The Witcher: Wie gut war Staffel 1? Das meint die Redaktion

Special Christian Dörre Maria Beyer-Fistrich
The Witcher: Wie gut war Staffel 1? Das meint die Redaktion
Quelle: Netflix

Die zweite Staffel von The Witcher auf Netflix war schon bestätigt, bevor die erste Season überhaupt gestartet war. Offensichtlich war die Zuversicht der Geldgeber groß. Nachdem wir und ihr hoffentlich auch die komplette Staffel gesehen habt, ziehen wir eine Bilanz und verraten euch, was wir über die filmische Umsetzung des Witcher-Universums denken.

Ende des Jahres erschien die erste ­Staffel von The Witcher auf Netflix und ­wurde direkt zu einem riesigen Erfolg für den Streamingdienstanbieter. Die Serie basiert zwar auf der Buchvorlage, doch gerade bei Gamern war sie aufgrund der hervorragenden Spiele von CD Projekt Red zu Hexer Geralt ­natürlich ein absolutes Must-see. Auch in unserer Redaktion wurde die Net­flix-Produktion ausführlich diskutiert, sodass wir euch hier gleich vier Redakteurs­meinungen präsentieren. Vorsicht: Leichte Spoiler enthalten!

Felix meint:

Ich habe nicht nur jeden Witcher-Teil mehrfach durchgespielt, sondern auch die Bücher schon vor Jahren verschlungen. Mit der Netflix-Umsetzung bin ich halbwegs zufrieden, auch wenn CD Projekt einige Dinge schlichtweg besser gelöst hat: Yennefer ist in The Witcher 3 zum Beispiel deutlich eindrucksvoller geraten (und damit näher am Buch!) und auch die Kostüme sind glaubwürdiger. Die Serie kann dafür mit einem überraschend guten Henry Cavill, schönen Schauplätzen und einigen starken Fan-Momenten punkten, darunter die großartige (und ordentlich derbe) Kampfszene in Blaviken oder der Kampf gegen die Striga. Die oft kritisierten Zeitsprünge - obwohl den Büchern geschuldet - sind dafür unnötig und verwirrend, weil selbst zentrale Figuren wie Königin Calanthe nicht zu altern scheinen. Wie man so einen Fehler nicht bemerken kann, ist mir schleierhaft. Mir hätte es außerdem besser gefallen, wenn sie sich für Staffel 1 nur an den ersten beiden Kurzgeschichten-Bänden orientiert und sich Ciris Handlung vielleicht für Staffel 2 aufgehoben hätten. Aber sei's drum, ich werde definitiv dranbleiben, schließlich haben die Serien-Schöpfer auch vieles richtig gemacht. Und auf ein Wiedersehen mit Jaskier (aka: Rittersporn) freue ich mich schon jetzt! "O' Valley of Plenty, oohohooo!"
In der ersten Staffel werden die Kurzgeschichten als Vorlage schnell abgehandelt, um Ciri in die Story zu bringen. Quelle: NetflixNetflix In der ersten Staffel werden die Kurzgeschichten als Vorlage schnell abgehandelt, um Ciri in die Story zu bringen.

Paula meint:

Ich war zunächst skeptisch, weil ich in Henry Cavill einfach keinen Geralt gesehen habe, wurde aber direkt ab der ersten Folge eines Besseren belehrt. Cavill bringt die trockenen Sprüche und die Emotionen eines Geralt von Riva wirklich gut rüber. Da ich vorher schon von der verqueren Timeline wusste, konnte ich mich vorab ein wenig darauf einstellen. Aber die Tatsache, dass weder Yennefer noch Geralt altern, macht es nicht unbedingt einfacher, zu verstehen, welcher Charakter jetzt gerade in welcher Zeit ist. Mit der einfachen Einblendung einer Jahreszahl beim Figurenwechsel wäre das so einfach gelöst! Aber es gibt auch so immer kleine Hinweise, die man aber nur bemerkt, wenn man wirklich gut aufpasst. Das gefällt mir gut, die Liebe zum Detail zeigt sich wirklich deutlich. Auch sind die Kämpfe schön inszeniert und choreografiert, und mir gefällt es, wie Geralt immer mit Plötze redet. Dafür kann ich mit Rittersporn irgendwie noch nichts anfangen und seine Songs klingen viel zu modern für mich. Wie man sieht, spreche ich hier von Details. Die komplette Handlung finde ich ein wenig wirr geschrieben und ich habe auch erst etwa ab der vierten Folge das große Ganze gesehen. Aber für die erste Staffel ein ganz guter Anfang. Trotzdem kein neues Game of Thrones. Sorry.

Katharina meint:

Bis zur Hälfte der Serie habe ich mich gut unterhalten gefühlt, danach hat die Begeisterung ein wenig nachgelassen. Die ständigen Zeitsprünge und Zwischenschnitte empfand ich als unnötig verwirrend, aber ich verstehe, dass sie die Ciri-Story gleich zum Start etablieren wollten. Yennefer ist einer meiner liebsten Charaktere, die Serienversion ist meinen Vorstellungen dabei nicht ganz gerecht geworden, aber weitaus besser als Triss, die ich nie erkannt hätte, wäre ihr Name nicht genannt worden. Wie schaut die denn aus? Eine Casting-Entscheidung, die ich nicht nachvollziehen kann. Einen guten Job erledigt haben dafür Henry Cavill als Geralt (was ich mir anfangs so gar nicht vorstellen konnte) und Joey Batey als Rittersporn, äh, ich meine Jaskier. Die Effekte wirken manchmal etwas billig, ja, aber sie waren nicht so schlimm, dass sie mich völlig aus dem Geschehen gerissen hätten. The Witcher ist eben kein Hochglanz-Kinofilm mit gigantischem Spezialeffekte-Budget, sondern "nur" eine Netflix-Serie. Trotz all der kleinen Mäkeleien, die ich nun losgeworden bin, werde ich die Serie in der zweiten Staffel weiter verfolgen. Bei Game of Thrones hingegen bin ich schon vor dem Ende der ersten Staffel abgesprungen, weil mir nicht gefallen hat, wie die Bücher umgesetzt wurden.

Chris meint:

Meine Kritikpunkte: Das CGI sieht teilweise arg billig aus, trotz Zeitsprüngen altern die Figuren nicht, die moralische Komplexität der Kurzgeschichten wird in der Serie nicht ganz erreicht, einigen unwichtigen Sachen wurde zu viel Zeit gewidmet, einigen wichtigen Dingen hingegen zu wenig und die vorletzte Folge hat mich genervt, da sie fast ausschließlich dazu diente, selbst dem größten Dödel begreiflich zu machen, dass die Geschichte bislang über verschiedene Zeitebenen erzählt wurde. Trotzdem hat mich die erste Staffel von The Witcher verdammt gut unterhalten. Henry Cavill ist die perfekte Besetzung für Geralt von Riva. Nicht nur optisch, er fängt auch den durchaus vielschichtigen Charakter sehr gut ein. Zudem sind die Schwertkämpfe top inszeniert sowie choreografiert. Die Serie verzichtet zwar leider auf einige meiner Lieblingskurzgeschichten aus den ersten zwei Büchern Sapkowskis, doch mir war vorher schon klar, dass die Macher wohl zügig zur Ciri-Story gelangen wollen. The Witcher fehlt das Epische eines Game of Thrones, aber ich bin optimistisch, dass sich die Serie noch weiterentwickelt. Nach dem Erfolg von Season 1 lässt Netflix sicherlich mehr Budget springen. Trotz einiger Mängel freue ich mich schon sehr auf die zweite Staffel.

Und jetzt seid ihr dran: Wie hat euch die erste Staffel von The Witcher auf Netflix gefallen, was könnten die Produzenten noch verbessern und was wünscht ihr euch sonst noch für Staffel 2? Teilt es uns in den Kommentaren mit!

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