The Pathless im Test: Ein malerisch-mystisches Abenteuer
Test 33,29 €
Mit The Pathless hat die Playstation 5 direkt zum Launch auch ein erstes Indie-Juwel spendiert bekommen. Was den Titel der Giant Squid Studios so besonders macht und zu welchen Leistungen er auf PS4 und PC im Stande ist, klären wir im Test.
In der Gaming-Welt entwickelte sich Annapurna Interactive zuletzt so ein wenig zum idealen Anlaufpunkt für Geheimtipps: In den vergangenen Jahren hat der US-Publisher - dessen selbsternanntes Ziel es ist, Spiele zu produzieren, die "persönlich, emotional und originell" sind - viele kleine Indie-Juwelen auf den Markt gebracht, darunter beispielsweise What Remains of Edith Finch, Outer Wilds oder auch die PC-Version des zauberhaften Journey.
Der neueste Streich aus West Hollywood hört nun auf den Namen The Pathless (jetzt kaufen 30,20 € / 33,29 € ), erschien am 12. November für PC, PS4 sowie Playstation 5 und reiht sich nahtlos in den Stil der eingangs genannten Titel ein. Im zweiten Werk der Giant Squid Studios, den kreativen Köpfen hinter dem Unterwasser-Abenteuer Abzû, steckt nämlich vieles, was auch Journey und Co. ausgezeichnet hat: ein traumhafter Grafik-Stil, eine mystische Erzählung und eine offene Spielwelt, in die ihr Licht, Farbe und Leben zurückbringen müsst.
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Die flinke Waldläuferin
Dabei schlüpft ihr in die Rolle der sogenannten Jägerin, einer jungen Frau, die sich als letzter Hoffnungsschimmer der Menschheit aufmacht, um eine uralte Insel am Rande der Welt zu erkunden. An diesem magischen Ort, an dem sich das Reich der Lebenden und der Toten überschneidet, liegt nämlich die Quelle eines Fluchs, der alles Leben bedroht - und den ihr natürlich aufhalten müsst. Klingt episch, beginnt zunächst aber recht unspektakulär: Ihr landet mit eurem kleinen Boot am Strand, hüpft aufs Festland und macht euch erst einmal mit der Umgebung und den Spielmechaniken vertraut.
Quelle: PC Games
Wenn ihr die R2-Taste gedrückt haltet, visiert die Jägerin Talismane in der Nähe an. Je länger ihr zielt, desto sicherer wird der Schuss.
In Sachen Fortbewegung setzt The Pathless nämlich auf ein recht ausgefallenes System: Mit Hilfe ihres Bogens kann eure Protagonistin in der Spielwelt verstreute Talismane abschießen. Diese füllen wiederum ihre Geisteranzeige, mit der sie sprinten kann. Da beide Aktionen auf den Schultertasten liegen, lassen sie sich flott miteinander kombinieren. Zudem müsst ihr nicht jeden Talisman einzeln anvisieren, mit einem Druck auf die R2-Taste nehmt ihr automatisch das nächstengelegene Ziel ins Fadenkreuz und schießt es ab. Dabei scheut sich die Jägerin auch nicht davor, in allerbester Vanquish-Manier in den Dreck zu springen und über den Boden zu rutschen.
Dieser Mix aus Springen, Sprinten und Schlittern geht schnell in Fleisch und Blut über. Es fühlt sich einfach natürlich an, in einem Wahnsinnstempo flüssig über den Waldboden zu flitzen. Erweitert wird euer Bewegungsrepertoire, sobald ihr über einen kleinen Adler stolpert, der euch für den Rest des Abenteuers begleitet. Mit eurem gefiederten Freund könnt segelnd längere Distanzen zurücklegen, euch durch ein paar kräftige Flügelschläge in windige Höhen katapultieren und so auch die Lüfte erobern.
Quelle: PC Games
Wenn ihr euch an euren Adler hängt, könnt ihr eine Weile durch die Luft segeln.
Mein Freund der Adler
Der Adler ist aber nicht nur Hilfsmittel, sondern auch treuer Gefährte. In einer Welt, die abgesehen von ein paar Häschen, Rehen oder anderen Wildtieren geradezu leer und leblos wirkt, ist er der emotionale Anker - wie das Pferd in Shadow of the Colossus oder euer Partner im Mehrspieler-Modus von Journey. Im Verlaufe des Abenteuers entsteht sogar eine innige Verbundenheit zu dem Raubvogel, weil es die Entwickler verstehen, ihn euch durch Streicheleinheiten und andere Interaktion richtig ans Herz wachsen zu lassen.
Quelle: PC Games
Die Spielwelt von The Pathless ist wirklich wunderschön anzuschauen, bietet optisch jede Menge Abwechslung und jede Menge Geheimnisse zu entdecken.
Möglichkeiten zur Bindung gibt es auch mehr als genug, denn die Erkundung der Open World nimmt einige Zeit in Anspruch. Dafür hat sie euch im Gegenzug aber auch viel zu bieten: Die Insel ist malerisch gestaltet, wartet mit abwechslungsreichen Biomen - etwa Steppen, Prärien und Tundren - auf und steckt voller interessanter Details wie riesigen Tierskeletten oder bröckelnden Überbleibseln menschlicher Kultur. Einziger Grund zum Meckern ist vielleicht ein wenig die Größe der Spielwelt: Gerade gegen Ende ist man mehrere Minuten alleine mit ihrer Durchquerung beschäftigt, da fühlt sich The Pathless schon beinahe nach Arbeit an - auch wegen der umständlichen Orientierung. Es gibt nämlich keine Karte.
Das passt zwar stimmig ins Gesamtbild, das Adventure gibt sich allgemein sehr mysteriös, erklärt wenig und bleibt auch in Sachen Story meist eher vage. Dem Spielspaß ist es aber gelegentlich etwas abträglich, wenn man sich auf der Insel vollkommen verläuft. Einzige Möglichkeit zur Orientierung ist die Geistersicht, mit der euch spannende Objekte, geheime Passagen oder wichtige Orte hervorgehoben werden. Wer einem blauen Schimmern folgt, stößt auf antike Steintafeln, auf denen ihr die Lore ein wenig nachvollziehen könnt, oder sterbliche Überreste gefallener Kameraden, deren letzten Gedanken und Gefühle ihr lesen könnt.
Quelle: PC Games
In den Rätsel müsst ihr meistens mit Pfeil und Bogen hantieren. Mal schießt ihr auf Fackeln, mal auf Metallringe.
Mit Pfeil und Bogen auf Rätseltour
Zudem erwarten euch an allen Ecken und Enden kleine Geschicklichkeitsaufgaben und Rätsel, beispielsweise Rennen gegen einen Schmetterlingsschwarm oder Puzzles, in denen ihr Symbole richtig anordnen müsst. Die meisten Herausforderungen haben aber etwas mit eurem Bogen zu tun: Entweder gilt es, mit Feuerpfeilen Fackeln zu erleuchten oder eure Geschosse durch Ringe zu lenken. Dieses einfache Konzept wird später noch durch Elemente wie Schalter, Spiegel oder Schienen, auf denen ihr Objekte hin- und herschieben könnt, erweitert. Übermäßig kompliziert fallen die Kopfnüsse aber nie aus. Spätestens mit in der Umgebung versteckten Hinweisen sind sie innerhalb weniger Minuten gelöst. Das verhindert unnötigen Frust. Nur die Belohnungen fürs Erkunden fühlen sich irgendwann nicht mehr so befriedigend an. Meist findet ihr Kristalle, um einen Fortschrittsbalken zu füllen. Damit schaltet ihr zusätzliche Flügelschläge frei. Das hilft zwar beim Überwinden hoher Hindernisse, ob ihr am Ende des Tages aber sechsmal oder zehnmal mit eurem Adler in die Lüfte schießen könnt, macht dann auch keinen großen Unterschied mehr.
Spannender sind da schon die Lichtsteine. Mit denen könnt ihr Türme "heilen" und damit die Finsternis von der Insel vertreiben. Macht ihr das pro Gebiet dreimal, schaltet ihr dadurch einen Kampf gegen einen verfluchten Bossgegner frei, in dem ihr alles abrufen müsst, was ihr bisher gelernt habt. In mehrphasigen Gefechten weicht ihr Attacken aus, feuert im richtigen Moment auf feindliche Schwachstellen und müsst manchmal sogar kleine Hüpf- und Schleichpassagen meistern, um so die Kolosse in die Knie zu zwingen.
Quelle: PC Games
Die Bosskämpfe in The Pathless sind wirklich eindrucksvoll in Szene gesetzt.
Ein Erlebnis für Augen und Ohren
Gegen die Komplexität eines Demon's Souls Remake stinkt das natürlich ab, zumal es auch kein klassisches Game Over gibt. Wer getroffen wird, verliert lediglich einen Teil seiner gesammelten Kristalle. Das ist schon sehr gnädig. Immerhin die Inszenierung der Gefechte ist aber echt gelungen: Wenn ihr in einem in Flammen stehenden Kolosseum eine siebenköpfige Hydra niederstreckt, ist das ein eindrucksvolles Bild - auch dank des atmosphärischen Soundtracks. Komponist Austin Wintory verwebt hier afrikanische, europäische und asiatische Klänge zu einem stimmigen Musikteppich, der pointiert durch mongolischen Untertongesang im Stil von The Hu untermalt wird. Gänsehaut garantiert!
Apropos Audio: Während die chicen Cutscenes in einer Fantasiesprache vertont sind, machen die deutschen Untertitel leider nicht immer eine gute Figur. Hier und da findet man Tippfehler oder skurrile Schnitzer bei der Translation. Der Loslassen-Befehl, im Englischen "release", wurde in The Pathless etwa mit Veröffentlichung übersetzt. Ansonsten läuft das Adventure technisch aber einwandfrei, sowohl auf PC als auch Konsolen. Auf der PS5 sind sogar wahlweise 4K und 30 Frames oder 1080p und 60 Frames möglich. Leider wurde die Chance verpasst, beim Bogenschießen die adaptiven Trigger des Dualsense zu nutzen. Die PS4-Version lädt zudem deutlich sichtbar einige Objekte und Texturen im Hintergrund nach. Das soll den stimmigen Gesamteindruck aber nicht schmälern.
