Auch wenn das unerschütterliche Spielprinzip noch immer sehr gut unterhält: Der neue Teil der Funsport-Reihe bietet wenig Neues, zeigt aber spürbare Abnutzungserscheinungen.
Tony Hawk geht im echten Leben hart auf die 40 zu und spielt inzwischen lieber mit seinen Kindern, als beim Skaten üble Knochenbrüche zu riskieren. Seinem virtuellen Ebenbild können Alterungsprozesse natürlich nichts anhaben. Im neuen Serienteil Tony Hawk's American Wasteland fahren der Titelheld und seine üblichen Mitstreiter wie Bam Margera und Bob Burnquist ausgesprochen spektakulär durch die Botanik und zeigen halsbrecherische Tricks.
Das alles kennen wir aber bereits aus zahlreichen Vorgängern, große Neuerungen gibt's nicht zu vermelden, dafür aber einen unterhaltsamen, wenn auch sehr kurzen Storymodus.
Mach' dies, mach' das!
Ein Hauptbestandteil des Spiels ist der Storymodus. Darin übernehmen Sie einen talentierten Nachwuchsfahrer, der sich in Los Angeles vom Nobody zum Skateboard-Star entwickelt. Damit geht die Einschränkung einher, dass Sie selbst einfache Tricks wie Manuals erst in Trainingslektionen von NPCs lernen müssen. Einsteiger werden sich darüber freuen, dass das Spiel dabei stets einblendet, welche Tasten Sie für die geforderte Aktion drücken müssen; Serienkenner gähnen angesichts der Anleitungen für einfache Manöver.
Solche exakten Anweisungen ziehen sich durch den gesamten Storymodus. Wenn Sie also ein bestimmtes Ziel erreichen sollen, verrät das Spiel genau, wie Sie das schaffen. Es platziert Ihren Skater sogar automatisch an der idealen Ausgangsposition für das Manöver. Unter diesen Bedingungen werden Sie die meisten Herausforderungen spätestens im zweiten oder dritten Versuch meistern.
Das nimmt dem Storymodus die Komponente des Nachdenkens und der Kreativität. Wenn man selbst die Lösung für eine Aufgabe findet, ist die Freude darüber einfach größer, als wenn man einfach ein vorgegebenes Schema nachmacht. Ein Nebeneffekt dieses linearen Systems: Die Spielzeit des Storymodus ist mit circa sechs Stunden recht kurz. Dafür sind Hintergrundgeschichte, Charaktere und Zwischensequenzen aber abwechslungsreich und unterhaltsam.
L.A. Story
Als Schauplatz dient diesmal Los Angeles, das in mehrere Stadtteile (Hollywood, Santa Monica, Downtown, etc.) unterteilt ist. Diese werden im Laufe des Storymodus nach und nach verfügbar, wenn Sie bestimmte Skriptereignisse auslösen. Um nach Downtown zu gelangen, arbeiten wir mit einem Passanten zusammen: Wir springen von einem Gebäude auf ein Polizeiauto und lenken damit die Cops ab. Inzwischen packt unser Verbündeter den Raketenwerfer aus und schießt den Weg nach Downtown frei.
Wenn Sie die Gebiete einmal freigespielt haben, können Sie sich beliebig dazwischen hin und her bewegen -- und das ohne Ladezeiten, was eine der großen Neuerungen des Spiels sein soll. In Wahrheit durchqueren Sie auf der Fahrt von einem Stadtteil in den nächsten schmucklose Übergangsareale, während im Hintergrund der neue Level geladen wird -- und das führt selbst auf sehr guten Systemen zu Rucklern. Zudem gibt's Clipping-Fehler und Probleme mit der Kamera-Perspektive, beides stört den Spielspaß aber kaum.
Spassige Aufbauarbeit
Eine Hauptaufgabe des Storymodus besteht darin, dass Sie ein verkommenes Areal in einen spektakulären Skate-Park verwandeln. Dafür besorgen Sie aus der Stadt entsprechende Teile, mit denen der Park dann automatisch ausgebaut wird. Beispielsweise grinden Sie einige Male auf einer Markise herum, damit sie einstürzt. An einer anderen Stelle lockern Sie die Befestigung einer Glocke per Natas Spin und kicken sie danach per Wall Plant aus ihrer Verankerung.
Neben der Jagd nach den Park-Bausteinen gibt's in der Stadt jede Menge anderer Beschäftigungsmöglichkeiten. Beispielsweise können Sie per BMX-Rad durch die Gegend fahren und Tricks zeigen -- hauptsächlich, um Geld zu verdienen. Auch das Besprühen von Häuserwänden oder das Zeigen bestimmter Tricks für NPCs bringt Dollars. Die brauchen Sie mitunter im Storymodus, hauptsächlich aber zur Gestaltung Ihres Skaters. Von der Frisur über die Klamotten bis hin zu den Rollen des Skateboards lässt sich alles ändern. Scherzartikel wie das Pandakostüm sind cool, aber besonders teuer.
S-K-A-T-E und C-O-M-B-O
Natürlich darf auch der Classic-Modus nicht fehlen. Wie üblich fahren Sie in zweiminütigen Läufen durch die Gegend und müssen vorgegebene Ziele schaffen. Dazu zählt neben dem Erreichen bestimmter High- und Combo-Scrores unter anderem das Aufsammeln der Buchstaben S-K-A-T-E. Darüber hinaus gibt's dem Level angepasste Ziele, allerdings handelt es sich meist um Standardaufgaben, sodass wir den Humor und die Originalität früherer Teile vermissen. Letztere fehlt uns auch beim Leveldesign; lediglich »Die Ruinen« überzeugt.
Georg Valtin
