The Devil in Me im Test: Viel Ungeziefer im Hotel + Video
Test
Zur Not frisst der Teufel fliegen? Von den Bugs in The Devil in Me würde er auf jeden Fall satt werden. In unserem spoilerfreien Test verraten wir, ob das Horror-Adventure The Devil in Me für euch vielleicht trotzdem die richtige Wahl ist.
Im Vorfeld wurde bereits über die Neuerungen von The Devil in Me berichtet. Die Figuren haben jetzt ein größeres Bewegungsrepertoire, sie laufen etwa per Knopfdruck schneller. Außerdem hat jeder der Fünf einen oder mehrere persönliche Gegenstände bei sich, die im Überlebenskampf helfen. Charlie öffnet mit seiner Visitenkarte verschlossene Schubladen und Erin macht mit ihrem Richtmikrofon Geräuschquellen ausfindig. Klingt spannend, aber ändert nichts am Spielverlauf und erfordert keine Taktik - das Mikro etwa ist nur an festgelegten Stellen wichtig. Von einer Ausnahme abgesehen war es nicht möglich, die Gegenstände unter den Charakteren zu tauschen.
Das erhöhte Bewegungstempo relativiert sich nach wenigen Minuten, denn dafür sind die Levels jetzt größer. Die Fortbewegung fühlt sich nie gut an - mehr Polishing hätte The Devil in Me in so vielen Bereichen gutgetan, aber vor allem in diesem Aspekt. Die Animationen gehen nicht flüssig ineinander über, wenn wir über eine Lücke springen, balancieren oder uns ducken - davor gibt es immer diesen kurzen Moment, in dem die Figur innehält. Obendrein bewegen sich alle Fünf so träge wie Panzer und nehmen entschieden zu viel Platz im Bild ein. Gerade in engen Passagen erkennt man so gut wie gar nichts von der Umgebung, weil massive Schultern und Köpfe im Weg sind.
Ungeziefer im Hotel
Abschließend müssen wir noch die Bugs erwähnen. Traditionell gibt es davon einige, wir hatten glücklicherweise keine spielstandzerstörenden Momente zu verzeichnen, aber ein paar Abstürze, Szenen, in denen Begleiter durch Wände warpen, oder auch Sequenzen, in denen plötzlich statt der deutschen Stimmen englische Sprecher zu hören waren. Einige Male klemmten uns die computergesteuerten Kumpane ein oder wir steckten in der Umgebung fest. Den Online-Koop konnten wir nicht testen, das Spiel bemängelte eine schlechte Verbindungsqualität - was nicht stimmte, andere Spiele funktionierten tadellos - und verhinderte, dass wir einen gemeinsamen Run überhaupt starten konnten.
Quelle: PC Games
The Dark Pictures Anthology: The Devil in Me im Test: Was zum Teufel geht hier vor? + Video (7)
Damit haben wir anscheinend Glück gehabt, schaut man mal im Netz nach, was andere User für Probleme im Koop-Modus haben: Von einfrierender Kamera ist die Rede, von Zwischensequenzen, die nicht abgespielt werden, bis hin zu Fehlern, die das Vorankommen unmöglich machen. Unsere Online-Versuche fanden übrigens nach dem Release statt, die Probleme hatten also nichts mit eventuell noch nicht verfügbaren Servern zu tun. Es ist traurig, aber die Erfahrung hat gezeigt: Mit dem Kauf von Spielen aus der Dark Pictures Anthology sollte man im Zweifelsfall lieber warten, damit Updates und Patches die schlimmsten Probleme beheben.
Bildergalerie
Wie sympathisch oder unausstehlich man die Figuren findet, hängt mit dem eigenen Geschmack zusammen. Wir empfanden die Riege als gut durchmischt, auch wenn alle fünf Charakterköpfe sehr eindimensional geschrieben wurden und ununterbrochen nicht nachvollziehbare bis sehr dumme Entscheidungen treffen. Die deutsche Vertonung ist der englischen stark unterlegen, aber immerhin gibt es überhaupt eine übersetzte Tonspur. Zumindest, wenn nicht gerade ein Bug festlegt, dass ihr jetzt den englischen Sprechern lauschen sollt.
Ooooh, shiny!
Quelle: PC Games
The Dark Pictures Anthology: The Devil in Me im Test: Was zum Teufel geht hier vor? + Video (8)
Neu in The Devil in Me sind die Oboloi. Das sind schlicht in der Spielwelt verteilte Münzen. Mit der virtuellen Währung kauft ihr euch Grafiken im Hauptmenü. Braucht niemand und sorgt nur für lange Gesichter - beim Erkunden der Spielwelt möchten wir Geheimnisse und Hinweise auf die Hintergrundgeschichte sammeln und kein nutzloses Kleingeld! Wieso die Figuren überhaupt so heiß darauf sind, die Taler einzustecken und mitzunehmen, während sie Fotos, die ihnen wirklich etwas bedeuten, auf dem Hotelboden liegen lassen, ist nicht klar, aber am Ende des Tages auch egal. Bemängelten wir im letzten Teil House of Ashes noch, dass es zu viel Action in Form von Schießereien gibt, ist in The Devil in Me das Gegenteil der Fall. Es gibt fast keine Puzzles, die diese Bezeichnung verdienen, Quick-Time-Events liegen weit auseinander. Außerdem wirkt das Spiel gestreckt - die meiste Zeit laufen wir durch die Gegend und ärgern uns dabei über hakelige Animationen. Immerhin kommt the Devil in Me so mit etwa sieben Stunden auf eine längere Spielzeit als die Vorgänger.
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Horrorfaktor: Es gibt ein paar Jumpscares, ein Gefühl von Terror und Lebensgefahr stellte sich bei uns aber nie ein. Da geht es uns ähnlich wie den Figuren, denn abseits von Zwischensequenzen zeigen die sich völlig unbeeindruckt von allem, was um sie herum geschieht. Der Gang im Hotel, den Erin gerade entlanglief, ist auf einmal von einer Wand versperrt? Das entlockt ihr nicht einmal einen kurzen Kommentar. Und auch die Nutzung von Schaufensterpuppen als makabre Deko ist im Genre nicht sonderlich innovativ.
Dass The Devil in Me dem ollen Slasher-Genre so gar keine eigene Note verpasst, im Online-Koop für uns nicht spielbar war und die Neuerungen wie die erweiterte Palette an Fortbewegungsmöglichkeiten das Spiel nicht besser machen, ist enttäuschend genug. Dazu noch die üblichen Bugs, weniger Entscheidungsmöglichkeiten als zuvor und gestrecktes Gameplay machen das Spiel zum schwächsten Glied der bislang vierteiligen Kette. Haben euch Story und Gameplay auch in den Vorgängern nicht gestört? Ihr habt das Verlangen, einen spielbaren Slasher-Film ohne modernen Firlefanz wie Ironie oder Augenzwinkern zu erleben? Dann ist The Devil in Me euer Spiel und ihr könnt darüber nachdenken, euch im Gästebuch des Mörderhotels zu verewigen.
