The Messenger: Toller Retro-Action-Plattformer für PC und Switch im Test

Test Christian Dörre
The Messenger: Toller Retro-Action-Plattformer für PC und Switch im Test
Quelle: PC Games

Devolver Digital beweist mal wieder ein Händchen für tolle Indie-Kost, denn der Retro-Action-Platformer The Messenger vom jungen Sabotage Studio erweist sich in unserem Test als eine äußerst gelungene und verdammt witzige Hommage an die Ninja Gaiden-Spiele auf dem NES und bietet zudem noch eigene kreative Ideen. Warum dem Titel zum Schluss doch etwas die Puste ausgeht, erfahrt ihr in unserem Test.

Vor vielen Jahren rottete eine Dämonenarmee, angeführt von ihrem König, fast die komplette Menschheit aus, bevor der mysteriöse Held des Westens die Fieslinge stoppen konnte. Laut Prophezeiung wird die Armee jedoch zurückkehren, weshalb sich die kümmerlichen Reste der Menschheit einer harten Ninja-Ausbildung unterziehen. Im charmanten Action-Platformer The Messenger (jetzt kaufen ), der sowohl eine Hommage an die alten Ninja Gaiden-Spiele auf dem NES ist als auch viele eigene coole Ideen bietet, übernehmen wir natürlich die Rolle eines Ninjas. Unser Protagonist ist eigentlich total gelangweilt vom Training und seinem Ninja-Meister, als jedoch die Dämonenarmee auftaucht und seinen Klan tötet, wird ausgerechnet er zur letzten Hoffnung der Menschheit. Der Held des Westens übergibt ihm eine Schriftrolle, die er auf die Spitze des höchsten Berges bringen soll, um die Prophezeiung zu erfüllen, und ernennt den mürrischen Ninja somit zum Messenger. Unser Auftrag scheint also klar: Schriftrolle überbringen und auf dem Weg dorthin so viele Dämonen wie möglich killen. Allerdings entpuppt sich die vermeintlich simple Geschichte als überraschend wendungsreiche Erzählung mit Zeitreise-Thematik.

Dämonenjagd mit Stil

Wie schon eingangs erwähnt orientiert sich The Messenger sowohl optisch als auch spielerisch stark an den alten Ninja Gaiden-Games auf der ersten Nintendo-Konsole. Ihr seid also in 8-Bit-Grafik unterwegs, weicht zahlreichen Fallen aus, springt über Plattformen und zerhaut böse Dämonen mit eurem Schwert oder schmeißt ihnen Wurfsterne entgegen. Das Gameplay ist dabei zunächst sehr klassisch, da ihr eure Angriffe nur in zwei Richtungen ausführen könnt. Allerdings führt das Spiel direkt zu Beginn das sogenannte "Cloud Step"-Manöver ein, was euch quasi einen Doppelsprung ermöglicht. In The Messenger drückt ihr dafür aber nicht einfach zweimal auf die Sprungtaste, sondern dürft die Aktion nur ausführen, wenn ihr im Sprung auf ein Objekt schlagen könnt. Drückt ihr nach dem Treffer erneut schnell auf die Sprungtaste, wird euer Ninja weiter nach oben katapultiert.

Kauft ihr beim Händler die entsprechende Fähigkeit, könnt ihr euch die Geschosse von gegnern zerschlagen. Quelle: PC Games Kauft ihr beim Händler die entsprechende Fähigkeit, könnt ihr euch die Geschosse von gegnern zerschlagen. Das Feature ist so simpel wie genial, denn habt ihr es erstmal verinnerlicht, werden tödliche Projektile der Gegner zu Sprunghilfen und ihr könnt euch noch schneller durch die abwechslungsreich gestalteten Levels bewegen. Zudem gibt es dadurch einige nervenaufreibende Geschicklichkeiteinlagen, wo ihr euch über Abgründe bewegt, nur indem ihr von Objekt zu Objekt hechtet. Neben dem Cloud Step ersteht ihr in einem Laden außerdem neue Aktionen und Skills, wenn ihr dort die unterwegs gesammelten Zeitscherben abliefert. So lernt ihr beispielsweise Projektile mit dem Schwert zu zerschlagen oder kauft euch einen zusätzlichen Balken Gesundheit. Im Verlaufe des Spiels erhaltet ihr vom Händler zudem neue Ausrüstung, wie einen Greifhaken oder einen Wingsuit.

Später im Spiel schaltet ihr weitere Gadgets frei. Hier seht ihr den Wingsuit in Aktion. Quelle: PC Games Später im Spiel schaltet ihr weitere Gadgets frei. Hier seht ihr den Wingsuit in Aktion. Da die Levels mit Gegnern und Fallen gespickt sind, müsst ihr lernen, eure Fähigkeiten und Gadgets geschickt zu kombinieren, da ihr ansonsten ins Gras beißt. Obwohl die Steuerung punktgenau ist, werdet ihr ohnehin einige Heldentode sterben, denn The Messenger ist - ganz wie sein NES-Vorbild - richtig knackig. Im Gegensatz zu den alten Ninja Gaiden-Spielen kommt jedoch selten Frust auf, da der retro-Platformer trotzdem zumeist sehr fair ist. Ihr habt quasi unendlich viele Leben, denn solltet ihr mal das zeitliche segnen, erweckt euch die rote Knubbel-Kreatur Quarble wieder zum Leben. Quarble arbeitet allerdings nicht umsonst. Wenn ihr am letzten Checkpoint startet, folgt er euch einige Zeit und klaut euch sämtliche Zeitscherben, die ihr einsammelt. Bezüglich des Schwierigkeitsgrades kann man nur bemängeln, dass einige Checkpoints ein wenig zu weit auseinander liegen und ihr nach dem Respawn nicht mit voller Gesundheit startet. Zudem werdet ihr ein Stück zurückgeworfen, wenn ihr einen Treffer kassiert, sodass ihr dadurch auch schon mal in eine Stachelgrube hinter euch fallt.

Spaßige Bosse und toller Humor

Während die relativ wenigen Standard-Gegner sich andauernd wiederholen und recht unkreativ gestaltet sind, sind die teils riesigen Bosse am Ende der Areale richtig cool. Egal, ob wir nun gegen einen kleinwüchsigen Nekromanten, zwei Fitness-versessene Zyklopen, einen Stein-Golem oder ein Energie-Monster antreten, die Bosskämpfe machen einfach Laune. Zwar beißt man auch hier öfter ins Gras, bis man die Angriffsmuster durchschaut hat, aber man wird immer direkt vor dem Gefecht wieder abgesetzt und darf seine Gesundheit auffüllen. Zudem sind die Bosse sowohl in Sachen Design als auch in ihrer Vorgehensweise so abwechslungsreich, dass die fordernden Kämpfe einfach nur Laune machen.

Die Bosskämpfe sind wunderbar abwechslungsreich und gehören zu den Highlights des Spiels. Quelle: PC Games Die Bosskämpfe sind wunderbar abwechslungsreich und gehören zu den Highlights des Spiels. Wie man an der Beschreibung einiger Bossgegner vermutlich schon erkennen konnte, nimmt sich The Messenger nicht sonderlich ernst. Allein die Dialoge mit dem seltsamen Ladenbesitzer sind so herrlich bescheuert, dass wir während des Tests mehrmals laut lachen mussten. Dieser erzählt euch auf Nachfrage sogar wunderbar absurde Geschichten oder ihr streitet euch mit ihm, weil er euch nicht in seinen Schrank schauen lassen will. Umso erstaunlicher ist es, dass die eigentlich simple Story - über die sich der ladenbesitzer auch lustig macht - später zu einer interessanten Zeitreise-Geschichte entwickelt und ihr in die 16-Bit-Zukunft geschickt werdet, um die Prophezeiung zu erfüllen.

Sowohl als 8-Bit- als auch als 16-Bit-Ninja bietet The Messenger einen fantastischen Soundtrack, der an die ganz großen Genre-Vertreter aus der jeweiligen Zeit heranreicht. Die Musik in den Levels geht super ins Ohr und lädt zu Mitsummen ein, in Bossfights hingegen peitschen euch die treibenden Sounds nach vorne. Es ist quasi unmöglich, The Messenger zu spielen, ohne hinterher einen Ohrwurm von einem der tollen Musikstücke zu haben.
The Messenger Quelle: PC Games Das Design der Bosse ist absolut super. Obwohl die Kämpfe so knackig sind, freut man sich jedes Mal, einen der Fieslinge zu sehen.

Ninja, bleib bei deinem Leisten

Über sechs bis acht Stunden bleibt The Messenger dank seines Humors, der abwechslungsreichen Level, der tollen Bossfights und dem Wechsel auf 16-Bit-Grafik stets unterhaltsam, dann folgt jedoch ein kleiner Bruch, denn etwas nach der Mitte des Spiels wird es plötzlich zu einem Metroidvania statt wie zuvor auf geradlinige 2D-Side-Scroll-Action zu setzen. Nun sind sämtliche Levels miteinander verbunden, man erhält eine Karte und soll in den bereits besuchten Arealen neue Wege finden, indem man durch Zeitrisse springt und so zwischen den 8- und 16-Bit-Zeitlinien hin und her wechselt. An sich ein cooles Feature, das jedoch für viel nerviges Backtracking sorgt und so auch in der geradlinigen Variante funktioniert hätte.

Per Zeitriss wechselt ihr zwischen 8- und 16-Bit-Zeitlinie hin und her. Quelle: PC Games Per Zeitriss wechselt ihr zwischen 8- und 16-Bit-Zeitlinie hin und her. Einige Wege sind nur in einer der beiden Zeitlinien offen, allerdings kann man eben nicht auf Knopfdruck in Vergangenheit oder Zukunft wechseln, sondern muss teilweise einen halben Level zurückgehen, um einen Zeitriss zu finden und dann auf dem Weg zurück zum neuen Pfad hoffen, dass man nicht das Zeitliche segnet. Da man die Gebiete eh schon alle gespielt hat, ist das noch mal nerviger. Ohnehin geht unserem Ninja hier ein wenig die Puste aus, denn die neuen erwerbbaren Skills sind ein wenig Augenwischerei und es gibt weniger Bossfights. Für die Auflösung der Geschichte lohnt es sich zwar trotzdem, The Messenger durchzuspielen, allerdings hätte es dem Titel wohl etwas besser getan, das ursprüngliche Action-Konzept noch für ein paar Level fortzusetzen und sich damit nicht ganz so zu ziehen.

Meinung

Wertung zu The Messenger (PC)

Wertung:

8.3 /10

Wertung zu The Messenger (NSW)

Wertung:

8.3 /10
Pro & Contra
Tolle, knackige BosskämpfePunktgenaue SteuerungGrandioser SoundtrackHart aber fair dank CheckpointsSchöne Retro-GrafikSpaßiges Zeitreise-FeatureHerrlich bescheuerter HumorGelungener Einsatz der verschiedenen GadgetsÜberraschend gute, wendungsreiche Story
Recht unkreatives Design der Standard-GegnerStandard-Gegner wiederholen sich andauerndEinige Checkpoints zu weit auseinanderAufgesetztes Metroidvania-Gameplay gegen EndeTeils nerviges Backtracking
Fazit

Ein tolles Retro-Abenteuer, das zum Schluss seine eigenen Stärken etwas aus den Augen verliert.

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