Tetris-Special: Ein Blick auf die lange Geschichte des Puzzle-Klassikers
Special
Viele von uns kennen Tetris noch durch den Gameboy, doch selbst heute ist der Klassiker sehr beliebt. Aktuell versucht Tetris 99 das altbekannte Spielprinzip in das Genre des Battle-Royal einzufügen. Doch bis es dazu kam, ist jede Menge passiert und Tetris machte nicht halt davor, sich immer wieder selbst neu zu erfinden. In unserem Special geben wir euch einen Überblick über die Geschichte des wohl beliebtesten Puzzle-Spiels aller Zeiten, beleuchten die kuriosesten Titel und präsentieren euch die aktuellsten Tetris-Ableger.
Selbst im Jahre 2019 ist Tetris immer noch aktuell. Mit Tetris 99 begibt sich der Klassiker in das Battle-Royal-Genre und, man mag es kaum glauben, funktioniert dabei noch richtig gut. Grundlage dafür ist natürlich das fast unveränderte Spielprinzip. Jenes hat dabei bereits 35 Jahre auf dem Buckel. Doch woher genau stammt Tetris, wie viele Versionen gibt es und was hat das mit Hüten zu tun hat? Die Antworten dazu, findet ihr in unserem Tetris-Special.
Inhaltsverzeichnis
Die Anfänge
Entstanden ist Tetris 1984 durch den russischen Programmierer Alexei Leonidowitsch Paschitnow. Die Idee basiert aber auf dem Brettspiel Pentomino, indem mit Bausteinen versucht werden muss, eine Fläche aus fünf Quadraten zu bauen. Auf dieser Grundlage hin wurde das erste Tetris-Spiel von Paschitnow entwickelt. Zwar war dies noch in Schwarz-Weiß und ohne Musik, doch bereits die erste Version wurde bereits sehr beliebt. Wenige Monate danach folgte eine Version mit Farben, die vor allem in der Sowjetunion Erfolg feierte. Der Name Tetris setzte sich übrigens aus den Worten Tetromino (eine Fläche aus vier Quadraten) und Tennis, dem Lieblingssport von Paschitnow, zusammen.
Der große Erfolg
Quelle: PC Games
Dieses Bild ist wohl dem meisten bekannt: Tetris für den Gameboy.
Der große Durchbruch folgte aber erst fünf Jahre danach dank Nintendo. Auf dem NES konnte sich Tetris bereits über acht Millionen-mal verkaufen. Zusammen mit Nintendos ersten tragbaren Konsole, den Gameboy, konnte aber ein noch größerer Erfolg gefeiert werden. Ganze 30 Millionen Exemplare des Puzzle-Spiels wanderten über die Ladentheke und Tetris war maßgeblich für den Erfolg der Konsole verantwortlich. Mit ein Grund war aber auch, dass Tetris als Bundle dem Gameboy beilag. Sogar zu zweit konnte diese Version gespielt werden, dank dem Link-Kabel des Gameboys. Zudem konnte der Gameboy mit Tetris zusammen noch einen weiteren Rekord aufstellen: Der Kosmonaut Aleksandr A. Serebrov nahm die Konsole samt Spiel im Jahre 1993 mit ins Weltall.
Die "Tris"-Reihe
Alexei Leonidowitsch Paschitnow blieb nach diesem Erfolg aber nicht tatenlos und designte neue Spiele mit dem bekannten Spielprinzip. Mit Weltris gab es 1989 den ersten Ableger in einer dreidimensionalen-Umgebung. Die Blöcke wurden nun aus einer Top-Down-Ansicht aufs Feld gelegt, ähnlich als würde man in einen Brunnen hinabsehen. Im selben Jahr erschien zudem noch Blockout, welches auf dem gleichen Prinzip beruht. Ein Blick in Blockout zeigt, dass die Bedienung zwar kompliziert und umständlich ist, doch die neue Tiefe kann dem alten Spielprinzip etwas abgewinnen. Nur nach kurzer Zeit waren bereits Muster zu erkennen und der Titel konnte für eine kurze Zeit begeistern. Auf Dauer konnte der Ausflug in die dritte Dimension dem ursprünglichen Tetris jedoch nicht das Wasser reichen.
Nur ein Jahr später folgten dann zwei weitere Titel in der sogenannten "Tris"-Reihe und diese sind herrlich absurd. In Hatris mussten Hüte auf Köpfen gestapelt werden, der Nachfolger Faces...Tris III verzichtete dann auf die Hüte und es mussten Gesichter zusammengebastelt werden. Beide Ableger waren wenig erfolgreich und sind, wahrscheinlich auch zu Recht, in der Vergessenheit versunken.
Der Nachfolger
Der eigentliche Nachfolger der Tetris-Reihe folgte 1993 von Nintendo. Tetris 2 sieht auf den ersten Blick aus wie das ursprüngliche Spiel. Die herabfallende Blöcke bestanden jedoch aus verschiedenen farblichen Quadraten. Wurden drei Quadrate verbunden, lösten sich diese auf. Zu dem Zeitpunkt war dieses Spielprinzip nichts Neues mehr, drei Jahre zuvor erschien nämlich Dr. Mario mit dem gleichen Prinzip.
Ausflug in die virtuelle Welt
Tetris hat es übrigens auf mehr als 65 Plattformen geschafft und jede aktuelle Konsole besitzt mindestens zwei Tetris-Teile. Bei mehr als 140 verschiedenen Ablegern kommt es natürlich vor, dass nicht alle Titel Kassenschlager werden. Dass dafür auch die Plattform verantwortlich sein kann, zeigen die folgenden zwei Titel. Denn 3D Tetris und V-Tetris erschienen für den gefloppten Virtual Boy von Nintendo. Während V-Tetris lediglich eine normale Variante des Klassikers ist, versucht 3D Tetris sich an dem Brunnen-Prinzip von Weltris und Blockout. Zusammen mit der Konsole verkauften sich beide Titel nicht ansatzweise gut.
Ende der 90er
Kurz vor dem neuen Jahrhundert wurde es nochmal richtig kompliziert um die unterschiedlichen Tetris-Titel. Tetris 4D für den Sega Dreamcast ist, nicht wie der Name sagt, eine verrückte Version und eine Spielerei mit der dritten Dimension. Tatsächlich handelt es sich nur um das klassische Tetris. Tetris 64 war dies im Prinzip auch, kam aber mit einen Gimmick daher: Durch einen Biosensor, den man sich ans Ohr steckte, wurde der Puls des Spielers gemessen und dadurch die Geschwindigkeit des Spiels beeinflusst. Dies war aber nicht der neue Ableger von Nintendo. Das japanische Unternehmen brachte nämlich im Jahre 1999 The New Tetris auf den Markt. Zum ersten Mal konnte hier ein Stein gehalten werden und auch der T-Spin wurde offiziell eingeführt. Nicht verwechseln sollte man diesen Ableger mit The Next Tetris, welches für die Playstation 1 erschien.
Aktuelle Titel
Quelle: Sega
Puyo Puyo Tetris erfand das Genre nicht neu, kombinierte aber sehr gut zwei Puzzle-Spiele
Danach wurde es erstmal etwas ruhiger. Jede Konsole erhielt einen Tetris-Titel, doch verrückte Spielereien waren hier nicht mit dabei. Viel mehr konzentrierte man sich auf die Perfektion des bekannten Spielprinzips. Erst wieder im Jahre 2014 konnte Puyo Puyo Tetris einen interessanten Kniff in das Puzzle-Genre bringen. Statt hier nur Tetris zu spielen, wechselt das Spiel zwischendurch zu Puyo Puyo. Letzteres ist hier im Westen nicht sehr bekannt, vergleichbar ist es aber mit Dr. Mario. Durch diese Mischung konnte Tetris erneut begeistern. Zudem kann der Titel auf der Nintendo Switch ebenso überall gespielt werden, fast wie damals mit dem Gameboy. Ebenso bietet Puyo Puyo Tetris eine Kampagne mit richtiger Geschichte. Dieser Singleplayer ist vor allem beliebt bei Speedrunnern, die Bestzeit liegt aktuell bei 59 Stunden und 12 Minuten.
Natürlich durfte eine Version für das Smartphone nicht fehlen. In dem Bereich ist wohl die beste Variante von Electronic Arts, welche bereits mehr als zehn Millionen Downloads verbucht. Bei den mobilen Version trat aber schnell ein Problem auf: Die Bedienung ohne haptisches Feedback fiel eher schwierig aus. Für diesen Zweck gibt es in der bereits genannten Tetris-App von EA die One-Touch-Steuerung. Statt die Steine wirklich zu bewegen, werden einen nur Positionen angezeigt an den der Stein liegen soll und durchs Berühren fallen diese an Ort und Stelle. Diese Funktion sorgt für Zwiespalt. Zwar lässt sich dadurch Tetris sehr angenehm am Handy mit nur einem Finger bedienen, doch es fehlt an wirklicher Herausforderung und Spieltiefe ist nicht mehr gegeben. Nichtsdestotrotz kann auch zur ursprünglichen Steuerung mit Gesten zum Drehen und Platzieren der Tetromino genutzt werden. Das braucht etwas Eingewöhnungszeit und fühlt sich nie richtig gut an, kann aber kurzzeitigen Spaß aufkommen lassen.
Seit Tetris seine ersten Erfolge gefeiert hat, gibt es viele Nachahmer. Daher gibt es auch etliche Versionen für Smartphones. Aus Lizenzgründen darf natürlich nicht der Original-Name verwendet werden, stattdessen finden sich Ableger mit Namen wie Tetra Classic oder Classic Bricks Tetromino Game in den Stores wieder. Auch für den Browser gibt es zahlreiche Klone des Klassikers, besonders angetan waren wir aber von Jstris. In dieser Version dürft ihr eigene Lobbys erstellen, Regeln festlegen und gegen sieben andere Spieler antreten.
Wer schon immer mal Tetris mit seiner TV-Fernbedienung steuern will, kann dies nun auch tun. Der Amazon Fire TV Stick kommt mit einer eigenen Version daher. Ihr seht, der Klassiker macht vor keiner Plattform halt.
Eine weitere Neuinterpretation gab es im letzten Jahr: Tetris Effect besteht im Kern immer noch aus dem typischen Gameplay, doch alles Drumherum wurde ersetzt. Die Kampagne des PS4-exklusiven Titels kann man gut mit einer spirituellen Reise vergleichen. Großartige visuelle Effekte neben dem Spielfeld können beeindrucken und vor allem der Soundtrack, der sich dynamisch dem Spiel anpasst, zieht einen dann komplett in seinem Bann. Wem das noch nicht reicht, kann die gesamte Erfahrung auch in Virtual Reality erleben. Wer eine PS VR sein eigenen nennt, sollte mal einen Blick auf Tetris Effect werfen.Den namengebenden Tetris Effekt, oder auch Tetris-Syndrom genannt, gibt es übrigens wirklich. Dieser tritt auf, wenn Personen besonders viel Zeit mit den Spiel verbrachten und danach begannen in der wirklichen Welt Muster aus dem Spiel zu sehen.
Mit Tetris 99 ist in diesen Jahr der neuste Ableger von Nintendo erschienen. Gegen 99 weitere Spieler anzutreten, mit dem Ziel der letzte Überlebende zu sein, führt zu spannenden Duellen. Tetris 99 zeigt: Selbst heute noch funktioniert das Spielprinzip. Über 100 Millionen Mal hat sich Tetris verkauft und ist ein fester Bestandteil der Popkultur. Die Reise wird dabei wohl kaum ihr Ende gefunden haben.
