The Inpatient: Netter VR-Gruselspaß mit nervigen Macken und wenig Umfang
Test
The Inpatient im Text: VR-Grusel für Fans von Until Dawn - das Adventure erzählt die Vorgeschichte des 2015 veröffentlichten Horror-Reißers, erreicht aber leider zu keinem Zeitpunkt dessen Klasse. in unserem Review zu The Inpatient erklären wir, was uns daran gestört hat, wie viel Spielzeit der Horror-Ausflug zu bieten hat und warum er für einen kleinen Grusel zwischendurch trotz aller Makel dennoch gut ist.
Ein Held mit Amnesie, eine Nervenheilanstalt und ein uralter Fluch, das sind die Zutaten für das VR-Gruselabenteuer The Inpatient (jetzt kaufen 47,95 € ). Spitzfindige Naturen stellen Parallelen zu dem 2015 veröffentlichen Horror-Adventure Until Dawn fest - und liegen damit goldrichtig. The Inpatient erzählt die Vorgeschichte und führt uns zurück in das Blackwood-Sanatorium. Allerdings spielen wir diesmal nicht Richter über das Schicksal einer Gruppe lüsterner College-Studenten, sondern sind selbst "Insasse" der schäbigen Klapse.
The Inpatient spielt im Jahr 1952 und damit rund 60 Jahre vor Until Dawn. Kenntnisse über das Sequel sind zwar nicht zwingend erforderlich, aber hilfreich. Nur so verstehen wir bestimmte Anspielungen oder erkennen Personen oder Schauplätze wieder. In den ersten Spielminuten befinden wir uns in einem finsteren Untersuchungsraum. Ein älterer Herr redet ruhig, aber bestimmt auf uns ein. Es handelt sich um Jefferson Bragg, den Chef des Blackwood-Sanatoriums. Doch auf seine Fragen haben wir keine Antworten. Denn unsere Spielfigur leidet unter Amnesie und so fungieren plötzliche Flashbacks als kurze Hinweise auf die eigene Identität.
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Erst Psycho, dann Horror
The Inpatient lässt sich gerade in der Anfangsphase Zeit. Wir hocken in unserer Zelle und warten förmlich darauf, dass etwas passiert. Die kurzen Gespräche mit Schwester Victoria sind eine schöne Abwechslung - die Dialogoptionen erzeugen den Eindruck, als würden wir den Charakter unserer Spielfigur prägen. In den Nächten jedoch verändert sich das Tempo von The Inpatient schlagartig: Das Spiel verwandelt sich dann vom subtilen Psycho-Horror hin zum Jumpscare-Schocker. Im grünen Halbdunkel wanken wir durch die Gänge des Krankenhauses und werden immer wieder durch plötzliche Schockmomente, Geräusche oder blutige Leichen aufgeschreckt. Diese Vision soll in der zweiten Hälfte des Spiels Realität werden, denn nach einem Zwischenfall ist auf der Station nichts mehr wie zuvor.
Quelle: PC Games
Die Nebencharaktere – wie hier unser Zimmergenosse – erweisen sich leider als flach und eindimensional. Eine wirkliche Bindung stellen wir zu ihnen nicht her.
Nicht ganz Until Dawn-Niveau
Quelle: PC Games
Die Traumsequenzen bilden den Kontrast zum Zellenalltag und konfrontieren uns mit Schreckmomenten. In der zweiten Hälfte nimmt The Inpatient spürbar an Fahrt auf.
In seinem Kern bleibt The Inpatient aber trotz des plötzlichen Tempowechsels nichts weiter als ein Adventure. Wir schleichen also durch die meist linear gehaltenen Areale und untersuchen Gegenstände. Damit wir auch ja nicht überfordert werden, markiert das Spiel aktive Objekte überdeutlich. Echte Rätsel gibt es nicht. Vielmehr geht es eigentlich stets nur darum, die notwendigen Hinweise zu finden und so das nächste Ereignis zu aktivieren. Der Fokus von The Inpatient liegt daher eindeutig auf den Dialogen und der Geschichte. Wir müssen nämlich herausfinden, wer unsere Spielfigur ohne Gedächtnis tatsächlich ist und in welcher Beziehung sie zum Blackwood-Sanatorium steht. Die Gespräche mit den übrigen Insassen, Schwester Victoria oder anderen Charakteren besitzen zwar nicht viel Tiefe, transportieren aber die Stimmung des Spiels ordentlich.
Allerdings vermissen wir bei den Nebendarstellern echte Sympathieträger und Schurken. Dadurch fehlt die emotionale Bindung, was die wenigen zu treffenden Entscheidungen in ihrer Wertigkeit schmälert. The Inpatient setzt auf ein ähnliches Dialogsystem wie Until Dawn. Bei wichtigen Momenten zeigt ein Schmetterlingseffekt an, dass wir die Geschichte verändert haben. Leider gestalten sich diese alternativen Routen als längst nicht so vielfältig wie im großen Vorgänger. Ein zweites Durchspielen lohnt sich vor allem dann, wenn wir das Geschlecht unserer Hauptfigur zu Beginn wechseln. Die Gespräche variieren dann nämlich leicht und so bekommt ein erneuter Durchgang mehr Sinn. Trotzdem verpasst The Inpatient viele Chancen. Mit einer etwas detaillierteren Charakterzeichnung, mehr spielerischer Abwechslung und mehr Gewicht auf den Entscheidungen hätte das Spiel ein Pflichtkauf sein können. So aber ist The Inpatient mit lediglich zwei Stunden Spielzeit zu einem Preis von 40 Euro einen Tick zu teuer - wie so viele VR-Titel. Wir hoffen, dass sich die VR-Sparte hier langsam an die übliche Spiele-Preispolitik anpasst.
Quelle: Sony
Diverse Flashbacks deuten die Vergangenheit der eigenen Spielfigur an. Offensichtlich war der Protagonist selbst schon einmal in der Nervenheilanstalt.
Tücken der Technik
The Inpatient ist ausschließlich mit PlayStation VR spielbar, eine "normale" Version wie etwa bei Resident Evil 7 gibt es nicht. Entsprechend erstklassig hat Entwickler Supermassive Games das Spiel an Sonys VR-Brille angepasst. Nicht nur, dass wir uns durch Drehen des Kopfes umschauen, wir können optional sogar unsere Antworten einsprechen. Was sich albern anhört, sorgt aber in Verbindung mit der Tiefenwahrnehmung für ein leichteres Eintauchen in die Spielwelt. Als eher unvorteilhaft entpuppen sich indes die Steuerungsvarianten: Kontrollieren wir unseren Charakter mit dem Move-Controller, besitzen wir zwei virtuelle Hände und interagieren leichter mit der Umgebung. Mit dem PS4-Gamepad entfällt diese Funktion und das Benutzen von Gegenständen erweist sich zuweilen als umständlich.
Horror zum Zuschauen
Quelle: PC Games
Die Dialogoptionen schweben stets über den Köpfen der Gesprächspartner. Wir können die Sätze entweder anklicken oder selbst einsprechen. Letzteres erhöht die Immersion spürbar.
So heben und senken wir etwa die Taschenlampe durch das Bewegen des Controllers. Sehr schön: Wir bestimmen selbst, wie frei sich unsere Spielfigur bewegt. In den Optionen stellen wir ein, ob wir uns schrittweise oder frei um die eigene Achse drehen können. Stichwort Motion Sickness: Aufgrund des insgesamt überaus gemächlichen Spieltempos kam bei uns zu keiner Sekunde so etwas wie VR-Übelkeit auf. The Inpatient verzichtet auf hektische Momente und macht uns eher zum Zuschauer als zum Actionhelden.
