn wir sie gießen.
Ein vegetarischer Fiebertraum
Während wir unseren Aufträgen nachgehen, erkunden wir gleichzeitig die farbenfrohe Welt von Veggieville und lernen allerlei exzentrische Bewohner kennen. Unter anderem treffen wir auf eine cholerische Makkaroni und eine Kirsche, die stark an ein bekanntes Anime-Meme erinnert. Die Dialoge machen Spaß und an humorvollen Referenzen zur Popkultur mangelt es definitiv nicht. Es lohnt sich wirklich, jeden Charakter einmal oder am besten gleich mehrmals anzusprechen. Auf diese Weise lassen wir uns keine Gags und witzigen Sequenzen entgehen.
Im Laufe des Spiels entfaltet sich eine Geschichte, deren Ausmaß wir dem verspielten Indie-Titel anfangs gar nicht zugetraut hätten. Zwar wird uns verständlicherweise kein gewaltiger Epos mit tiefgründigen Wendungen geboten, aber immerhin steckt eine Menge ungeahnter Entdeckungen in der Story rund um das Leben der Rübe. Alte Tagebucheinträge gewähren uns zum Beispiel Einblicke in eine geheimnisvolle Vergangenheit. So viel darf sich noch verraten lassen, ohne allzu sehr in grobe Spoiler abzurutschen. Auch wenn ein ausgefeilter Plot wohl nicht Hauptfokus der Entwickler war, können sie mit dieser wertvollen Ergänzung auf jeden Fall überzeugen. Irgendwann haben wir uns zumindest dabei erwischt, wissen zu wollen, was eigentlich hinter all den mysteriösen Begebenheiten steckt. Eigentlich gäbe es dabei sogar wesentlich mehr Potenzial, das hätte genutzt werden können. Eventuell ließe sich das in einem zweiten Teil erneut aufgreifen und weiter ausbauen. Ansonsten wäre das Ganze dann doch noch ein wenig unzufriedenstellend.
Auf die Länge kommt's nicht an
Leider ist das Spiel ziemlich schnell vorbei. Uns wird komprimierter Spaß geboten, der einerseits durchgängig Vergnügen bereitet, aber andererseits auch den faden Beigeschmack eines verfrühten Endes mit sich bringt. Wenn es nach uns ginge, so würden wir uns nach den Erlebnissen mit der fröhlichen Flora Veggievilles noch viel mehr Zeit mit Turnip Boy wünschen. Circa drei Stunden haben wir für einen Durchlauf gebraucht und standen anschließend mit leeren Händen da. Endgame-Content existiert zwar, allerdings geht es dabei nur darum, mit Hinweisen auf verpasste Gegenstände diese zu finden und somit die eigene Sammlung zu vervollständigen.
ABER - und es ist ein großes aber -, die Entwickler haben angekündigt, demnächst ein kostenfreies Update mit einem wiederspielbaren Dungeon zu veröffentlichen, der nach dem Rogue-lite-Prinzip funktionieren soll. Außerdem können wir uns auf eine neue, separate Storyline und weitere Items freuen. Das hört man doch gerne.
Augen- und Ohrenschmaus
Quelle: Graffiti Games
Ob Turnip Boy wohl eine Zuckerrübe ist? Immerhin ist er einfach nur süß!
Der Zeichenstil ist angenehm pixelig und bringt ein gewisses Retro-Feeling mit sich. Durch die minimalistische Gestaltung mit satten Farben kommt Freude beim Hinschauen auf, welche von der unbestreitbaren Niedlichkeit unseres Hauptcharakters nur noch verstärkt wird. Wir können den guten Turnip Boy übrigens auch mit unterschiedlichen sammelbaren Hüten ausstatten, was ein cooles kleines Detail ist.
Besonders hervorzuheben ist der Soundtrack des Spiels. Von fröhlicher 8-Bit Musik über harte Beats bis hin zu entspanntem LoFi-Hip-Hop ist alles dabei, was man sich nur wünschen kann. Von Anfang an und bis in die Credits zieht sich der Drang, rhythmisch mit dem Kopf zu wippen. Jedes Gebiet hat seine eigene musikalische Untermalung und das füllt die Welt zusätzlich mit viel Lebendigkeit.
Ein kleiner Kritikpunkt muss an dieser Stelle noch angemerkt werden. Wir haben beim Testen auf die Switch-Version zurückgegriffen und dabei ist uns die Belegung der Knöpfe unangenehm aufgefallen. Normalerweise ist der Action-Button auf Nintendo-Konsolen nämlich bekannterweise der A-Knopf. In diesem Fall hat man sich aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen für den B-Knopf entschieden. Der Spielspaß wird dadurch nicht beeinträchtigt, unverständlich ist diese Entscheidung aber. Zum Glück lässt sich das Button-Layout aber ja in den Systemeinstellungen der Switch ändern.
Turnip Boy Commits Tax Evasion ist ein Indie-Abenteuer, das mit seinem humorvollen Charme Spieler schnell in seinen Bann ziehen dürfte. Die klare Anlehnung an die Legend-of-Zelda-Reihe ist unverkennbar und gelungen umgesetzt. Wer in nächster Zeit noch einen Nachmittag zu verplanen hat und dafür am liebsten einen Gute-Laune-Garanten nutzen würde, der ist mit Turnip Boy Commits Tax Evasion gut beraten. Und auch, wenn euch das Spiel selbst nicht anspricht, empfiehlt es sich, trotzdem mal auf Youtube in den tollen Soundtrack reinzuhören.
