Top Gun 2: Maverick in der Filmkritik: Unerwartet großartiger Kino-Blockbuster - das Action-Genre lebt!
Test
Man könnte fast meinen, das Kino besteht nur noch aus formelhaften Superheldenfilmen, mehrfach zu Tode getragenen Franchise-Produktionen und diversen weitaus kleineren Filmen, die es tatsächlich vereinzelt schaffen, einen kleinen Funken Aufmerksamkeit zu erhaschen - doch dann kommt "Top Gun 2: Maverick" angeflogen und beweist: Das Action-Kino, abseits der großen Filmmarken wie Marvel und Star Wars, ist weit entfernt vom Leinwandtod und reißt so mit, wie schon lange nicht mehr! Das Sequel zum Action-Kracher von 1986 steuert mit solch einer Wucht direkt ins Zuschauerherz, dass es uns mehrfach fast aus dem Kinositz geworfen hat - unsere Review.
Ich will gleich zu Beginn eines klarstellen: Bis vor drei Tagen habe ich den 1986 veröffentlichten Action-Klassiker "Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel" nie gesehen. Einerseits bin ich kein großer Fan von Tom Cruise. Ja, ich mochte "Mission Impossible" als kleiner Junge supergerne. Auch seine abgedrehte Performance in "Tropic Thunder" ist eine erheiternde Erinnerung, aber ich kann den Schauspieler einfach nicht so richtig ab (no Hate). So hab' ich schon mein ganzes Leben lang einen weiten Bogen um jegliche Cruise-Klassiker gemacht. Andererseits sind Kriegsfilme, besonders verherrlichende, absolut nicht mein Ding. Ich würde jeden restlichen Abend meines Lebens lieber ein weiteres Mal zum meisterlichen Anti-Kriegsfilm "Apocalypse Now" greifen, als zu Patriotismus-Filmen wie "American Sniper" oder "Black Hawk Down".
Aber, da war ich nun, mit einer bevorstehenden Pressevorführung auf einen Kinofilm, der mich null Komma null interessierte. Und dann auch noch mit Tom Cruise - au Backe ... Warum mir "Top Gun: Maverick" eine der tollsten Kinoerfahrungen seit einer ganzen Weile beschert hat, ohne dabei auf Nostalgie-Werkzeuge zu setzen wie "Spider-Man: No Way Home" und zig andere Blockbuster, was den Kinostreifen so großartig macht und warum den jeder schauen sollte?
Das alles klären wir hier und jetzt in unserer Filmkritik zum Action-Flugfilm von Regisseur Joseph Kosinski ("Oblivion", "Tron: Legacy"), der ab dem 26. Mai durch die deutsche Kinolandschaft düst - und hoffentlich deutliche Spuren hinterlässt.
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Harte Schale, weicher Kern: Kitsch, Charme und Männerliebe
Das Original hat mich zwar nicht vollkommen aus den Socken gehauen, aber ich muss schon zugeben: Was Tony Scott ("True Romance", "Déjà Vu") da 1986 auf die Leinwand gezaubert hat, ist so viel mehr als billige Militärpropaganda. Für wen diese Aussage jetzt überraschend kommt, ein interessanter Fakt: Das US-Militär hat damals tatsächlich Auffangstationen in Kinos überall in den USA aufgebaut, um Leute aus dem adrenalingefüllten Publikum direkt nach dem Abspann herauszupicken und für das Militär zu gewinnen - heute (besonders hier in Deutschland) unvorstellbar.
Quelle: Paramount Pictures
Schöne Erinnerungen: Natürlich setzt Top Gun 2 auf Nostalgie, es ist schließlich die Fortsetzung eines 36 Jahre alten Films. Dabei hat man aber nie das Gefühl, es wird als Werkzeug verwendet wie bei Jurassic World, Marvel, Ghostbusters & Co. - das fanden wir echt schön.
Der 110 Minuten lange Film über heroische Männer der 80er-Jahre, die mit viel Selbstbewusstsein und noch mehr Maskulinität die Weiten des Himmels kontrollieren, ist nämlich atemberaubend schön eingefangen. Ganz besonders die leidenschaftlich dargestellten Flugszenen bleiben in vielerlei Hinsicht unerreicht. Darüber hinaus: Ob es die ikonische Beachvolleyball-Szene ist, die erotisch angedeutete Beziehung zwischen Pete "Maverick" Mitchell (Tom Cruise) und Lt. Tom "Iceman" Kazanski (Val Kilmer) - Regie-Maestro Quentin Tarantino hat es 1994 auf den Punkt gebracht - oder die großartige musikalische Untermalung, Top Gun weiß zu jeder Sekunde, wie man auf vielfältige Art und Weise mitreißt. Kein Wunder, dass die Geschichte über die knallharte Flugschule so zum Kult wurde.
Blickt man dann auf die vielen Klassiker der 80er-Jahre, die erfolglos versucht haben, sich in der Neuzeit zu etablieren, dann wird einem ganz mulmig zumute beim Gedanken an Top Gun 2 (jetzt kaufen 39,99 € ). Wie sich spätestens 30 Minuten nach Beginn der Pressevorführung aber herausstellt: vollkommen zu Unrecht! Von solch einer Fortsetzung können die meisten Kinoklassiker nur sabbernd träumen.
Wieder über den Wolken: Als wäre alles beim Alten
Die Geschichte von Top Gun 2 ist dabei recht schnell erzählt: Pete "Maverick" Mitchell ist nun bereits seit 36 Jahren im Dienst der US-Regierung, macht jedoch in Bezug auf seinen Rang nur wenige bis keine Fortschritte - beabsichtigt. Das alles geht aus unterschiedlichen Gründen so weit, dass Pete erneut zur Flugschule "Top Gun" geschickt wird, um eine Truppe junger Absolventen auf eine äußerst heikle Mission, man könnte fast sagen Selbstmordmission, vorzubereiten. Auch wenn Pete einige hochrangige Gegner und Zweifler hat, gibt es eine Person, die seit über 30 Jahren seinen Rücken freihält und stärkt: Sein einstiger Rivale "Ice", der heute einen seiner engsten Freunde darstellt und als Legende gilt.
Quelle: Paramount Pictures
Top Gun 2: Maverick in der Filmkritik: Unerwartet großartiger Kino-Blockbuster - das Action-Genre lebt! (4)
Die beiden Drehbuchautoren Peter Craig ("The Batman", "Bad Boys For Life") und Ehren Kruger ("Ghost in the Shell", "The Ring") zaubern keine unnötige, an den Haaren herbeigezogene Geschichte aus dem Fliegerhut, um das große Comeback von Maverick zu rechtfertigen. Stattdessen setzt man auf der einen Seite auf Handlungsstränge, die damals liegenblieben, zum anderen auf die einzigartige Faszination des Erstlings, die man mit modernen Mitteln und Newcomern erneut entfachen möchte. Ein Kernthema ist dabei der Verlust von Mitchells Partner "Goose", der am Ende von Top Gun tragisch sein Leben verlor. Ein tiefgehender Schmerz, den Pete selbst heute noch deutlich mit sich herumschleppt. Einer der Absolventen, die Mitchell für die enorm gefährliche Mission vorbereiten soll, ist darüber hinaus der Sohn seines verstorbenen Wingmans, Bradley "Rooster" Bradshaw (Miles Teller, "Whiplash"), der von seinem neuen Lehrer nur wenig begeistert ist.
"I Feel The Need ... The Need For Speed!"
Wie auch schon beim ersten Maverick-Kinoflug ist die Geschichte eigentlich nebensächlich, vielmehr geht es um die herausragende Darstellung der spektakulären und chaotischen Kampfjet-Szenen, die vielseitigen Bilder und die starken Gegensätze. Letzteres ist die Magie, mit
Quelle: Paramount Pictures
Miles Teller in der Rolle des Lt. Bradley "Rooster" Bradshaw (1)
der Top Gun seine Figuren zum Leben erweckt. Typischer 80er-Kitsch, übertriebene Action, schnulzige Romantik und zärtliche Männlichkeit, die dennoch volle Maskulinität ausstrahlt - das alles ist absolut sehenswert, die stärkste Punktlandung setzt Top Gun: Maverick aber beim Sound. Wer sich den bebenden Klang der Flugmaschinen nicht im Kino gibt, ist selbst schuld. Glaubt mir, ihr verpasst was.
Top Gun 2: Maverick steckt tief in den 80er-Jahren, steht mit stolzer Brust dazu, und versucht überhaupt nicht, der Originalgeschichte eine tiefere Ebene einzuweben. Auch schauspielerisch ist hier niemand wirklich beeindruckend, die gesamte Geschichte wird vom Cast kollektiv auf dem Level "Solide" heruntergespielt, nicht mehr und nicht weniger. Während Tom Cruise noch an der oberen Spitze dieses Vorhabens steht, so wirkt Miles Teller ein weiteres Mal in den letzten Jahren auffällig blass. Seine meisterliche Performance in "Whiplash", einem meiner absoluten Lieblingsfilme, bleibt sein weit entfernter Höhepunkt.
Und wer sich nun fragt: "Braucht es Top Gun 2 überhaupt?", dem kann ich sagen: Allein dafür, dass mehr Leute erfahren - so wie ich! -, dass Top Gun weit mehr als nur ein Militär-Liebesbrief in Bewegtbild ist. Die Geschichte von damals wie heute ist eine ausgezeichnete Action-Reise durch kitschige, mitreißende und liebevolle Kinomagie. Der wichtigste Unterschied dabei ist, Top Gun 2 ist audiovisuell eine ganz andere Wucht. Mit den Mitteln des heutigen Kinos für das heutige Kino. Bitte unbedingt genau da gucken!
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Top Gun 2: Maverick läuft ab dem 26. Mai in den deutschen Kinos. Man kann zwar den zweiten Teil ohne Vorwissen problemlos gucken, doch im Doppelpack macht das Flugabenteuer mit Tom Cruise eine doppelt und dreifach gute Figur! Schreibt uns in die Kommentare, wie ihr zu Top Gun, Militärfilmen und Tom Cruise steht. Und wenn ihr Top Gun 2 schon gesehen habt, dann teilt gerne eure Meinung ebenso in der Kommentarsektion - bitte spoilerfrei!
