Das Ein-Mann-Projekt The Falconeer gleitet in den Gefilden des Open-World-RPG-Genres, versteht sich aber zusätzlich als einer der letzten Fackelträger der Arcade-Flugspiele. Der von Tomas Sala entwickelte Starttitel der neuen Xbox-Konsolen beeindruckt durch wunderschöne Optik und eine spannende und originelle Prämisse, doch hat The Falconeer auch spielerisch etwas zu bieten?
Ein Fan-Liebling unter alteingesessenen Xbox-Konsoleros ist das 2003 veröffentlichte Crimson Skies: High Road to Revenge. Das verantwortliche Entwicklerteam FASA Studios, eines der ersten Xbox Game Studios, hatte jedoch in den folgenden Jahren einen schweren Stand: Nicht nur das Genre der Arcade-Flugspiele wurde für tot erklärt, auch der Entwickler schloss 2007 seine Pforten. Ebenso wichtig für die erste Xbox-Generation und von der Kritik hochgelobt, ist der Railshooter Panzer Dragoon Orta aus dem Jahre 2002. In der Historie der Xbox-Marke gab es immer wieder Versuche seitens Microsoft, diverse Railshooter und Arcade-Flugspiele als Genre im Konsolen-Portfolio wiederzubeleben. So auch mit dem durchwachsenen Crimson Dragon, einem vom Original-Team der Panzer Dragoon-Serie entwickeltem Railshooter, der einer der Starttitel der 2013 veröffentlichten Xbox One darstellte. Mit dem Launch der Xbox Series X (und Series S) erscheint wieder einmal ein Konsolen-exklusiver Starttitel (ein ausführlicher Blick auf die Starttitel der Xbox Series X) des Arcade-Flight-Genres: Das einzig von Tomas Sala entwickelte The Falconeer.
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Bereits in den ersten Spielsekunden verzaubert der Indie-Titel mit einer wundervoll gestalteten Spielwelt, spannenden Konflikten und einer mit jedem Flügelschlag spürbaren emotionalen und mysteriösen Atmosphäre.
Die Ursee: Originell, stilsicher und faszinierend
Quelle: PC Games
Die große Ursee ist eine spannende und originelle Spielwelt, der es jedoch schlicht an Aktivitäten und Leben fehlt.
The Falconeer spielt in einer zum Großteil überfluteten Spielwelt namens "die Große Ursee". In den vielen Jahren ihrer Existenz haben sich die unterschiedlichen Fraktionen durch kriegerische und politische Aktionen weit voneinander entfernt. Die imperialen Häuser gieren nach mehr Macht und die Konflikte der Parteien spitzen sich zu. Über den Wolken hausen die Reichen und Mächtigen, die ihre privilegierte Stellung in Luftschiffen verteidigen, während das einfache Volk am Meer heimgesucht wird von einer Vielzahl von Kriminellen und Piraten, die ebenfalls in den Machtspielen und Plänen der Reichen eine wichtige Rolle einnehmen.
Quelle: PC Games
Mit der Hilfe diverser Händler sind wir in der Lage, uns neue Geschosse zu kaufen oder unser Flugtier durch Mutationen zu verbessern.
Wir schlüpfen in die Rolle eines Falkenreiters und dürfen zu Beginn des Abenteuers minimalistisch das Aussehen unserer Figur anpassen, einen Falken wählen und uns für eine Hintergrundgeschichte (eine Klasse) entscheiden, die unseren Stand bei den diversen Fraktionen beeinflusst und spielerische Unterschiede bietet. Fortlaufend erleben wir den im Zentrum der Handlung stehenden Machtkampf von Ursee und können durch Missionen und Entscheidungen den Verlauf für die einzelnen Fraktionen gravierend mitbestimmen. Das erhöht ebenso den Wiederspielwert, da man den Konflikt tatsächlich aus jeder Perspektive erleben kann.
Wer eine kinoreife Inszenierung erwartet, der ist mit The Falconeer (jetzt kaufen 8,99 € ) schlecht bedient. Zwar sind die kurzen Mini-Sequenzen hübsch gestaltet und auffällig professionell vertont, vielmehr als Dialoge im Hintergrund und simple Einblendungen gibt es aber nicht. Dennoch haucht die Story von The Falconeer dem Abenteuer genug Leben ein. Das ist auch verdammt wichtig, die Spielwelt selbst bietet nämlich nur recht wenig davon. Die Ursee ist zwar eine offene Spielwelt und jederzeit frei erkundbar, auf ein umfangreiches Angebot an Aktivitäten muss man aber verzichten. Einige Dinge gibt es dennoch zu entdecken, wie zum Beispiel Schreine, die uns einen tieferen Einblick in die Geschichte der Ursee geben oder einige Zeitrennen. Das bricht dem Spielspaß aber nicht das Genick, der Fokus liegt nämlich klar auf den actionlastigen Luftkämpfen.
Spaßige Arcade-Flugaction
Zu Beginn wird man etwas Zeit brauchen, mit dem treuen Falken zurechtzukommen. Die Steuerung von The Falconeer ist zwar nicht sonderlich komplex, doch verschiedene Aktionen wie das Feuern unserer Munition, das Ausweichen oder die vielen Feinde im Auge zu behalten fordert Eingewöhnungszeit. Doch sitzt man fest im Sattel, dann punktet The Falconeer mit spaßigen Kämpfen, bei denen man durchweg das Gefühl hat, die eigenen Skills stetig weiterzuentwickeln. Auch im Bereich der flatternden Rivalen gibt es recht wenig Abwechslung. Andere Falken- oder Drachenreiter, Luftschiffe und Boote befinden sich die meiste Zeit in unserem Zielvisier, auf imposante Bosskämpfe oder immer neu etablierte Gegnertypen muss man verzichten.
Quelle: PC Games
Fliegen wir durch Gewitterwolken, so nutzen wir Blitze, um unsere Munitionstanks wieder aufzufüllen.
Um in den Kämpfen zu bestehen gibt es einige Hilfen, auf die man zurückgreifen sollte. So können Gewitterwolken genutzt werden, um die eigene Munition aufzufüllen und Fische im Meer werden verspeist, verdaut und wandeln sich so in frische Gesundheit - das ist zwar wenig appetitlich, rettete uns aber im Kampf mehrfach den Po. Ebenfalls wichtig für unser Überleben ist die progressive Weiterentwicklung unseres Traumduos. Verdiente Splitter, die Währung in der Ursee, können nämlich verwendet werden, um neue Schusswaffen, Stoffwechsel-Verbesserungen für unseren Falken oder Arbeitsgenehmigungen für diverse Fraktionen zu kaufen. Der dickste Pluspunkt von The Falconeer ist aber der immens ansprechende Look, der selbst nach vielen Spielstunden noch fasziniert.
Indie-Schönheit für die neue Generation
Quelle: PC Games
The Falconeer ist zwar keine Next-Gen-Grafikpracht, dennoch handelt es sich bei dem Indie-Titel um ein wunderschön designtes Abenteuer.
The Falconeer ist natürlich kein Systemseller für die neue Xbox Series X (lest hier unsere ausführliche Review zu den neuen Xbox-Flaggschiffen), auch handelt es sich bei dem Indie-Titel nicht um eine stechend scharfe Technikpracht, welche die Muskeln der stärksten Konsole aller Zeiten eindrucksvoll spielen lässt. Dennoch hüllt sich die Geschichte rund um die konkurrierenden Fraktionen der Ursee in einem wundervollen Grafikstil der Extraklasse. Ob es der endlose Ozean ist, der die Fragmente einer prächtigen Gesellschaft unter seiner Masse verschwinden lässt oder der atemberaubende Himmel, der mit Sternen und hübschen Lichteffekten zum Staunen einlädt. The Falconeer lebt von seiner einzigartigen und emotionalen Atmosphäre, die zusätzlich vom tollen Soundtrack, der viel aus Chören und mystischen Klängen besteht, stark gefüttert wird.
Auf den alten Konsolen der Xbox-One-Familie macht The Falconeer ebenfalls eine gute Figur, läuft aber im Gegensatz zu der Next-Gen-Version nur maximal auf 60 Bildern pro Sekunde und fällt bei den Ladezeiten mit 42 Sekunden weitaus zeitfressender aus als es auf den neuen Konsolen mit 13 Sekunden der Fall ist.
The Falconeer zeichnet ein interessantes Bild einer Fantasy-Welt, die sich originell anfühlt, aber durch die etwas öde Inszenierung der soliden Handlung sicherlich nicht jeden Spielertypen mitreißen wird. Die Welt könnte mehr Abwechslung vertragen, ebenso die meist sehr ähnlichen Kämpfe und Missionen. Dennoch gelingt Tomas Sala mit The Falconeer ein tolles Arcade-Flugspiel, welches das verstaubte Genre zwar nicht auf alte Höhen zurückbringt, es aber gekonnt über dem Ozean der Vergessenheit hält - das ist doch was.
