Tacoma im Test: Emotionales Abenteuer der Gone-Home-Macher mit spielerischen und Story-Schwächen
Test
Tacoma im Test: Nachdem sie uns in Gone Home nach Hause geschickt haben, gehen die Entwickler von Fullbright bei Tacoma einen anderen Weg und verfrachten uns in den Weltall. Hier wie dort erleben wir allerdings eine zutiefst emotionale Geschichte. Worum sie sich dreht, verraten wir aus Spoiler-Gründen nicht, dafür aber, wie gut das Abenteuer geworden ist. Alle Infos in unserem Review zu Tacoma!
Regel Nummer 1 für jede Weltraum-Forschungsstation: Irgendwann geht immer etwas schief und dann ist es an uns, als Außenseiter dorthin zu gelangen und herauszufinden, warum die Station auf einmal von Monstern überrannt oder alternativ verlassen wurde.
Im Falle von Tacoma ist letztere Variante wahr und wir sind in Gestalt der Protagonistin Amy Ferrier damit beauftragt, an Bord der namensgebenden Forschungseinrichtung Tacoma zu eruieren, was mit der Handvoll Bewohner passiert ist. Allerdings: Horror-Aficionados kommen hier nicht auf ihre Kosten. Stattdessen haben wir es mit einer ruhigen, von den Figuren getragenen Erzählung zu tun, in der wir vor allem futuristischen Audio-Aufzeichnungen lauschen, Dokumente lesen und die toll gestaltete Umgebung inspizieren, um dem Geheimnis der Tacoma auf die Schliche zu kommen. Ein klassischer Walking-Simulator also - so, wie es auch beim Erstlingswerk der Entwickler, Gone Home, der Fall war.
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Quelle: PC Games
In den Spul-Abschnitten begeben sich die Figuren oft in verschiedenste Richtungen. Wer all ihre Erlebnisse nachvollziehen will, muss also viel hin- und herspulen und durch die Gegend rennen.
Viele derselben Stärken wie dort kommen auch im Weltraum-Ausflug zum Tragen: Extrem gut geschriebene Dialoge beziehungsweise schriftliche Korrespondenzen, eine nachvollziehbare, real wirkende Welt, Atmosphäre an allen Ecken und Enden; die durchaus hübsche Grafik und die stimmige, subtile Soundkulisse und die herausragenden (englischen) Sprecher tun ein Übriges. Allerdings gelingt es dann doch nicht, den emotionalen Funken von Gone Home ein zweites Mal zum Glühen zu bringen. Dazu sind die meisten der Story-Entwicklungen im Rahmen der knapp zwei- bis dreistündigen Spielzeit zu vorhersehbar, dafür endet das Abenteuer schlussendlich etwas zu konsequenzlos. Keine Frage - sowieso stehen die grandios umgesetzten Figurenbeziehungen im Mittelpunkt, nicht der Plot. Da man sich aber deutlich mehr bemüht hat, eine spannende, überraschende Handlung umzusetzen, als es noch in Gone Home der Fall war, sticht ihre gerade einmal mittelmäßige Qualität umso deutlicher hervor.
Quelle: PC Games
Die Weltraumstation namens Tacoma ist wirklich herausragend gut gestaltet und wirkt wie ein echter Ort, in denen echte Menschen leben.
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Quelle: PC Games
Eigentlich sehr emotionale Szenen leiden unter der Entscheidung, die Figuren nur als farbige, gesichtslose Gestalten abzubilden.
Spielerisch wird primär das geboten, was man von Walking-Simulatoren gewohnt ist: nichts. Die Herausforderung darin, herumzurennen und Sachen zu lesen, ist genauso hoch, wie es sich anhört. Darauf kommt es aber in diesem Genre auch nicht an. Noch dazu haben die Entwickler tatsächlich zumindest einen Hauch von Gameplay umzusetzen versucht. So trägt unsere Protagonistin ein spezielles AR-Headset, was in Kombination mit der Tatsache, dass sämtliche Bewegungsprofile und Gespräche der Tacoma-Bewohner aufgezeichnet wurden, für ein interessantes Spielelement sorgt. Wir können nämlich an vorgesehenen Stellen mehrminütige Sequenzen abspielen, in denen die durch farbige, humanoide Hologramme dargestellten Forscher miteinander agieren und miteinander sprechen.
Quelle: PC Games
Unzählige interaktive Objekte und Dokumente erlauben uns spannende Einblicke in das Leben der Figuren.
Der Clou: Dabei bleiben sie nicht an einem Ort, sondern rennen teils durch mehrere Zimmer und spalten sich auch regelmäßig auf. Um trotzdem alles mitzubekommen, was sie sagen, sowie um auf ihre informationsreichen und nur in ausgewählten Momenten anwählbaren AR-Logbücher zuzugreifen, können wir die Dialoge und Interaktionen nach Belieben vor- und zurückspulen. Es ist tatsächlich sehr spannend, die Bewegungen der verschiedenen Figuren nachzuverfolgen und auf diese Weise mehr über sie und ihre Beziehungen untereinander herauszufinden! Allerdings bleibt auch hier der Anspruch quasi bei null.
Quelle: PC Games
In den Spul-Sequenzen machen wir uns auf die Suche nach den Momenten, in denen die AR-Logbücher der Figuren sichtbar sind, um darauf zuzugreifen.
So interessant diese Idee ist, fast das gesamte Abenteuer besteht aus ihr und trotz der kurzen Spielzeit stellt sich irgendwann ein Gefühl von Repetition ein. Zudem ist es sehr schade, dass die Figuren lediglich als gesichtslose Avatare dargestellt werden. Dadurch gelingt es nur bedingt, sich in den teils sehr emotionalen Momenten vollkommen in sie hineinzuversetzen, wodurch die - nichts desto weniger weiterhin sehr dichte - Atmosphäre leidet.
Quelle: PC Games
Die Weltraumstation namens Tacoma ist wirklich herausragend gut gestaltet und wirkt wie ein echter Ort, in denen echte Menschen leben.
Andere Spielelemente wie eingestreute optionale Minispiele, bei denen wir etwa eine Runde Billard im Aufenthaltsraum der Station spielen oder ein paar schwerelose Dunks im Eingangsbereich der Tacoma hinlegen können, sind nett, aber nur eine Ablenkung für wenige Minuten. Die Handvoll eingeflochtenen Rätsel beschränkt sich zudem auf die Suche nach Codes für Kombinationsschlösser und Schlüssel und erfordert ebenfalls keine große Portion Hirnschmalz.
Ein bisschen zu viel gewollt
Somit bleiben wir mit einem interessanten Spiel zurück, das jedoch gerade durch die Tatsache, dass es erzählerisch und spielerisch mehr versucht als der geistige Vorgänger und ihm das nicht perfekt gelingt, qualitativ hinter Letzteren zurückfällt. Alleine die toll geschriebenen Figuren und die Atmosphäre machen Tacoma aber trotz all der Kritik zu einem Must-play-Titel für Genre-Fans.
