Retro-Special Disney Games - Seite 2
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Retro-Special zu Spielen aus dem Hause Disney: Das wohl beliebteste Medien-Unternehmen der Welt sorgte schon früh nicht nur mit Zeichentrick für lachende Gesichter: Wir stellen euch in unserer Reportage die ersten und wichtigsten Schritte im Videospielbereich von Micky, Donald und Co. genauer vor.
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Ebenso wie das konkurrierende Produkt wurde der farbenfrohe Hüpfer mehrfach fortgesetzt und brachte später sogar Donald Duck als zweiten spielbaren Charakter dazu. Beide Serien gelten als Klassiker, die Pole-Position wird jedoch überwiegend The Magical Quest auf dem Super Nintendo zugesprochen. Das soll nicht heißen, dass Big N jederzeit die Oberhand behielt. Selbst ein und derselbe Film konnte sich, je nach Konsole, fundamental unterscheiden. Ein gutes Beispiel hierfür ist das offizielle Spiel zu Aladdin, welches sowohl von Capcom als auch Sega und Virgin Interactive entwickelt wurde.
Quelle: Disney
Auch wenn gemeinhin behauptet wird, Disney hätte bei Big N einen besseren Stand gehabt, erschienen für Sega-Konsolen jede Menge gute Jump & Runs.
Während Dschinni, Jaffar und die restliche Truppe des Films auf dem Super Nintendo in einer vergleichsweise hübscheren Grafik auf dem Bildschirm zu sehen waren, konnte das Sega-Pendant mit lustigeren Animationen und einem knackigeren Schwierigkeitsgrad auf der spielerischen Seite deutlich besser punkten. Im Zuge der immer wichtiger werdenden und breit aufgestellten Vermarktung sah sich Disney gezwungen, ein eigenes Entwicklerstudio zu eröffnen. Hierzu wurde die 1988 gegründete Tochtergesellschaft Walt Disney Computer Software 1996 in Disney Interactive umgewandelt, in der künftig auch vermehrt Spiele erscheinen sollten. Noch im selben Jahr bewies der Konzern, dass er es mit seinem Vorhaben ernst meinte und veröffentlichte mit Maui Mallard in Cold Shadow ein höchst ungewöhnliches Jump & Run, das viele Gemeinsamkeiten mit dem gefeierten und bockharten Earthworm Jim gemeinsam hatte. Zwar übernimmt der allseits beliebte Donald die Hauptrolle des Spiels, trägt statt seines Matrosenanzugs aber ein lässiges Hawaiihemd und ballert mit einer Käferkanone herum. Noch absurder für ein Disney-Spiel wird es, wenn Donald sich per Power-up in einen Ninja verwandelt und sich gegen Zombies, böse Geister oder Kannibalen zur Wehr setzen muss.
Quelle: Disney
Hübsches Spieldesign und ein klasse Koop-Modus für zwei Spieler sorgten bei dem kurzweiligen Hüpfer zu Chip & Chap für einen hohen Wiederspielwert.
Diese künstlerische Freiheit für die Entwickler, gepaart mit den für Disney typischen exzellenten Animationen machten Maui Mallard trotz der ungenauen Steuerung schnell zu einem echten Geheimtipp. Der Grund, warum nirgends im Spiel von Donald die Rede ist, ist sehr simpel: kurz vor Release bekam Disney doch noch das große Flattern, ob es okay sei, einen aggressiv auftretenden Donald mit Kanone zu vermarkten, weshalb der Name kurzerhand in Maui Mallard umgeändert wurde. Dieser massive PR-Stunt sorgte in Kombination mit dem unglücklichen Zeitpunkt der Veröffentlichung dafür, dass das Spiel zu einem finanziellen Flop wurde und Disney es fortan wieder deutlich gediegener zugehen ließ. Kurios: das 1991 auf den Markt gekommene Quackshot - hier war Donald ganz klar Indiana Jones nachempfunden - hatte sowohl in Japan als auch im Westen eine Kanone auf dem Cover.
Tief reingegriffen
Quelle: Disney
Maui Mallard in Cold Shadow, hier die Mega-Drive-Version, war Disney kurz vor der Fertigstellung zu düster. Deshalb ließ man den Namen Donald Duck rausstreichen.
Die finanziell immer wichtiger werdenden Videospiele waren für Disney Anlass genug, um nicht nur den jährlichen Winter-Blockbuster mit einem dazugehörigen Videospiel auszustatten. Stattdessen grub Disney tief in der Mottenkiste und kramte so manchen Film hervor, der neben wenigen Jahren auch schon einige Dekaden hinter sich hatte. Die Liste an verschiedenen Titeln für unterschiedlichste Systeme ist lang. Von Alice im Wunderland über Pinocchio und Arielle die Meerjungfrau bis hin zu Winnie Puuh gab es nur wenige Filme, zu denen nicht ein passendes Spiel geplant war. Für die meisten dieser Titel agierte Disney Interactive als Publisher und beauftragte andere Entwickler wie Activision oder Ubisoft mit der Produktion, andere wiederum nahm sich der Mediengigant selbst zur Brust.
Quelle: Disney
Eine Art Ghouls ’n Ghosts für die Kleinen: The Magical Quest ist durch und durch ein echt hübsches Jump & Run für SNES.
Schon allein aufgrund der riesigen Menge an Spielen war es von vornherein klar, dass Disney das hohe Niveau, welches knapp zehn Jahre zuvor erreicht wurde, nicht würde halten können. Das Ergebnis führte - von einigen recht nett gemachten Titeln mal abgesehen - zu jeder Menge Durchschnitts-Software. Von Mario Kart-Klonen und halbgaren 3D-Jump&Runs war zur Ära der Playstation und des Nintendo 64 alles vorhanden, womit man sich auf eher mittelmäßige Art und Weise vergnügen konnte. Insbesondere mit dem Hüpfspiel-Genre konnte Disney den Konkurrenzprodukten von Nintendo kein Paroli mehr bieten. Beim nächsten Generationswechsel hin zu Playstation 2, Gamecube und Xbox sah es nicht wirklich besser aus. Donald Duck: Quack Attack oder Disney's Hide and Seek waren weit entfernt vom programmierten Sondermüll - allerdings auch nicht wirklich in der Reichweite eines Jak & Daxter oder Ratchet & Clank.
Erneute Rettung aus Japan
Quelle: Disney
Bereits einige Jahre vor Assassin’s Creed 4: Black Flag hatte Disney ein ähnliches Fluch der Karibik-Spiel in der Mache, stampfte es mitten in der Produktion aber leider ein.
Fast könnte man annehmen, Disney hätte im neuen Jahrtausend das Glück verlassen und die Firma wäre dazu verdammt, nur noch zweitklassige Software auf den Markt zu bringen. Wie schon über eine Dekade zuvor bahnte sich aber Hilfe aus Japan an. Aus purem Zufall trafen sich zwei Produzenten von Disney und Square Enix in einem Aufzug und kamen auf die Idee, klassische Disney-Figuren in einem JRPG à la Final Fantasy auftreten zu lassen. Aus der zunächst absurd klingenden Idee wurde schon bald ein umfangreiches Projekt, das bei beiden Firmen einen hohen Stellenwert genoss. Als das fertige Spiel dann im März bzw. November 2002 unter dem Namen Kingdom Hearts erschien, war nicht nur ein echter Überraschungshit, sondern langfristig auch eine komplett neue Serie geboren. In den Folgejahren erschien nicht nur eine offizielle Fortsetzung, sondern auch jede Menge Spin-offs.
Quelle: Disney
Zwischen dem Film und dem Videospiel von Der König der Löwen für die Playstation liegen einige Jahre. An die Qualität des Films reicht das Spiel leider nicht heran.
Auch wenn Kingdom Hearts beileibe kein Erwachsenenspiel ist, fällt gerade bei den Disney-Figuren das düstere Charakterdesign auf, welches man in der Form selten zu Gesicht bekam. Offensichtlich hatte Disney nun doch Gefallen an dieser Richtung gefunden. Nur wenige Jahre später, mittlerweile befinden wir uns in der Wii-Ära, kündigte Disney in Zusammenarbeit mit Designer-Legende Warren Spector Disney Micky Epic an. Das exklusiv für Nintendos neueste Konsole entwickelte Jump & Run ging noch einige Schritte weiter als Kingdom Hearts und dürfte bis heute eine der unheimlichsten Interpretationen des Disney-Mäuserichs sein, die man in seiner rund 87-jährigen Geschichte zu Gesicht bekommen hat. Das Design richtet sich nicht nur wieder deutlich an Mickys Anfänge aus den 30er-Jahren, sondern lässt auch so manche Horror-Elemente und komplexe Handlungsstränge rund um die Figur des neiderfüllten Oswald einfließen.
Wer jetzt schon im Glauben war, dass Disney wieder groß im Videospielgeschäft mitmischen würde, wurde recht schnell eines Besseren belehrt. Trotz eines offiziellen Sequels brachte Disney Micky Epic nicht den Erfolg, den sich Disney gewünscht hatte. Auch andere Produktionen wie Tron: Evolution, das offizielle Spiel zum 2010 erschienenen Film, lief schlechter als erhofft, ein Open-World-Rollenspiel zu Fluch der Karibik wurde kurz vor Release eingestampft. Im Mai 2016 überraschte Disney dann mit der Nachricht, dass die eigentlich recht erfolgreich laufende Disney Infinity-Reihe - das Konkurrenzprodukt von Amiibo und Skylanders - mit sofortiger Wirkung eingestellt würde.
Im selben Atemzug verkündete der Branchenriese, dass auch die Disney Interactive Studios nach rund 28 Jahren für immer ihre Pforten schließen. In Zukunft wolle man sich stattdessen darauf konzentrieren, Lizenzen an namhafte Entwickler zu vergeben, wie es etwa bei EA und Star Wars Battlefront schon getan wurde. Natürlich ist es gerade wirtschaftlich gesehen eine gute Sache, dass Disney von nun an sichergehen möchte, dass die eigenen Marken sich in guten Händen befinden. Warum man dieses Vertrauen aber nicht in die eigenen Mitarbeiter legt, wird von nun an wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Aber weiß: Nach dem Shitstorm, den Star Wars: Battlefront 2 mit sich brachte, überdenkt Disney diese Strategie ja vielleicht noch einmal.
