Supraland Six Inches Under im Test: Dieses Spiel hat mehr Aufmerksamkeit verdient
Test
Was mal als DLC geplant war, präsentiert sich nun als rundum gelungene Fortsetzung: Die kompaktere Spielwelt ist vollgestopft mit cleveren Puzzles und Secrets, die Kämpfe wurden entschärft, die Grafik verschönert. Das Ergebnis :Six Inches Under überzeugt im Test als motivierendes Rätsel-Metroidvania, das jeden Cent wert ist.
Ein Spiel wie Supraland kann man leicht übersehen. Schlimmer noch: Man kann es leicht unterschätzen. Dabei hätte das charmante Metroidvania deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient. 2019 entpuppte sich das farbenfrohe Rätsel-Abenteuer als echte Indie-Überraschung, die User-Wertungen gingen regelrecht durch die Decke. Erstaunlich: Der deutsche Entwickler David Münnich stemmte das Projekt damals fast im Alleingang! Doch diese Zeiten sind vorbei: Mittlerweile hat Münnich ein kleines Team um sich versammelt, und das liefert nun sein erstes gemeinsames Spiel ab.
Supraland Six Inches Under ist im Grunde ein "Supraland 1.5". Es macht kaum etwas neu, stellt aber eine direkte Fortsetzung zum ersten Teil dar. Dabei war das Projekt eigentlich ganz anders geplant: Anfangs sollte Six Inches Under nur ein zweiter DLC (wie Superland Crash) werden, eine Art Fingerübung, mit der sich das neue Team einspielen sollte. Doch das Projekt wuchs und wuchs, bis schließlich ein vollwertiges Spiel dabei herauskam, das zum Preis von 20 Euro ordentlich Inhalt bietet: 8 Stunden Spielzeit sollten erfahrene Rätselfreunde allein für die Hauptquestreihe einplanen, wer wirklich alles entdecken will, ist bis zu 20 Stunden beschäftigt.
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Zurück in den Sandkasten
Six Inches Under knüpft zwar an den Vorgänger an, doch weil der schon wenig Wert auf seine Story legte, braucht ihr keine Vorkenntnisse. Das Wichtigste ist ohnehin schnell kapiert: Ihr seid wieder in einer heiteren Sandkastenwelt unterwegs, die von bunten kleinen Figürchen bewohnt ist, ein einladender Mikrokosmos, in dem riesige Lego-Steine, Spielzeuge, Wäscheklammern und anderer Kleinkram für ein kreatives Landschaftsbild und raffiniertes Leveldesign sorgen. Diesmal schlüpft ihr in die Rolle eines blauen Klempners, der gemeinsam mit den anderen Einwohnern in einen Erdrutsch gerät und unterhalb des Sandkastens verschüttet wird. Nun müsst ihr einen Weg zurück an die Oberfläche finden und euch dazu mit einem geldgierigen Baron herumschlagen, der in einem Hamsterkäfig eine lebendiges Dorfzentrum errichtet hat. Diese Ortschaft ist die wichtigste Anlaufstelle, denn von hier aus erkundet man die Spielwelt und macht den Weg zu mehreren Zonen frei, in die man auch jederzeit zurückkehren kann. Anders als im ersten Supraland fallen die Levels aber wesentlich kompakter aus, die Laufwege sind kürzer und das Backtracking verschlingt weniger Zeit. Das sorgt für weniger Leerlauf, außerdem gibt's eine beschriftbare Karte, mit der man leichter den Überblick behält.
Quelle: PC Games
Jede Zone setzt auf unterschiedliche Ideen und ist mit cleveren Puzzles gespickt .
Metroidvania für Puzzle-Fans
Das Gameplay ist aber nahezu unverändert: Aus der Ego-Ansicht erkundet man wieder die kindgerechte Spielwelt, die vor Rätseln, Secrets und Geheimgängen nur so strotzt. Alle paar Meter warten Puzzles und Hindernisse, an denen wir uns austoben dürfen. Vieles lässt sich da nur mit bestimmten Fähigkeiten und Werkzeugen knacken: Mit der neuen Elektrokanone aktivieren wir zum Beispiel Schalter aus der Ferne, außerdem wurde das Schwert durch eine Spitzhacke ersetzt, die bestimmte Blöcke zerstören kann. Neu sind auch die Streichhölzer, mit denen wir Barrieren aus Pappe verbrennen oder Hebel ersetzen können. Andere Upgrades kennen wir dagegen schon aus dem Vorgänger, zum Beispiel die Möglichkeit, sich an metallische Oberflächen zu hängen oder zwischen Holzobjekten praktische Energiebrücken aufzuspannen. Richtig eingesetzt, kann man mit diesen Hilfsmitteln selbst die abenteuerlichsten Winkel und Höhen der Levels erforschen; wer Spaß am Entdecken hat, kommt da voll auf seine Kosten. Trotzdem wäre mehr drin gewesen: Die Gadgets funktionieren unterm Strich zwar gut, haben für Kenner aber kaum noch Überraschungen zu bieten.
Quelle: PC Games
Ein paar wichtige Verbesserungen müssen wir mit Gold kaufen, das wir aber reichlich in den Levels finden.
Cleveres Rätseldesign
Die Rätsel sind dafür wieder ein echtes Highlight. Euch erwarten clevere Umgebungspuzzles, in denen man beispielsweise Schalter drückt, Rohre platziert, Feuer umlenkt, Scheiben demoliert, Spulen auflädt oder sich mit einem tragbaren Teleporter durch winzige Spalten zwängt. Oft muss man auch mit den unzähligen NPCs interagieren und Aufgaben wie in einem klassischen Adventure lösen, beispielsweise Schlüsselkarten umfärben, Wachleute ablenken oder hungrige Bauarbeiter mit gebratenem Fleisch versorgen. Und das war nur eine kleine Auswahl, denn die Aufgaben in Six Inches Under sind nicht nur dicht an dicht gedrängt, sondern auch ziemlich abwechslungsreich. Am schönsten ist es immer dann, wenn die Puzzles clever ineinander greifen, so zum Beispiel im Strandlevel, in dem Schalter, Sprungeinlagen, Kombinationsrätsel und Physikspielereien wunderbar verzahnt wurden. Das sorgt für Erfolgsmomente, in denen man sich jubelnd mit der flachen Hand auf die Stirn klatscht - so machen Rätsel Spaß!
Quelle: PC Games
Vor allem im späteren Spielverlauf müssen wir oft mehrere Fähigkeiten kombinieren.
Auch der Schwierigkeitsgrad hat Lob verdient, der ist diesmal nämlich etwas niedriger angesetzt als im ersten Supraland. Die Levels sind weniger verschachtelt und die Aufgaben für die Hauptquestreihe fallen nie so knifflig aus, dass wir lange stecken bleiben. Den Endboss hat man zwar schon in knapp 8 Stunden auf die Matte geschickt, doch selbst dann ist noch viel zu erledigen. Manche Upgrades und Levelbereiche werden sogar erst nach dem Abspann zugänglich! Die Nebenaufgaben und Zusatzrätsel fallen dann zum Teil auch deutlich kniffliger aus als auf dem Hauptpfad - ideal für alle, die nach dem Ende noch eine Herausforderung suchen und wirklich allen Sammelkram einsacken wollen.
Kämpfe? Weniger ist mehr!
Quelle: PC Games
Kämpfe sind nun viel seltener, außerdem wurde das Gegnerdesign spürbar verbessert.
Als Belohnung für die vielen Rätsel und Secrets winken in aller Regel Schatzkisten, die Gold oder kleinere Upgrades enthalten. Mit eurem Reichtum könnt ihr euch bei Händlern außerdem noch weitere Verbesserungen kaufen, auch wenn ihr den Großteil davon überhaupt nicht braucht. Viele Upgrades zielen nämlich nur darauf ab, eure Lebenspunkte, Waffenreichweite oder kritische Trefferchance, sprich: eure Kampfkraft zu erhöhen. Ironischerweise spielt genau die aber nur noch eine sehr kleine Rolle, denn nach der Kritik am ersten Supraland wurden die Gefechte massiv zurückgeschraubt. Gegner spawnen beispielsweise nur noch in bestimmten Zonen und stören euch nicht mehr beim Rätseln, hin und wieder landet ihr auch in kleinen Arenen, in denen mehrere Wellen nacheinander angreifen. Das Gute daran: Sind die Feinde erst mal besiegt, bleiben sie tot, es gibt keine nervigen Respawns mehr. Obwohl die Gefechte also nur noch sehr wenig Spielzeit einnehmen, haben die Entwickler das Kampfsystem und vor allem die Gegner ein wenig verbessert: Diesmal greifen euch beispielsweise Skelette mit Holzschilden an, die ihr mit eurem Energiestrahler in Abgründe zerren könnt. Neu sind auch die fliegenden Feinde, die sich am besten mit dem Elektroschocker bekämpfen lassen. Die ungelenke rote Laserwumme aus dem ersten Supraland wurde übrigens gestrichen, dadurch fallen die Gefechte weniger Shooter-lastig aus als früher. Gut so!
Farbenfrohe Kinderwelt
Auch grafisch hat Six Inches Under kleine Fortschritte gemacht: Der unverwechselbare Stil bleibt zwar erhalten, aber hübschere Beleuchtung, dezente Spiegeleffekte und bessere Gegneranimationen sorgen für eine schönere Optik als im ersten Spiel. Das alles ist aber nichts gegen das, was sich die Entwickler für den offiziellen Nachfolger vorgenommen haben! Das offiziell angekündigte Supraland 2 heißt mittlerweile Supraworld und lässt euch nach dem Sandkasten diesmal ein komplettes Kinderzimmer erkunden. Das Spiel wird auf der Unreal Engine 5 basieren - und wie toll das später mal aussehen soll, hat David Münnich bereits in einem ersten Video präsentiert.
Bildergalerie
Supraland Six Inches Under bietet keine Sprachausgabe, aber komplett deutsche Texte. Das Spiel kostet etwa 20 Euro, auf Steam gibt's auch eine Demo. Bislang ist nur eine PC-Version erschienen, Konsolenfassungen sind (noch) nicht angekündigt.
