Total War Saga: Thrones of Britannia-Kolumne - Was sich Redakteur Peter Bathge für 2018 wünscht
Kolumne 7,76 €
Wohin geht die Reise für Total War im Jahr 2018? Redakteur Peter Bathge blickt in die Zukunft der Strategie-Serie und hätte so manches gerne wieder so wie früher. Ob der neue historische Serienteil Thrones of Britannia seine Feature-Wünsche zum Release im nächsten Jahr erfüllt? Der Kommentar eines Fans.
Total War: Warhammer 2 ist nahezu perfekt. Nicht umsonst gab es in unserem Test eine Ausnahmewertung für das Fantasy-Strategiespiel: Besonders die Echtzeitkämpfe mit Tausenden Soldaten gleichzeitig sind so ausgewogen wie wohl zu keinem Zeitpunkt in der Total War-Geschichte. Ich muss das wissen, ich habe die Serie 17 Jahre lang begleitet, von ihrem allerersten Auftritt in Shogun: Total War über die vielen historischen Nachfolger bis zur extrem erfolgreichen Ehe mit dem Warhammer-Universum.
Mein persönlicher Liebling bleibt wohl auf ewig das bis heute unerreichte Medieval 2, das nun auch schon wieder mehr als zehn Jahre auf dem Buckel hat. Ich habe KI-Kapriolen miterlebt, weltumspannende Imperien gegründet und als Redakteur auch die ein oder andere überhastete Fehlwertung vergeben (der Total War Rome 2-Test, *hust, hust*). Der Mix aus Rundenstrategie und epischen Echtzeitkämpfen hat mich dabei neben der historischen Komponente immer besonders fasziniert - wie so viele andere Spieler. Aber im Rückblick habe ich letztlich wohl deutlich mehr Zeit auf den diversen Übersichtskarten von Europa, Japan, Amerika oder Indien (Empire: Total War!) verbracht als auf dem Befehlsstand des Generals während riesiger Landschlachten, chaotischer Seegefechte und schon immer besonders für KI-Fehler anfälliger Belagerungen.
Total War Saga: Thrones of Britannia - Hoffnung für 2018
Quelle: Sega
Die Rückkehr ins historische Mittelalter signalisiert hoffentlich ein Revival vieler von mir geliebter Medieval 2-Features.
Total War: Warhammer 2 hat mich jetzt jedoch bekehrt; in der gigantisch großen, quasi endlos spielbaren Mortal Empires-Kampagne schlage ich mittlerweile fast jeden Kampf zwischen meinen Echsenmenschen und anderen Völkern selbst, egal ob Entscheidungsschlacht oder Grenzgeplänkel. Endlich fühlt sich das Kampftempo realistisch an, endlich ergreifen Truppen mit angeschlagener Moral nicht mehr so schnell die Flucht wie in Shogun 2, klumpen die Regimenter nicht mehr so zusammen wie in Rome 2. Ich fühle mich wie ein gewiefter Taktiker, freue mich über geglückte Flankenmanöver und erfolgreich vor dem Computer im Wald versteckte Entsatztruppen. Kurzum: Ich habe mächtig Spaß an den Echtzeitschlachten von Total War.
2018 darf das gerne so bleiben, auch wenn Entwickler Creative Assembly neue Spiele meiner Lieblings-Strategieserie veröffentlicht wie Total War Saga: Thrones of Britannia (jetzt kaufen / 7,76 € ). Bei der Vorschau auf den ersten historischen Ableger seit 2015 bin ich also entspannt, was die Kämpfe angeht. Das schafft Creative Assembly schon! Aber ich würde mir wünschen, dass die Briten sich jetzt endlich verstärkt um den Rundenstrategie-Part kümmern. Denn der wurde über die Jahre vor allem hübscher, aber nicht eben besser.
Fünf Wünsche für die Zukunft von Total War
Die Rückkehr ins Mittelalter mit Thrones of Britannia wäre doch der perfekte Zeitpunkt, um die etwas komplexere, aber im Rückblick immens gelungene Wirtschaftsmethodik von Medieval 2 zurückzubringen. Dort ließen sich Provinzen entweder zur Stadt oder zur Festung ausbauen: Die eine ermöglichte den Bau ökonomischer Gebäude und steigerte vorrangig das Einkommen der Region - die andere war unerlässlich für das Hochziehen von Kasernen und Ställen, die mir Zugriff auf die stärksten Einheiten meiner Fraktion gewähren.
Außerdem hätte ich gerne wieder mehr Persönlichkeit im Spiel: Die RPG-Helden (Lords) aus Total War: Warhammer sind gut und schön, aber zusammen mit der Rückkehr in historisch belegte Gefilde erwarte ich auch ein Wiederaufkommen des klassischen Fraktionsstammbaumes. Es hatte für mich immer etwas ungemein Spannendes, meiner französischen Königsfamilie beim Wachsen und Gedeihen zuzusehen: Wer heiratet wen, was hat das für Auswirkungen auf die Fähigkeiten und Traits der Kinder? Was ist, wenn mein Thronerbe keinen Funken taktisches Verständnis in den Knochen hat? Hetze ich ihm einen Assassinen auf den Hals? Lasse ich ihn exkommunizieren? Solche Überlegungen haben mir im Laufe der Jahre immer enormen Spaß gemacht - auch im Meister der historischen Lebenssimulation, Crusader Kings 2.
Das für Ende November angekündigte Rome 2-Add-on Empire Divided wird keinen Stammbaum enthalten - eine verpasste Chance, wie ich finde, denn schon das Hauptspiel litt unter der undurchtsichtigen Darstellung der Herrscherfamilien und der mangelhaften Interaktion mit Erben, Generälen und Ehefrauen. Besonders schön fand ich nämlich ganz früher, in Medieval 1, dass ich meine Lieblingstruppen mit Adelstiteln beschenken und so ihre Loyalität erhöhen konnte - bitte sowas auch wieder in Thrones of Britannia einführen, Creative Assembly!
Quelle: Creative Assembly
Die heute in der Total War-Serie etablierte 3D-Übersichtskarte hätte mal wieder grundlegende Veränderungen nötig.
Und was würde besser zum Verschachern von Titeln passen als der Kuhhandel mit Prinzessinen meines Reiches? Erneut bildet hier für mich Medieval 2 den Goldstandard, an dem sich künftig Total War-Spiele 2018 und darüber hinaus orientieren sollten: Damals konnte ich die Hofdamen nicht nur als Ersatz-Unterhändler in diplomatischen Fragen nutzen, sondern auch direkt ihre Hand eigenen Untertanen und fremden Herrschern anbieten - perfekt, um Allianzen zu stärken. In aktuellen Total War-Spielen wie Warhammer 1+2 gibt es auf dem Spielfeld zwar auch Agenten, die sich auch ohne Armeezugehörigkeit verschieben lassen und spezielle Aktionen ausführen können - aber so klasse und gleichzeitig so eingängig wie mit Prinzessinen, Diplomaten, Händlern, Priestern, Spionen und Meuchelmördern in den Medieval-Teilen fühlte sich der Umgang mit den Spielfiguren in der 17-jährigen Seriengeschichte nie wieder an.
Mein fünfter und letzter Total War-Wunsch für 2018 und Thrones of Britannia mag zwar utopisch erscheinen, aber ich spreche ihn trotzdem mal aus: Ich hätte gerne keine 3D-Karte mehr! Shogun und Medieval besaßen Anfang der 2000er Jahre ein herrliches Brettspielflair, eben weil die Weltkarte des feudalen Japans beziehungsweise des mittelalterlichen Europas keine hyperrealistische, dreidimensionale Nachbildung der Realität war, sondern ein einfarbiges Spielbrett mit aufgezeichneten Hügeln und dick markierten Landesgrenzen. Für jede Figur, die ich mit dem Mauszeiger aufnahm, jede Armee, die ich in eine Provinz schickte (und die man damals übrigens noch ohne General in einzelnen Trupps kommandieren durfte, was für ein Segen!) galt eine ganz simple Regel: Befand sich in der Region eine feindliche Streitmacht, kam es zum Kampf - kein Auflauern in Hinterhalten, kein Verstecken knapp außerhalb des Bewegungsradius. Ganz oder gar nicht war damals das Motto. Es war eine einfachere Zeit, die mich an durchzechte Nächte mit meinem Lieblingsbrettspiel Risiko erinnert.
Quelle: PC Games
So charmant sah die Weltkarte in Medieval: Total War aus.
Wegen diesem Brettspielflair, dieser eleganten Simplizität habe ich mich damals in Total War verliebt - und 17 Jahre später würde ich nur zu gerne zu dieser Art der Spielerfahrung zurückkehren. Vielleicht denken sich Sega und Creative Assembly bei Total War Saga: Thrones of Britannia nach der Perfektion ihres Fantasy-Settings ja jetzt "Wehret den Anfängen" und setzen zumindest einige meiner Herzenswünsche um. Schön wär's jedenfalls. Bis dahin spiele ich eben weiter mit meinen Echsenmenschen im großen Sandbox-Globalkrieg. Als Nächstes müssen wohl die benachbarten Zwerge dran glauben ...
