Tales of the Shire verspricht waschechtes Hobbit-Glück im Auenland mit echtem Herr-der-Ringe-Zauber. Doch an einer großen Lizenz hängen große Erwartungen - Auch eine ebenso große Enttäuschung?
Und wer jetzt hofft, trotz allem als glücklicher Hobbit durch das Auenland zu springen und bei einem passenden Soundtrack das gewünschte Herr-der-Ringe-Feeling zu bekommen und dafür alles andere verzeiht, den müssen wir leider enttäuschen. Das Spiel ist so leise, dass man denken könnte, man hätte vergessen, den Ton anzustellen.
Nicht nur, dass es kein einziges Lied gibt, dass auch nur im Entferntesten an den Herr-der-Ringe- oder Hobbit-Soundtrack angelehnt ist - es gibt insgesamt vielleicht drei Lieder. Und die werden nur sehr sparsam eingesetzt. Beinahe die gesamte Spielzeit lang haben wir ausschließlich das Getapse unserer Hobbitfüße gehört und je nach Wetter vielleicht ein paar Regentropfen. Auch eine Sprachausgabe gibt es nicht. Und hier haben die Entwickler womöglich ihr größtes Potenzial verschenkt.
Die akustische Untermalung der Herr-der-Ringe-Verfilmungen hat nicht umsonst mehrere Preise gewonnen und steht seit jeher maßgeblich für dieses Franchise. Natürlich ist beim Original-Soundtrack die Frage der Lizenzen und des Preises nicht außer Acht zu lassen. Doch hätte man sich an den charakteristischen Instrumenten und Klangkombinationen orientieren können, um etwas Eigenes zu kreieren, anstatt ein so stilles Spiel auf den Markt zu bringen.
Es ist eine gefährliche Sache, eine Herr-der-Ringe-Lizenz umzusetzen
Nach vielen Stunden Spielzeit und nachdem wir auch jede Jahreszeit im Auenland erlebt haben, fühlt sich Tales of the Shire schlichtweg unfertig an. Das Spiel zeigt viele gute Ansätze, die aber leider nicht mehr sind als das: Ansätze. Mit etwas mehr Entwicklungszeit, einer besseren Optimierung und vor allem mehr Sound hätte der Titel durchaus das Potenzial, zu einem richtigen Wohlfühlspiel im Auenland zu werden.
Meinung
Besonders eingefleischte Herr-der-Ringe-Fans wären so leicht abzuholen gewesen. Welcher Fan träumt denn nicht davon, nach einem anstrengenden Tag in sein Lieblingsfranchise zu flüchten und im Auenland die Seele baumeln zu lassen? Doch so macht das Spiel einfach nur traurig.
Zwar arbeiten die Entwickler weiterhin eifrig daran, besonders die Performance-Probleme in den Griff zu bekommen. Doch an den anderen Kritikpunkten wird nach aktuellem Stand nicht weiter gefeilt. Herr-der-Ringe-Fans werden sich wohl erneut mit einer Enttäuschung geschlagen geben müssen. Auf dass die nächste Lizenz-Umsetzung endlich wieder eines Spielers würdig ist.
