Super Mario Sunshine: Retro-Special zu Marios Sommer-Abenteuer auf dem Gamecube

Special Lukas Schmid
Super Mario Sunshine: Retro-Special zu Marios Sommer-Abenteuer auf dem Gamecube
Quelle: Nintendo

Super Mario Odyssey bricht derzeit alle Rekorde und gilt für manche als das beste Mario-Spiel überhaupt. Aber nicht alle 3D-Hüpfer rund um den pummeligen Klempner waren zum Release dermaßen beliebt - auf dem Gamecube sorgte sein sonnigstes Abenteuer für Kontroversen.

Wenn ein Videospiel-Held weiß, was es heißt, hart zu arbeiten, dann wohl Super Mario! Wenn er nicht gerade Prinzessin Peach vor dem bösen Bowser rettet, dann fährt er Kart, spielt Tennis, löst Picross-Rätsel, verausgabt sich beim Fußball, beweist sein Golftalent, muss ab und an wohl auch seiner eigentlichen Profession als Klempner nachgehen und hat noch viele, viele weitere Aktivitäten, in denen er sich auspowern muss. Wer also, wenn nicht er, würde es mehr verdienen, einmal in den Sommerurlaub zu fahren und am weißen Sandstrand, das Rauschen des Meeres in den Ohren, die Seele baumeln zu lassen?

Das ist auch der Plan, den Mario, Peach und Toad-Konsorten zu Beginn von Super Mario Sunshin­e pflegen. Doch erstens kommt es anders und zweitens erwartet sie statt der angepriesenen idyllischen Sonnenuntergänge und der leckeren Fruchtsäfte eine wahrlich böse Überraschung: Die Insel wird von einer seltsamen Seuche geplagt, einer Art giftigen Farbe, die sich über weite Teile des Eilands gelegt hat. Und der Schuldige an der ganzen Misere ist - Mario! Nun, zumindest denken das die Behörden, denn auch wenn seine wabernde Farbgebung so gar nicht dem typischen Styl­e des bärtigen Klempners entspricht, so ist seine gesund-moppelige Körperform doch relativ eindeutig erkennbar. Es kommt zur Verhaftung nach der Ankunft, später sieht sich Mario vor Gericht verurteilt und mit der Aufgabe konfrontiert, die Insel von der glibberigen Masse zu befreien - und natürlich will er gleichzeitig dem wahren Übeltäter das Handwerk legen.

Sonnenanbeter

Der Dreckweg 08/17 wird im Laufe des Abenteuers um zusätzliche Funktionen erweitert.  Auf diese Weise können wir nicht nur Wasser spritzen, sondern auch durch die Gegend düsen, uns in höchste Höhen feuern und für kurze Zeit durch die Luft schweben. Quelle: PC Games Der Dreckweg 08/17 wird im Laufe des Abenteuers um zusätzliche Funktionen erweitert.  Auf diese Weise können wir nicht nur Wasser spritzen, sondern auch durch die Gegend düsen, uns in höchste Höhen feuern und für kurze Zeit durch die Luft schweben. Zum Glück muss der Pilzgericht-Liebhaber diese Mammutaufgabe nicht alleine und mit der Scheuerbürste in der Hand erledigen. Stattdessen schließt sich ihm der sogenannte Dreckweg 08/17 an, eine an den Rücken schnallbare Wasserpistole, die noch dazu selbstständig denken kann. Kenner von Luigi's Mansion horchen auf - ja, der freundliche Flüssigkeitenverteiler stammt natürlich, wie sein Staubsauger-Gegenstück Schreckweg 08/16, aus der Ideenschmiede des ebenso liebenswerten wie durchgeknallten Wissenschaftlers Professor I. Gidd. Bis auf diesen kleinen Querverweis stehen die beiden Spiele aber in keiner Relation zueinander - und auch spielerisch könnten sie nicht weiter voneinander entfernt sein. Wo Luigi's Mansion ein gemächliches, sehr lineares Action-Adventure ist, handelt es sich bei Super Mario Sunshine um ein ausladendes, die Reaktionsfähigkeit forderndes 3D-Jump&Run.

Die Einbindung der (seltenen) Zwischensequenzen ist nicht ideal gelungen. Erstens sind die englischen Sprecher alles andere als gut gewählt, zweitens wirken diese Filmchen überraschend amateuerhaft programmiert und zudem seltsam texturiert. Quelle: PC Games Die Einbindung der (seltenen) Zwischensequenzen ist nicht ideal gelungen. Erstens sind die englischen Sprecher alles andere als gut gewählt, zweitens wirken diese Filmchen überraschend amateuerhaft programmiert und zudem seltsam texturiert. Unsere Aufgaben sind also: hüpfen, Bosse besiegen, Herausforderungen bestehen - und natürlich alles aufklauben, was nicht bei drei auf der Kokospalme ist. Gemeint sind hier natürlich die bekannten gelben Münzen. Für die gibt es einerseits 1-ups, wenn man genug gesammelt hat, und andererseits pro Level bei 100 ergatterten Exemplaren eine Insignie. Apropos Insignie­n: Diese stellen das Super Mari­o Sunshine-Gegenstück zu den Sternen beziehungsweise Monden aus Super Mario 64, den beiden Galaxy-Ablegern und Super Mario Odyssey dar und sind somit das wichtigste Collectible im Spiel. Insgesamt gibt es 120 Stück zu entdecken und um in neue Levels zu gelangen, ist dafür stets eine gewisse Menge der golden glitzernden Kostbarkeiten notwendig.

Wasser marsch!

In Super Mario Odyssey sind es Monde, in Super Mario 64 und den Galaxy-Teilen Sterne – und in Super Mario Sunshine gilt es, Sonnen-Insignien zu sammeln. Quelle: PC Games In Super Mario Odyssey sind es Monde, in Super Mario 64 und den Galaxy-Teilen Sterne – und in Super Mario Sunshine gilt es, Sonnen-Insignien zu sammeln. Anstatt auf der Suche nach den Insignien rein auf unser Sprungtalent setzen zu müssen, verfügen wir dank des Dreckweg 08/17 über eine Handvoll zusätzlicher praktischer Fähigkeiten. Von Haus aus können wir damit Wasser versprühen, um etwa Gegner zu besiegen, großflächig Farbe zu beseitigen oder Graffiti wegzuwaschen, unter denen sich manchmal versteckte Gegenstände befinden. Von Anfang an als Sekundärfunktion vorhanden sind zwei Düsen, dank derer wir kurzzeitig durch die Luft schweben und dadurch etwa kleine Abgründe überwinden können. Später lernen wir noch zwei weitere Dreckweg-Fertigkeiten kennen, die wir an den Schwebedüsen aktivieren können, wenn wir eine entsprechende Box aufsammeln. Nummer eins lässt uns auf Knopfdruck blitzschnell in die Höhe sausen, wodurch wir an Orte gelangen, die uns sonst nicht zugänglich wären. Nummer zwei platziert einen Propeller hinter uns und lässt uns mit gewaltigem Tempo durch die Gegend rasen.

Alle Funktionen des Dreckweg 08/17 benötigen übrigens Wasser - unseren Vorrat können wir aber dankenswerterweise überall auftanken, wo das feuchte Nass zu finden ist. Das Gameplay ändert sich durch dieses hinzugekommene Spielelement recht drastisch. Nicht immer sind unsere Sprungtalente gefragt, um voranzukommen, oft reicht einfach der geschickte Einsatz der verschiedenen Düsen. Das ist einerseits schade, andererseits ergeben sich dadurch aber natürlich auch viele neue Gameplay-Ideen beziehungsweise mögliche Kombinationen aus dem normalen und dem erweiterten Moveset, die einem auf den ersten Blick gar nicht in den Sinn kommen. Ein wenig ist dies vergleichbar mit den kreativen Bewegungsmanövern, die sich in Super Mario Odyssey durch die belebte Mütze Cappy ergeben.

Die eisigen Zeiten sind vorbei

Was hat es mit dem seltsamen Mario-Klon auf sich, der Isla Delfino mit fieser Farbe zukleistert und zudem regelmäßig versucht, Prinzessin Peach zu entführen, woraufhin wir ihn von dieser Tat abhalten müssen? Das erfahren wir im Laufe der Geschichte. Quelle: PC Games Was hat es mit dem seltsamen Mario-Klon auf sich, der Isla Delfino mit fieser Farbe zukleistert und zudem regelmäßig versucht, Prinzessin Peach zu entführen, woraufhin wir ihn von dieser Tat abhalten müssen? Das erfahren wir im Laufe der Geschichte. Also alles gut soweit. Es ist nur blöd, dass die Kameraführung ziemlich in den Sand gesetzt wurde. In anspruchsvollen Passagen beziehungsweise in engen Gebieten passiert es viel zu oft, dass selbige an irgendwelchen Objekten hängen bleibt und wir dadurch nicht die ideale Sicht haben. Man lernt, damit umzugehen, nervig ist dieser Umstand aber dennoch. Apropos anspruchsvolle Passagen: Auch unter vielen Spielern, die Super Mario Sunshine nicht mögen - dazu gleich mehr - gelten jene Abschnitte als Highlight, in denen wir des Dreckweg 08/17 beraubt werden und uns ohne ihn durch anspruchsvolle Hüpfparcours begeben müssen.

In jedem Level sind diese blauen Münzen versteckt – teilweise an sehr obskuren Orten. Wer alle Insignien haben will, muss aber zwangsweise alle Münzen finden. Quelle: PC Games In jedem Level sind diese blauen Münzen versteckt – teilweise an sehr obskuren Orten. Wer alle Insignien haben will, muss aber zwangsweise alle Münzen finden. Diese in speziellen, leicht surreal anmutenden Räumen angesiedelten Herausforderungen sind teilweise verdammt schwer zu meistern, machen aber jede Menge Laune. Auf deutlich weniger kollektive Zustimmung traf damals (und trifft auch heute noch) die Tatsache, dass die "normalen" Level thematisch deutlich weniger abwechslungsreich daherkommen als man das von Super Mario gewohnt ist. Wir befinden uns nun einmal auf einer sonnengefluteten Insel - Eislevel, Wüsten­abschnitte und Co. würden hier also keinen Sinn ergeben. Bis heute wird Sunshine diese Beschränkung oft zum Vorwurf gemacht. Dabei ist es durchaus beeindruckend, was die Entwickler trotzdem an kreativen Ideen in die verschiedenen Welten gestopft haben. Da erwarten uns etwa ein riesiger Baum voller Pilze, auf der sogar Palma - die Einwohner von Isla Delfino - leben.

Relativ häufig verschlägt es uns in besondere Abschnitte, in denen wir unseres treuen Begleiters, dem Dreckweg 08/17, beraubt werden. Ohne seine Hilfe müssen wir dann teils sehr knackige Hüpfpassagen bestehen. Ein absolutes Spielspaß-Highlight! Quelle: PC Games Relativ häufig verschlägt es uns in besondere Abschnitte, in denen wir unseres treuen Begleiters, dem Dreckweg 08/17, beraubt werden. Ohne seine Hilfe müssen wir dann teils sehr knackige Hüpfpassagen bestehen. Ein absolutes Spielspaß-Highlight! Dann wäre da noch ein idyllischer Strand samt Luxushotel, in dem uns Geister das Leben schwer machen und ein Kasino besucht werden kann, ein riesiger Wasserfall, ein Hafendorf voller riesiger Metallkräne und noch viel mehr. Ja, die Sonne scheint überall - langweilig wird einem hier aber dennoch nie. Ein größeres Problem stellen da schon die Missionsarten dar, die sich teilweise etwas zu häufig wiederholen. Das gilt aber für fast alle Mario-3D-Hüpfer - das Sammeln von roten Münzen in Super Mario 64 strotzte auch nicht gerade vor Abwechslung. Bloß bei den Bossen hat man es wirklich übertrieben: Ein paar davon erhalten nur einen Auftritt, aber manche, wie etwa Blooper oder die Piranha-Pflanze, stellen sich uns viel zu häufig in den Weg und verlangen meist auch keine Änderung unserer Strategie.

Blau, blau, blau ist die Münze

Was bis heute vielen Mario-Fans vielleicht am sauersten aufstößt, sind die blauen Münzen. Davon sind in jedem Level stets gut 20 bis 30 Stück versteckt. Jeweils zehn davon können wir in der Oberwelt gegen eine Insignie eintauschen. So weit, so gut. Allerdings haben es die Entwickler beim Verstecken gehörig übertrieben. Oft befinden sich die Münzen hinter Graffiti oder liegen einfach rum, mindestens genauso oft aber müssen völlig willkürlich gewählte Stellen mit Wasser besprüht werden, damit sie aufploppen. Ja, man entwickelt ein gewisses Gefühl dafür, wo sich eine der blauen Kostbarkeiten verstecken könnte. Das ändert aber nichts daran, dass es schlicht und ergreifend nicht allzu viel Spaß macht, nach ihnen zu suchen - vor allem, wenn einem in einem Level nur noch ein Exemplar fehlt und man nicht auf eine Komplettlösung zurückgreifen will.

Einige Bosskämpfe wie jener gegen einen riesigen Wiggler oder auch das finale Gefecht gegen Bowser sind toll gestaltet und machen viel Spaß. Andere Kämpfe wie jener gegen Blooper sind auch unterhaltsam, wiederholen sich aber viel zu häufig. Quelle: PC Games Einige Bosskämpfe wie jener gegen einen riesigen Wiggler oder auch das finale Gefecht gegen Bowser sind toll gestaltet und machen viel Spaß. Andere Kämpfe wie jener gegen Blooper sind auch unterhaltsam, wiederholen sich aber viel zu häufig. Manche Insignien sind dafür relativ banal versteckt, da reicht es dann zum Beispiel, einfach einen goldenen Vogel kurz mit Wasser zu besprühen. Auch die Einbindung von Kult-Dino Yoshi ins Gameplay ist nicht ideal geglückt. Meist können wir uns nicht darauf konzentrieren, fröhlich auf ihm durch die Gegend zu reiten, sondern sind mit der Aufgabe beschäftigt, seinen sich stetig leerenden Magen mit Obst zu füllen. Ist die entsprechende Anzeige leer, macht sich das zuckersüße Reptil kurzerhand vom Acker und auch bei jeglichem Kontakt mit Wasser vertschüsst er sich. Insgesamt betrachtet gibt es also eine doch etwas zu hohe Anzahl an Insignien, die sich hinter nicht allzu berauschenden Aufgaben verstecken. Jedoch stehen diesen mindestens ebenso viele geniale Herausforderungen und die brillante Levelgestaltung gegenüber.

Dem sonnigen Insel-Setting ist es geschuldet, dass Eis- oder Wüstenlevel in Sunshine keine Rolle spielen. Trotzdem überzeugen die Entwickler mit tollen Ideen für die Welten, etwa einem Vergnügungspark, einem riesigen Baum oder einem Luxushotel. Quelle: PC Games Dem sonnigen Insel-Setting ist es geschuldet, dass Eis- oder Wüstenlevel in Sunshine keine Rolle spielen. Trotzdem überzeugen die Entwickler mit tollen Ideen für die Welten, etwa einem Vergnügungspark, einem riesigen Baum oder einem Luxushotel. Die ebenfalls mit Geheimnissen vollgestopfte Oberwelt des Spiels, das Städtchen Piazzale Delfino, ist unserer Meinung nach sogar noch besser gelungen als das ikonische Schloss aus Super Mario 64! Da verzeihen wir die genannten Kritikpunkte gerne - und regen uns auch nicht allzu sehr über die schon beim Release des Spiels im Jahr 2002 dilettantisch gemachten und ziemlich furchtbar vertonten Zwischensequenzen auf.

Spielspaß-Sonnenschein

Der kurze Level Collina Korona hat keinen guten Ruf unter Mario-Fans. Quelle: PC Games Der kurze Level Collina Korona hat keinen guten Ruf unter Mario-Fans. Alles in allem ist Super Mario Sunshine nämlich, wie eigentlich alle 3D-Hüpfer rund um den pummeligen Klempner, ein spielspaßtechnisch herausragendes Abenteuer - damals wie heute. Es ist beeindruckend, wie viel Liebe zum Detail und Abwechslungsreichtum in die Gestaltung der Welt und der Aufgaben gesteckt wurden. Nicht alles ist super und im Vergleich mit Super Mario 64 und den beiden Galaxy-Teilen sowie Super Mario Odyssey ist Sunshine durch das ungewöhnliche Setting und die Konzentration auf den Dreckweg 08/17 ein wenig ein Außenseiter. Trotzdem aber spielt es locker in deren Liga mit!

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