The Revenant Prince: Der Versuch einer Hommage an die RPGs von anno dazumal
Test
Am 13. August erschien mit The Revenant Prince ein Rollenspiel in pixeliger Oldschool-Manier aus der Schmiede von Nomina Games auf Steam. Mit diesem Titel haben sich die Macher hohe Ziele gesteckt, denn laut eigener Aussage soll es als Hommage an klassische Rollenspiele aus 8- und 16-Bit-Zeiten dienen. Ob The Revenant Prince als zeitreisender Weltenretter diesem Vorhaben gerecht wird, erfahrt ihr im Test.
Mit The Revenant Prince, welches seit dem 13. August auf Steam verfügbar ist, verfolgt das Studio Nomina Games aufgrund ihrer Liebe zu Retro-JRPGs und -RPGs große Ambitionen. Denn das Rollenspiel soll als Hommage an die Klassiker des Genres dienen, die vor allem zu 8- und 16-Bit-Zeiten viele neue Fans gewannen. Der Ersteindruck nach dem Spielstart passt, der Look und die Atmosphäre fangen gut den Geist von damals ein. Viel zu schnell jedoch zeigt sich, dass hier Schein eindeutig vor Sein geht, denn trotz der offensichtlichen Liebe und Mühe der Entwickler ist ihr Projekt eine Enttäuschung.
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Charmanter Ersteindruck
Seine Retro-Inspirationen trägt The Revenant Prince offen vor sich her. Ihr reist mehr oder weniger nach eigenem Ermessen durch die Spielwelt, trefft neue, oftmals nur zeitweilige Gefährten und versucht euch in rundenbasierten Kämpfen mit ATB-System. Außerdem erwarten euch auf euren Reisen die seltsamsten Gestalten, von tierischen Zweibeinern bis hin zu sprechenden Büschen. Da unser stoischer, schweigsamer Protagonist allerdings eher an Heroen wie Cloud Strife aus Final Fantasy 7 erinnert, finden wir uns unabhängig vom Gesprächspartner meist in der Rolle des Zuhörers wieder.
Rein visuell betrachtet macht The Revenant Prince so einiges her. Die Charaktere sind detailreich gestaltet und auch im Hinblick auf die verschiedenen Ortschaften gibt es ausreichend Abwechslung. Unterstrichen wird diese oberflächliche Schönheit durch den ebenso gelungenen Soundtrack, der zu Teilen richtig fesselt. Des weiteren strotzt das Spiel nur so vor liebevollen Details, seien es die zahlreichen Anspielungen an bekannte RPGs oder kreative ideen wie ein süßer Pinguin, der für uns ein bisschen Lo-Fi auflegt.
Nett gedacht, schlecht gemacht
Quelle: PC Games
Der düstere Grundton des Spiels wird nicht selten durch Grusel-Einlagen unterstützt
Im Mittelpunkt der Erzählung steht Troy, ein junger Mann. Infolge eines tragischen Ereignisses wird er von einer mysteriösen, körperlosen Entität kontaktiert. Diese erwählt ihn, um die Welt zu retten und verleiht ihm die Fähigkeit, die Zeit zu kontrollieren. Das alles nicht wahrhaben wollend, versucht Troy zuerst, dieses mysteriöse Ereignis zu ignorieren. Doch egal, wie sehr er sich bemüht, scheint er seinem Schicksal nicht entfliehen zu können. Er beginnt eine Reise zwischen Raum und Zeit, und schnell begreift er, dass seine neue Gabe mehr Fluch denn Segen ist, denn reihenweise sterben die Leute um ihn herum und die ihn ständig begleitende Stimme stiftet ihn zu immer furchtbareren Taten an.
Was in der Theorie gut klingt, stellt sich in der Praxis als absolutes Desaster heraus. Die Inszenierung wurde leider gehörig in den Sand gesetzt und findet tonal niemals zu einer kohärenten Stimme. Ganz besonders darunter zu leiden hat die Atmosphäre des Spiels. So wird die erdrückende Stimmung der Geschichte mit ihren düsteren Ereignissen durch schlechte Witze an so gut wie jeder Ecke unterbrochen. Das geht so weit, dass man sich vorkommt wie im Wechsel zwischen zwei Parallelwelten: jener der Hauptgeschichte, welche trostloser nicht sein könnte und jener, in der NPCs mit übermäßiger Heiterkeit für Befremdnis sorgen.
Quelle: PC Games
An einer Vielzahl besonderer Kreaturen und Wesen mangelt es The Revenant Prince nicht
Leider hören die erzählerischen Probleme da noch nicht auf. Was vergleichsweise simpel beginnt, verliert sich in einer Handlung, die nur deswegen komplex ist, weil sie schlicht schlecht geschrieben ist, ständig hirnrissige Twists für Verwirrung sorgen und zahlreiche Handlungsaspekte nicht oder nur mäßig erklärt werden. Anders als andere, bessere Spiele, die den Spieler fordern, indem man Zusammenhänge selbst erschließen muss, sind alle Fragen, die man hat, nicht auf eine clevere Struktur, sondern schlechtes Writing zurückzuführen. Eine befriedigende Dramaturgie kann durch die wirren Wechsel und die doofe Story nicht entstehen. Unbeständigkeit ist in The Revenant Prince generell das größtes Problem, nicht nur mit Blick auf die Erzählung.
Aus alt mach neu
Durch Zufallskämpfe erhaltet ihr neben den gewohnten Erfahrungspunkten Diamanten, mit denen ihr die Skill-Mechanik, genannt Sphere Grid, bedient. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, eine zusätzliche Steigerung verschiedener Attribute zu aktivieren. Hierfür entscheidet ihr euch jeweils zwischen drei Sphere Grids, nämlich Offense, Defense oder Utility. Ansonsten habt ihr natürlich auch die Möglichkeit, neue Ausrüstung zu erhalten und diese beim Schmied sogar noch zu verbessern. Zu guter Letzt erwartet euch ein Feature, welches man spätestens seit Undertale nur allzu gut kennen dürfte, nämlich das Verschonen von Gegnern. Sobald die Lebenspunkte eines Kontrahenten zu Neige gehen, wird uns die Entscheidung überlassen, ihm den Gnadenstoß zu verpassen oder Gnade walten zu lassen. Bis auf einzelne Ausnahmen geht dies jedoch mit keinerlei Konsequenzen einher. Da der Gnadenstoß sich schneller ausführen lässt, wird man hier ergo fast aus Versehen zu Massenmörder.
Quelle: PC Games
Das Kampfsystem verlangt dem Spieler einiges ab und besticht vor allem durch das aktive Durchwechseln der Waffenauswahl.
Trotz der nicht zu übersehenden Vorbilder bringt The Revenant Prince auch noch etwas an eigener Würze mit. So kommt es mit einem erfrischenden Echtzeit-Kampfsystem daher. Dieses besteht einerseits aus dem üblichen Kampfmenü, welches mit Kommandos wie den selbsterklärenden "Items", "Assist" zum Herbeirufen etwaiger Gefährten und "Weapons" ausgestattet ist. Andererseits agieren wir auch unabhängig davon, in dem wir mit Q, W oder E leichte, schwere oder spezielle Angriffe ausführen. Hinzu kommt, dass wir mit den darunter liegenden Tasten A, S und D jeweils eine von drei ausgerüsteten Waffen für den besagten Angriff wählen. Demnach kann man sich beispielsweise mit einem Großschwert, einer Schusswaffe sowie einem Schild zur Abwehr ausrüsten. Jede Waffe besitzt einen eigenen Cooldown, was ein ständiges Durchwechseln der Waffen unausweichlich macht. Braucht das Großschwert noch ein paar Millisekündchen, dann feuern wir in der Zwischenzeit stattdessen eben eine Salve aus der Schusswaffe ab. Abgerundet wird das Kampfsystem durch die Möglichkeit, sich in einen übermenschlichen Krieger zu verhalten, der die Zeit zum Stillstand bringt und ununterbrochen Angriffe ermöglicht, sofern die hierfür notwendige Leiste gefüllt ist.
Jenseits von Gut und Böse
Das Kampfsystem funktioniert soweit, wie auch bezüglich der Geschichte geizt das Spiel auch hier mit Erklärungen. Zwar erhält man zu Beginn ein kleines Tutorial, allzu hilfreich ist dieses aber nicht. Spätestens, wenn der Schwierigkeitsgrad schon beim ersten Zwischenboss explosionsartig ansteigt, fühlt man sich etwas im Stich gelassen. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären, der mangelnden Balance.
Quelle: PC Games
Die erschreckende Ähnlichkeit mit einem uns wohl allen bekannten Seestern ist nicht zu übersehen
Durch die ständigen Niederlagen in den Gefechten bekommt man das Gefühl, etwas nicht verstanden zu haben, man weiß nicht, ob man schlecht spielt, unterlelevelt ist oder einem einfach die richtige Strategie fehlt. Nichts wird klar kommuniziert und dadurch, dass die semi-offene Welt einem wenig Hinweise gibt, wohin man sinnvollerweise als nächstes aufbrechen sollte, bleibt dieses Problem auch konstant bestehen. Irgendwann ertappt man sich dabei, wie man in bereits besuchte Gebiete zurückkehrt, von denen man weiß, dass man dort nicht sofort über den virtuellen Jordan geschickt wird, verbringt dort Stunden mit Erfahrungspunkte-Grinding und fragt sich irgendwann "was mache ich hier eigentlich?".
Das Traurige ist, dass das Potenzial von The Revenant Prince klar und deutlich zu erkennen ist. Leider wurde der Großteil der Energie wohl in das schicke Erscheinungsbild investiert. Ein Rollenspiel jedoch lebt von seinem Storytelling, und das wird The Revenant Prince zum Verhängnis. In der Konzeptionsphase wurde wohl glatt vergessen, dass auch der Spieler abgeholt werden muss. Denn egal, ob es sich um die Erzählung der Geschichte oder die zahlreichen Kämpfe handelt: Man fühlt sich stets im Regen stehengelassen.
