Trepang 2 im Test: F.E.A.R. 4 oder nur eine Tech-Demo?

Test Stefan Wilhelm
Trepang 2 im Test: F.E.A.R. 4 oder nur eine Tech-Demo?
Quelle: Trepang Studios

Nach jahrelanger Entwicklung ist Trepang 2, ein geistiger Nachfolger des Horror-Shooters F.E.A.R., endlich da. Wird das Indie-Spiel den Erwartungen gerecht?

Yeah, einfach nur in Zeitlupe ballern!

Die Prämisse in den Missionen ist dabei simpel: 106 landet nach seiner Befreiung bei der Task Force 27, die die unethischen Experimente der Horizon Corporation aufdecken und den Konzern zerstören will. Bedeutet für uns: In diversen Forschungslaboren, Industriekomplexen und Schlössern kleben einfach noch nicht genügend Eingeweide an den Wänden, und wir werden losgeschickt, um mal für einen neuen Anstrich zu sorgen. Vorher dürfen wir im Versteck der TF27 unsere Schießeisen mit gefundenen Aufsätzen bestücken und unsere Uniform umgestalten.

Neben der etwa fünfstündigen Kampagne gibt es kleine Nebenmissionen zu spielen, die uns in neue, kompakte Levels schicken und meistens als Wellenverteidigung mit Zusatzaufgaben gestaltet sind. Mal sollen wir Daten von Servern herunterladen und feindliche Störer fernhalten, mal Frachtcontainer in die Luft jagen, indem wir uns Sprengsätze per Hubschrauber anliefern lassen. Die Zusatzaufgaben sind zwar selten sonderlich interessant gestaltet, sie stehen der Kernstärke des Spiels aber auch nicht im Weg. Im Versteck gibt's außerdem einen Kampfsimulator, bei dem wir uns auf 27 kleinen Maps gegen Wellen von Feinden verteidigen. Zwischen den Runden decken wir uns mit verdientem Geld mit neuer Munition und Ausrüstung ein.

Der Spieler steht mit aktivierter Tarnung vor ein paar Soldaten. Quelle: Trepang Studios

Hmm, einfach nur in Zeitlupe ballern.

Gerade hier zeigt sich dann leider auch der größte Knackpunkt am Spiel. So viel Spaß das Geballer macht und so gelungen die Fähigkeiten sind, so eintönig ist die ganze Chose auf Dauer auch. Die Waffenauswahl ist sehr klein und noch dazu tiefster Shooter-Standard. Es gibt nur eine Waffe in jeder Kategorie, und auch die paar freischaltbaren Aufsätze ändern kaum etwas daran, wie sich die Knarren anfühlen.

Zudem lässt sich jeder Standardkampf mit den gleichen Taktiken gewinnen. Zwar könnten wir theoretisch auch schleichen und mit Tarnung und Schalldämpfern vorgehen, da uns die Soldaten aber bei der kleinsten falschen Bewegung sofort entdecken und dadurch jeder Kampf unweigerlich im Chaos endet, wirkt das mehr deplatziert als nützlich.

Der Spieler fliegt über einer Explosion, die ein paar Soldaten trifft. Quelle: Trepang Studios Selbst die gescripteten Hauptmissionen fühlen sich oft wie ein glorifizierter Hordenmodus an, weil uns das Spiel schlicht in Räume sperrt, die dann von allen Seiten mit Soldaten geflutet werden. Hier brüstet sich Trepang 2, wie seine Inspirationsquelle, mit einer fortschrittlichen Gegner-KI, beim Test haben wir davon allerdings nix bemerkt.

Die Feinde können in Deckung gehen und uns in die Flanke fallen, die meiste Zeit irren sie jedoch durch die Gegend wie aufgescheuchte Hühner und verhalten sich wenig nachvollziehbar. Viele verschiedene Typen gibt es auch nicht, das höchste der Gefühle sind Schildträger und Selbstmordattentäter, die uns hinterherlaufen und sich in die Luft jagen.

Tolle Basis, stark ausbaufähig

Hier und da streuen die Entwickler, ganz wie in der Vorlage, auch mal ruhige Horror-Abschnitte zur Auflockerung ein, die gehen im allgegenwärtigen Getöse aber schnell wieder unter. Selbiges gilt für die Story, die oft nett präsentiert wird, wegen gesichtsloser Figuren und vorhersehbarem Verlauf aber nicht im Gedächtnis bleibt.

Trepang 2 verschießt sein Pulver also mit mächtig Dampf, aber eben auch sehr schnell. Dass sich die Entwickler ganz auf ihre Schusswechsel konzentriert haben, macht sich bezahlt, denn so effektreich und befriedigend haben wir selten geballert. Auf der anderen Seite fehlt es Trepang 2 aber deutlich an Waffen, Gegnertypen und Szenarien, die etwas anderes von uns verlangen, als Horden von doofen Klonsoldaten in Zeitlupe niederzumähen.

Wertung zu Trepang 2 (PC)

Wertung:

7.0 /10
Fazit

Trepang 2 bietet einen großartigen Shooter-Kern, dem es deutlich an Abwechslung und Substanz mangelt.

Für den fairen Startpreis von 30 Euro bekommen Shooter-Fans trotzdem eine unterhaltsame Kampagne geboten, die sich auch nach dem Durchspielen dank vieler freischaltbarer Cheats noch gut für eine Runde zwischendurch eignet. Trotz unserer vielen Kritikpunkte beweist Trepang 2 vor allem eines: Hier sitzt ein talentiertes Team mit einer klaren Vision, die mit mehr Inhalt und Ideen irgendwann in einen großartigen Shooter münden könnte.

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