Tom Clancy's The Division 2: Washington D.C. - Spiel und Wirklichkeit - Ein Vergleich

Special Matthias Dammes 26,99 €
Tom Clancy's The Division 2: Washington D.C. - Spiel und Wirklichkeit - Ein Vergleich
Quelle: PC Games

Washington D.C. ist der heimliche Hauptcharakter von The Division 2. Doch wie gut und detailgetreu ist die Stadt im Spiel umgesetzt? PC Games Redakteur Matthias Dammes hat Fotos eines persönlichen Besuchs vor Ort ausgekramt und mit der Spielwelt verglichen.

Mit Washington D.C. haben sich die Entwickler von Massive Entertainment einen wirklich spannenden Schauplatz für The Division 2 (jetzt kaufen / 26,99 € ) ausgesucht. Die Stadt wurde vom französischen Stadtplaner Pierre Charles L'Enfant am Reißbrett entworfen, dessen Pläne später vom amerikanischen Landvermesser Andrew Ellicott noch modifiziert wurden. Zwar entstanden viele Städte der USA, anders als die über Jahrhunderte organisch gewachsenen Metropolen Europas, in den Plänen von Architekten und Stadtplanern, Washington unterscheidet sich jedoch ein wenig von der typischen US-Großstadt.

So gibt es in Washington D.C. keine Wolkenkratzer, weil kein Gebäude höher sein darf als die Breite der angrenzenden Straße plus 6,1 Meter. Stattdessen wird das Stadtbild vor allem von den unzähligen historischen Gebäuden, Monumenten und Regierungseinrichtungen geprägt. Im Mittelpunkt der Stadt erstreckt sich die National Mall vom Ufer des Potomac-Flusses im Westen bis zum Hügel des Kapitols im Osten. Hier befinden sich berühmte Landmarken wie das Lincoln-Memorial, das Washington Monument und natürlich das Kapitol. Nördlich der Mall befindet sich das Weiße Haus, der Sitz des US-Präsidenten, mit direktem Blick auf den Obelisken des Washington Monuments.

Realität vs. Spielwelt

Im vergangenen Jahr hatte ich die Gelegenheit während einer Dienstreise einen kurzen Ausflug nach Washington D.C. zu machen. Für wenige Stunden konnte ich mir zumindest einen Teil der National Mall im Zentrum der Stadt anschauen. Als es nun in The Division 2 in die US-Hauptstadt ging, war ich natürlich gespannt, was ich von meinem eigenen Besuch vor Ort wiedererkennen würde. Es interessierte mich, wie detailgetreu die Entwickler die Stadt umgesetzt haben, welche künstlerischen Freiheiten sich das Team erlaubt hat und wie sich die Umstände des Pandemie-Szenarios auf die Szenerie ausgewirkt haben.

Unschwer zu erkennen sind natürlich die berühmten großen Wahrzeichen der Stadt. In der Mitte der National Mall thront das fast 170 Meter hohe Washington Monument. Die Monate seit dem Niedergang der Gesellschaft in der Welt von The Division sind aber nicht spurlos an dem Obelisken vorbeigegangen. Im unteren Bereich ist eine deutliche Ecke aus dem steinernen Koloss heraus gebrochen und die 50 Flaggen, die die Bundesstaaten repräsentieren, sind teilweise sichtlich zerfleddert. Außerdem wurde rund um das Monument eine Festung aus Containern und Baracken errichtet, die als Kontrollpunkt dient.

Washington Monument
Washington Monument (real)
Washington Monument (real) Washington Monument (Spiel)

Der Blick über den sogenannten Reflection Pool von dessen Ostseite in Richtung des Lincoln Memorials ist ebenfalls ein vertrauter Anblick. Wären da nur nicht die Autowracks und der abgestürzte Hubschrauber in Mitten des Beckens. Der Wasserstand ist auch nicht mehr der, der er mal war, so dass der Reflection Pool nicht mehr wirklich seiner angedachten Funktion nachkommen kann.

Lincoln Memorial Reflecting Pool

Real Spiel

Das Lincoln Memorial selbst erstrahlt äußerlich im Glanz seines weißen Marmors, als wäre nichts geschehen. Lediglich ein paar Efeu-Ranken haben sich an einigen der Säulen empor gearbeitet. Das Gebäude stimmt in nahezu allen Details mit dem Original über ein. Zwölf Säulen an der Front, ein abgestuftes und verziertes Dach. Nur im Umfeld werden die Ereignisse der letzten Monate deutlich, denn auch hier wurden Befestigungen errichtet.

Im inneren des Gebäudes sitzt Abraham Lincoln wie eh und jäh nachdenklich auf seinem Marmorthron. Eingerahmt wird der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von zwei seiner berühmtesten Reden (Gettysburg-Rede, zweite Amtsantrittsrede), die links und rechts von ihm in die Wand gemeißelt wurden. Das ist auch im Spiel alles sehr schön zu erkennen. Allerdings sind hier die letzten Monate nicht spurlos vorüber gegangen. So ist die Lincoln-Statue teilweise mit Ruß überzogen und wurde außerdem mit Graffiti verunstaltet.

Abraham Lincoln Statue
Lincoln Statue (Real)
Lincoln Statue (Real) Lincoln Statue (Spiel)

Versperrte Sicht

Deutlichere Unterschiede zwischen Spiel und Wirklichkeit werden sichtbar, sobald man die Aussicht entlang der großen Sichtachsen der National Mall in Augenschein nimmt. So hat man vom Washington Monument aus in Richtung Osten eigentlich einen direkten Blick auf das Kapitol, das auf einem Hügel am Ende der Mall thront. Im Spiel kommen die Augen jedoch gar nicht so weit, weil sich die Entwickler aus unerfindlichen Gründen dazu entschieden haben, mehr Bäume in die Landschaft zu setzen, als hier eigentlich stehen. Wie ihr auf dem Bildvergleich seht, ist zwar das kleine Häuschen links wo es sein sollte, aber die restliche Szenerie wirkt doch ganz anders. Das lässt sich auch nicht mit post-apokalyptischer Verwilderung erklären, denn Bäume wachsen definitiv nicht so schnell.

Blick vom Washington Monument zum Kapitol
Blick vom Washington Monument in Richtung Kapitol. (Real)
Blick vom Washington Monument in Richtung Kapitol. (Real) Blick vom Washington Monument in Richtung Kapitol. (Spiel)

Ähnlich sieht es bei einer anderen Blickrichtung aus. Schaut man von der Westseite des Washington Memorial nämlich nach Norden hat man in der Regel klare Sicht auf den "The Ellipse"-Park und das dahinter liegende Weiße Haus. In The Division 2 funktioniert das aber ebenso wenig wie zuvor beim Blick auf das Kapitol. Diesmal aber vor allem aufgrund von diversen im Zuge der Katastrophe errichteten Lagern und Checkpoints. Ich musste im Spiel bis zur Constitution Avenue vorgehen (die Straße im Vordergrund des Real-Bildes), um überhaupt zumindest Teile des Weißen Hauses zu erkennen. Selbst von dieser Position aus, versperrte noch ein Lager des US-Militärs inklusive Hubschrauber und eines großen Zeltens einen Teil der sonst freien Sicht.

Blick vom Washington Monument zum Weißen Haus
Blick vom Washington Monument in Richtung Weißes Haus. (Real)
Blick vom Washington Monument in Richtung Weißes Haus. (Real) Blick vom Washington Monument in Richtung Weißes Haus. (Spiel)

Etwas besser funktioniert da schon der Blicke über die gesamte National Mall. Vom Lincoln Memorial aus kann man in Richtung Osten über die gesamte Anlage schauen. Jenseits des Reflection Pools dominiert das Washington Memorial die Mitte des Bildes, während dahinter im Hintergrund die große Kuppel des Kapitols zu sehen ist. Auf der rechten Seite des Obelisken erkennt man sogar die filigranen Türmchen des Smithsonian-Schlosses, das Teil der Smithsonian-Museen-Anlage ist. Im Spiel ergibt sich fast das gleiche Bild. Auch hier ist das Kapitol am anderen Ende zu erkennen. Auffällig ist allerdings auch die zusätzliche Bewaldung die ich vorhin bereits erwähnt habe und in diesem Fall den Blick auf das Schloss verwährt.

Blick vom Lincoln Memorial zum Kapitol
Blick vom Lincoln Memorial über die gesamte National Mall bis zum Kapitol im Hintergrund. (Real)
Blick vom Lincoln Memorial über die gesamte National Mall bis zum Kapitol im Hintergrund. (Real) Blick vom Lincoln Memorial über die gesamte National Mall bis zum Kapitol im Hintergrund. (Spiel)

Deutliche Abweichungen

Sobald man sich auf die Suche nach kleineren Sehenswürdigkeiten und markanten Stellen von Washington macht, wird deutlich, wie viel künstlerische Freiheit sich die Entwickler genommen haben. Als erstes ist mir das am World War 2 Memorial aufgefallen, das sich zwischen der 17. Straße und dem östlichen Ende des Reflection Pools befindet. Der Platz wird eigentlich von zwei Halbkreisen mit jeweils 56 Granitsäulen eingerahmt, die jeweils die Kämpfer der damaligen 48 Bundesstaaten + Überseegebiete wie Hawaii, Puerto Rico und anderen auf den beiden Kriegsschauplätzen jenseits des Atlantik und Pazifik ehren. An der Westseite des Platzes befindet sich die Freiheitsmauer, auf der 4,048 goldene Sterne angebracht sind. Jeder davon repräsentiert 100 Amerikaner, die im Krieg gefallen sind. Im Spiel ist davon wenig zu sehen. Der gesamte Aufbau des Platzes unterscheidet sich deutlich und ist wesentlich weniger imposant als die reale Version.

World War 2 Memorial
Gedenkstätte zum zweiten Weltkrieg. (Real)
Gedenkstätte zum zweiten Weltkrieg. (Real) Gedenkstätte zum zweiten Weltkrieg. (Spiel)

Noch härter trifft es das berühmte Vietnam Veteranen Denkmal im Gedenkpark nördlich des Reflection Pools. Auf einer 75 Meter langen Granit Wand, die wie eine symbolisierte Wunde in die Landschaft integriert wurde, sind hier 58.320 Namen von Soldaten eingraviert, die im Vietnam-Krieg gefallen sind oder bis heute als verschollen gelten. In The Division 2 existiert dieses Denkmal nicht einmal in Ansätzen. Zwar ist der angewinkelte Weg zu erkennen, der dem Weg entspricht, der in der Realität direkt an der Gedenkwand entlangführt, aber sonst deutet nichts darauf hin, dass hier einmal ein bedeutendes Memorial stand. Das an dieser Stelle ein Katastrophen-Lager errichtet wurden, reicht für meinen Geschmack nicht als Erklärung aus, warum keine Spuren des Wahrzeichens zu sehen sind.

Vietnam Veteran Memorial
Vietnam Veteranen-Memorial (Real)
Vietnam Veteranen-Memorial (Real) Vietnam Veteranen-Memorial (Spiel)

Nur wenige Meter von der Granitwand des Vietnam Memorials entfernt habe ich bei meinem Besuch in Washington die Statue von drei Soldaten fotografiert. Diese als "The Three Servicemen" bezeichneten Bronzefiguren gehören zum Vietnam-Denkmal und stellen einen europäischen, afrikanischen und hispanischen Amerikaner da, um die verschiedenen ethnischen Gruppen der amerikanischen Gesellschaft zu würdigen, die in Vietnam gekämpft haben. Im Spiel steht an der gleichen Stelle allerdings nur eine Figur eines nicht näher benannten Mannes. Gehüllt in eine Tunika, mit einer Schriftrolle in der Hand, würde man so eine Figur eher in Rom, Athen oder einer Ausstellung über die Antike erwartet, aber nicht in einem Gedenkpark für Kriegsopfer.

Three Serviceman Statue
Three Servicemen Statue (Real)
Three Servicemen Statue (Real) Three Servicemen Statue (Spiel)

Ich habe mit dieser Betrachtung natürlich nur einen kleinen Ausschnitt der Stadt unter die Lupe genommen. Washington hat noch viel mehr Sehenswürdigkeiten zu bieten, die auch im Spiel zu finden sind. Leider konnte ich bei meinem Besuch im vergangenen Jahr aber auch nur diesen kleinen Teil der Stadt selbst sehen. Aber ich denke es wird auch so bereits deutlich, dass die US-Hauptstadt in The Division 2 ziemlich akkurat dargestellt wird, zumindest solange man sie im großen Maßstab betrachtet. Sobald man jedoch auch nur ein wenig versucht ins Detail zu gehen, wird deutlich, dass die sich Entwickler an vielen Stellen doch sehr starke künstlerische Freiheiten gewährt haben. Nicht alle diese Unterschiede lassen sich mit den Folgen der Pandemie und den daraus resultierenden Veränderungen erklären. Warum die Macher dennoch auf diese Details verzichtet haben, lässt sich nur spekulieren. Der ungeheuer guten Atmosphäre des Spiels tut das alles aber sowie keinen Abbruch.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk