Schlimmer als Freddy Krüger und Michael Myers? So wurde Art the Clown zur Horrorikone

Special Vivien Ziermann
Schlimmer als Freddy Krüger und Michael Myers? So wurde Art the Clown zur Horrorikone
Quelle: Dark Age Cinema. All rights reserved.

Horrorfilme gibt es viele, Horrorikonen sind dagegen rar. Wie ist es Art the Clown gelungen, sich in kürzester Zeit auf das Treppchen des Grauens neben Größen Freddy Krüger und Michael Myers zu metzeln?

Die Tage werden dunkler, die Nächte werden länger - die perfekte Jahreszeit, um sich vor dem Fernseher oder dem PC einmal so richtig zu gruseln. Im Horrorgenre gibt es ohne Frage jede Menge Auswahl. Ob übernatürlicher Horror, psychologischer Horror oder die klassischen Slasher- und Splattervertreter, für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Und natürlich ist Horror nichts ohne das eingängige Böse, das Zuschauer, Spieler und Protagonisten in Angst und Schrecken versetzt. Über Jahrzehnte hinweg haben sich Horrorbösewichte wie Freddy Krüger, Michael Myers oder Jason Voorhees als Genreikonen etabliert, sodass man diese Namen unwillkürlich mit Angst und Schrecken verbindet.

Inzwischen haben Franchises wie Freitag der 13., Nightmare on Elmstreet und Halloween einige Jahre auf dem Buckel und zählen zu den Klassikern des Horrorgenres. Neuen Reihen ist es selten gelungen, echte Horrorikonen des 21. Jahrhunderts ins Leben zu rufen, stattdessen wird häufig auf die beliebten Bösewichte zurückgegriffen und ein Reboot oder die nächste Fortsetzung gedreht. Da stellt sich die Frage, ob es denn in der heutigen Zeit nicht mehr möglich ist, eine echte Horrorikone ins Leben zu rufen.

Und ob! Den Schöpfern des Terrifier-Franchises ist es gelungen, in weniger als zehn Jahren und mit nur drei Filmen, eine neue Horrorikone zu kreieren: Art the Clown. Der stumme Grusel-Clown metzelt sich fröhlich seinen Weg durch alle drei Terrifier-Teile und steht dabei Horrorlegenden wie Freddy Krüger oder Michael Myers in nichts nach. Doch wie hat Terrifier etwas geschafft, das anderen erfolgreichen Horror-Franchises der letzten Jahre wie Conjuring oder Insidious nicht gelungen ist?

Die Entstehung einer ikonischen Horrorfigur

Um diese Frage zu beantworten, muss man zuerst einen Blick darauf werfen, wie eine Ikone entsteht und warum Horror eigentlich so beliebt ist. Ersteres ist einfach. Ursprünglich aus dem Christentum stammend, bezeichnet der Begriff Ikone seit der angestiegenen Popularität moderner Massenmedien eine Person oder Sache, die mit ihrer Einzigartigkeit, individuellen Errungenschaften oder herausragenden Taten als Symbol einer bestimmten Sache gilt oder diese verkörpert.

Um eine Ikone zu werden, muss man also durch herausragende Taten, die Erscheinung, das Auftreten, etc. eindeutig mit einer bestimmten Sache verbunden werden.

Die Frage, warum Horror eigentlich so beliebt ist, ist deutlich schwieriger zu beantworten. Seit Jahren erforschen Psychologen anhand verschiedener Studien, warum viele Menschen von Horror regelrecht angezogen werden, und es gibt unzählige Theorien. Tatsache ist, dass der Mensch von Natur aus eine morbide Neugier insbesondere in Bezug auf den Tod und das Leben nach dem Tod hat.

Nicht ohne Grund fand das Horrorgenre in der Beschäftigung mit dem Jenseits seine Anfänge. Denn der Mensch fürchtet sich vor dem, was er nicht versteht. Und das Leben nach dem Tod wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben.

Erst seit dem 20. Jahrhundert spielen Themen wie Wahnsinn oder Grausamkeiten eine starke Rolle. Außerdem wurde während dieses Zeitraums mit dem Einzug der Serienmörder das Slasher- und Splatter-Subgenre geboren.

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Den stärksten Theorien zufolge liegt die Faszination für Horror und Morbidität häufig in einem von drei Aspekten:

  1. Der Suche nach dem Nervenkitzel, ohne sich echter Gefahr auszusetzen

    Wenn Menschen sich bedroht oder eingeengt fühlen, setzen sie Adrenalin frei, was wie ein Rausch wirken kann. Nachdem man während des Films unter permanenter Anspannung steht, kann das Ende so einen Zustand emotionaler Entspannung auslösen.

  2. Dem unterbewussten, evolutionär bedingten Wunsch, eine potenzielle Bedrohung zu erkennen

    Dieser Theorie zufolge schlummert in jedem der Wunsch, eine vermeintliche Bedrohung zu erkennen und zu verstehen, um diese, sollte man damit konfrontiert werden, besser handhaben zu können. Auch hier spielt der Punkt, dass man sich dabei nicht tatsächlich in Gefahr begibt, sondern das Geschehen aus der Sicherheit der eigenen vier Wände heraus verfolgt, eine zentrale Rolle.

  3. Dem Trainieren der Seele für die Schrecken dieser Welt

    Horrorregisseur Wes Craven (Nightmare on Elmstreet, Scream) sagte einmal, Horrorfilme seien wie ein Bootcamp für die Seele. Je mehr Grausamkeiten wir im Film oder in Videospielen sehen, desto mehr Dopamin setzt der Körper frei. Außerdem werden Teile des Hirns aktiviert, die mit Schmerz und dem Kampf- oder Fluchtreflex in Verbindung stehen. Der häufige Genuss von Horrorfilmen führe demnach dazu, dass Körper und Seele mit derlei Situationen besser vertraut sind und man mit dem realen Schrecken in unserer Welt besser umgehen kann.

Ob einer dieser Punkte tatsächlich zutrifft, ist allerdings stark abhängig vom Charakter und den prägenden Erlebnissen jedes einzelnen.

Was aber ohne Zweifel schon immer Ziel des Horrorgenres war: Es will verängstigen, erschrecken oder Ekel auslösen, allen voran aber schockieren. Dabei können die gewählten Themen als Metapher für größere Ängste einer Gesellschaft stehen. Bezeichnend ist jedoch stets die Legitimation von Gewalt.

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