The Berlin Apartment im Test: Storytelling und Gameplay

Test Marie-Theres Ottowitz Stefan Wilhelm
The Berlin Apartment im Test: Storytelling und Gameplay
Quelle: bildundtonfabrik

Im Bereich Storytelling kann The Berlin Apartment richtig punkten. Doch beim Gameplay gibt es definitiv noch Luft nach oben.

Getragen wird die Geschichte von charakterstarken Figuren, die das Apartment bewohnen. Auch sie sind sehr liebevoll ausgearbeitet, nicht nur durch ihre grundverschiedenen Einrichtungsstile, sondern auch, weil wir im Laufe des Spiels einiges über ihr Leben, ihre Interessen, ihre Persönlichkeit und ihre Pläne erfahren dürfen, indem wir mit den Gegenständen in unserem Umfeld interagieren.

Insgesamt ist der Plot die größte Stärke von The Berlin Apartment und es gibt nur wenig zu beanstanden. Der größte Makel ist die sehr kurze Spieldauer von circa 3,5 Stunden, besonders für den regulären Preis von circa 25 Euro. Zudem fühlten sich die Kapitel teilweise etwas unausgewogen an. So stellte für uns die Erzählung aus dem Jahr 1945 wohl die emotional eindrucksvollste Geschichte dar, sie war aber leider im Vergleich zu den anderen Kapiteln eher kurz gehalten.

Storytelling der Meisterklasse

Wie bereits angeschnitten wird Liebe zum Detail in The Berlin Apartment wirklich großgeschrieben. Präsentiert wird die charmante Bleibe in der Großstadt in einem schönen Comicbuch-Stil, welcher geschickt genutzt wird, um unsere Wohnung in jeder Episode neu, kreativ und ausdrucksstark zu gestalten.

Das sorgt nicht nur für reichlich Abwechslung und einer Menge zu entdecken, sondern verleiht den Protagonisten auch eine schöne charakterliche Tiefe. Ein Großteil des Gameplays besteht daraus, uns durch unsere vier Wände zu bewegen und mit allem Möglichen zu interagieren, um mehr über die Personen und deren Geschichte zu erfahren. Die erzählen uns nämlich gerne kleine Anekdoten zu ihren Besitztümern.

Die Medien, die uns die Geschichte von The Berlin Apartment erzählen, sind kreativ und vielfältig. So wird hier beispielsweise ein Teil der Story mittels einer alten Filmrolle erzählt. Quelle: bildundtonfabrik Die Medien, die uns die Geschichte von The Berlin Apartment erzählen, sind kreativ und vielfältig. So wird hier beispielsweise ein Teil der Story mittels einer alten Filmrolle erzählt.

Aber auch Environmental Storytelling spielt eine große Rolle. Es muss also definitiv nicht jedes Eigentum direkt kommentiert werden, um die Charaktere zu formen. Bloßes Beobachten unserer Umgebung gibt auch einiges über die Bewohner preis und rundet die eh schon liebevoll gestalteten Persönlichkeiten geschickt ab.

Besonders gefallen hat uns auch die Abwechslung in den Medien, die zur Erzählung von Teilen der Kurzgeschichten verwendet wurden - ob getippt auf einer alten Schreibmaschine, gefaltet in einem Papierflieger oder aufgenommen auf einer alten Filmrolle: Jede Figur hat individuelle Mittel, Wege und Präferenzen, um Momente ihrer Biografie festzuhalten.

Wie viel Spiel steckt tatsächlich im Spiel?

Weniger abwechslungsreich gestaltet sich hingegen das Gameplay. In einem Begriff zusammengefasst, ist The Berlin Apartment ein Spiel, was man - heutzutage oftmals tendenziell negativ konnotiert - als Walking-Simulator bezeichnen würde. Nach der klassischen Definition ist dieses Abenteuer aber genau das: Ein Spiel, das in seinem Kern das Erkunden und Interagieren mit den Objekten in der Umgebung hat.

Zwar wird die sture Inventur der Wohnung immer mal wieder durch kleine Aufgaben wie Blumengießen oder Kofferpacken unterbrochen, diese sind aber alles andere als anspruchsvoll und lassen sich in den meisten Fällen durch eine einfache Tasteneingabe erledigen.

Kleine Minispiele durchbrechen das sture Erkunden des Apartments. Wir dürfen zum Beispiel unsere (Papier-)Flugkünste auf dem Weg von Ost- nach West-Berlin unter Beweis stellen. Quelle: bildundtonfabrik Kleine Minispiele durchbrechen das sture Erkunden des Apartments. Wir dürfen zum Beispiel unsere (Papier-)Flugkünste auf dem Weg von Ost- nach West-Berlin unter Beweis stellen. Leider sind manche Gameplay-Elemente hierbei sehr repetitiv und wirken nach einer Weile fast wie ein krampfhafter Versuch, eine interaktive Komponente aufrechtzuerhalten. Anfangs ist es vielleicht ganz nett, dass man die einzelnen Buchstabeneingaben auf einer Schreibmaschine imitieren darf. Nach einer Weile empfanden wir diese Form des Vorantreibens der Handlung aber als sehr mühsam - besonders durch die begrenzten Knöpfe auf dem Controller, der dadurch gnadenloses Button-Mashing ertragen musste und jetzt kurz davor ist, Urlaub einzureichen. Welche technischen Probleme bislang noch auftreten und worauf ihr hierbei achten solltet, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

  1. Seite 1 Einstieg und Geschichte einer Berliner Wohnung
  2. Seite 2 Storytelling und Gameplay
  3. Seite 3 Technische Probleme und Fazit
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