Splinter Cell: Retrospecial zum Schleichspielklassiker, Seite 2

Special Lukas Schmid
Splinter Cell: Retrospecial zum Schleichspielklassiker, Seite 2
Quelle: Ubisoft

Während Metal Gear Solid stets das Bizarre inklusive semiübernatürlicher Elemente in den Stealth-Mittelpunkt stellt, ging Splinter Cell mit seinem deutlich realistischeren Ansatz schon im ersten Teil in die genau gegenteilige Richtung - und traf damit mitten ins Schwarze! Wir blicken in unserem Retrospecial zurück auf den unvergesslichen Schleichspielklassiker. Inklusive Video!

Und die guten Aspekte überlagern die negativen! So verfügen wir über ein breites Repertoire an Helferlein, die uns den Agentenalltag erleichtern. Das definitiv wichtigste darunter ist unser Nachtsichtgerät. Wenn wir sagen, dass Splinter Cell dunkel ist, dann ist das keine Übertreibung! Manchmal ist de facto nichts als Schwarz und der grüne Schein unseres ikonischen Hightech-Stirnbandes zu sehen. Dank Nachtsichtgerät bewahren wir dennoch stets den Überblick. Weniger oft genutzt, aber trotzdem in manchen Situationen entscheidend für unseren Erfolg: die Wärmesicht, dank der wir Gegner, aber zum Beispiel auch im Boden versteckte Minen entdecken können. Für unsere schallgedämpften Wummen, eine Pistole und ein Maschinengewehr, haben wir diverse Aufsätze und Spezialmunitionsvarianten parat. Das reicht von Tasern über Ablenkungssysteme, die überall platziert werden können zu einem Gas, das Feinde ausschaltet, bis hin zu Rauchgranaten. Zu guter Letzt können wir mit einem Spezialdietrich Schlösser knacken und mit einer Minikamera unter Türen durchgucken und checken, ob die Luft rein ist.

Der Spion, der mich hiebte

Das Nachtsichtgerät ist unser bester Freund und Helfer im Einsatz. Unser Tipp: Stellt das Bild des Fernsehers für maximale Atmosphäre schön dunkel ein! Quelle: PC Games Das Nachtsichtgerät ist unser bester Freund und Helfer im Einsatz. Unser Tipp: Stellt das Bild des Fernsehers für maximale Atmosphäre schön dunkel ein! Sam ist sogar ohne seine Gadgets schon ein Mann vieler Talente: So kann er in engen Gängen einen Spagat zwischen den Wänden machen und sich auf nichtsahnende Feinde herab­fallen lassen, minutenlang in der Hocke verharren und Feinde von hinten schnappen, sie ausknocken und durch die Gegend schleifen, zuschlagen und dank einer Art Wandsprung so manches Hindernis überwinden. Man sieht: Splinter Cell gibt einem viele verschiedene Möglichkeiten an die Hand, seine Missionen anzugehen. Zu dieser Varianz tragen auch die ebenso thematisch als auch gestalterisch sehr unterschiedlichen und toll gemachten Levels bei. Manchmal führt uns nur eine Mission von offenen Straßen durch Kanalsysteme und in schwer bewachte Bürokomplexe. Und dann sind diese Missionen auch noch an interessanten Lokalitäten wie dem CIA-Hauptquartier, einer chinesischen Botschaft, einem Präsidentenpalast oder einer Ölbohrplattform angesiedelt.

Lichtquellen sind unser natürlicher Feind, können meist aber mit einem gezielten Schuss zerstört werden. Gefährlich wird es bei Widersachern mit Taschenlampen! Quelle: PC Games Lichtquellen sind unser natürlicher Feind, können meist aber mit einem gezielten Schuss zerstört werden. Gefährlich wird es bei Widersachern mit Taschenlampen! Innerhalb der Levels steht es uns oft frei, welchen Weg wir zu unserem Ziel (etwa der Eliminierung eines Feindes, das Aufstöbern versteckter Computerdateien oder das Befreien einer Geisel) einschlagen. Gehen wir über das Gerüst des baufälligen Gebäudes und riskieren dabei, unsanft abzustürzen? Schleichen wir uns an einen Feind heran und "überreden" ihn, uns den Code für eine versperrte Tür zu verraten? Oder setzen wir doch alles auf eine Karte und machen mit Gewehr im Anschlag einen auf Rambo? Oft gibt es viele Möglichkeiten. Umso mehr stechen die Momente hervor, in denen wir diese Freiheit nicht haben. Gerade eine Szene gegen Ende des Spiels, bei der wir um eine wilde Schießerei nicht herumkommen, stört hier ein wenig den Fluss. Auch hier gilt: Die Stealth-Nachfolger schafften hier eine noch ­bessere Balance, ohne aber dass der Erstling sich verstecken muss.

Die schleichende Dreifaltigkeit

Hinter all den politischen Querelen in der Geschichte steckt Kombayn Nikoladze, seines Zeichens fiktiver Präsident von Georgien, ausgestattet mit atomarer Power. Quelle: PC Games Hinter all den politischen Querelen in der Geschichte steckt Kombayn Nikoladze, seines Zeichens fiktiver Präsident von Georgien, ausgestattet mit atomarer Power. Splinter Cell hat also seine Makel, manche davon sind auf das Alter des Titels zurückzuführen, andere auf seinen Status als erster Ausflug in die geheimniskrämerische Welt Sam Fishers. Dass es trotzdem bis heute einen so guten Stand unter Fans hat, liegt daran, dass es ein vergleichbares Erlebnis zuvor nicht gab - wir haben ja schon die andere Stealth-Abenteuer genannt, von denen sich das Spiel durch seine Thematik und den Fokus auf Realismus so angenehm abgrenzte. Und man merkt dem Schleichtrip einfach an, dass die Entwickler hier keine Tom-Clancy-Auftragsarbeit abgeliefert haben, wie es heutzutage und auch bei den letzten beiden Splinter-Cell-Teilen ein wenig wirkt, sondern dass sie mit Herz und Begeisterung dabei waren. Großartige Spiele müssen sich nicht immer dadurch auszeichnen, dass sie alles perfekt machen, sondern sie können sich auch durch Mut zu Neuem, Ideenreichtum und dem Anspruch auszeichnen, den die Macher an sie stellen. Splinter Cell ist ein solcher Fall.

Wie erwähnt ruhten sich die Entwickler zudem nicht aus, nachdem das Abenteuer erschienen war und sich als Hit entpuppt hatte. Der direkte Nachfolger, Pandora Tomorrow, perfektionierte den Schleichaspekt noch weiter, erzählte eine deutlich interessantere Geschichte und hinterfragte auch die scheinbar klare Unterteilung in die Guten auf unserer Seite und die Bösen, bei denen es okay ist, wenn wir ihnen eine Kugel in den Kopf jagen. Der dritte Teil, Chaos Theory, gilt zu Recht bis heute als bestes Spiel der Reihe, holte (zumindest in der Xbox-Fassung) grafisch alles he­raus, was ging, und war spielerisch endgültig quasi makellos. Aber beide Titel und auch die weniger gelungenen Nachfolger gäbe es nicht ohne das erste Splinter Cell, das allein schon deswegen verdient seinen Platz als ein absoluter Klassiker einnimmt. Wer vorhat, den schon oftmals angeteaserten nächsten Teil der Reihe zu spielen, sollte sich ihre Anfänge auf jeden Fall auch einmal zu Gemüte führen.

Exkurs: Die vielen Gesichter des Sam Fisher

Obwohl im Kern meist dasselbe Spiel, so unterschieden sich die Versionen von Splinter Cell auf den unterschiedlichen Plattformen doch deutlich.

Je nachdem auf welcher Hardware man Splinter Cell startet, erwarten einen teils deutliche Unterschiede. Die Gründe dafür finden sich auf technischer Ebene in unterschiedlich potenter Hardware und zudem in dem Umstand, dass verschiedene Teams gleichzeitig und teilweise relativ unabhängig an den verschiedenen Fassungen arbeiteten. Die erste Version, entwickelt von Ubisoft Montreal, bietet zusammen mit der später direkt geporteten PC-Fassung mit Abstand die beste Technik, gerade mit Blick auf die anno 2002 extrem realistischen Licht- und Schatteneffekte. Allerdings wurden Zwischensequenzen noch in Echtzeit berechnet, in den deutlich später erschienenen Versionen für PS2 und Gamecube waren hier hochwertigere vorgerenderte Filme zu sehen. Für diese Fassungen übernahm Ubisoft Shanghai die Verantwortung. Drei DLC-Levels sorgten für zusätzliches Gameplay im Vergleich zu den anderen Versionen.

Am Game Boy Advance ist Splinter Cell ein 2D-Abenteuer. Quelle: PC Games Die Eröffnungssequenz des Abenteuers ist auf PS2 und Gamecube deutlich erweitert. Quelle: PC Games

Auf der PS2 standen von Haus aus einige exklusive Levels bereit. Davor waren die sich überschneidenden Stages teilweise deutlich anders aufgebaut. Vor allem aber gibt es einige Unterschiede bezüglich der Handlung. Sams Tochter Sarah hören wir auf Xbox und PC meist nur am Telefon, hier tritt sie prominent in mehreren Zwischensequenzen auf - und ist deutlich jünger. Der Prolog des Spiels ist völlig anders, NPCs erleiden teilweise gänzlich andere Schicksale und treten auch an anderen Stellen als in der Xbox-Fassung erstmals in Erscheinung. Zudem ist die Benutzeroberfläche stark angepasst. Am Gamecube gibt es dieselben Story- und HUD-Änderungen, zusätzlich aber mit Haftgranaten für unser Gewehr ein neues Gadget, dafür aber keine exklusiven Missionen. Dies sind nur die markantesten einer großen Fülle an unterschiedlichsten Anpassungen zwischen den Versionen. Völlig für sich stehen die Umsetzungen für Handys und den Game Boy Advance. Die Mobile-Fassung war ein simpler Side­scroller, während am GBA versucht wurde, das Gameplay der großen Brüder in ein 2D-Erlebnis zu adaptieren - was überraschend gut gelang.

Meinung

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