Zelda: Skyward Sword HD im Test, Seite 2: Dungeons, Verbesserungen, Items, Steuerung, Fazit, Meinung, Wertung
Test
Legend of Zelda: Skyward Sword HD für Nintendo Switch bringt das kontroverse Wii-Spiel zurück. Gibt's beim zweiten Versuch weniger zu mäkeln? Test + Video!
Wer auch immer sich die Sairen-Aufgaben ausgedacht hat, in denen jeweils 15 leuchtende Tränen gesammelt werden müssen, möge sich in die Ecke stellen und schämen. Und die Suche nach gleich mehreren Dutzend Noten kurz vor dem Finale ist sowieso in die Zelda-Analen eingegangen als eine der schlechtesten Quests aller Zeiten. Ja, all das sorgt für eine beeindruckende Spielzeit - aber um welchen Preis?
Stimmt alles, aber ...
So, jetzt haben wir ganz schön viel gemotzt und den Eindruck erweckt, dass Skyward Sword eine mittelschwere Katastrophe ist. Wer schon gespickt hat, wird vielleicht überrascht sein, dass da unter dem Test trotzdem eine ziemlich anständige Wertung steht.
In diesem Artikel
Warum ist das so? Nun, weil jetzt noch eine ganze Wagenladung Positives kommt. Denn selbst ein enttäuschendes Zelda, und so kann man Skyward Sword durchaus bezeichnen, ist halt noch immer Zelda. Und das heißt, dass da die extrem kompetenten Frauen und Männer von Nintendo dran saßen, und dass sie an relevanten Punkten Qualität abgeliefert haben, die ihresgleichen sucht. Wenn Skyward Sword schlecht ist, ist es schlecht. Wenn es hingegen gut ist, dann ist es über weite Strecken absolut fantastisch.
Womit wir bei den Dungeons angekommen sind. Bis auf den wirklich nicht gelungenen finalen Tempel gehören diese fast durch die Bank zur absoluten Crème de la Crème der gesamten Zelda-Geschichte. Brillante Gestaltung, fantastische Rätsel, wunderbar kreative Ideen, bis auf die erwähnten Wiederholungen auch sehr feine Bosskämpfe - wow! Wenn wir das Sandschiff erwähnen, dürfte wohl jeder Kenner des Wii-Originals in seliges Schwärmen verfallen. Wir wollen hier gar nicht zu viele der tollen Ideen vorwegnehmen - es lohnt sich, sie selbst zu entdecken.
Es saugt und bläst der magische Krug ...
Quelle: PC Games
Die Dungeons sind bis auf eine Ausnahme allererste Sahne. Die Sandgaleone, die hier zu sehen ist, ist sogar vorne mit dabei bei den wohl besten Tempeln der gesamten Seriengeschichte.
Dass die Dungeons so viel Spaß machen, liegt auch an der wirklich guten Item-Auswahl. Im Vergleich zu anderen Serienteilen ist das Portfolio eher klein, dafür ist ausnahmslos jeder Gegenstand relevant für den Spielfortschritt, kommt immer wieder zum Einsatz und das Benutzen macht Spaß. Der Käfer, mit dem wir Schalter aktivieren, Schnüre durchschneiden und Objekte durch die Luft befördern können, ist hierbei genauso zu nennen wie der magische Krug, mit dem wir Sand wegpusten und allerlei Maschinen aktivieren können.
Hinzu kommen deutlich mehr Freiheiten bei der Gestaltung dessen, wie unsere Ausrüstung aussehen soll. Wollen wir im beschränkten Inventar lieber mehrere Bombentaschen dabeihaben? Oder sind uns Köcher für den Bogen wichtig? Wie wäre es mit leeren Flaschen? Was wir nicht aktiv dabeihaben, wird im Wolkenhort zwischengelagert.
Quelle: PC Games
Die Ausdaueranzeige, wie wir sie aus Breath of the Wild kennen, kommt in Skyward Sword das erste Mal zum Einsatz und erlaubt einige interessante Spielmomente.
Weiterhin gibt's ein simples, aber ansprechendes Crafting-System. Die meisten unserer Hauptitems können mittels aufgesammelter Ressourcen dauerhaft verbessert werden. Schilde gehen kaputt, wenn sie von Feinden getroffen werden und wir nicht perfekt parieren, sie können entsprechend verbessert und repariert werden.
Man merkt schon: Breath of the Wild hat hier, aber auch in manch anderer Hinsicht, viel Inspiration aus Skyward Sword gezogen. Die Ausdaueranzeige hat hier ebenfalls ihren Ursprung und erlaubt einige kreativ gestaltete Passagen, bei denen zum Beispiel Treibsand mit dem richtigen Timing überlaufen oder vor Feinden weggerannt werden muss.
Alles neu macht die Switch?
Quelle: PC Games
Schnellspeichern ist ein willkommenes neues Feature in Skyward Sword HD. Dass man etwa wegen eines Spielabsturzes mehrere Stunden Fortschritt verliert, wird dadurch verunmöglicht.
So viel zu dem, was Skyward Sword auszeichnet, und eben auch die HD-Fassung, denn neue Inhalte sucht man vergeblich. Einen zusätzlichen Spielmodus, Zusatz-Dungeons oder etwas in der Art darf man sich also nicht erwarten. Wohl aber gibt es einige sinnvolle Anpassungen. Die zumindest zeitweise schweigende Phai haben wir ja schon erwähnt, zudem sind die meisten Tutorialtexte nun optional.
Viele, nicht alle Texte lassen sich schneller abspielen, ausgenommen sind vor allem jene in Zwischensequenzen. Dafür lassen sich diese nun generell überspringen, die Skip-Möglichkeit gilt aber nicht für Mini-Zwischensequenzen wie sich öffnende Türen oder wenn man sich auf einen Schalter stellt. Das ist keine Katastrophe, aber gerade so manche oft gesehene Mini-Unterbrechung hätte man gerne noch abbrechbar machen können.
Wesentlich wichtiger: Beim Aufklauben einer Ressource wird uns der Infotext nur noch beim ersten Mal angezeigt, das war zuvor extrem nervig. Und: Es gibt jetzt eine automatische Speicherfunktion! Die kommt häufig zum Einsatz und belegt einen eigenen Slot zusätzlich zu den manuellen Saves, die man an speziellen Statuen vornimmt. Das ist eine wirklich sehr angenehme Verbesserung, zumal auch dann zwischengespeichert wird, wenn man sich einer Statue nur nähert.
Amiibo-Abzocke
Apropos Statuen: Die braucht man auch, um vom Boden aus zurück ins Wolkenland zu gelangen - außer, man besitzt die für 30 Euro zum Launch erhältliche offizielle Amiibo-Plastikfigur zum Spiel. Dann kann man nämlich temporäre Reisepunkte schaffen und von überall aus hin- und herreisen, sogar von Dungeons aus. Das ist jetzt kein Dealbreaker, weil der Weg zur nächsten Statue meist nur sehr kurz ist. Trotzdem ist es wieder mal ganz schön unverschämt, dass Nintendo ein derartig praktisches Feature hinter einer künstlichen Bezahlschranke versteckt, denn nicht mehr sind Amiibo in Wahrheit ja.
Eine bewegende Erfahrung
Quelle: PC Games
Wenn man sich das erste Mal ins Wolkenmeer stürzt, ist man gespannt, was einen da erwarten mag. Die Antwort: nicht viel. Erkundung ist hier kein relevanter Faktor.
Doch kommen wir zum Schluss zur ohne jede Frage wichtigsten Neuerung im Spiel, und die betrifft die Steuerung. Skyward Swords auszeichnendes Merkmal auf der Wii war die eingangs erwähnte, exzessiv genutzte Bewegungssteuerung, im Grunde drehte sich das komplette Marketing rund ums Spiel fast nur um sie: das Schwert mit 1:1-Bewegungen kontrollieren, Pfeil und Bogen und Co. damit abfeuern, zudem wurde auch sonst in fast jeden Aspekt des Abenteuers Motion Control hineingezwängt.
Nun, wer das weiterhin tun möchte, kann das dank der Joy-Cons tun und es funktioniert ... fein, tendenziell besser als zuvor. Der Fokuspunkt des Controllers neigt dazu, ab und an abzuwandern, dem kann aber durch einen simplen Tastendruck entgegengewirkt werden. Wirklich schön ist es, dass man die Kamera dank des ansonsten unbelegten rechten Analogsticks nun frei bewegen kann, auf der Wii konnte man die Kamera lediglich hinter sich zentrieren. Das erlaubt wesentlich mehr Übersicht über das Geschehen und macht so manche Geschicklichkeitspassage um ein Vielfaches einfacher!
Präzision statt Spielerei
Quelle: PC Games
In fast allen Auseinandersetzungen ist es wichtig, zu beachten, wie wir mit unserem Schwert zuschlagen. Das bringt eine nette taktische Komponente mit sich.
Alternativ kann man das komplette Spiel aber auch einfach mit Analogsticks und Knöpfen steuern, wenn man mag zusätzlich mit Gyro-Funktion. Tja, und wir wissen nicht, was das über den Wert von Bewegungssteuerung an sich aussagt, aber nachdem wir Skyward Sword auf diese Weise genossen haben, wollen wir nie wieder zu Motion Controls zurück. Herumfliegen, Zielen und andere Aktionen setzen jetzt ganz standardmäßig auf die Analogsticks, der rechte Stick gehört in Standardsituationen nun zudem dem Schwert. Einfach in die jeweilige Richtung geschwungen und Link schlägt entsprechend zu, drückt man auf den Stick, absolviert man einen Stichangriff.
Quelle: PC Games
Dieser Miniboss raubte uns dereinst auf der Wii den letzten Nerv! Nun, dank normaler Knopfsteuerung, ist er innerhalb von Sekunden besiegt.
Ein bisschen überladen ist der Controller schon, für Wirbelangriffe muss man den Stick zum Beispiel schnell nach links-rechts-links bewegen, und um hier die freie Kamera zu bedienen, muss zusätzlich der linke Schulterknopf gehalten werden. Allerdings, nach spätestens einer halben Stunde hat man sich an alles gewöhnt. Nein, die Gamepad-Steuerung ist eindeutig nicht das, wofür Skyward Sword einst gemacht wurde. Sie macht das Spiel aber um so vieles besser, als es jemals war.
Ein Zwischenboss, der uns aufgrund der unzuverlässigen Bewegungserkennung einst den letzten Nerv raubte, ist in der HD-Fassung innerhalb von Sekunden bezwungen. Wenn die Schwierigkeit früher daher kam, dass man sich mit der problembehafteten Steuerung herumschlagen musste, dann zeigt das: Sie war nie mehr als eine Spielerei.
Legendär?
Rein mengentechnisch mögen im Falle von Skyward Sword die Mängel gegenüber den positiven Aspekten überwiegen. Und ja, wir hätten nur zu gerne neue Inhalte und weitere Anpassungen gesehen, gerade bei den Sammelquests. Allerdings, obwohl es deutlich bessere Serienvertreter gibt, ist diese typische Magie halt trotzdem da, jene Magie, die nur Zelda mit sich zu bringen imstande ist.
Wer Skyward Sword HD spielen will, muss sich darauf einstellen, dass er oft genug frustriert sein und sich fragen wird, warum er sich das überhaupt antut. Wenn es dann aber seine guten Seiten zeigt, man vollkommen in der Welt versinkt und sich an so manchen verboten kreativen Ideen erfreut, dann kann man ihm nicht wirklich lange böse sein. Es ist nicht das beste Zelda aller Zeiten, es ist definitiv kein Totalausfall; es ist irgendetwas in der Mitte, emporgehoben durch all das, was es bei aller Kritik so verdammt gut macht. Und das ist doch auch mal okay.
