The Banner Saga 3: Review zum finalen Kapitel der Fantasy-Wikingersaga
Test
Eines der ersten und zugleich erfolgreichsten Kickstarterprojekte steuert seinem Ende zu: The Banner Saga 3 erzählt das finale Kapitel der Dredge-Trilogie. Wir haben die Mischung aus Rollenspiel und Taktikkämpfen durchgespielt und sagen euch pünktlich zum Release, wie gut den Machern der Abschluss gelungen ist.
"Zum Reisen gehört Geduld, Mut, Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen und dass man sich durch widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lässt". Was der deutsche Schriftsteller und "Benimmratgeber" Adolph Freiherr von Knigge vor knapp 250 Jahren über das Verreisen - das damals zugebenermaßen deutlich beschwerlicher als heute ausfiel - geschrieben hat, könnte der Protagonist Rook (beziehungsweise seine Tochter Alette) von The Banner Saga glatt unterschreiben. Ob Geduld, Mut oder eben auch Humor - all das hat der einstige Jäger auf seiner Flucht vor den golemartigen Dredge beweisen müssen. Ebenso hat seine Karawane der Katastrophe entkommenen Menschen und riesenhaften Varls Hunger leiden, schwierige Kämpfe gegen Ungeheuer ausfechten und durch den einen oder anderen widrigen Zufall ihre Pläne komplett umkrempeln müssen. Die Flucht vor den golemartigen Dredge hat aber nicht nur einigen liebgewonnen Haudegen der Heldentruppe um Rook das Leben gekostet, sondern auch dafür gesorgt, dass ungeahnte Allianzen in der Wikinger-Fantasywelt geschmiedet wurden, Könige gestorben sind und mit ihnen ganze Reiche von der Landkarte verschwunden sind. Die durch eine Kickstarter-Kampagne finanzierte Saga steuert im dritten Teil ihrem Ende zu und ohne euch unnötig spoilern zu wollen, ist das Finale mehr als episch und genau das, was man als Fan erwartet hat. Falls ihr erst jetzt auf die Reihe aufmerksam geworden sein solltet, findet ihr den Test von The Banner Saga 1 und 2 auf unserer Webseite.
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The Banner Saga 3 im Test: Die falsche Schlacht
Die Handlung des letzten Kapitels setzt direkt dort an, wo wir im letzten aufgehört haben: Unsere Flüchtlingskarawane ist in der Arberrang angekommen, kurz bevor die Königsstadt von den Dredge belagert wird. Doch anstatt uns mit den Steingolems zu beschäftigen, müssen wir uns viel mehr mit der Innenpolitik der Stadt herumschlagen und so versuchen, einen unnötigen Bürgerkrieg zu verhindern. Vor allem der kurz vor dem Totenbett stehende schwache König sorgt dafür, dass sich verfeindete Fraktionen in der letzten Zufluchtsstätte der Menschen und riesenhaften Varls bilden. In den gut geschriebenen, aber leider nicht vertonten Dialogen können wir vermittelnd zwischen den beiden Parteien agieren oder auch uns vehement auf die Seite einer der Gruppierungen stellen. Der zweite Handlungsstrang führt uns hingegen in der Finsternis, die von den Dredge eroberte Länder überzieht, in der wir mit dem Varl Iver und der Söldnertruppe der Raben vor ihren ehemaligen Anführer Bolverk fliehen. Hier gilt es in Gesprächen, die Moral der Truppe hochzuhalten, aber zugleich uns als guter Anführer zu beweisen. Wie schon zuvor in den Vorgängern beeinflussen unsere Entscheidungen maßgeblich die Handlung - und führen mitunter zum Tod einiger Charaktere.
Quelle: PC Games
Zwar gibt es einige kleine Neuerungen in den rundenbasierten Kämpfen, doch insgesamt wäre hier mehr Abwechslung nötig gewesen.
The Banner Saga 3 im Test: Mehr Geschichte als Spiel
Die Geschichte von The Banner Saga 3 (jetzt kaufen ) kann man zwar auch weitestgehend ohne Vorkenntnisse der Vorgänger nachvollziehen und ebenso ist es nicht zwingend notwendig, einen Speicherstand aus Teil 2 zu importieren. Unserer Meinung verhält es sich hier aber wie bei den Telltale-Spielen wie etwa The Walking Dead: Unsere eigenen Entscheidungen haben die Handlung stark geformt, einige Charaktere sind uns richtig ans Herz gewachsen und so gehen viele Stärken des Spiels verloren, wenn man erst mit dem dritten Teil loslegt. Allerdings gibt es in unseren Augen einen Nachteil, wenn man bereits an die 40 Stunden mit den Vorgängern verbracht hat: Das relativ simple Gameplay ist für eine lange Spielzeit nicht wirklich ausgelegt. Neben den Dialogen bestreiten wir wieder rundenbasierte Gefechte, in denen wir sechs von uns zuvor ausgewählte Helden dirigieren, Spezialattacken einsetzen und so versuchen, mit möglichst wenigen Verlusten siegreich aus der Auseinandersetzung hervorzugehen. Zwar bringt The Banner Saga 3 einige Änderungen in die bekannte Formel wie etwa Gefechte gegen mehrere Wellen von Feinden, grundsätzlich mangelt es trotzdem stark an Abwechslung. Zudem hatten wir im dritten Teil das Gefühl, dass unsere nun schon sehr hochstufigen Helden etwas zu stark in den Kämpfen waren; insgesamt haben wir bis zum furiosen Finale keines der Gefechte verloren, obwohl wir uns taktisch nicht immer optimal angestellt haben. Außerdem ist es schade, dass die Entwickler auch im dritten Teil nicht für die nötige Übersicht auf den Schlachtfeldern sorgen und in manchen Dialogen man nicht immer so recht weiß, was welche Antwort genau bewirkt.
Quelle: PC Games
Fans der Reihe werden sich über das Wiedersehen mit altbekannten Charakteren freuen. Ubin der Schreiber hilft uns zum Beispiel in der Stadt Arberrang aus.
Doch abseits dieser Schwächen ist The Banner Saga 3 ein gutes Spiel und ein wahrhaft episches Erlebnis. Die wunderschönen, handgezeichneten und -animierten Charaktere, die spannende Geschichte und die unterschiedlichen Ausgänge sind für einen Indie-Titel eines kleinen Studios einfach beachtlich. Fans der Reihe bekommen zudem ein gelungenes Ende präsentiert und erfahren außerdem noch allerlei über ihre liebsten Helden - alles in allem ist The Banner Saga 3 damit ein würdiger Abschluss einer herausragenden Trilogie.
Metacritic bewertet das Spiel mit 83%.
