The Batman in der Filmkritik: Zwischen Ernst und Albernheit
Test
In Matt Reeves' "The Batman" wird Gotham City vom psychopathischen Serienmörder Riddler terrorisiert. Der Verschwörungstheoretiker hat es auf hochrangige Mitglieder von Gothams Staatsapparat abgesehen. Am Tatort seiner Verbrechen hinterlässt er stets Hinweise für die Polizei - und persönliche Grußkarten an den Dunklen Ritter Batman. Wie die Mischung aus David-Fincher-Krimi und Superheldenaction funktioniert, lest ihr in unserer Filmkritik.
Es scheint ein ungeschriebenes, aber dennoch eisernes Gesetz zu sein, dass Filme im Batman-Universum so düster wie möglich sein müssen. Die Zeiten, in denen Adam West Anti-Hai-Spray auspackt oder Mr. Freeze in einer Eisfabrik wohnt und mit seinen Handlangern Musical-Nummern einstudiert, sind ohnehin lange vorbei. Christopher Nolan gab Fans der Figur nach der Albernheit der Joel-Schumacher-Gurken "Batman Forever" und "Batman und Robin" endlich eine Version des Dunklen Ritters, die cool und zeitgemäß ist. Nach dem Ende dieser Ära war dann jeder weitere Batman (mit Ausnahme der LEGO-Version) ein noch größerer Griesgram als der letzte.
Der gigantische Erfolg von "Joker" bestätigte Warner Bros. wohl in der Strategie, dass brutal, ernst und sadistisch die richtige Route für das Franchise ist, weshalb der Dunkle Ritter in Matt Reeves' ("Planet der Affen"-Reihe, "Cloverfield") "The Batman" Jagd auf einen Riddler macht, der weniger mit einem schurkischen Cartoon-Quiz-Master gemeinsam hat als mit realen Terroristen wie dem Unabomber oder dem Zodiac-Killer.
Quelle: Warner Bros.
Jeffrey Wright, Robert Pattinson
Zu Beginn der Handlung ist Bruce Wayne (Robert Pattinson) bereits seit zwei Jahren als kostümierter Vigilant Batman unterwegs. Von Gotham Citys Ordnungshütern missbilligt, hat er dennoch einen Verbündeten in Polizei-Leutnant James Gordon (Jeffrey Wright). Als der Riddler (Paul Dano) Gothams Bürgermeister Mitchell auf grausame Weise ermordet, hinterlässt er am Tatort einen Brief an Batman, woraufhin Gordon diesen zu den Ermittlungen hinzuzieht. Mit Rätseln und kryptischen Hinweisen spielt der Riddler mit der Polizei, im Internet bekennt er sich dann zu den Morden und enthüllt die Korruption seiner Opfer, die er als Grund für seine Taten nennt.
Bei seinen Ermittlungen in den heruntergekommenen Teilen von Gotham gerät Batman an den Clubbesitzer und Verbrecher Pinguin (Colin Farrell). In dessen Etablissement geht nicht nur Mafiaboss Carmine Falcone (John Tuturro) ein und aus, auch hochrangige Mitglieder von Politik, Polizei und Staatsanwaltschaft stehen regelmäßig auf der Gästeliste. Außerdem macht er dort die Bekanntschaft der Nachtclub-Kellnerin und Drogendealerin Selina Kyle (Zoë Kravitz), die persönliche Gründe hat, sich in die Machenschaften der Unterweltbosse zu involvieren. Gemeinsam gehen sie einer weitreichenden Verschwörung auf den Grund, in die auch die Wayne-Familie verwickelt zu sein scheint...
Pechschwarze Welt
Stark inspiriert und stellenweise geradezu abgekupfert von David Finchers "Sieben" und "Zodiac", ist "The Batman" tatsächlich mehr Neo-Noir als Superheldenspektakel. Der Film spielt fast ausschließlich bei Nacht, Batman füllt die Rolle des emotional verschlossenen Privatdetektivs, Catwoman die der Femme Fatale mit tragischer Hintergrundgeschichte.
Gotham ist fast ausschließlich die Domäne zynischer Männer. Auf der einen Seite herzlose Opportunisten wie der Pinguin, auf der anderen desillusionierte Systemfeinde wie der Riddler. Und mittendrin Batman und Gordon als Vertreter von Recht und Ordnung, die ihre eigene Rolle zunehmend in Frage stellen. Von Selina Kyle abgesehen gibt es keine größeren weiblichen Rollen. Frauen sind in "The Batman" eigentlich nur Bedienstete mächtiger Männer und häufig Opfer deren Gewalt. Einzige Ausnahme bildet die Politikerin Bella Reál (Jayme Lawson), deren Kampagne um das Bürgermeisteramt sich im Hintergrund auf den TV-Bildschirmen abspielt. Das gibt dem Film einen ziemlichen Macho-Vibe, wann immer Catwoman gerade nicht am Geschehen beteiligt ist. Ein Problem ist das per se nicht, dadurch, dass die Antiheldin aber auch mit Abstand die interessanteste Figur ist, leiden die anderen Subplots aber insofern schon unter ihrer Abwesenheit.
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Bloß keine Miene verziehen!
Kravitz meistert mühelos den Spagat zwischen cool und aufrichtig, Härte und Verletzlichkeit. Die "Mad Max"-Schauspielerin bringt Leben und Herz in den sonst sehr ernsten und spaßbefreiten Film und schafft es, jeden Auftritt ihrer Figur bemerkenswert zu machen.
Das kann man vom Rest der Besetzung leider nur teilweise behaupten: Robert Pattinson passt zwar perfekt in die Rolle des Emo-Milliardärs Bruce Wayne, eine Dualität zwischen dem reichen Eigenbrötler und seinem Alter Ego gibt es in "The Batman" allerdings kaum. Der kostümierte Rächer, den alle nur "Vengeance" statt Batman nennen, wirkt eher wie eine etwas weniger gehemmte Version von Wayne als eine zweite Identität. Das Skript ist allerdings auch nicht wirklich gespickt mit herausragenden Charaktermomenten, in denen Pattinson sein komplettes schauspielerisches Arsenal zur Schau stellen könnte. Die meiste Zeit blickt er einfach nur grimmig drein.
Quelle: Warner Bros
Robert Pattinson
Und auch das neue Fledermaus-Kostüm tut dem Engländer keinen Gefallen. Trotz imposanten 1,85 Metern Körpergröße scheint Pattinson in der Rüstung zu versinken. Vom Hals abwärts mit schweren Platten und Gadgets beladen, wirkt der Dunkle Ritter nicht wie ein Ninja aus dem Schatten, sondern mehr wie ein plumper Kampfpanzer auf zwei Beinen. Dabei bleibt der Zauber der Figur schon etwas auf der Strecke.
Jeffrey Wright als Gordon und Andy Serkis als Bruce Waynes treuer Butler Alfred bleiben als Freunde und Mentoren von Batman auf ihre Archetypen reduziert. Colin Farrell, der als Pinguin fast nicht wiederzuerkennen ist, und John Tuturro haben als schmierige Gangster zumindest ordentlich Spaß. Der eigentliche Gegenspieler des Films, der Riddler, bleibt für weite Strecken im Hintergrund und ein 08/15-Film-Psychopath, den Paul Dano gut, aber auch ohne große Überraschungen verkörpert. Wie so oft in Superheldenfilmen funktioniert der Schurke als pervertiertes Spiegelbild des Helden, das diesem aufzeigt, wohin sein Weg unter Umständen noch führen könnte. Reeves spannt thematisch einen schönen Bogen zwischen dem Anfang und dem Ende seiner Geschichte und entwickelt das Innenleben seiner Hauptfigur gekonnt entlang der externen Bedrohung. Für diese simpel-effektive Charakterzeichnung aus dem Blockbuster-Lehrbuch lässt er sich aber auch ordentlich Zeit.
Quelle: Warner Bros.
Colin Farrell
Das lange Elend
Mit seinen drei Stunden Laufzeit wirkt "The Batman" ganz schön aufgeblasen und unfokussiert. Vor allem der letzte Akt wird durch einen hanebüchenen Subplot um den Web-Auftritt des Riddlers unnötig in die Länge gezogen.
Dass man überhaupt so viel Zeit an einem asozialen Ort wie Gotham verbringen möchte, liegt zu einem nicht unerheblichen Teil an den wunderschönen Bildern, in denen "Dune"-Kameramann Greig Fraser den Moloch einfängt. Wenn die ersten Sonnenstrahlen über Gotham die Silhouetten von Batman und Catwoman in sattem Schwarz auf die Leinwand zeichnen oder wir direkt hinter Zoë Kravitz in die Neonhölle eines Gangsternachtclubs eintauchen, sieht die versiffte Großstadt regelrecht magisch aus.
Ausstattung, Beleuchtung und Bildkomposition sind absolut prächtig und ein klares Highlight. Starke Spezialeffekte und der lebendige Soundtrack von Michael Giacchino runden die Erfahrung ab und machen "The Batman" zu einem audiovisuellen Schmankerl. Die Sequenz, in der wir zum ersten Mal sehen, wie Batman Jagd auf Verbrecher macht, ist allein durch das exzellente visuelle Storytelling eine der kreativsten und eindrucksvollsten Batman-Sequenzen des gesamten Franchise.
im Gegensatz zu "Joker", dessen konstanter Nihilismus einem irgendwann nur noch auf den Keks geht, hält "The Batman" trotz abgründiger Kriminalgeschichte auch einigermaßen die Waage zwischen erdrückender Verzweiflung und rebellischem Idealismus. Das ist auch bitter nötig. Der bierernste Tonfall beißt sich nämlich ohnehin schon stetig mit den teilweise echt unglaubwürdigen Entwicklungen der Geschichte.
Quelle: Warner Bros
Robert Pattinson, Zoe Kravitz
So geht beispielsweise Catwoman in den Club des Pinguins, um Informationen zu einer vermissten Person zu erhalten und trifft dort zufällig einen hochrangigen Staatsdiener beim Drogenkonsum. Der erzählt ihr nur wenige Sekunden nach der Begrüßung, in welche illegalen Machenschaften er verstrickt ist und weiht sie auf Nachfrage ein in sämtliche pikante Details der Gothamer Unterwelt. Begegnungen wie aus dem Leben.
Auch, dass Jim Gordon und sein Team bei der Polizeiarbeit ohne Batman komplett aufgeschmissen wären, stellt in der Adam-West-Show kein Problem dar, wirkt in einer realistischen Welt aber ziemlich lächerlich.
Fazit
Batman-Fans, die sich immer mehr Gewalt und Düsternis von den Leinwandadaptionen gewünscht haben, sollten in "The Batman" auf ihre Kosten kommen. Ein Meisterwerk in allen Bereichen ist der Film zwar nicht, dafür fehlt es der Story an Fokus und den Figuren an Dimensionen, auf technischer Ebene liefert Matt Reeves aber zweifelsohne ab.
