Tile Miner im Test: Absturz-Simulator mit eigentlich guten Ideen
Test
Tile Miner hat es endlich - nach nur sieben Jahren Early Access - zu seinem offiziellen Release über Steam geschafft. Das Spiel wirkt wie der kleine Bruder von Craftopia und verbindet Spiele wie Zelda, Harvest Moon und Minecraft zu einem stimmigen Gesamterlebnis - mit einem großen Haken. Unser Test.
Tile Miner hat es nach sieben Jahren im Early Access endlich geschafft: Seit dem 11. November 2021 steht es nun als Vollversion zum Kauf bereit. Beim Spielen fällt sofort auf: Das Rad wurde nicht neu erfunden. Das Spielprinzip kennt man bereits aus anderen Spielen, allen voran Craftopia.
Man landet auf einem Feld, auf dem es Steine und einen Wald gibt, hier sogar zusätzlich noch einen NPC, der bereits ein Holzhäuschen samt Feld angefertigt hat. Jetzt müssen Bäume gefällt und Felsen zerömmelt, Häuser gebaut und Gegenstände hergestellt werden.
So kann man nach und nach das Dorf ausbauen, bis man schließlich ein eigenes "Königreich" sein Eigen nennt, mit verschiedenen Dorfbewohnern, die sich auf unterschiedliche Gebiete fokussieren.
Auf dieser Seite
Farm Life v. 0.5
Quelle: PCGames
In diesem Steinhaus gibt es verschiedene Einrichtungsgegenstände, die man braucht, um verschiedene Gegenstände herzustellen.
Von Anfang an ist es wichtig, Felder anzulegen und Tiere einzufangen, um diese zu vermehren und zu füttern. Funktioniert auch ganz einfach, in dem man je zweimal dasselbe Tier mit dem vorher angebauten Gemüse füttert.
Diese Tiere geben nicht nur Fleisch, sondern auch Eier, Wolle, Federn und Düngemittel, die wiederum zum Craften verwendet werden können. Die Auswahl an Tieren und Gemüse ist aber leider sehr übersichtlich.
Ab nach unten
So offen die Gestaltung des Dorfes ist, so wenig Freiheit hat man beim Erkunden der verschiedenen Ebenen. Als mutiger Abenteurer verweilen wir nämlich nicht nur bei unseren Mitbewohnern, sondern begeben uns auch in die gefährlichen Katakomben unter unserem Reich.
Auf der ersten Ebene über Tage gibt es nur Blech, aus dem Rüstungen, Spitzhacke, Schaufel und andere Gegenstände hergestellt werden können.
Um in den Untergrund zu kommen, muss man einen Dungeon durchlaufen, an dem man am Ende die erste Treppe bekommt, die man platzieren kann, um nach unten zu gelangen und dort neues Material zu finden. Damit lassen sich stärkere Gegenstände herstellen.
Anschließend geht es immer weiter hinab und auf jeder Ebene wiederholt sich dasselbe Spiel. Abwechslungsreichtum gibt's leider weder bei der Gestaltung der Ebenen noch bei den Items - sind halt stärkere Versionen derselben Werkzeuge in neuen Farben.
Altbekannt und immer wieder recycelt
Quelle: PCGames
In der zweiten unterirdischen Ebene gibt es Schnee und Eis, das abgebaut werden kann.
Wenig überraschend auch unsere Ressourcen, die wir beachten müssen: Leben, Energie und Mana. Die Anzeigen müssen immer im Blick behalten werden. Im Laufe des virtuellen Tages verliert man Energie, die durch Lebensmittel wie Beeren oder Brot wieder aufgefüllt werden kann.
Verliert man Lebenspunkte, reicht es jedoch nicht, ein paar Beeren zu verspeisen. Da müssen dann Tränke her, die einem das Leben retten können. Verliert man bei einem Kampf die Lebensanzeige aus den Augen und stirbt, wird man direkt auf mehreren Wegen bestraft.
Unser hart erarbeitetes Geld bleibt dort liegen, wo man über den Jordan gegangen ist. Die entsprechenden Münzen können zwar wieder aufgesammelt werden, haben aber nur noch einen Bruchteil ihres ursprünglichen Wertes.
Aber das ist nicht alles, auch unsere Stats verschlechtern sich bei jedem Dahinscheiden, was die Kämpfe dann nochmal schwieriger macht. Diese können aber durch Items, die man kaufen und finden kann, wieder aufgefüllt und bis zu einem gewissen Punkt erweitert werden.
Das Craftingmenü ist weniger umfangreich als bei anderen Spielen dieser Art. Das liegt zum einen daran, dass es wenige besondere Metalle gibt und zum anderen daran, dass aus diesen dann auch nur wenige Items generiert werden können.
Erklärungen? Fehlanzeige
Quelle: PCGames
Das Craftingmenü ist überschaubar, bietet aber die grundlegend benötigten Gegenstände.
Ein klassisches Tutorial bietet das Spiel nicht. Dafür aber ausführlich gestaltete Quests, die einem sagen, was man als Nächstes zu tun hat. Das reicht tatsächlich in den meisten Situationen, um sich zurechtzufinden.
... In den meisten, aber eben nicht in allen. In manchen Situationen muss man raten und herumprobieren, bis man eine Lösung findet. Hat man Wände, Boden und Bett gebaut und möchte sich hinlegen, geht das nicht. Es sei nicht sicher genug. Eine Erklärung, wie man die Umgebung sicher genug machen kann, wird einem nicht gegeben.
Nachdem man herumprobiert und gerätselt hat, findet man allerdings raus, dass es ein Item gibt, das Grundstücke absteckt. Ist das passiert, kann man beruhigt schlafen - aber nur nachts. Da durch solche kontextbasierten Einsatzgebiete nicht immer klar ist, ob man sich gerade doof anstellt oder eine Funktionsweise einfach nicht existiert, kommt gerne mal Frust auf.
Und: Trotzdem das Spiel aus dem Early Access raus ist, sind die Funktionsweisen mancher Gegenstände noch nicht implementiert und sollen laut dem Entwickler noch nachgereicht werden. Nun ja.
Dungeons - ja bitte
Quelle: PCGames
In den verschiedenen Dungeons müssen auch Rätsel gelöst werden. Her muss man mit Hilfe von verstellbaren Spiegeln einen Laserstrahl auf eine Kugel leiten.
Das Highlight des Spiels sind die erwähnten Dungeons, derer es vier an der Zahl gibt. Diese sind den vier Elementen gewidmet und bieten verschiedene Gegner, die besiegt, und kleine Rätsel, die gelöst werden müssen.
Hierbei muss auf verschiedene Waffen zurückgegriffen werden wie Bögen, Schwerter und Zauberstäbe, um gegen alle Kontrahenten anzukommen. Die Gegner haben verschiedene Stärken, so sind manche im Fern- und andere im Nahkampf bewandert. Die Dungeons bieten eine schöne Abwechslung zum sonstigen Farmen und craften.
Die Angst vor Bugs - ein ständiger Begleiter
Quelle: PCGames
In diesem Felsengebiet können Ressourcen abgebaut werden, die für das erstellen von Gegenständen benutzt werden können.
Klein, etwas Feature-arm, aber fein also? Nun, nicht ganz. Ab dem ersten Dungeon mussten wir uns mit massiven technischen Gebrechen herumärgern. Selten zuvor haben wir ein Spiel erlebt, bei dem man sich so zuverlässig drauf verlassen kann, dass es in wunderbar regelmäßiger Unregelmäßigkeit abstürzt, aufgrund der ausschließlich automatischen und nicht verlässlichen Autosave-Funktion gerne auch mal mit ausgeprägten Fortschrittsverlust.
Dabei spielt es keine große Rolle, was man im Moment des Absturzes gerade macht. Im besten Fall muss man nur ein paar Schritte erneut laufen. Viel öfter passiert es aber, dass man gerade eine große Fläche an- oder abgebaut oder einen schwierigen Kampf geschafft hat und all die Mühe für die Katz' ist. All die Mühe muss man danach wieder von vorne machen.
Was ist letztendlich geboten?
Tile Miner bietet einige Stunden Spielspaß. Das sich wiederholende Ressourcen-Farming und das Craften von Gegenständen werden durch die Dungeons angenehm aufgelockert und bringen so Abwechslung ins Spielgeschehen. Durch die Quests der Einwohner werden immer wieder neue Gegenstände wie verschiedenes Gemüse freigeschaltet, womit dann immer weitere Gegenstände hergestellt werden können.
Es kann der Frömmste aber nicht in Frieden leben, und der Frust und die dauernde Unsicherheit, die sich durch das kaputte Speichersystem ergeben, machen ein eigentlich spaßiges Erlebnis zum Nervenspiel. Bis dieser Makel behoben ist, kann der Titel somit auch nur sehr eingeschränkt empfohlen werden.
