Towaga Among Shadows: Der magische Arcade-Shooter im Test
Test
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Lichtbringer Chimù kämpft mit seinen spirituellen Zauberkräften gegen die dunkle Seite und gegen einen ehemaligen Freund, der vom Bösen verführt wurde. Hm... dieser Plot klingt vertraut. Vielleicht wie eine Geschichte aus einer weit, weit entfernten Galaxis? Nein, denn es geht um das neue Indie-Spiel Towaga Among Shadows des schweizer Entwicklerstudios Sunnyside Games, das wir bald auf dem PC genießen dürfen. Was erwartet uns in diesem Arcade-Shooter aus einer zauberhaften Welt voller Monster und Magie? Wir haben das Spiel schon vorab für euch getestet.
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In Towaga schlüpft man in die Rolle des jungen Lichtbringers Chimù, der von seinem geheimnisvollen, spirituellen Meister Kurro, auch Bärenvogel genannt, auf eine Mission geschickt wird: Er soll Monster bekämpfen und geknechtete Seelen befreien, um die Finsternis zu besiegen. Diese Schlacht bestreitet man entweder in simpel aufgebauten, arcadeartigen Shooter-Levels, im Surivivalmodus oder im Multiplayer.
Ein klassischer Kampf Gut gegen Böse mit einem schrulligen Lehrmeister, den ständigen Versuchungen durch die dunkle Seite ausgesetzt - kein Wunder, dass man an Star Wars denken muss. Die fantastische Welt von Towaga besitzt jedoch ihren ganz eigenen Charme. Für Nintendo Switch und Apple Arcade ist das Spiel bereits erschienen - wir nehmen für euch die PC-Version unter die Lupe, die ab 14. Juli auf Steam erhältlich ist.
Dunkel die andere Seite ist
Quelle: PC Games
Licht und Dunkelheit spielen auch im Artwork des Spiels eine große Rolle.
Bereits auf den ersten Blick lässt sich eines nicht verleugnen: das Spiel ist wunderschön. Das bezaubernde Artwork spielt auf besondere Weise mit dem Gegensatz zwischen Licht und Schatten. Immer wieder leuchtet uns aus den detailverliebten, handgemalten Hintergrundbildern der Schein einer Laterne oder das Funkeln eines Augenpaares entgegen, ganz im Kontrast zu der dunkel gehaltenen Umgebung in lila, rot und schwarz.
In diese Welt aus hell und dunkel wird man ohne große Erklärung hineingeworfen: Chimù finden sich in der schummrigen Kammer seines Meisters Kurro wieder. Dieser kommuniziert zwar mit unserer Hauptfigur, allerdings nur so viel wie nötig. Synchronisiert ist der Text nicht, man hört nur ein paar krächzende Laute in einer geheimnisvollen Sprache und kann sich dann durch Untertitel klicken. Die Dialoge sind jedoch ohnehin auf das Nötigste reduziert. Zwar mag die Unwissenheit zu Beginn des Spiels im ersten Moment irritieren, sie stimmt einen jedoch auch perfekt auf die mysteriöse Atmosphäre der Welt ein.
Insgesamt trifft Towaga mit geheimnisvollen, oft etwas merkwürdig anmutenden Figuren, detailverliebten Backgrounds und comichaften, kleinen Monstern wunderbar den Ton zwischen niedlich und düster. Besonders sticht zudem die Hintergrundmusik heraus, die das Setting teils rätselhaft, teils exotisch-temperamentvoll perfekt untermalt.
Mund-Nase-Bedeckung ist Pflicht
Quelle: PC Games
Lehrmeister Kurro plagt sich mit typischen Alltagsproblemen.
Man erfährt zu Beginn also nicht viel über die Spielwelt, das macht aber nichts, denn Towaga baut darauf auf, die Wissenslücken Schritt für Schritt in kleinen Dosen zu schließen. Das funktioniert mit Hilfe von kurzen Dialogen (oder eher Monologen, der gute Chimù spricht nämlich nicht, sondern lässt sich höchstens zutexten) und von Sammelobjekten aus der Welt von Towaga. Nach abgeschlossenen Levels findet man immer wieder neuen Items, darunter Tagebucheinträge, Ritualgegenstände und Erinnerungsfetzen, die man im Inventar genauer betrachten kann. Das Spiel hält hier erneut ausgesprochen gut die Waage, denn die Texte zu den Sammelobjekten sind informativ aber trotzdem kurz und knackig - man ist nie genervt von der Menge des Inputs. So lernt man mithilfe der Gegenstände Schritt für Schritt mehr über die Lichtreligion unserer Hauptfigur und über unseren Antagonisten oder besser, über seine "skywalkereske" Entstehungsgeschichte. Wir lesen von Verrat, von religiösen Zweifeln, von Fanatismus und Versuchung. Die geheimnisvollen Erinnerungsfetzen, die man ebenfalls nach abgeschlossenen Levels finden kann, sind ergänzend dazu kurze, verheißungsvolle Teaser, die uns noch etwas tiefer in das Towaga-Setting hineinziehen. Dass die Figuren der Spielwelt Masken tragen müssen, liefert aktuell noch zusätzliches Identifikationspotential.
Natürlich präsentieren Sunnyside Games in Towaga keinen Epos an Backgroundstory, den man in eine mehrteilige Fantasyreihe packen könnte, es ist schließlich noch immer ein Arcade-Shooter. Die Narration besitzt aber dennoch mehr tiefe, als man von einem Spiel dieses Genres vielleicht erwarten würde. Storyfans, die nicht nur auf ein nettes Gameplay, sondern auch auf ein immersives Setting achten, werden vom Weltenbau des Shooters positiv überrascht sein. Das anfängliche Versprechen von Tiefgründigkeit wird jedoch nicht ganz erfüllt, denn am Ende der Episode 2 (das 3. Kapitel ist bisher leider noch nicht erschienen), bleiben viele Fragen offen und die angedeutete Tiefe der Backstory kommt nicht ganz zum Tragen: trotz aller religiösen Zweifeln und Versuchungen bleiben die Guten gut und die Bösen bleiben böse. Diese simple Auflösung wirkt nach all den aufgeworfenen Fragen und Kontroversen leider etwas schwarz-weiß. Bisher, denn ein 3. Teil des Storymodus soll noch kommen.
Nur noch ein Versuch! Wirklich!
Quelle: PC Games
Im Flugmodus lässt sich Chimù per Tastensteuerung durch den Himmel bewegen.
Towaga ist also hübsch anzusehen und besitzt eine nette Hintergrundgeschichte, die aber eher als schmückendes Beiwerk zum eigentlichen Gameplay dient, denn essenziell ist das Lesen der Hintergrundinfos nicht und schlägt sich kaum auf das Spielprinzip nieder. Wir können im Spiel nicht vom Bösen versucht werden oder die gesammelten Ritualgegenstände nutzen, wir sind einfach nur eine 2D-Figur, die sich mit Feuerstrahlen von Level zu Level schießt. Die Aufmachung von Towaga ist Indie, das Gameplay ist klassisch.
In typischer Arcade-Manier beginnt der Storymodus mit einfach aufgebauten Shoot-em-Up-Levels. Die Spielfigur seht in der Mitte des Kampffeldes, während Monster auf sie einstürzen, die es mit Magie zu rösten gilt. Dazu muss man den Mauszeiger gedrückt halten und mit einem Feuerstrahl die passende Richtung zielen. Mit der Leertaste kann man zudem Zauber abschießen, die man im Laufe des Storymodus erlernt. Bei jedem zerstören Monster sammelt man Seelen, die man in Form von Punkten für Skill-Verbesserungen oder Kostüme ausgeben kann. Zudem beinhaltet das Spiel noch Fluglevel, in denen man die Figur mit der Tastatur über den Himmel bewegen kann. Das ist eigentlich auch schon alles, denn viel mehr kann man in einem Kampf nicht machen.
Ziemlich simpel, vielleicht ein wenig zu simpel. Das unkomplizierte Gameplay sorgt zwar dafür, dass man schnell ins Spiel kommt, es gibt dadurch aber auch nur wenige Funktionen im Kampf. Gerade die ersten Level im Storymodus sind - typisch Arcade - extrem einfach. Man kann zu Beginn nicht viel mehr machen als wild mit dem Feuerstahl durch die Gegend wedeln, besonders da die Kämpfe bei großen Gegnergruppen ziemlich unübersichtlich werden. Das ändert sich auch im Laufe des Spiels kaum, nur der Schwierigkeitsgrat nimmt schnell etwas zu. Wirklich schwer ist das Spiel im Storymodus allerdings nicht, besonders für Arcade-Fans, die härtere Nüsse gewöhnt sind. Als Anfänger muss man manche Level vielleicht ein-, zweimal wiederholen, zum Haareraufen ist es jedoch nie.
Im ersten Kapitel gibt es zwei Schwierigkeitsstufen: normal oder herausfordernd. Der normale Modus ist an vielen Stellen beinahe unterfordernd: Besonders in den ersten Levels kann man schon kurz wegdösen, ohne zu verlieren. Nach geringer Spielpraxis und mit ein paar gesteigerten Skills ist allerdings "herausfordernd" auch keine allzu große Herausforderung mehr. Selbst bei den wenigen Bosskämpfen gibt es kaum welche, die knackig sind. Das Balancing ist also teilweise etwas unausgewogen, gerade für diejenigen, die viel Arcade-Erfahrung haben. Das zweite Kapitel besitzt gar keine Schwierigkeitsstufen mehr und stellt für geschickte Finger durchweg kein großes Problem dar. Das mag entspannt sein, eine Herausforderung ist es aber nicht.
Im Gegensatz dazu ist der Survival-Modus ausgesprochen schwer und man muss erst einige Punkte in Skill-Verbesserungen umsetzen, um länger zu überleben. Schafft man es aber, die ersten Minuten gegen die Monsterhorden zu bestehen, kann schnell ein gewisser Suchtfaktor eintreten und man versucht immer und immer wieder, doch etwas länger durchzuhalten.
Insgesamt ist das Gameplay einsteigerfreundlich und kann einen durchaus in den Bann ziehen, allerdings ist es nicht besonders abwechslungsreich. Eine wirkliche Spieltaktik lässt sich in Towaga kaum entwickeln, denn es gibt so gut wie keine Kampffertigkeiten, die man geschickt einsetzen muss. Im Flugmodus ist es eher möglich, durch die Tastensteuerung eine bestimmte Flucht- oder Angriffsstrategie zu entwickeln, aber auch nur bedingt. Auf dem Kampffeld mit vielen Monstern verliert man zudem sehr schnell den Überblick vor lauter Flattern und Blinken - häufig läuft es beim wilden Herumschießen doch wieder auf Buttonmashing (oder eher Buttonpressing) und den guten, alten Zufall heraus. Obwohl Towaga durchaus auch auf Gamepad-Steuerung ausgelegt ist, wirkt die Bedienung damit sogar noch ein wenig unkontrollierter, diese Variante ist daher nicht empfehlenswert.
