Review: Teenage Mutant Ninja Turtles

Test David Bergmann

Die Kult-Kröten sind zurück -- in einem kindgerechten Remake von Prince of Persia. Und das beweist: Die mutierten Riesen-Reptilien haben ihre beste Tage hinter sich.

Leonardo, Donatello, Michelangelo und Raphael -- so die Namen vierer mutierter Pizza-süchtiger Riesenschildkröten, die von einer mutierten Riesenratte aufgezogen, im Kampfsport unterrichtet wurden und jetzt in New York für Recht und Ordnung sorgen.

Bei Donatellos Spezialangriff werden die Gegner geröstet. Jede Kröte hat eine solche Attacke, die nur in bestimmten Levels ausführbar sind. Bei Donatellos Spezialangriff werden die Gegner geröstet. Jede Kröte hat eine solche Attacke, die nur in bestimmten Levels ausführbar sind. Klingt wie eine Persiflage auf klischeehafte Marvel-Superhelden mit Waschbrett-Bauch und Perlweiß-Lächeln? Genau das hatten die Erfinder Kevin Eastman und Peter Laird auch im Sinn, als sie 1984 den ersten Comicband der Karate-Kröten veröffentlichten. Aus dem zunächst unbekannten grünen Quartett wurden schnell waschechte Stars, aus dem sehr erwachsenen Comic wurde eine weichgespülte TV-Serie für Kinder. Es folgten Spielzeug, Videospiele, Kinofilme und irgendwann schließlich der unvermeidbare Karriereknick.

Seit 2003 versuchen sich Michelangelo und seine Brüder mit einer neuen TV-Serie wieder ins Rampenlicht zu spielen. Immerhin, zu einem neuen Kinofilm hat's gereicht. Der Streifen läuft hierzulande seit dem 12. April im Kino und hat selbstredend ein PC-Spiel im Schlepptau. Dessen Zielgruppe allerdings sind alteingesessene Turtles-Fans schon lange entwachsen.

Wie ein Prinz

Auch in luftiger Höhe müssen die Turtles -- hier Leonardo -- zu Höchstform auflaufen. Die Geschicklichkeitseinlagen sind das Highlight des gesamten Spiels. Auch in luftiger Höhe müssen die Turtles -- hier Leonardo -- zu Höchstform auflaufen. Die Geschicklichkeitseinlagen sind das Highlight des gesamten Spiels. Teenage Mutant Ninja Turtles kann seinen Stammbaum nicht verbergen. Das Action-Adventure stammt vom Prince of Persia-Team, und dementsprechend hüpfen, schwingen und kraxeln die Kröten ähnlich flink durch die 16 Levels wie der persische Prinz. Sie weichen Fallen aus, springen von Fahnenmast zu Fahnenmast, sprinten an Wänden entlang. Diese Sequenzen sind leichter als im großen Bruder, werden aber dank des abwechslungsreichen Leveldesigns niemals eintönig. Da turnt Leonardo durch den Urwald, springt Michelangelo über riesige Luftballons einer Parade, huscht Donatello durch die Kanalisation, macht Raphael in den Straßenschluchten bösen Buben den Garaus.

Die Geschicklichkeitseinlagen gehen mit einem Gamepad flott von der Hand, mit der durchwachsenen Tastatursteuerung sind wir dagegen ein ums andere Mal in den Abgrund geplumpst. Schuld daran ist mitunter allerdings auch die Kameraführung, die immer wieder nur sehr begrenzte Ausschnitte zeigt. Ein Albtraum vor allem dann, wenn bei zeitkritischen Hüpfereien der Boden unter den Krötenfüßen zusammenbricht, und wir die rettende Plattform erst in letzter Sekunde erkennen.

Wie eingeschlafene Füße

Raphael turnt in seinen Levels meist als Nightwatcher verkleidet durch die Nacht. Am Spielablauf ändert das modische Blechkostüm allerdings nichts. Raphael turnt in seinen Levels meist als Nightwatcher verkleidet durch die Nacht. Am Spielablauf ändert das modische Blechkostüm allerdings nichts. Weitaus störender wird die Kameraführung aber noch, wenn unsere Gegner in Kämpfen in tote Winkel laufen. Hier verlieren wir regelmäßig die Übersicht. Aber das passt perfekt zu den schlichtweg verhunzten Prügel-Abschnitten, an denen eigentlich nur eines stimmt: die coolen Animationen der Turtles. Spielerisch sind die Keilereien gegen die strunzdummen Gegner nämlich zum Gähnen langweilig: Mit zwei Standardangriffen malträtieren wir die hirnlosen Handlanger und lassen gelegentlich eine stärkere Attacke (die Angriffstaste länger gedrückt halten) vom Stapel. Das war's. Komboattacken? Fehlanzeige. Im Spielverlauf neue Attacken erlernen? Nicht doch.

Etwas peppiger wird's, wenn wir in manchen Levels mehrere Kröten kontrollieren. Da schnappt sich dann Donatello einen seinen Brüder und grillt die Feinde mit einem Elektroschock, oder Raphael schleudert die anderen wie Geschosse durch die Gegend. Da jedem Turtle nur ein Spezialangriff vergönnt ist, wird aber auch das schnell langweilig.

Wie überflüssig

Wenn Sie sich gut schlagen, gibt's zur Belohnung freischaltbare Videoschnipsel oder Bilder aus dem Kinofilm. Ein nettes Gimmick, aber keine echte Motivation. Wenn Sie sich gut schlagen, gibt's zur Belohnung freischaltbare Videoschnipsel oder Bilder aus dem Kinofilm. Ein nettes Gimmick, aber keine echte Motivation. Immerhin die Präsentation ist den Entwicklern aus Montreal gelungen. Auch wenn die Technik von vorgestern ist, das Zeichentrick-Flair wird wunderbar eingefangen. Zwischen den Missionen erzählen Comicstrips und gute Sprecher die unspektakuläre Geschichte. Aber auch das rettet Teenage Mutant Ninja Turtles nicht vor dem Prädikat »Kinderkram«. Erfahrene Actionfans werden schlichtweg unterfordert.

Sollten Sie sich das Spiel als beinharter Turtles-Anhänger trotz aller Warnungen kaufen wollen, stellen Sie sich auf ein extrem kurzes Vergnügen mit der grünen Bande ein. Nach nicht einmal fünf Stunden ist die Verbrecherjagd nämlich durchgespielt.

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