The Legend of Zelda: Link's Awakening im Test, Seite 2: Speichersystem, Sammelgegenstände, Minispiele, Dungeon Creator, Technik und mehr
Test
Stolze 26 Jahre nach dem ursprünglichen Release auf dem Game Boy erwacht The Legend of Zelda: Link's Awakening auf der Nintendo Switch zu neuem Leben. Grafisch und technisch generalüberholt, mit allerlei kleinen und großen Neuerungen - aber auch besser als jemals zuvor? Die Antwort geben wir in unserem großen Test zum Spiel - inklusive Testvideo!
In diesem Artikel
Ebenfalls vorbei sind die Zeiten des umständlichen Simultandrückens von AB, B, Start und Select, was auf dem Game Boy notwendig war, um ins Speichermenü zu gelangen. Nun darf ganz bequem im Menü gespeichert werden. Zusätzlich wurde eine Autosave-Funktion integriert, die dafür sorgt, dass wir nicht aus Versehen lange Strecken des Abenteuers noch einmal spielen müssen, weil wir das Sichern vergessen haben.
Dieser Autosave-Spielstand läuft separat zu den manuellen Slots, sodass er im Umkehrschluss auch nicht unwiederbringlich Dinge speichert, die wir eigentlich aus unserem Fortschritt löschen wollten. Beim Greifhaken-Minispiel so lange neu zu laden, bis man das Objekt seiner Begierde ergattert hat, ohne dafür Unmengen an Rubinen auszugeben, ist also weiterhin möglich. Zu den genannten Anpassungen und Verbesserungen kommen noch zahlreiche andere hinzu, etwa das Wegfallen von nervigen Infotexten, wenn man zu schwere Objekte ohne Kraftarmband berührt, und eine deutlich vergrößerte Geldbörse. Man sieht schon: Hier wurde an den richtigen Ecken und Enden angepasst!
Herzilein, da muss ne Muschel sein
Quelle: PC Games
Die Oberwelt ist kompakt, aber vollgestopft mit interessanten Orten und Sammelgegenständen. Um zu den verschiedenen Arealen zu gelangen, ist es unabdingbar, sich genau umzusehen.
Dabei haben wir bisher nur Neuerungen erörtert, die nicht mit neuen Inhalten einhergehen. Denn auch, wenn die Hauptaufgaben im Vergleich zum Original unangetastet bleiben, so finden sich abseits des Weges doch zahlreiche frische Elemente. Allen voran sind das Sammelgegenstände. Dereinst konnte Link maximal 14 Herzcontainer ergattern. Drei hatte er schon zu Beginn, acht kamen durch Bosse hinzu, sodass nur drei Herzcontainer durch jeweils vier Herzteile zusammengebastelt werden mussten. Nun jedoch verfügt Link über das serientypische Maximum von 20 Herzcontainern. Das bedeutet, dass sich nun über 20 zusätzliche Herzteile in der Welt finden lassen. Dankenswerterweise wurden diese aber größtenteils sehr stimmig versteckt, sodass die zusätzlichen Suchaufgaben nicht aufgesetzt wirken.
Das gilt auch für die Zaubermuscheln, früher als Mysteriöse Muscheln bekannt. Davon gab es am Game Boy 26 und 20 mussten gefunden werden, um im sogenannten Muschelbasar auf der Oberwelt alle Belohnungen freizuschalten. Nun gibt es satte 50 Muscheln zu finden und wer alles freischalten will, benötigt alle davon! Dankenswerterweise findet man im Spielverlauf einen praktischen, neu hinzugekommenen Sensor, welcher anschlägt, wenn sich eines der Dinger in der Nähe befindet. Das macht die Jagd nach den teilweise recht gut versteckten Objekten unserer Begierde deutlich angenehmer! Für Zelda-Verhältnisse ein alter Hut, in Link's Awakening aber ursprünglich nicht mit dabei: Leere Flaschen, mit denen wir Feen zur Heilung einfangen können.
Quelle: PC Games
Gegner mit Waffen und Schilder reagieren physikalisch korrekt auf unsere Attacken. Das macht die Kämpfe nicht anspruchsvoller, aber ein wenig interessanter als früher.
Deutlich erweitert wurden weiterhin die drei Minispiele des Abenteuers. Das Greifhaken-Spiel, der Angelteich sowie die Fahrt auf den Stromschnellen mussten damals im Grunde jeweils nur einmal absolviert werden, damit man alles ergatterte, was sie zu bieten hatten. Nicht so in der Neuauflage! Dort finden sich nun neben mehreren Herzteilen sowie Muscheln nun zum Beispiel auch lustige Figuren von Mario-Gegnern, mit denen man die Häuser im Startgebiet Mövendorf verschönern kann. Zudem wurden die Funktionsweisen der Minispiele angepasst. Beim Angeln ist nun deutlich mehr Geschick vonnöten, das Greifhaken-Spiel funktioniert nun Physik-basiert und bezüglich der Stromschnellen - nein, das verraten wir an dieser Stelle nicht.
Kill the Bosses
Quelle: PC Games
Das Menü wurde grundüberarbeitet und zeigt uns auf einen Blick alles Wissenswerte bezüglich unserer Ausrüstung.
Etwas enttäuschend finden wir die überarbeiteten Bosse. Die waren schon im Original einer der wenigen Kritikpunkte und einer der Aspekte, an denen die Game-Boy-Einschränkungen doch spürbar waren. Die Gefechte gegen die Obermotze waren nämlich sehr simpel und so leicht, dass man sie oft in wenigen Sekunden absolvieren konnte. Auf der Switch wird zwar ein Hauch mehr Strategie von uns verlangt, noch immer aber sind die Kämpfe gegen die Oberfieslinge aber sehr, sehr einfach. Generell funktioniert das Kampfsystem sehr rudimentär. Diesen Vorwurf müssen sich aber andere klassische Zeldas ebenso gefallen lassen. Etwas mehr Herausforderung bringt der wahlweise und sofort zum Start anwählbare Helden-Modus mit sich. Inzwischen in vielen Teilen der Zelda-Serie mit dabei, deaktiviert er das Spawnen von Herzen, die unsere Lebensenergie auffüllen und verdoppelt die Angriffskraft von Feinden. Wirklich schwer ist Link's Awakening auch in diesem Modus nicht. Gerade für Kenner des Originals, die sonst einfach durch das Abenteuer durchmarschieren, ist er aber natürlich eine feine Sache.
Not-so-super Zelda Maker
Quelle: PC Games
Die wunderschöne Map des Spiels zeigt in überraschend hoher Detailvielfalt alle verschiedenen Areale. Außerdem dürfen wir Pins setzen, die uns auf der Suche nach Sammelgegenständen eine große Hilfe sind.
Nur für diejenigen Leute neu, welche die Game-Boy-Color-Version des Spiels nicht kennen, ist der optionale neunte Dungeon, der sich versteckt auf Cocolint finden lässt - und qualitativ nicht ganz mit den anderen Tempeln mithalten kann. Um einen Aspekt aus der ersten Link's-Awakening-Neuauflage von 1998/1999 wurde das Abenteuer zudem sogar beraubt: Der Fotoladen und somit die Möglichkeit, an diversen Orten auf den Fotografen-Mäuserich zu treffen und Schnappschüsse anfertigen zu lassen, ist perdu. Anstatt des Shops befindet sich in der Switch-Variante dort nun Boris' Hütte. Den gutmütigen Totengräber kennen wir seit Ocarina of Time und er hat die auf den ersten Blick größte inhaltliche Neuerung des Spiels im Gepäck: Einen Dungeon Creator! Haben wir einen Dungeon abgeschlossen, wandern angepasste Versionen der einzelnen Räume in unser Bau-Inventar und lassen sich dort nach Belieben zu neuen Labyrinthen zusammensetzen. Weitere Räume lassen sich in Form von Kammersteinen auch an anderen Orten in der Welt entdecken.
Quelle: PC Games
Im Original konnten wir nur 999 Rubine mit uns tragen. Wie viele es nun maximal sind, haben wir noch nicht ausgetestet. Der Platz ist auf jeden Fall absolut ausreichend.
Zusätzlich zum freien Erstellen erwartet und eine Handvoll an Bastel-Herausforderungen, wo wir etwa bestimmte Formen nachbauen müssen oder einen Tempel, der sich innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe absolvieren lässt. Wer will, kann seine Kreation durch Effekte wie herabfallende Bomben und Deckengrapscher, die einen an den Tempeleingang zurückversetzen, wenn sie einen erwischen, noch erweitern. Besitzt man den Link's Awakening-Amiibo, so kann man eine Schattenversion von Link in den Tempeln platzieren, die dem Helden das Leben schwermacht. An und für sich ist der Editor eine tolle Idee, mit dem man definitiv eine Weile seinen Spaß haben kann. Ein Zelda-Gegenstück zu Super Mario Maker 2 darf man sich aber keineswegs erwarten. Nicht nur lassen sich die Räume nicht verändern, wir sind auch ziemlich nervigen Einschränkungen unterworfen. So können wir etwa nicht selbst entscheiden, zu welchem Ausgang ein Raum mit einer darin enthaltenen Treppe uns führt. Stattdessen werden die einzelnen Exits offenbar willkürlich miteinander verbunden, wenn man mehr als eine unterirdische Passage eingebaut hat. Ebenso können wir nicht entscheiden, in welchen Räumen Kisten stehen und was sie enthalten. Die letzte Truhe des Dungeons enthält prinzipiell immer den Schlüssel zum Bossraum und die davor werden, entsprechend der Menge an ebenfalls nicht frei setzbaren verschlossenen Türen, mit kleinen Schlüsseln und Rubinen gefüllt. Das macht effektives Bauen und zahlreiche potenziell spannende Konstruktionen wie etwa Labyrinthe mit verschiedenen Pfaden de facto unmöglich.
Quelle: PC Games
Insgesamt finden sich über 20 neue Herzteile, welche die zwölf Stück aus dem Game-Boy-Original ergänzen und stimmig versteckt wurden.
Außerdem existiert keine Möglichkeit, unsere Dungeon-Meisterwerke online mit dem Rest der Welt zu teilen. Es ist lediglich möglich, seine Baudaten auf einen der zahlreichen verfügbaren Zelda-Amiibo zu speichern und sie somit in andere Versionen des Spiels zu übertragen. Das ist bei einer tragbaren Konsole aber reichlich überflüssig. Immerhin: Auch, wenn der Editor an sich nicht ganz das Gelbe vom Ei ist, so funktioniert das Basteln an sich doch problemlos. Als kreative Idee, die in einer erweiterten Fassung irgendwann einmal deutlich mehr Freiheiten und Möglichkeiten bietet, hat der Baukasten zudem definitiv Potenzial.
Prachtvoller Ausflug auf die Insel
Quelle: PC Games
Das Greifhaken-Minispiel funktioniert nun physikbasiert. Auch, wenn man sich geschickt anstellt, kann es also sein, dass einem ein Preis auf dem Weg zur Rampe durch die Lappen flutscht!
Den augenscheinlichsten Unterschied des Remakes im Vergleich zum Original haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben: Grafisch wurde natürlich kein Stein auf dem anderen gelassen. Obwohl wie erwähnt bezüglich der Struktur fast unverändert zum Game-Boy-Spiel, erstrahlt Link's Awakening auf der Switch in wunderschönem, zuckersüßen Glanz. Die Entwickler nutzen keinen der etablierten Stile, sondern verpacken das Abenteuer auf Cocolint in einen Look, der fast an ein großes Diorama voller Plastikfiguren erinnert. Alles wirkt wie aus einem Guss, Freund und Feind sehen herzallerliebst aus und man hat wirklich das Gefühl, von direkt oben auf eine kleine Welt hinab zu gucken. Jeder einzelne virtuelle Meter sprüht nur so vor Details und ein geschicktes Spiel mit Schärfe und Unschärfe verleiht dem Inseltrip zusätzlichen Charakter.
Uns ist bewusst, viele Spieler stören sich an dem Stil und ob er gefällt, ist schlussendlich Geschmacksache. Wir raten aber jedem, sich darauf einzulassen, denn er passt einfach wie die Faust aufs Auge. Wer einmal Link dabei zugesehen hat, wie er einen Apfel von einem Baum pflückt und ihn fröhlich verspeist - ebenfalls eine Neuerung! -, der kann eigentlich kaum noch anders als sich in den knuddeligen Protagonisten und die prachtvolle Welt um ihn herum zu verlieben. Da verzeihen wir auch die teilweise deutlichen Ruckler, die vor allem dann auftreten, wenn wir von einem Gebiet ins andere wechseln; hier lädt das Spiel offenbar im Hintergrund nach. Genauso gelungen wie die Grafik ist zudem die Musik des Cocolint-Ausflugs. Schon die Originalstücke gehörten mit zu den besten Melodien, welche Zelda zu bieten hat, sie litten aber natürlich unter ihrem blechernen Midi-Klang. Auf dem Switch dürfen wir ihnen endlich in der Qualität lauschen, die wir uns damals nur vorstellen konnten und es ist ein wahrer Ohrenschmaus!
Ein Abenteuer für die Ewigkeit
Vielleicht kam es bisher schon raus: Wir mögen, was Nintendo und Entwickler Grezzo auf der Switch aus The Legend of Zelda: Link's Awakening gemacht haben, sehr sogar. Das Abenteuer hat den Test der Zeit bestanden und wurde so massiv verbessert und aufgewertet, dass man ihm sein Alter zu keinem Zeitpunkt anmerkt. Kleine Kritikpunkte wie die Bosskämpfe, Ruckler, der ausbaufähige Dungeon Creator und die trotz Neuerungen nach wie vor vergleichsweise kurze Spielzeit von etwa zehn bis 15 Stunden stören da nur geringfügig. Link's Awakening ist ein Pflichtkauf für jeden Switch-Besitzer, egal, ob er das Original kennt oder nicht. Breath of the Wild hat die Zelda-Serie an neue, spannende Gefilde geführt. Link's Awakening zeigt, wie gut es manchmal aber auch tut, wieder nach Hause zu kommen.
