Total War: Three Kingdoms im Test: Wie aus einer fremden Welt - aber auch grandios!

Test Matti Sandqvist 11,53 €
Total War: Three Kingdoms im Test: Wie aus einer fremden Welt - aber auch grandios!
Quelle: PC Games

Creative Assemblys Strategiereihe ist nun schon fast schon 20 Jahre alt und hat von der Antike über das Mittelalter bishin zur Neuzeit viele wichtige Epochen der Geschichte abgedeckt. Auch im Fernost wurde bereits zwei mal Krieg geführt, allerdings noch nie im Reich der Mitte. Mit Total War: Three Kingdoms holen die Briten das nach und liefern ein Strategiekoloss, den die Hobby-Generäle unter uns unbedingt anschauen sollten!

Die beiden Gesetzlosen Zheng Jiang und Zhang Yan haben sich verbündet und uns den Krieg erklärt. Nun wird unsere Großstadt im Norden - Yingchuan - von ihren Truppen bedroht. Doch immerhin können wir uns auf unsere schlagkräftige Armee unter der Führung von Bao Shuo, Cao Weize und Sun Jiao in der Komturei Chen verlassen - die vielseitigen mit Gleven sowie Bögen ausgestatteten Azurdrachen, die gut gepanzerte Tiger- und Leoparden-Kavallerie und die flinken Gelben Drachen mit ihren Äxten haben bisher jede Herausforderung auf dem Schlachtfeld gemeistert. Doch auch im Süden liegt einiges im Argen: Die Rebellion der Gelben Turbane hat schon zwei unserer Komtureien übernommen und der Aufstand scheint sich auch auf viele andere unserer Ländereien zu verbreiten.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Vielleicht hätten wir uns statt der "Grünen Drachenschiffe" für die Reform "Meister der Zeremonien" entscheiden sollen, die hätte für eine Verbesserung der öffentlichen Ordnung gesorgt und nicht eine zusätzliche verfügbare Armee freigeschaltet, die wir aufgrund der aktuellen Lage eh nicht aufstellen können. Jetzt ist es aber zu spät, der Herzog Chao Chao soll sich selbst um die Rebellion im Süden kümmern und Bao Shuo und seinen Kameraden die Bekämpfung der Eindringlinge überlassen. Wenn unser Vasall Kong Zhuo uns unter die Arme greift, könnten die beiden Krisen leicht überwunden werden; am Ende wären sie nur kleine Stolpersteine auf unserem langen Weg zum Kaiser über das Reich der Mitte.

Total War Three Kingdoms im Test: Die Geschichte der Drei Reiche

Wer jetzt nur Chinesisch versteht, wir können das mehr als gut nachvollziehen! Dem Autor dieses Artikels ging es zumindest in den ersten zehn - wenn nicht gar zwanzig - Spielstunden von Total War: Three Kingdoms (jetzt kaufen 37,08 € / 11,53 € ) so, obwohl er sich als absoluter Total-War-Veteran und zudem als Hobby-Historiker bezeichnet. Wo liegt Yinghuan? Wie mächtig ist Kong Zhuo und was zum Teufel sind die Azurdrachen und welche Stärken haben sie? Zu Beginn der Kampagne dürfte fast jeder Europäer mit dem Setting von Three Kingdoms überfordert sein. Die westliche Allgemeinbildung legt nun mal wenig Wert darauf, dass man sich mit der fernöstlichen Geographie und Kultur geschweige denn Geschichte auseinandersetzt. Das Setting wie aus einer anderen Welt macht Creative Assemblys neues Strategiespiel natürlich nicht schlecht. Viel mehr zeigt das Mammutwerk, wie unglaublich interessant und facettenreich die Zeit der Drei Königreiche (208-280 n. Chr.) gewesen ist und dient zugleich als Ansporn für Geschichtsinteressierte, sich mit der Epoche zu beschäftigen.

Kurz umrissen geht es in Total War: Three Kingdoms um die Ära, in der die Han-Dynastie unterging und der grausame Tyrann Dong Zhuo die Macht an sich riss. Überall in China stellten sich Warlords gegen den Despoten, jedoch hatten sie auch eigene Interessen - viele von ihnen wollten sich gar selbst zum Kaiser krönen lassen. Festgehalten wurde diese Epoche von Luo Guanzhong rund tausend Jahre später in seinem Werk "Die Geschichte der Drei Reiche", das heute zu den vier klassischen Romanen der chinesischen Literatur gezählt wird und offensichtlich als die Inspirationsquelle für die Macher von Total War: Three Kingdoms diente. Man merkt dem Spiel auch fast überall an, dass die Entwickler so richtig Lust auf das interessante und ungewöhnliche Setting hatten. Die Benutzeroberfläche ist inspiriert von der Epoche und sieht wunderschön aus, der Detailreichtum überwältigt sowohl auf der Kampagnenkarte als auch in den Schlachten und obendrein passen die neuen Spielmechaniken zum Szenario wie die Faust aufs Auge.

Total War Three Kingdoms im Test: Übungssache

Style over Substance: Den Entwicklern merkt man die Liebe zum Szenario an. Trotzdem finden wir den neuen Forschungsbaum etwas unübersichtlich. Quelle: PC Games Style over Substance: Den Entwicklern merkt man die Liebe zum Szenario an. Trotzdem finden wir den neuen Forschungsbaum etwas unübersichtlich. Total War: Three Kingdoms ist im Gegensatz zum letzten historischen Ableger, Thrones of Britannia, ein vollwertiger Nachfolger und krempelt die von der Reihe gewohnte Spielmechanik entsprechend stark um - unserer Meinung nach deutlich stärker als etwa Total War: Attila zu seiner Zeit. Zu den Neuerungen gehören zum Beispiel die komplett überarbeiteten Diplomatie-, Handels- sowie Spionage-Systeme, die Art wie wir Armeen aufstellen und wie wir Forschung betreiben, die Verwaltung von Charakteren und Provinzen (die in Three Kingdoms Komtureien heißen) und zudem die Schlachten, in denen - je nach Spielmodus - übermenschlich starke Helden über Sieg oder Niederlage entscheiden. Da man ja schon mit dem Szenario in China wahrhaft Neuland betritt, sind Serienveteranen zusätzlich mit den vielen überarbeiteten Spielmechaniken beschäftigt und entsprechend lang fällt auch die Zeit aus, bis man die vielen Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Forschung, Diplomatie und Kriegsführung verinnerlicht und zu eigenen Gunsten ausspielt. Die Investition von mehreren Stunden lohnt sich aber, denn unserer Meinung nach gab es noch keinen Ableger der Reihe, der gleich zum Release so gut funktioniert hat und dessen Spielmechaniken so durchdacht wirken - man braucht also keine Angst vor einem fast katastrophalen Start wie etwa zum Launch von Total War: Empire oder Rome 2 haben. Zudem erklärt Three Kingdoms alle Mechaniken während der Kampagne en détail, sodass ein gesondertes Tutorial oder ein Handbuch gar nicht mehr notwendig ist.

Total War Three Kingdoms im Test: Helden im Mittelpunkt

Wie bereits erwähnt, können wir die Kampagne von Three Kingdoms in zwei unterschiedlichen Spielmodi bestreiten. Wir haben uns beim ersten Anlauf für die neue Variante, sprich für "Geschichte der Drei Reiche" entschieden. Hier stehen heldenhafte Anführer im Mittelpunkt der Schlachten. Sie reiten als einzelne, mächtige Krieger in die - wieder einmal grandios inszenierten - Auseinandersetzungen und sind dank ihrer gewaltigen Fähigkeiten in der Lage, feindliche Einheiten zu vernichten. Zudem können die Generäle gegnerische Charaktere in Duelle verwickeln und sie so daran hindern, verbündete Truppen zu dezimieren. Auf der Kampagnenkarte spielt sich der Modus hingegen sehr ähnlich zu den "Aufzeichnungen der Drei Reiche". Der größte Unterschied in dem klassischen Modus ist, dass unsere Generäle wie aus den Vorgängern gewohnt mit ihren Leibwächtern in die Schlachten ziehen und es so mehr auf Armeetaktiken als in "Geschichte der Drei Reiche" ankommt.
Im 'Geschichte der Drei Reiche'-Modus reiten die Anführer ohne Gefolge in die Schlacht, sind aber übermenschlich stark und können im Alleingang feindliche Einheiten niederwälzen. Quelle: PC Games Im "Geschichte der Drei Reiche"-Modus reiten die Anführer ohne Gefolge in die Schlacht, sind aber übermenschlich stark und können im Alleingang feindliche Einheiten niederwälzen. Unserer Meinung nach lohnt es sich eher, Three Kingdoms in der neuen Variante zu spielen. Das liegt vor allem daran, dass viele, kleinere Spielmechaniken nur hier zum Tragen kommen. Die Generäle verfügen zum Beispiel über unterschiedliche Charakterspezialisierungen, die ihnen etwa Vorteile bei Duellen oder im Kampf gegen Einheiten geben. Cao Cao ist zum Beispiel ein Kommandant, der schwach im Nahkampf ist, dafür seine eigenen Truppen inspiriert. Zhang Yan ist hingegen ein Streiter und schlägt sich gut gegen andere Charaktere, ist jedoch im Nachteil gegen feindliche Einheiten. Zudem lassen sich die Helden mit besonderen Rüstungen und Waffen ausstatten, die Boni für die Angriffs- und Verteidigungswerte geben. Die Ausrüstungsteile erbeuten wir entweder von geschlagenen Feinden oder stellen sie in Komtureien mit Waffen- oder Rüstungsbauern her.

Total War Three Kingdoms im Test: Alles neu macht der Mai

Auch die Aufstellung der Armeen haben die Entwickler überarbeitet. Nun müssen wir für einen vollständigen Verband drei Generäle anheuern. Quelle: PC Games Auch die Aufstellung der Armeen haben die Entwickler überarbeitet. Nun müssen wir für einen vollständigen Verband drei Generäle anheuern. In beiden Spielmodi gibt es aber eine Fülle von Neuerungen auf der Kampagnenkarte, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Eine der wichtigsten betrifft die Armeen. Truppenverbände werden nun von bis zu drei Generälen angeführt, die jeweils bis zu sechs Einheiten mit sich führen. Dabei haben die Anführer Spezialisierungen, die nicht nur über die Vor- und Nachteile für die Duelle bestimmen, sondern auch welche Truppen sie bevorzugt ins Feld führen. Strategen können zum Beispiel Fernkampftruppen rekrutieren, die besser als die normalen Miliz-Bogenschützen sind. Wächter sind hingegen Nahkampfinfanterie-Spezialisten und Kämpfer Kavallerie-Experten. Insgesamt gibt es fünf Spezialisierungen - man muss sich folglich bei jeder Armee entscheiden, über welche Fokussierung sie verfügen soll. Wir finden das System sehr gut, da man nun im Vorfeld schon festlegt, für welchen Zweck der Truppenverband eingesetzt wird und man auch nicht die eine, unschlagbare Armee erstellen kann. Interessant ist auch, dass die Kommandanten der Verbände sich unterschiedlich gut miteinander verstehen. Manche Charaktere haben zum Beispiel einen Hass auf einen anderen und sollten deshalb nicht zusammen in einer Armee sein. Die Beziehungen entwickeln sich zudem im Laufe einer Kampagne. Man sollte auf jeden Fall stets darauf achten, dass keiner der Charaktere unzufrieden ist, sonst droht am Ende noch ein Bürgerkrieg. Eine weitere Möglichkeit, die Anführer glücklich zu stellen, ist, ihnen Positionen am Hof zu geben. Als Kanzler oder großer Kommandant bringen sie uns zusätzliche Boni wie etwa 15 Prozent mehr Einkommen aus der Landwirtschaft oder Industrie. Jedoch gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Positionen am Hof und zudem müssen wir auf die Gehälter achten - ein Kanzler verlangt deutlich mehr als ein einfacher General.

Creative Assembly hat das Diplomatie-System stark überarbeitet. Hilfreich ist nun die Option, schnelle Verträge abzuschließen. Quelle: PC Games Creative Assembly hat das Diplomatie-System stark überarbeitet. Hilfreich ist nun die Option, schnelle Verträge abzuschließen. Die andere große Überarbeitung betrifft das Diplomatie- und Handelssystem. In Three Kingdoms können wir wie aus den Vorgängern gewohnt Bündnisse sowie Nichtangriffs- und Handelspakte schließen, Kriege führen und militärische Zugänge erteilen. Neu ist aber, dass es nun auch eine Option für schnelle Abkommen gibt. Hier können wir aus einer Liste möglicher Abkommen eines aussuchen und sehen dann auf einen Blick, wie wahrscheinlich der Abschluss mit welcher Fraktion ist. Das macht vor allem im späteren Verlauf das Spiel komfortabler als aus den Vorgängern gewohnt. Ähnliches trifft auch auf das Handelssystem zu. Wir können im neuen Teil nur noch eine begrenzte Anzahl von Handelsverträgen mit anderen Fraktionen abschließen und sie bringen uns lediglich finanzielle Vorteile. Für den Bau von bestimmten Einheiten werden hingegen keine besonderen Ressourcen benötigt.

Total War Three Kingdoms im Test: Frischer Wind

Das Highlight von Total War: Three Kingdoms sind wie gewohnt die grandios in Szene gesetzten Schlachten. Grafisch sind sie aufgrund der großen Detailfülle über jeden Zweifel erhaben, verlangen dafür aber auch einen Rechenknecht der neueren Generation. Trotz der großen Zahl unterschiedlicher Einheiten geht das Schere-Stein-Papier-Prinzip wieder vollkommen in Ordnung. Im Vergleich zu den Vorgängern mag es zwar weniger Unterschiede zwischen den Truppen der spielbaren Fraktionen geben, aber unserer Meinung reichen die im Schnitt zwei Spezial-Einheiten pro Herrscher aus. Zudem spielen sich die Schlachten dank der Helden im "Die Geschichte der Drei Reiche"-Modus erfrischend anders im Vergleich zu denen der Vorgänger. Allerdings ist die KI nach wie vor noch ein wenig verbesserungswürdig. Totalausfälle wie etwa in den Anfangstagen von Total War: Shogun 2 haben wir zwar nicht erlebt, aber auch selten Schlachten, in denen die Feinde uns wirklich überrascht hätten. Immerhin bot uns die KI in den Belagerungsgefechten so sehr Paroli, dass wir einige von ihnen tatsächlich auch wiederholen mussten.
Man merkt, dass Creative Assembly die KI verbessert hat. So gestalten sich dieses Mal sogar die Belagerungsschlachten herausfordernd. Quelle: PC Games Man merkt, dass Creative Assembly die KI verbessert hat. So gestalten sich dieses Mal sogar die Belagerungsschlachten herausfordernd. Insgesamt ist Total War: Three Kingdoms genau das richtige, um der renommierten Strategiereihe wieder frischen Wind einzuhauchen - und das nicht nur wegen des ungewöhnlichen Settings. Einige Fans werden vielleicht nicht mit allen Neuerungen d'accord gehen, weil sie gewohnt komplexe Spielmechaniken ein wenig vereinfachen. Wer aber das große Gesamte betrachtet, wird den Sinn in den Neuerungen erkennen - vor allem für den späteren Kampagnenverlauf. Einige kleinere Überarbeitungen an der Benutzeroberfläche würden wir uns trotzdem wünschen - etwa bei der Übersicht über die Reformen oder beim Einstellen der Verwalter für die Komtureien. Wer also Lust hat, sich mit der chinesischen Geschichte zu beschäftigen und zudem ein zugängliches, aber zugleich komplexes Strategiespiel erleben möchte, ist mit Total War: Three Kingdoms richtig beraten.

Meinung

Wertung zu Total War: Three Kingdoms (PC)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
KI-Verbesserungen ...Enormer UmfangSehr hoher Wiederspielwert dank 11 unterschiedlicher FraktionenSehr gut umgesetzes SettingVernünftige und passende NeuerungenGrafisch eine WuchtKampagne und Gefechte im Mehrspielermodus spielbarGutes Balancing
... die jedoch nicht in allen Schlachten perfekt funktionierenmitunter unübersichtliche MenuführungHohe Hardware-Anforderungen
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk