The Witch and the Hundred Knight 2 im Test: Wortgewaltiger JRPG-Grind-Marathon

Test Katharina Pache
The Witch and the Hundred Knight 2 im Test: Wortgewaltiger JRPG-Grind-Marathon
Quelle: NIS America

Hexen, Ritter, Sensationen? Das japanische Action-Rollenspiel The Witch and the Hundred Knight 2 sprüht vor schrägen Einfällen und punktet mit einem komplexen Kampfsystem, vermag jedoch nicht, diese Stärken effektiv auszuspielen. Ob das JRPG dennoch euren Geschmack trifft, verrät der Test.

Dass The Witch and the Hundred Knight vor vier Jahren den Weg nach Europa gefunden hat, war ein kleines Wunder. Noch verwunderlicher: Trotz durchwachsener Wertungen der ursprünglichen PS3-Ausgabe kam eine PS4-Version von The Witch and the Hundred Knight mit dem Untertitel Revival Edition hinterher, und mit The Witch and the Hundred Knight 2 (jetzt kaufen ) dann sogar eine waschechte Fortsetzung. Das Werk der Disgaea -Macher steht in Europa ab sofort zum Kauf bereit, wahlweise als Retail-Fassung. Wir fanden den ersten Teil des Action-Rollenspiels übrigens ganz ordentlich, wie unser Video-Test zu The Witch and the Hundred Knight verrät. Aber genug mit den ollen Kamellen, ab jetzt dreht sich alles um The Witch and the Hundred Knight 2!

Aller Anfang ist dramatisch

Hexe! Hexe! Ein Ausflug in den Wald und schon hat sich die kleine Milm mit dem Hexensyndrom infiziert. Gemeinsam mit der großen Schwester Amalie muss sie ihr Heimatdorf verlassen - sobald die Krankheit ausbricht, drohen nämlich Zerstörung und Tod. Die Chirurgen der Anti-Hexen- Gelegentlich bieten sich unterschiedliche Antwortmöglichkeiten. Einige davon haben erst später Auswirkungen. Quelle: PC Games  Gelegentlich bieten sich unterschiedliche Antwortmöglichkeiten. Einige davon haben erst später Auswirkungen. Organisation "Weisse Ritter" sollen's richten, doch die Operation an Milm geht schief und in ihrem Körper erwacht eine mies gelaunte Hexe mit fragwürdigem Klamottengeschmack. Amalie ist am Boden zerstört, schwört jedoch, der destruktiven Parasitin Einhalt zu gebieten. Ihr selbst steht als sogenannter Hundred Knight, ein durch Magie zum Leben erwecktes Stofftier, zwischen den Stühlen - erledigt Aufträge für die beiden Protagonistinnen, pflügt dafür durch unzählige Feinde in nicht enden wollenden, austauschbaren Dungeons und lauscht ausufernden Standbild-Dialogen.

Lass uns mal drüber reden

Mit dem ersten Teil hat The Witch and the Hundred Knight 2 die Welt und die gleichnamige Figur gemein, davon abgesehen steht das Action-Rollenspiel auf eigenen Beinen. Euch erwartet ein umfangreicher Ausflug in die Hexenwelt, das liegt allerdings an den langen Laufwegen und den wie bereits erwähnt langatmigen Unterhaltungen im Visual-Novel-Stil, in denen ihr wenigstens ab und zu unterschiedliche Antwortmöglichkeiten habt. Der Plot ist nur teilweise interessant, viele Witze werden unnötig breitgetreten, Einzelheiten zu oft wiederholt, Figuren tauchen auf, nur, um kurz darauf wieder in der Anime-Klischeekiste zu verschwinden, aus der sie gekommen sind. Eine Funktion, die Gespräche automatisch abzuspielen, gibt es nicht. Wer möchte, überspringt das Geplauder einfach komplett, aber dann könntet ihr auch gleich ein anderes Hack&Slay spielen, etwa Diablo 3. Der Humor zeigt sich, wie im Vorgänger, ziemlich derb, die Sprache ebenso - "piece of shit" ist da noch eine der netteren Bezeichnungen, die sich die Charaktere gegenseitig an den Kopf werfen.

Reden ist Silber, Kämpfe sind Gold

Die Auseinandersetzungen machen wegen des interessanten Crafting- und Kampfsystems deutlich mehr Laune: Der Hundred Knight führt mehrere Waffen mit unterschiedlichen Eigenschaften (Schwerter, Hämmer, Zauberstäbe, Speere und Lanzen), nach jedem Hieb wird ­gewechselt.

Eine abgeschlossene Fünfer-Kombokette belohnt euch mit dem Einsatz einer Fressattacke namens Depletura, bei der ihr den Feind verschlingt. Dies spendet euch AP, die ihr zum Einsatz von Spezialattacken benötigt, und eure Gigakalorien werden aufgefüllt. Aus den Kalorien wird eure Gesundheitsregeneration und die Ausweichsrolle gespeist. Hängt euch der Magen in den Kniekehlen, verursacht ihr kaum noch Schaden und eure Werte rutschen in den Keller. Im Bauch bewahrt ihr außerdem alle im Level gefundenen Items auf, etwa neue Waffen, Rüstungen oder Crafting-Materialien. Je höher euer Level, desto mehr Platz habt ihr im Verdauungstrakt, bei jeder Rückkehr in eure Heimatbasis entleert ihr euch (zum Glück Off-Screen) und nutzt die Objekte, um neue Ausrüstung zu schmieden. Später setzt ihr außerdem Beschwörungen ein, erhaltet neue Spezialfähigkeiten und schaltet alternative Formen des Hundred Knight mit leicht unterschiedlichen Werten frei. So unterhaltsam die Kämpfe auch sind, durch den seichten Schwierigkeitsgrad ist es nicht erforderlich, eine Wissenschaft aus dem komplexen System zu machen. Dazu kommen die austauschbaren Umgebungen, immer gleichen Feinde und der hohe Grind-Faktor durch die langen Laufwege - Ermüdungserscheinungen sind da kein Wunder.

Englisch und Japanisch

Jeder Gegner hat Resistenzen. Darauf solltet ihr bei der Auswahl eurer Kampf-Facette (Magie, Nahkampf und so weiter) Rücksicht nehmen. Quelle: PC Games  Jeder Gegner hat Resistenzen. Darauf solltet ihr bei der Auswahl eurer Kampf-Facette (Magie, Nahkampf und so weiter) Rücksicht nehmen. Wie im Vorgänger sind alle Texte englisch, wahlweise aktiviert ihr die japanische Tonspur, eine deutsche Übersetzung gibt es nicht. Zwar bietet The Witch and the Hundred Knight 2 einige Spieloptionen (etwa die Grafikauflösung betreffend), aber keinen im Menü einstellbaren Schwierigkeitsgrad (später tut sich immerhin eine In-Game-­Möglichkeit auf, mit der ihr die Gegnerstärke beeinflusst). Nicht zeitgemäß ist die Inszenierung mit altbackenen, abgehakt animierten 3D-Modellen und Standbildern mit Textkästen. Die Spielgrafik ist etwas hübscher, aber angesichts von anderen aktuellen Titeln nicht der Rede wert. Immerhin: Das niedliche Design gefällt und die musikalische Untermalung ist gelungen, die Steuerung funktioniert einwandfrei. Aber das ist auch kein Hexenwerk.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu The Witch and the Hundred Knight 2 (PS4)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Spaßiges, komplexes Kampf- und Crafting-SystemUnzählige WaffenoptionenErzählung nimmt sich nicht allzu ernstHübsches DesignSchöne HintergrundmusikRecht umfangreich
Keine deutschen TextePlot verliert oft den roten FadenAustauschbare, langweilige UmgebungenViel Grinding und langatmige DialogeMit Mikrotransaktionen
Fazit

The Witch and the Hundred Knight 2 ist ein repetitives Hack&Slay mit einer ordentlichen Portion Visual Novel als Beilage.

Bildergalerie

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