Katastrophen-Kino mit ernstem Unterton. Roland Emmerich lässt dieses Mal keine Aliens, sondern Mutter Natur Tod und Vernichtung über die Erde bringen -- und serviert uns damit zwei Stunden gute Unterhaltung mit brachialen Effekten und einer spannenden Geschichte
Was wäre, wenn die Auswirkungen der globalen Erwärmung weitaus gravierender wären, als bisher angenommen und die vollen Konsequenzen sich nicht erst in mehreren Jahrzehnten, sondern schon heute zeigen würden?
Diese Frage beantwortet Roland Emmerich mit "The Day After Tomorrow", der -- im Zeitrafferverfahren -- eine gar nicht mal so abwegige Theorie verfolgt: Die Rückkehr der Eiszeit. Emmerich erzählt die Geschichte des ambitionierten Klimatologen Jack Hall (Dennis Quaid), dessen zeitraubende Arbeit ihn mehr und mehr von seinem einzigen Sohn Sam (Jake Gyllenhaal) entfremdet.
Auf einer UN-Konferenz in Neu Delhi prangert Jack die bereits spürbaren Konsequenzen des Raubbaus an der Natur und die Umweltverschmutzung an, die vor allem die nachfolgenden Generationen belasten würden. Seine Prognose: ein extremer Klima-Umschwung könne zu einem weltweiten Kälteschock führen. Damit stößt Jack bei den westlichen Nationen, insbesondere beim Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten (Kenneth Welsh), auf taube Ohren.
Ein nächtlicher Anruf eines Kollegen lässt Jacks schlimmsten Alptraum wahr werden, den er erst in 100 Jahren erwartet hätte -- die Abkühlung des Golfstroms, der Auftakt zu einem globalen Temperatursturz. Städte verwüstende Tornados und gigantische Flutwellen folgen, doch die größte Katastrophe bahnt sich noch an: Ein Schneesturm von biblischen Ausmaßen, der die westlichen Nationen in eine todbringende Eisschicht hüllen wird.
Ein Katastrophenfilm lebt von seinen Schauwerten, an denen "The Day After Tomorrow" wahrlich nicht geizt. 416 digitale Effekte wurden in dem knapp zweistündigen Film untergebracht. Davon sind viele nicht so offensichtlich wie die Wirbelstürme in L.A. oder die Springflut in Manhattan.
Ein Blick in das üppige Bonusmaterial beweist, dass nicht weniger als neun Special-Effects-Firmen -- darunter auch George Lucas' ILM -- ein Jahr lang damit beschäftigt waren, die tricktechnischen Spielereien umzusetzen, die Filmemacher Emmerichs hohen Ansprüchen genügen mussten. Alleine die Eröffnungssequenz, welche in die Tiefen der Antarktis führt, wirkt dermaßen echt, dass man als Zuschauer zunächst kaum glauben mag, dass es sich dabei um eine Computerani-mation handelt.
