The Hong Kong Massacre: Hier wird Rache süßsauer serviert - Jetzt mit Video

Test David Benke 3,36 €
The Hong Kong Massacre: Hier wird Rache süßsauer serviert - Jetzt mit Video
Quelle: VRESKI Games

The Hong Kong Massacre klingt martialisch und sieht richtig explosiv aus - aber kann der Top-Down-Shooter auch mit anspruchsvollem Gameplay überzeugen? Wir haben uns den Indie-Titel für euch einmal angesehen.

Eines steht wohl außer Frage: The Hong Kong Massacre (jetzt kaufen 51,79 € / 3,36 € ) sorgt schnell für Aufsehen.

Die Screenshots des Indie-Titels versprechen eine knallige Inszenierung mit massig Blut und Ballereien. Der provokante Name alleine hat wohl schon das Potenzial, eine erneute Killerspiel-Debatte loszutreten. Da man ein Buch aber bekanntlich nicht anhand seines Einbands beurteilen soll, haben wir uns den Top-Down-Shooter noch einmal genauer angesehen und geklärt: Ist er tatsächlich dermaßen inhaltslos und aggressionsfördernd wie der Titel vermuten lässt? Oder steckt hinter dem martialischen Namen vielleicht doch viel mehr Tiefgang als zunächst gedacht?

The Hong Kong Massacre im Test: John Woo lässt grüßen

Die Inszenierung lässt hier und da zu wünschen übrig. Quelle: PC Games Die Inszenierung lässt hier und da zu wünschen übrig. Die Charaktere schauen sich im Gespräch nicht einmal an. Beim Blick auf die Geschichte lautet die Antwort erst einmal: Nein. The Hong Kong Massacre ist doch eher etwas für schlichte Gemüter. Ihr spielt einen namenlosen Renegade-Cop auf einem blutigen Rachefeldzug gegen die Untergrundorganisation "Two Headed Dragon". Als ihr die zu Beginn der 90er-Jahre hochgehen lassen wolltet, ging das nämlich nicht so gut aus. Euer Partner wurde getötet und ihr für eine Längere Zeit ins Krankenhaus befördert. Nachdem ihr eine Weile lang von der Bildfläche verschwunden wart, meldet ihr euch nun zurück, um die Sache zu Ende zu bringen. Dafür arbeitet ihr euch durch die Triaden-Hierarchie und lasst dabei jede Menge rote Körpersäfte fließen.

Ihr bekommt also einen Plot, der so eins-zu-eins aus einem John Woo-Film stammen könnte - allerdings nur durch vereinzelte Informationsfetzen vorgetragen und eher unbefriedigend abgeschlossen wird. Ein wenig Einfallsreichtum beweisen die Entwickler immerhin bei der Erzählweise. Diese findet nämlich auf mehreren Zeitebenen statt. Ihr beginnt zunächst in der Gegenwart, wo ihr von einem Polizisten ausgefragt werdet und die Geschehnisse der vergangenen Tage rekapituliert. Diese spielt ihr dann chronologisch Stück für Stück nach. Zwischendurch flimmern auch noch vereinzelte Flashback-Sequenzen über den Bildschirm, in denen ihr etwa an einem Tresen oder blutüberströmt in einem Auto sitzt.

In den wenigen kurzen Zwischensequenzen starrt unser namenloser Protagonist stoisch und blutverschmiert in die Kamera. Quelle: PC Games In den wenigen kurzen Zwischensequenzen starrt unser namenloser Protagonist stoisch und blutverschmiert in die Kamera. Besonders toll sieht The Hong Kong Massacre dabei leider auch nicht aus. Während der Gespräche wird schnell zwischen den recht regungs- und leblosen Figuren hin und her geschnitten. Gesichtsanimationen oder Vertonung gibt es nicht. Stattdessen rattern am unteren Bildschirmrand unaufhörlich Textboxen auf sehr schlechtem Englisch durch. Das Spiel schafft es zwar dennoch irgendwie eine düstere Stimmung zu kreieren, ein einzigartiger Stil wie in Hotline Miami lässt sich aber nicht ausmachen.

The Hong Kong Massacre im Test: Maue Waffen, kein Nahkampf

Wenn ihr euch dann schließlich in die ersten Level stürzt, wird klar, dass The Hong Kong Massacre auch in Sachen Gameplay nicht an den Konkurrenten aus dem Hause Devolver Digital herankommt. Ihr startet etwa vollkommen unvorbereitet direkt ins Geschehen. Es gibt kein Tutorial, keine Bildschirmeinblendungen, die euch zumindest grob die Tastenbelegung erklären. Stattdessen müsst ihr euch die Steuerung und verschiedenen Optionen erst einmal im Menü zusammenlesen.

Das Waffenarsenal in The Hong Kong Massacre fällt doch eher mager aus. Quelle: PC Games Das Waffenarsenal in The Hong Kong Massacre fällt doch eher mager aus. Da sind die wenigen Upgrades auch nur ein milder Trost. Glücklicherweise ist das Spiel aber schnell erklärt: Ihr ballert euch durch ein Level und schaltet dabei alle Gegner aus, die euch über den Weg laufen. Dafür steht euch ein sehr überschaubares Waffenarsenal zur Verfügung, das ein Paar Pistolen, eine Shotgun, ein Sturmgewehr und eine Uzi umfasst. Die Schießeisen lassen sich im Laufe des Spiels auch noch einmal verbessern. Mithilfe von Sternen, die ihr für den Abschluss zusätzlicher Herausforderungen (etwa das Schlagen eines Zeitlimits) bekommt, dürft ihr unter anderem erweiterte Magazine kaufen. Trotz dieses Features fühlen sich alle Knarren aber ziemlich gleich an. Das liegt daran, dass der größte Unterschied in ihrer Feuerrate oder Streuung liegt. Das Trefferfeedback fällt überall gleich aus, ein Treffer reicht für einen Kill.

Nahkampfwaffen sucht ihr übrigens vergebens - ebenso wenig gibt es eine Möglichkeit, Gegner lautlos von hinten auszuschalten. Schade, denn ein dezentes Vorgehen ist so nicht möglich. Sobald ihr den ersten Feind umgelegt habt, ist der Rest der Bagage ebenfalls in Aufruhr versetzt und ballert bei Sichtkontakt sofort los. Manchmal sogar noch früher.

The Hong Kong Massacre im Test: Gegner mit Röntgenblick

Es gilt also, stets auf die Umgebung zu achten und bei Gelegenheit in Deckung zu gehen. Wobei auch hier Vorsicht geboten ist, schließlich bieten nicht alle Umgebungsgegenstände Schutz. Türen lassen sich beispielsweise problemlos durchschießen. Gleiches gilt für Fenster und Raumteiler aus Papier. Da diese in der Top-Down Ansicht aber nur schwer erkennbar sind, werdet ihr gerne mal überraschend erschossen - auch durch gleich mehrere Räume hinweg.

Mit den Ausweich und Slow-Mo-Features lassen sich nette Kombinationen abfeuern.
Quelle: PC Games Mit den Ausweich und Slow-Mo-Features lassen sich nette Kombinationen abfeuern. Um einem schnellen Bildschirmtod zu entgehen, geben euch die Entwickler von VRESKI immerhin noch zwei nützliche Tools an die Hand: Zum einen habt ihr eine Reihe an Ausweichmoves, die ihr mit der rechten Maustaste triggern könnt. Zum anderen gibt es ein Bullet-Time-Feature, das für einige Sekunden die Zeit verlangsamt. Durch die Kombination dieser beiden Funktionen kann The Hong Kong Massacre zeitweise tatsächlich richtig spaßig werden. Wenn ihr durch eine Tür hechtet, die Zeitlupe aktiviert und dann in Slow-Motion alle Gangster im Raum dahinter erledigt, hat das beinahe ein wenig von Max Payne. Dazu kommt der richtig stimmungsvolle Ingame-Soundtrack von Professor Kliq, der für die passende Anspannung sorgt - rhythmisch-hypnotische Tracks wie das ikonische "Hydrogen" aus Hotline Miami aber leider vermissen lässt.

Ansonsten fühlt sich der Top-Down-Shooter allerdings weniger befriedigend an. Das liegt besonders an der unpräzisen Steuerung und dem schwerfälligen Hauptcharakter. Der bewegt sich teils so langsam voran, dass wir verzweifelt eine Sprintentaste gesucht haben. Auch das Zielen wirkt eher schwammig, gerade auf die Distanz ist das Aiming zu ungenau. Zudem ist euer Sichtfeld recht begrenzt, wodurch ihr öfters einmal in schlecht einsehbare Situationen hineinrennen müsst. Immerhin zeigen euch dann rote Marker die Stellung der nächsten Gegner an.

The Hong Kong Massacre im Test: Hohes Frustpotenzial

Run and Gun - das ist das Motto der Bosskämpfe. Quelle: PC Games Run and Gun - das ist das Motto der Bosskämpfe. Hier liefert ihr euch ein Shootout mit dem Gegner, während ihr einen Gang hinunterlauft. Zieht man all diese Aspekte in Betracht, kann The Hong Kong Massacre schon mal echt herausfordernd werden - besonders in späteren Levels, in denen Gegner kugelsichere Westen tragen und so zwei Treffer aushalten. Zudem werden die Stages immer weitläufiger, sodass man gerne mal die Übersicht verliert. Zugegeben: Die verregneten Seitengassen mit flackernden Neonschildern, die samtroten Spielhöllen und riesigen Wolkenkratzer sind schön anzuschauen. Wenn ihr aber von einem Hochhausdach aufs andere springen wollt und abgeschossen werdet, bevor ihr überhaupt zur Landung angesetzt habt, kann das recht schnell frustrierend werden.

Gleiches kann man dann auch abschließend über die Boss-Fights sagen. In diesen steht ihr hohen Tieren der "Two Headed Dragon"-Gang in einer Schießerei gegenüber, während ihr beide zwei parallele Korridore entlanglauft. Das macht, auch aufgrund zwischendurch auftauchender anderer Gegner auf eurer Lane, eher weniger Spaß. So entfährt einem durchaus mal ein erleichterter Seufzer, wenn eurer Gegenspieler nach einigen Versuchen endlich mit einer riesigen Fleischexplosion aus der Welt scheidet.

The Hong Kong Massacre im Test: Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu The Hong Kong Massacre (PC)

Wertung:

6.8 /10
Pro & Contra
Knallige Inszenierung mit Splatter-ActionSpaßiges Bullet-Time-FeatureStimmungsvolle Neo-Noir-AtmosphäreRhythmischer Soundtrack
Eher flache, schlecht erzählte GeschichteTechnisch schwache ZwischensequenzenWenig WaffenauswahlUnpräzise Steuerung, teils mit Input-LagFehlende Abwechslung in Gegner- und Level-Design
Fazit

Mit etwas mehr Abwechslung und einer knackigeren Steuerung hätte das echt was werden können.

Bildergalerie

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