Tormentum: Test des Horror-Adventures - Kein Platz für Hoffnung

Test Felix Schütz
Das düstere Adventure mündet in zwei verschiedenen Endsequenzen.
Quelle: PC Games

Adventure-Überraschung aus Polen: Das düstere Tormentum überzeugt mit prächtigen Zeichnungen im Stil H.R. Gigers, fairen Puzzles und einer bedrückenden Atmosphäre. Dabei ist Spielspaß nicht mit guter Laune gleichzusetzen: Tormentum ist spielgewordene Hoffnungslosigkeit.

Der Name ist Programm: Wer sein Spiel "Tormentum" nennt und ihm dann noch den Untertitel "Dark Sorrow" verpasst, der will keine gute Laune verbreiten. Und tatsächlich: Das polnische, dreiköpfige Team OhNoo Studio macht keine Kompromisse und inszeniert ein beklemmend-düsteres Point-and-Click-Adventure, in dem kaum Platz für Hoffnung oder Freude bleibt. Tormentum spielt in einer bizarren, trostlosen Fantasy-Welt; wir steuern eine vermummte Gestalt, die sich zu Beginn gefangen in einer grauenvollen Festung wiederfindet. Brutale Wärter halten uns gefangen, drohen uns Folter an, durch die wir vom Bösen gereinigt werden sollen. Warum wir dort sind und was wir angeblich angestellt haben – all das wissen wir nicht, müssen es aber herausfinden.

"Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!"

Tormentum ist die spielgewordene Trostlosigkeit. Gute Laune gibt's hier nicht. Quelle: PC Games Tormentum ist die spielgewordene Trostlosigkeit. Gute Laune gibt's hier nicht. Die Welt von Tormentum ist abstoßend. Surreal. Deprimierend. Und wunderschön. Die albtraumhafte Szenerie besteht aus prachtvollen Artworks, in der sich hin und wieder zwar auch animierte Elemente finden, doch der Großteil der Kulisse bleibt statisch. Der bedrückendenden Stimmung tut das keinen Abbruch, denn die Zeichnungen voller grotesker Kreaturen, verzerrter Fratzen, trostlosen Einöden und ekelhaft organisch anmutender Architektur entfalten auch ohne technische Spielereien ihre Wirkung. Der Grafikstil erinnert bewusst an die Werke fantastischer Künstler wie Zdzisław Beksiński oder H.R. Giger, erreicht aber natürlich niemals deren Klasse. Den gemäldeartigen Stil unterstreicht auch der statische Held: Anders als in den meisten klassischen Adventures bewegt sich unser Charakter nämlich nicht durch die Levels, sondern steht in jedem Screen an einer festen Position. Trotzdem ist Tormentum kein einfaches Wimmelbildspiel, denn auch ohne animierten Helden ähnelt das Spielgefühl eher einem Point-and-Click-Abenteuer à la Machinarum.

Zur gelungenen Stimmung trägt auch der Soundtrack bei, der die meisten Szenen mit beunruhigenden Klangteppichen und beklemmenden Melodien passend untermalt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auf Sprachausgabe muss man allerdings verzichten – alle Dialoge werden nur in knappen Texten präsentiert, die gibt's aber immerhin auf Deutsch.

"Wer wagt selbst zu denken, der wird auch selber handeln."

Tormentum spart zwar mit Rätselhilfen, kann aber auch gut darauf verzichten – allzu knifflig sind die Puzzles nämlich nicht geraten, da kommen auch Einsteiger bequem durch. Trotzdem ist das Rätseldesign überwiegend gelungen und bietet einen ordentlichen Mix aus Bildschirm-Absuchen, einfachen Inventaraufgaben und speziellen Puzzles, bei denen wir zum Beispiel bestimmte Apparate in einer Großansicht reparieren müssen. Manche dieser Aufgaben wirken zwar etwas aufgesetzt und unnötig, sind aber trotzdem solide gemacht und motivieren zum Weiterspielen.

Wir können entscheiden, ob wir der armen gequälten Seele helfen oder nicht. Quelle: PC Games Wir können entscheiden, ob wir der armen gequälten Seele helfen oder nicht. Tormentum bietet aber auch eine kleine Besonderheit: Im Laufe der Handlung gibt es mehrere Situationen, in denen der Spieler Entscheidungen treffen muss. So müssen wir beispielsweise wählen, ob wir ein kostbares Ei einer gefräßigen Vogelkreatur übergeben oder es stattdessen lieber bei einer gequälten Seele abliefern, die sich davon Linderung erhofft. Beide Wege bringen uns in der Rätselkette weiter, es handelt sich also nur um moralische Entscheidungen – die werden ganz zum Schluss ausgewertet und wir bekommen ein "gutes" oder "schlechtes" Ende zu sehen. Leider sind die Auswirkungen mancher Entscheidungen nicht gleich ersichtlich, so dass man schnell auch unabsichtlich etwas Böses angestellt hat. Dafür ist der eigentliche Plot sehr leicht zu durchschauen, die Auflösung kam für uns in keinster Weise überraschend. Tormentum ist zudem äußerst flott durchgespielt – mehr als 4 Stunden sollte man nicht einplanen. Allerdings fühlt sich das Spiel dadurch auch nicht unnötig gestreckt an, außerdem werden nur 12 US-Dollar (ca. 10 Euro) fällig – das ist uns das Erlebnis allemal wert.

Tormentum: Dark Sorrow erscheint am 4. März auf Steam und ohne DRM auch über die offizielle Website der Entwickler. Dort ist das Spiel auch als Boxed-Version erhältlich, außerdem wird eine Edition mit Artbook angeboten.

Meinung

Wertung zu Tormentum: Dark Sorrow (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Beklemmende StimmungPrächtige ArtworksPassende SounduntermalungFaszinierendes SettingSolides RätseldesignMoralische Entscheidungen
Lückenhafte, vorhersehbare StoryGut-Böse-Entscheidungen nicht immer ersichtlichSpielerisch altbackenKurze Spielzeit (ca. 4 Stunden)Manche Rätsel wirken aufgesetztKeine Sprachausgabe

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