Kolumne: Das The Last of Us Remake ist unnötig - Seite 2

Kolumne David Benke 53,99 €
Kolumne: Das The Last of Us Remake ist unnötig - Seite 2
Quelle: Naughty Dog

Auf dem Summer Game Fest 2022 hat Entwickler Naughty Dog The Last of Us Part 1 angekündigt, ein Remake des 2013 erschienen Action-Adventures. Das präsentiert die preisgekrönte Geschichte rund um Joel und Ellie in überarbeiteter Grafik und mit verfeinertem Gameplay. Neben einer PS5-Version ist auch ein PC-Port des ehemaligen Exclusives geplant. Aber brauchen wir die Neuauflage überhaupt? "Nein!", sagt Redakteur David Benke in seiner Kolumne.

Wann lohnt sich eine Neuauflage

Ich bin schließlich gar nicht gegen Neuauflagen per se. Die können richtig gut und sinnvoll sein. Aber dafür müssen sie eben einige Punkte erfüllen. Sie müssen transformativ sein, also etwas Neues bieten, einen Mehrwert im Vergleich zur Ursprungsfassung. Das kann im Bereich Technik sein, wenn ein komplett veraltetes Spiel mit neuer Grafik veröffentlicht wird, wie im Falle der Mafia: Definitive Edition. Das kann eine verbesserte Zugänglichkeit sein, wenn man unhandliche Spielelemente wie eine Panzersteuerung rausschmeißt. So geschehen beim Remake von Resident Evil 2, das mit seiner Third-Person-Kamera für ein modernes Publikum hergerichtet wurde.

Das können spielerische Innovationen sein, siehe Final Fantasy 7 Remake. Hier gibt es neben Autosaves und Checkpoints ein komplett neues Kampfsystem: Actiongeladene Echtzeitgefechte statt taktischer rundenbasierter Scharmützel verpassen dem vertrauten Spielgefühl von damals einen frischen Twist. Das kann aber auch eine flächendeckendere Verfügbarkeit sein. Prominentes Beispiel: Metroid: Samus Returns, das die Geschichte von Metroid 2: Return of Samus vom ausrangierten Game Boy auf den Nintendo 3DS verfrachtete, der 2017 wohl doch deutlich einfacher zu bekommen war.

Und zu guter Letzt müssen Spiele eben auch irgendwie ein wenig alt sein, um ein Remake zu rechtfertigen. Ich für meinen Teil habe keine Nostalgie übrig für einen Titel, der gerade einmal acht Jahre und eine Konsolengeneration zurückliegt!
Die HBO-Serie zu The Last of Us könnte die Verkäufe des Remake nochmal ordentlich antreiben. Quelle: HBO Die HBO-Serie zu The Last of Us könnte die Verkäufe des Remake nochmal ordentlich antreiben.

Geld als größter Antrieb

Und einen bahnbrechenden Fortschritt sehe ich bei The Last of Us: Part 1 auch nicht. Zumindest keinen, der mit den technischen Unterschieden zwischen der PS1- und PS4-Version von Final Fantasy vergleichbar wäre. Nicht ohne Grund gilt das Naughty-Dog-Adventure als eines der schönsten Spiele seiner Zeit, das in der Remaster-Fassung locker mit extra für die Konsole entwickelten Titeln mithalten kann und konnte. Eine Neuauflage lässt sich für mich unter diesen Gesichtspunkten nur schwer rechtfertigen. Der Zyniker in mir will deshalb sagen, dass der einzige Grund für das Remake ist, Details am Ende des Erstlings anzupassen, damit bestimmte Szenen im zweiten Teil mehr Sinn ergeben. Ach ja, und Geld natürlich.

Die Jungs und Mädels von Sony sind ja nicht doof. Die wissen natürlich auch, dass es da draußen einen riesigen Markt für das Remake gibt. The Last of Us verkauft sich wie geschnitten Brot. Teil 1 ging insgesamt mehr als 17 Millionen Mal über die Ladentheke, sieben Millionen Exemplare für die PS3 und zehn Millionen für die PS4. Da kann man die Spieler gerne noch ein drittes Mal für den exakt selben Inhalt schröpfen! Und dafür auch noch unfassbare 80 Euro verlangen! Gerade im Kontext der bald erscheinenden HBO-Serie zu The Last of Us, die den Hype wahrscheinlich nochmal anheizen wird. Das konnte man ja schon bei The Witcher und dessen Netflix -Adaption sehen.

Tolles Spiel, unnötiges Remake

Das alles soll jetzt natürlich nicht bedeuten, dass ich das Remake schlecht finde - Gott bewahre! Ich will den zahllosen Fans da draußen auch nicht den Spaß verderben, die nur darauf warten, die Geschichte rund um Joel und Ellie noch einmal in bestmöglicher Qualität genießen zu können. Und deshalb den Bestand der limitierten Firefly Edition - inklusive einiger digitaler Bonusinhalte und anderem Nippes - bereits komplett aufgekauft haben.

Ich finde aber trotzdem, dass man The Last of Us Part 1 ein wenig kritisch betrachten sollte. Ganz einfach, weil es einen unschönen Trend befeuert. Einen Trend, lieber die einfache und offensichtlich lukrative Route zu nehmen, immer mehr "junge" Spiele neu aufzulegen. Einen Trend, durch den wir irgendwann an den lächerlichen Punkt kommen werden, dass uns Publisher ein Remake des God-of-War-Reboots oder The Witcher 3 vorsetzen. Und diese Bankrotterklärung kreativen Spieldesigns kann ja wohl keiner wollen.

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