The Division 2: Warlords of New York im Test - Eine Erweiterung mit Licht und Schatten
Test
Die Agenten der Division kehren nach New York zurück und bekämpfen einen alten Widersacher. In der Erweiterung Warlords of New York für The Division 2 erwarten euch spannende neue Inhalte, überarbeitete Spielsystem und leider auch ein paar neue Probleme, wie unser Test offenbart hat.
Seit ziemlich genau einem Jahr ist The Division 2 jetzt auf dem Markt. Spieler aus aller Welt haben seitdem gegen verschiedenste Fraktionen um die Vorherrschaft in Washington D.C. gekämpft. Die Story um die Invasion der hochtechnisierten, aber geheimnisvollen Black Tusk sowie der Suche nach einem Heilmittel für die Dollar-Grippe wurde von den Entwicklern in den vergangenen Monaten über drei kostenlos veröffentlichte Episoden-DLCs fortgeführt. Mit packendem Gameplay, einer hervorragend gestalteten Spielwelt und neuen Ideen wie dem ersten Raid der Serien-Geschichte gehört Massives Loot-Shooter zu den besten seiner Zunft.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass nicht alles rosig ist in der Welt der Strategic Homeland Division. Spieler bemängeln mangelnde Abwechslung bei den Inhalten und ein undurchsichtiges und wenig belohnendes Item-System. Aus den offiziellen Aussagen von Publisher Ubisoft ist zu entnehmen, dass The Division 2 die in das Spiel gesteckten Erwartungen trotz seiner Qualität nicht so ganz erfüllen konnte. Am Beginn des zweitens Jahres steht daher nun Warlords of New York und damit erstmals eine große Erweiterung mit einer Reihe neuer Inhalte und einem begleitenden Systemupdate, das unter anderem das Item-System umkrempelt.
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Chaos an der Wall Street
Für diesen Auftakt zu einer neuen Phase im Lebenszyklus von The Division 2 besinnen sich die Entwickler auf den Vorgänger zurück. Acht Monate nach dem Ausbruch der Dollar-Grippe in New York City und unserem Kampf die Ordnung um verschneiten Manhattan aufrecht zu erhalten, kehren wir nun im Hochsommer auf die Insel zwischen dem Hudson und dem East River zurück. Hier ist mit dem ersten abtrünnigen Division-Agent Aaron Keener ein alter Widersacher aus dem Vorgänger wieder auf der Bildfläche erschienen. Zusammen mit weiteren Rogue-Agenten hat er Lower Manhattan unter seine Kontrolle gebracht und droht nun mit einer neuartigen Biowaffe der Stadt endgültig den Garaus zu machen.
Quelle: PC Games
Im Mittelpunkt der Erweiterung steht die Jagd nach Aaron Keener, der zusammen mit anderen abtrünnigen Agenten finstere Ziele in New York verfolgt.
Unsere Aufgabe ist es, in den vier Stadtbezirken Civic Center, Two Bridges, Battery Park und Financial District die vier Lieutenants von Aaron Keener ausfindig zu machen und auszuschalten, um auf diese Weise auf die Spur von Keener selbst zu gelangen. Dazu führen wir in den Gebieten jeweils kurze Untersuchungen durch, in dem wir relevante Schauplätze aufsuchen und mit NPCs sprechen. Das mündet recht schnell in die jeweilige Hauptmission eines Gebietes. Diese sind sehr abwechslungsreich gestaltet und bieten viele spannende Auseinandersetzungen mit den Cleanern und Rikern, den beiden aus dem Vorgänger zurückkehrenden Fraktionen. So kämpfen wir uns zum Beispiel durch einen unterirdischen botanischen Garten und einen gestrandeten Öltanker.
Allgemein zeigt sich auch an der Südspitze von New York wieder, dass die Studios von Ubisoft das Bauen von hervorragenden und detailverliebten Spielwelten beherrschen wie kaum andere Entwickler. Ob es nun Sehenswürdigkeiten wie das Rathaus, die Brooklyn Bridge und die Wall Street sind oder aber einfach die zahllosen Straßen und Gassen in den Häuserschluchten von Manhattan, New York versprüht eine ganz eigene Atmosphäre, die auch mit den breiten Straßen und niedrigen Bauten von Washington nicht vergleichbar ist. An Stelle des Schnees aus dem Vorgänger treten nun deutlich mehr Pflanzen und vor allem eine noch deutlicher zu Tage tretende Zerstörung, die vor allem um Süden durch einen Hurrikan verursacht wurde, der über die Stadt gezogen ist. Hier sehen wir Straßen verschüttet unter meterdicken Schlammschichten oder noch immer unter Wasser stehend. In dieser Welt kämpfen die verbliebenen Bewohner genau wie in Washington ums Überleben. Es begegnen uns also wieder überall Aktivitäten wie Ressourcen-Konvois, Kontrollpunkte, Propaganda-Anlagen und mehr.
Quelle: PC Games
Die markante Fassade der New Yorker Börse in der Wall Street ist nur eine der vielen Sehenswürdigkeiten in Lower Manhattan.
Durchblick im System
Bei all den Kämpfen und Aktivitäten geht es natürlich wie immer in erster Linie um Loot. Für die Erweiterung haben die Entwickler das Item-System von The Division 2 komplett überarbeitet. Diese Änderungen betreffen natürlich auch alle Spieler, die das Add-on nicht besitzen. Die Gegenstände, ihre Attribute und Talente, die verschiedenen Markensets, also alles was mit der eigenen Ausrüstung zusammenhängt, wurde klarer Strukturiert und lässt sich nun viel besser nachvollziehen. So sehen wir nun durch einen Balken auf einen Blick welche Qualität bestimmte Werte auf unseren Gegenständen haben. Die Setboni der verschiedenen Marken richten sich deutlich auf bestimmte Spielstile aus, wodurch wir uns wesentlich gezielter unsere Ausrüstung zusammenstellen können.
Quelle: PC Games
Attribute von Gegenständen können wir ganz bequem in einer Bibliothek speichern, um sie später für die Rekalibrierung von Gegenständen zu nutzen.
Dabei hilft auch die Überarbeitung der Rekalibrierung. Dabei handelt es sich um die Mechanik, mit sich einzelne Werte eines Gegenstands gegen einen anderen oder besseren Wert eines anderen Gegenstandes austauschen lassen. Der eigentliche Vorgang wurde dabei nicht wirklich verändert, aber die Verfügbarkeit von entsprechenden Attributen und Talenten durch eine Bibliothek deutlich vereinfacht. Von Gegenständen, die wir nicht benötigen, extrahieren wir nun bestimmte Werte in eine zentrale Datenbank. Der betreffende Gegenstand wird dabei zerstört, das Attribut steht jedoch jederzeit zum Rekalibrieren zur Verfügung. Das Ganze funktioniert also ähnlich der permanent zur Verfügung stehenden Sammlung an Waffenmods. Damit entfällt das lästige Horten von Items und es wird deutlich einfacher gezielte Verbesserungen an Gegenständen vorzunehmen.
Dieser Aspekt soll auch dem Ziel der Entwickler in die Hände spielen, dass die Beute sich wieder mehr nach einer Belohnung anfühlt. Selbst wenn man einen Gegenstand nicht tragen will, kann man ihn womöglich für die Verbesserung seiner Wertedatenbank gebrauchen. Die Frage ist lediglich, wie lange dieser Effekt anhält. Denn irgendwann haben wir in unserer Bibliothek die besten Attribute abgespeichert und tragen am Körper gut optimierte Gegenstände. Hier müssen die Entwickler definitiv noch mit neuen Sets, exotische Items und vielleicht auch der Einführung neuer Talente nachlegen. So dass es sich immer wieder lohnt, mit neuen Builds zu experimentieren.
Ständiger Fortschritt
Damit sich das erneute Sammeln von Items auch richtig lohnt, wurde das Levelcap von 30 auf 40 angehoben. Die neue Maximalstufe erreichen wir bereits locker während der rund 15-stündigen Kampagne, aber wie für das Genre üblich geht das Spiel für viele danach ja erst so richtig los. Um das sogenannte Endgame noch interessanter und länger motivierend zu gestalten, haben sich die Entwickler einiges überlegt. So dienen Erfahrungspunkte, die wir nach dem Erreichen der Maximalstufe verdienen nicht mehr dazu einfach nur ab und zu eine Feldkiste mit Ausrüstung abzustauben.
Quelle: PC Games
Nach Erreichen der Maximalstufe 40 steigen wir in SHD-Rängen auf und steigern dabei diverse passive Boni.
Stattdessen fließen diese Punkte jetzt in ein neues sogenanntes SHD-Rang-System ein. Das funktioniert ähnlich dem Paragon-System von Diablo 3. Das bedeutet, dass wir mit jedem erneuten Stufenaufstieg einen Punkt in einer der fünf Kategorien Angriff, Verteidigung, Fertigkeiten, Handlung und Plündern erhalten. Dort investieren wir diese Punkte in kleine Boni auf verschiedene Werte wie Waffenschaden, Rüstungswert, Fertigkeitendauer, Munitionsvorrat und vieles mehr. Pro Steigerung fallen die Wertzuwächse allerdings ziemlich klein aus. Das System ist klar auf Langzeitspieler ausgerichtet, die hier mit der Zeit sehr viele Punkte investieren können, um sich auf diese Weise mit deutlicheren Boni zu belohnen.
Eine weitere Quelle für zusätzliche Belohnung und Motivation während des Endgames sind die sogenannten Seasons. Diese finden stets für drei Monate statt und geben während dieser Zeit dem Spieler jede Woche verschiedene Ziele vor. Für den Abschluss winken jeweils einzigartige Belohnungen. Darüber hinaus hat jede Season ein eigenes Fortschrittssystem, in dem wir unabhängig von den SHD-Rängen im Season-Level aufsteigen können. Für jede Stufe verdienen wir uns dabei neue Ausrüstungsgegenstände, Waffen und andere nützliche Gegenstände. Das alles zusammen sorgt durchaus für eine bisher nicht vorhandene Motivation regelmäßig am Endgame von The Division 2 teilzunehmen. Für wen die Belohnungen noch nicht ausreichen, für den wird es außerdem in jeder Season einen käuflichen Season-Pass geben, der zusätzlich bei jedem Aufstieg Boni wie kosmetische Items, Farbskins und Ressourcen gewährt. In der bereits gestarteten ersten Season ist dieser Pass noch kostenfrei, in allen weiteren wird er dann jeweils rund zehn Euro kosten.
Quelle: PC Games
Alle drei Monate finden jetzt Seasons statt, die mit herausfordernden Aufgaben und vielen Belohnungen motivieren sollen.
Gestörte Balance
So toll die neuen Inhalte und so sinnvoll die Verbesserung der Spielsysteme sind, so schade sind die Probleme, die mit der Erweiterung Einzug in The Division 2 gehalten haben. Da wäre zum Beispiel das Balancing, dass noch einiger deutlicher Justierungen bedarf. Ob gewollt oder ungewollt haben die Entwickler die Schwierigkeit mit Warlords of New York auch auf niedrigen Schwierigkeitsstufen gehörig angezogen. Selbst mit neuer Ausrüstung der Stufe 40 und mehr als einer Million Rüstungspunkten fühlen wir uns häufig wie aus Papier, wenn uns einfachste Gegner in Bruchteilen von
Quelle: PC Games
Wenn unser technisch hochgerüsteter und mit bestem militärischen Equipment ausgestatter Agent auf offener Straße von Banditen mit Pfeil und Bogen im Handumdrehen überwältigt wird, dann stimmt was nicht.
Sekunden an den Rand des Ablebens bringen. Im Gegenzug halten Feinde wieder deutlich mehr aus, was die leidige Diskussion über zu viel Kugelschwämme aus dem ersten Teil zurückbringt. Zwar haben sich viele Charakterwerte wie Rüstung, Schaden und andere zwischen Stufe 30 und 40 durch die neue Ausrüstung nahezu vervierfacht. Allerdings bedeuten diese Zahlen nicht viel, wenn sich das nicht im Spielgefühl niederschlägt, wo wir uns eher schwächer vorkommen als je zuvor. Da stellt sich dann schon die Frage, wozu es diesen deutlichen Boost überhaupt gab.
Richtig gezweifelt haben wir an der Abstimmung der Balance beim Endkampf der Kampagne, den wir nicht so ohne weiteres bewältigen konnten. Es bedurfte mehrerer kräftezehrender Anläufe sowohl als Einzelkämpfer als auch in Gruppen mit vier Spielern, bis wir den Endboss schließlich bezwingen konnten. Nun soll The Division 2 natürlich ein taktisch herausforderndes Spiel sein, bei dem Ausrüstung und Builds eine wichtige Rolle spielen. Aber auf dem Story-Schwierigkeitsgrad sollte das eigentlich noch nicht im Vordergrund stehen. Dafür gibt es ja dann die höheren Stufen wie "Schwer", "Herausfordernd", "Heroisch" und neu "Legendär". Vor allem weil sich The Division ja immer damit gerühmt hat, dass man die Story-Inhalte auch als Einzelspieler ohne Probleme genießen kann. Diese Prämisse ist mit dem Add-on derzeit zumindest in Gefahr.
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Fehlender Feinschliff
Ein weiteres großes Problem der Erweiterung ist die Technik, zumindest in den Konsolen-Fassungen des Spiels. Schon seit dem ersten Teil ist das Streaming der Snowdrop-Engine ein Problem, das häufig zu spät ladenden Objekten und Texturen führte. Mit dem Hauptspiel von The Division 2 hatten die Entwickler von Massive das Ganze ein wenig besser im Griff, so dass es sich auf einem ganz erträglichen Niveau bewegte. Mit dem Add-
Quelle: PC Games
Der Stürmer mit Schild gehört zu den bekannten Einheiten der Cleaner, die aber auch einige neue Spielzeuge in ihren Reihen haben.
on scheint man aber wieder einen Schritt zurück gemacht zu haben. Objekte sind häufig selbst auf Nahdistanz noch eine ganze Weile als deformiertes, matschiges Etwas zu sehen, bevor Meshes und Texturen richtig geladen werden. Bei der PS4 spielt es dabei auch keine wirkliche Rolle, ob man auf der normalen Konsole oder der Pro-Variante spielt.
Die Probleme der Engine erstrecken sich diesmal allerdings auch auf die Soundkulisse des Spiels. Fehlende Soundeffekte sind an der Tagesordnung. Das beginnt bei dem kaum oder gar nicht wahrnehmbaren Sound des Nachladens der eigenen Waffen und geht hin bis zu NPC-Gruppen, die sich gegenseitig beschießen, ohne das ein einziger Schuss zu hören ist. Gelegentlich werden die Effekte auch mit deutlicher Verzögerung abgespielt. Auch Funksprüche, über die in The Divison 2 ja sehr viel von der Erzählung transportiert wird, werden entweder gar nicht ausgelöst, beginnen schon, während man noch im Ladebildschirm ist, so, dass man den Anfang verpasst, oder werden am Ende abgeschnitten.
Das gilt wie gesagt vor allem für die Konsolen. In der PC-Fassung von The Division 2 treten diese Probleme je nach Stärke des Rechners weniger, oder gar nicht auf. Aber es gibt auch noch einige andere Mängel. So stürzte uns die PS4-Version vor allem beim Ausloggen sehr häufig ab. Bei der PC-Version solltet ihr in jedem Fall darauf achten, dass bei eurem Rechner alle Treiber, vor allem bei der Grafikkarte, auf dem neuesten Stand sind. Ansonsten kann es nämlich zu Abstürzen im laufenden Spielbetrieb kommen. Einige der Launch-Probleme wie Fehler bei der Verbindung zu den Spielservern, gesperrte Charaktere und verbugte Story-NPCs, mit denen man nicht wie erforderlich interagieren konnte, wurden von den Entwicklern inzwischen behoben. Ein paar zusätzliche Wochen Feinschliff hätten der Erweiterung also durchaus gutgetan. Denn all die genannten Probleme lenken ja davon ab, dass Warlords of New York im Kern ja viele gute Ansätze bietet. Die gute Kampagne, das verbesserte Item-System und das motivierende Season-Endgame tragen alle dazu bei, dass The Division 2 in der Gesamtbetrachtung durchaus gewinnt. Aber angesichts der genannten Mängel fällt die Bewertung der Erweiterung dann doch unter die Note des Hauptspiels zurück.
