Im Test von Tomb Raider 1-3 Remastered klären wir, warum die Neuauflage der ersten Abenteuer von Lara Croft vor allem was für Nostalgiker ist.
Kein Spiel für moderne Steuerung
Aber wir haben ja schon gesagt, dass das mit der Nostalgie so eine Sache ist. Dass die Originale nicht wirklich gut gealtert sind, gilt nämlich nicht nur für die Grafik. Was wir im Test seinerzeit noch als "klug durchdachte Steuerung", "einzigartige Kameraführung" und "phantasievolle Levelgestaltung" beschrieben haben, löst heute hauptsächlich ungläubiges Kopfschütteln aus. Um die Originale so gut es geht zu bewahren, haben sich die Entwickler an diese Bereiche aber so gut wie gar nicht getraut.
Immerhin stellen sie ein alternatives, modernes Steuerungsschema zur Verfügung. Dabei steuern wir, wie bei heutigen Spielen üblich, Lara auch durch die Bewegung der Kamera. Mit dem Controller bedeutet das, dass wir Lara mit dem linken Stick laufen lassen und uns mit dem rechten Stick umschauen. Die Heldin bewegt sich dann automatisch in unsere Blickrichtung. Zum Feuern unserer Waffen ziehen wir die Wummen mit dem linken und feuern mit dem rechten Trigger. Selbst zielen dürfen wir dabei allerdings nicht. Das alte automatische Zielsystem bleibt auch in der modernen Steuerung erhalten.
Quelle: Aspyr Media
Das gleiche gilt für das allgemeine Design des Gameplays, was in Kombination mit dem neuen Steuerungsschema eher zum Problem als zur Erleichterung wird. Laras Bewegungsmuster, die Art und Weise wie sie springt, läuft und sich an Kanten festhält, genauso wie das dazugehörige Leveldesign sind auf die alte sogenannte Tanksteuerung ausgelegt. Es fiel uns daher nach einigem hin und her letztendlich doch leichter, wieder mit der alten Steuerung zu spielen. Das ist zwar weit entfernt von angenehm, aber für die teils nötigen präzisen Bewegungsabläufe in den immer herausfordernder werdenden Jump&Run-Einlagen besser geeignet. An einigen Stellen war sogar relativ offensichtlich, dass einige der bekannten Tricks, um an geheime Stellen zu gelangen, mit der modernen Steuerung gar nicht funktionieren.
Ein großes Problem für die moderne Steuerung ist auch die Kamera. Das Spiel ist gar nicht darauf ausgelegt, dem Spieler großzügige Kontrolle über den Blickwinkel zu geben. Das Ergebnis ist ein immer wieder unberechenbares und sprunghaftes Verhalten der Kamera, was uns mehr als einmal fast zur Verzweiflung gebracht hat - besonders in engen Passagen, wo sie permanent an irgendwelchen Wänden hängen bleibt. Das Problem besteht zwar auch mit der alten Steuerung, lässt sich damit aber noch ein wenig besser unter Kontrolle bringen.
Drei Spiele für Nostalgiker
Der Rest der Veränderungen und Verbesserungen hält sich in überschaubaren Grenzen. Bossgegner verfügen jetzt über einen Gesundheitsbalken, um besser erkennen zu können, ob unsere Standardpistolen überhaupt genug ausrichten, oder wir doch lieber größere Kaliber auspacken sollten. Wer ein paar spektakuläre Momente festhalten möchte, kann den integrierten Fotomodus nutzen. Wir hätten uns aber durchaus noch ein paar mehr Komfortfunktionen vorstellen können, eine Autosave-Funktion zum Beispiel.
Bildergalerie
Am Ende richtet sich Tomb Raider 1-3 Remastered ganz klar an Nostalgiker, die sich vom veralteten Spieldesign nicht abschrecken lassen und mit Lara in aufgehübschter Optik noch einmal die alten Abenteuer erleben wollen. Die bekommen dann auch ein durchaus üppiges Paket voller Erinnerungen. Für einen moderaten Preis von knapp dreißig Euro bekommt ihr alle drei Spiele, inklusive ihrer jeweiligen Erweiterungen. Das obligatorische Trainingslevel in Laras Villa ist natürlich auch in jedem Teil dabei.
Ende der 90er-Jahre war Tomb Raider eine Spielereihe, die neue Maßstäbe gesetzt hat. In einer Zeit, als 3D-Spiele wie Doom und Quake vor allem aus der Ego-Ansicht gespielt wurden, war ein Third-Person-Action-Adventure revolutionär. Wir beschrieben den ersten Teil in unserem Test in Ausgabe 01/97 als das innovativste Actionspiel des Jahres. Aber wie eingangs gesagt, mit der Nostalgie ist das so eine Sache und häufig halten gute Erinnerungen einer Betrachtung mit modernen Augen nicht stand.
Tomb Raider 1-3 Remastered wird von Aspyr Media entwickelt und auch vertrieben. Die Spielesammlung erscheint auf allen relevanten Plattformen, also PC, Playstation 4, Playstation 5, Xbox One, Xbox Series S/X und Nintendo Switch. Der Preis liegt auf allen Plattformen bei rund 30 Euro. Transparenzhinweis: Die Version des Spiels wurde vom Publisher zur Verfügung gestellt.
