The Bard's Tale: Tales of the Unknown

Special

Schon vor 20 Jahren zogen mutige Rollenspieler gegen fiese Monster und mächtige Bösewichte zu Felde. Dazu brauchten sie angesichts der damaligen, spartanischen Technik vor allem eins: sehr viel Vorstellungskraft.

»Sie begegnen dem Tod in Form von drei Beschwörern. Wollen Sie kämpfen oder fliehen?«. Vor solchen Fragen stehen Sie im Rollenspiel- Klassiker The Bard's Tale im Minutentakt. Schon im Jahr 1985, als es zunächst für C64 und Apple 2 erschien, besaß der Titel alle Grundelemente, die sich auch heute noch bei modernen Genrevertretern finden. Mit einer Heldengruppe ziehen Sie gegen zahlreiche fiese Monster in den Kampf, sammeln Erfahrungspunkte und erbeuten Schätze. Angesichts der rudimentären Grafik brauchten Abenteurer damals vor allem eine rege Fantasie, um sich die lediglich in Textform präsentierten Kämpfe vorzustellen. Aber für die damalige Zeit war es ja schon etwas Besonderes, dass die Gegner überhaupt grafisch dargestellt wurden.

Rundenweise zum Erfolg

Zunächst erstellen Sie Ihre sechsköpfige Party, wobei Sie Rasse und Klasse der Recken wählen. Dabei stehen die üblichen Verdächtigen zur Auswahl, darunter Mensch, Elf, Zwerg und Gnom beziehungsweise Krieger, Magier, Paladin oder Mönch. Die Kämpfe laufen rundenweise ab: Sie bestimmen für jede Ihrer Figuren eine Aktion wie Angriff, Verteidigung, Zaubern oder natürlich ein Lied spielen (Barde). Anschließend werden die Befehle ausgeführt und im rechten Fenster mit Sätzen wie »Hans trifft den Ork für 10 Punkte« erklärt. Klingt zwar simpel, bietet aber aufgrund der zahlreichen Zaubersprüche zahlreiche taktische Möglichkeiten. Für erfolgreiche Kämpfe erhalten Sie Erfahrungspunkte, mit denen Sie in gewohnter Manier stufenweise aufsteigen und entsprechend stärker werden. Außerdem finden Sie bei erlegten Feinden Gold und Ausrüstungsgegenstände. Letztere verkaufen Sie den Händlern in der Stadt Skara Brae, dem Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Ziel des Ganzen: Sie müssen den Bösewicht Mangar besiegen, der sich in seinem Turm verschanzt hat.

Ab in die Tiefe

Die meiste Zeit des Spiels verbringen Sie damit, unterirdische Tunnelsysteme zu erforschen und von Monstern zu befreien. Da es keine Automap gibt, gehören Bleistift und Papier zur Grundausstattung der Bard's Tale-Spieler. In den Labyrinth-artigen Dungeons lauern neben Feinden aber auch Puzzles in Form von Fallen und Barrieren, die das Vorwärtskommen erschweren. Insgesamt gilt The Bard's Tale als eines der besten Rollenspiele und beeinflusste das Genre mit seinen Ideen nachhaltig. Angesichts aktueller Standards bei Grafik, Sound und Steuerung würden heutzutage aber nicht mal die größten Nostalgiker noch Spaß mit diesem Klassiker haben.

Georg Valtin

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