Super Mario Land 2: 6 Golden Coins - bis heute ein zeitloser Retro-Klassiker
Special
Mario besitzt ein Schloss. Stimmt doch gar nicht? Stimmt ja wohl, wie dieser Retro-Klassiker für den Game Boy beweist! Macht das Hüpf-Abenteuer auch heute noch Spaß? Dieser Frage gehen wir in unserem Retro-Special zu Super Mario Land 2: 6 Golden Coins auf den Grund - inklusive Retro-Video!
Nintendo ist ja nicht gerade dafür bekannt, in den hauseigenen Spielereihen allzu oft zusammenhängende Geschichten zu erzählen, vor allem nicht im Falle von Super Mario.
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Umso beeindruckender, dass Super Mario Land 2: 6 Golden Coins schon 1993 gegen den Trend ging und eine direkte Fortsetzung zum ersten Super Mario Land darstellt (lest in diesem Zusammenhang unbedingt unser Special zu Super Mario Land). Nachdem er Prinzessin Daisy in Sarasaland gerettet hat, kehrt Mario ins Mario-Land zurück (das Pilzkönigreich war damals offenbar noch nicht fester Wohnsitz des Klempners).
Dort hat der fiese Wario in der Zwischenzeit die Kontrolle über Marios Schloss übernommen. Das kann der Pilz-Conoisseur natürlich nicht auf sich sitzen lassen und macht sich auf, die sechs titelgebenden goldenen Münzen zu sammeln, welche für das Betreten des Schlosses notwendig sind, und dem fiesen Obermotz den Garaus zu machen. Mario-Land? Ein Schloss für Mario? Ja, auf die interne Serienlogik pfeift Super Mario Land 2 geflissentlich. Auch der in diesem Spiel debütierende Wario war anno dazumal eine reichlich seltsame Idee. Und auch sonst bietet der Titel Gegner und Level-Thematiken, die man so in keinem Mario-Spiel davor oder danach gesehen hat.
Robo-Größenwahn
Quelle: PC Games
Super Mario Land 2 ist nicht so seltsam-andersartig wie der Vorgänger, hat aber auch genügend bizarre Elemente zu bieten. Wie wäre es etwa mit diesen Grusel-Gegnern?
Wie wäre es zum Beispiel mit einem Gebiet, dessen Levels allesamt im Inneren eines riesigen Mario-Roboters angesiedelt sind? Oder einem Areal im Inneren einer gewaltigen Schildkröte? Oder in der Krone eines gewaltigen Baumes? Ja, hier wird etwas mehr geboten als das übliche Wiese-Wüste-Lava-Strand-Schema. Fast scheint es so, als hätte sich Nintendo auf dem Game Boy generell etwas gewagtere Szenarien und Ideen erlaubt, siehe auch The Legend of Zelda: Link's Awakening. Wie wäre es nach dem Zelda-Remake (wir empfehlen euch unsere Vorschau zum Remake von The Legend of Zelda: Link's Awakening inklusive Vergleich mit dem Original) mit einer erweiterten Neuinterpretation des Mario-Hüpfers für Switch?
Fast schon Open World
Auch in Sachen Struktur geht 6 Golden Coins eigene Wege. Statt einer linearen Levelabfolge wie Super Mario Land und die ersten beiden Super Mario Bros. -Spiele setzt der Titel - ebenso wie Super Mario Bros. 3 und Super Mario World - auf eine Oberwelt, von der aus man zu den verschiedenen Welten gelangt. Der Twist ist der, dass man von Anfang an jedes Gebiet in beliebiger Reihenfolge absolvieren kann. Innerhalb der sechs frei anwählbaren Gebiete muss dann lediglich eine kleine Handvoll Levels in vorgegebener Abfolge besucht werden, meistens zwei bis drei Stück vor einem finalen Gebiet mit einem Boss am Ende. Zusätzlich erwarten uns mehrere geheime Abschnitte, zu denen wir gelangen, indem wir versteckte Türen in den primären Levels entdecken.
Quelle: PC Games
In welcher Reihenfolge wir die verschiedenen Areale der Oberwelt bestreiten, steht uns völlig frei. Auch einige geheime Levels warten darauf, erkundet zu werden.
In diesen Arealen finden wir dann entweder Extraleben in Hülle und Fülle oder sie dienen als Abkürzung, um schneller zum Boss eines Gebietes zu kommen. Für das Bezwingen eines Obermotzes erhält man eine der heiß begehrten goldenen Münzen. Schwer sind diese Fieslinge nicht - Mario-typisch reichen im Normalfall drei Treffer, um sie außer Gefecht zu setzen. Aber auch bei ihnen zeigt sich der Wille der Entwickler, ungewöhnliche Wege zu gehen. Statt Bowser, Koopalingen und Co. treffen wir hier auf wirklich einzigartige Gesellen. Im Detail sind es neben Wario selbst ein riesiger Vogel, ein Oktopus, die drei Schweinchen in ihren Hütten aus Stroh, Holz und Stein (!), eine Hexe, eine gewaltige Ratte und Tatanga, der Außerirdische, der im Vorgänger als finaler Obermotz fungierte. Auch bei den Standard-Gegnern wird bis auf einige Ausnahmen nicht auf Wiedererkennungswert gesetzt. Ein Bär auf einem kullernden Ball und eine Ameise mit Stachelhelm klingen ja noch relativ normal. Eine Hockeymaske mit Messer im Schädel, Schirme mit menschlichen Füßen und Kuh-Wal-Hybriden schon weniger.
There and back again
Quelle: PC Games
Der Kampf gegen Wario ist eine der größten Herausforderungen – vor allem, da wir bei einem K. o. noch einmal den langen und schweren letzten Level bewältigen müssen.
Spielerisch hingegen überzeugt Super Mario Land 2 mit Vertrautem und geht damit wiederum in eine andere Richtung als der erste Mario Land-Hüpfspaß. Der nämlich hatte wenig gemein mit dem, was Nintendo zuvor auf dem NES etabliert hatte, wohl auch, weil die Entwickler angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Launchspiel für den Game Boy handelte, noch nicht mit der Hardware vertraut waren und entsprechend ein ziemlich simplifiziertes Spielerlebnis ablieferten. Der Nachfolger hingegen schickt uns in teilweise relativ weitläufige Levels, die nicht nur von links nach rechts laufen, sondern auch nach oben und unten offen sind.
Besser noch und damit einhergehend: nachscrollende Bildschirme, die es unmöglich machen, im Level zurückzulaufen, gibt es nicht mehr, stattdessen können wir die Gebiete nach Lust und Laune erforschen. Dadurch entpuppt sich das Abenteuer als wesentlich vielfältiger als der Vorgänger. So haben wir ja schon erwähnt, dass es an allen möglichen Orten geheime Ausgänge zu finden gibt, welche uns in Extralevels befördern. Aber auch ansonsten warten allerlei versteckte Räume mit Zusatzleben, Münzen und anderen Goodies. Wer will, ist in etwa einer bis anderthalb Stunden durch das Abenteuer durch.
Fast wie bei den Großen
Wer alles entdecken will und sich Zeit lässt, darf aber noch einmal eine gute Stunde drauflegen. Das ist zwar noch immer keine gewaltige Spielzeit, für damalige Game-Boy-Verhältnisse aber durchaus respektabel. Besonders schön: Nach jedem abgeschlossenen Level wird sogar unser Spielstand gesichert! Anders als in zahlreichen anderen Jump & Runs seiner Zeit verlangt Super Mario Land 2 also nicht, dass wir bei jedem Spielstart wieder von vorne loslegen. Aber aufgepasst: Verlieren wir all unsere Leben, so wandern die goldenen Münzen zu ihren Besitzern zurück und wir müssen alle Bosse ein weiteres Mal bezwingen!
Quelle: PC Games
Tatanga, seines Zeichens finaler Boss des ersten Super Mario Land, tritt in der Fortsetzung nur als Zwischenboss auf. Eine ganz schön gemeine Degradierung!
Gut, dass das immer wieder Spaß macht, was auch an der sehr präzisen Steuerung liegt. Mit dem Steuerkreuz bewegen wir Mario, mit A springen wir, mit B laufen wir schneller respektive heben Gegenstände auf. Im Grunde handelt es sich um eine vereinfachte Form des kurz zuvor veröffentlichten Super Mario World, was sich schon daran zeigt, dass Mario in seiner großen Gestalt einen Bohrersprung ähnlich jenem aus dem SNES-Abenteuer ausführen kann, um Blöcke zu zerdeppern. In Sachen Power-ups ist die Auswahl mit nur zwei echten Helferlein bescheiden, dafür werden diese aber auch sehr häufig genutzt. Die Feuerblume lässt uns wie üblich Feuerbälle schießen, die neu für das Spiel ersonnene Karotte verleiht uns Hasenohren und erlaubt es uns, flatternd gewaltige Strecken in der Luft zurückzulegen. 6 Golden Coins implementiert ohne allzu drastische Kompromisse zahlreiche Elemente aus den 16-Bit-Spielen und reichert sie zusätzlich mit eigenen Ideen und der ihm eigenen, einzigartigen Atmosphäre an. Wahrlich keine schlechte Leistung!
Alte Schönheit
Quelle: PC Games
Die drei kleinen Schweinchen aus dem Märchen als Endgegner. Warum? Warum nicht!
Auch technisch konnte sich das Spiel dereinst sehen lassen und ist sogar heutzutage noch nett anzusehen. Anstelle der winzigen Sprites aus dem ersten Teil erwarten uns hier deutlich größere Modelle, allen voran jenes von Mario selbst. Trotz der arg eingeschränkten Möglichkeiten und der Schwarz-Weiß-Darstellung beziehungsweise der Darstellung in Grüntönen besitzt jeder Abschnitt und jeder Level einen eigenen, unverwechselbaren Charakter, der von den ohrwurmtauglichen Melodien nur noch weiter unterstrichen wird. Ein unverwechselbarer Charakter - das trifft auch auf das Spiel im Ganzen zu. Wie schon das erste Super Mario Land wagt auch die Fortsetzung viel Neues, ist dabei aber noch deutlich erfolgreicher und somit eines der erinnerungswürdigsten Mario-Spiele und ein verdienter Klassiker.
Euch hat unser Retro-Special gefallen oder ihr habt sonstwie etwas dazu zu sagen? Dann ab mich euch in den Kommentarbereich! Lest außerdem gerne unser Retro-Special zum Nachfolger Wario Land: Super Mario Land 3, sowie zum Kirby-Debut Kirby's Dreamland!
